geführ,
n. ein älteres oberd. wort in mehrfachem sinn. 11)
förderung, nutzen, nützlichkeit u. a. (
s. c). 1@aa)
so ahd. gifuori
commodum, lucrum, emolumentum, compendium, wie ungifuori
incommodum, detrimentum, damnum, dispendium u. ä., s. Graff 3, 601
ff.; ebenso mhd. gevüere
und ungevüere,
s. wb. 3, 265.
auch noch sinnlicher ahd. al kifuari
supellectile, plur. alliu kifuori
utensilia, also hausrat, geräte (
vgl. u. c),
ursprünglich aber vermutlich alles was zum faran
gehört, was fuorit,
vorwärtsbringt, was man sich denn in die wanderzeit zurück versetzen und da entstanden denken kann; man vergl. das vorige adj. gifuori
förderlich. auch alts. gifôri
commodum, mlat. auch in roman. landen gaforium,
s. Diez
altrom. gloss. 32, Ducange,
vgl. unter c. 1@bb)
mhd. besonders in formelhafter verbindung mit êre,
wie sonst auch frum und êre,
als gegensatz zu schade und schande
oder scham,
z. b.: swer volget guoter lêre, der gewinnet (
im leben) frum und êre.
Helmbr. 332. 288,
vergl. das entsprechende scham
und schade
v. 335
fg. so mit gevüere
z. b. (
s. die wbb.): daʒ sie (
die putzsüchtige frau) ein tœrin ist ze allen nützen dingen und in dem hûse ze nihtiu guot ist ze êren noch ze gefuore (
so) als ander hûsfrouwen. Berth. 415, 31 (
vgl. unter geführig Wittenw.); sît der selben stat êre und gevuore aller meist an den wîngarten lît.
Wiener handfeste 288.
Und so noch fort bis ins 16.
jahrh.: also das meinem herrn dem probst recht geschehe nach des stifts gefür und nach meins herrn des bischofs eer.
weisth. 1, 754. 756,
elsäss.; wir wollen auch unser banier zu diesem landfriden senden, wanne oder wo man sin (
dort) bedarf, also dasz wirs getrauwen dasz wirs ehr und geführ haben. Scherz 496, Frisch 1, 308
b,
d. h. wo wir vertrauen können, dasz es uns nicht zu unehre und schaden gereiche; ach herr, du kommst in grosze gefähr und auch dein weib sampt ehr und gführ. Frischlin.
Sus. 343.
Auch in der schreibung, d. h. aussprache gefier: so wurd es basz stan in etlichen fürstenthumen und maniger bleiben in ehr und gefier bei seinen gütern, weib und kindern. Scherz 495
aus Ecks
pred. 5, 57; da der ackerman vor tisch ir ehr und gefier antastet, horten sis ... mit groszem gelechter. S.
Frank weltb. 1567 20
b,
vgl. unter ehre 6; (
schwätzerinnen) die den leuten zu zeiten ir hab und guot, etwa ehr und gefier (das in lieber ist, auch nöter thuot dann hab und guot) mit irem bösen maul stelen.
sprichw. 2, 200
b (
in der Züricher ausg. 2, 76
b); wan man sie (
die bösen weiber) aber heiszt, das dem mann oder heuslichem nutz zu ehr und gefier vor gott und der welt dient .. 2, 204
a (2, 80
a); nun haben die haiden erkant, wie alle eer und gefier durch sewisch wesen zuo grund gehe.
ders. trunkenh. l 4
b (d ij); bisz sies umb haus, hoff, ehr und gefier bringen.
Agricola spr. 140
a; andern ehr und gefier mit irem bösen maul stelen. 278
b,
es ist offenbar in und mit dieser formel ausgestorben, nachdem der eigentliche sinn schon verdunkelt war. 1@cc)
aber der begriff nutzen, vortheil genügt da oft nicht mehr, er hat sich offenbar weiter entwickelt. dafür zeugt schon, dasz er noch besonders ausgesprochen wird und getrennt vorausgeht, wie im folgenden: ich vergich .. staed ze haben alle die ordnung, die an disen brief geschrieben stet .. und der kirchen hie zu allem heiligen nutze frumen, er und gefier werfen (
d. h. werben). Scherz 495,
es ist wol gedeihlicher zustand gemeint (geführ,
gedeyen Frisch 1, 308
b),
wie u. b. mehrmals bei Frank, Eck,
auch in den mhd. stellen schon anklingend und schon ahd. in '
prosperitas',
s. auch kiforo
prospero, felici Graff 3, 600;
einigemal, besonders in der ersten stelle aus Frank
scheint es aber auch völlig in die bedeutung von eer
übergetreten, also in den sittlichen bereich gezogen, und auch ahd. wird schon einmal honor mit givuori
glossiert. Und noch anders ahd., vom hause selber: zi sînemo gifuare faran Otfr. I, 4, 82, '
in villam suam'
in einer gl. Graff 3, 601,
wie es scheint haus und häusliches behagen als éin begriff, d. h. wie mhd. gemach,
vergl. mhd. ze gevüere unt ze gemache
Iw. 6539
mit eben dem begriffe und grases gifuari Otfr. III, 6, 33,
wiesengrund zum bequemen lagern für das heri,
das gifuari
der seligen im himmel V, 23, 127,
behaglichkeit und freude, '
gemach'.
Aber auch noch anders ahd., für aufwand; wer ein haus bauen will, musz berechnen thiu gifuoru thiu thâr nôtthurft sint (sumptus computare)
Tat. 67, 12;
vgl. gifuari Otfr. IV, 8, 27
von den zurüstungen zum ostermahl, mlat. vom j. 1027 per fodrum aut per ullum gaforium Diez
a. a. o., zu leistende fourage '
oder irgendwelche beisteuer'
ist wol der sinn, eigentlich was dienlich oder nötig ist, ursprünglich wol zum faran,
reisen (
s. unter a),
dann zu irgend welchem zwecke, vgl. unter a '
utensilia, supellectile' (
und z. b. geschirr
von hausgerät und pferd- und wagenzubehör).
der begriffskreis war offenbar ein weit entwickelter, gibt auch im mhd. noch genauer zu forschen, wo das wort schon im rückgange war, im 16.
jh. nur noch in einem zipfelchen übrig. vergl. auch mnl. gevoer Oudemans 2, 641. 22)
aber nhd. auch ganz anders, alem., recht wie im ausgesuchten gegensatz zum vorigen: das gfr oder mist eines thiers,
fimus, onus ciborum. Maaler 182
b; gefr und kaat, schlymerächtig ding das von menschen gadt,
retrimentum. 162
c; diese hat in der muschel ein loch, durch welches sein gefhr auszgehet. Forer
fischb. 147
b; zu welcher zeit er (
der vielfrasz) sich zwüschend zwen enge böum durchstreift, sein gefr oder kad auszutrucken.
thierb. (1583) 158
a.
gegenwärtig heiszt das schweiz. fuhr,
gespr. fuer f. koth von menschen und thieren ('
eigentlich abführung aus dem körper') Stalder 1, 403.
es wird ein schonender ausdruck sein, wie koth
selber, d. h. eigentlich das schlechte, unrat,
eigentlich unbrauchbares, s. über solchen zartsinn unsrer vorfahren V, 1890. 33)
es ist doch eins mit dem ersten geführ,
beide zusammen können uns auf die sinnlichste quelle des ganzen führen. das schweiz. fuhr
koth musz zunächst eins sein mit fuhr
nahrung, speise, futter, ahd. fuora (
s. sp. 429),
in schonendem sinne angewandt auf abgehendes futter, speisereste o. ä. (
man vergl. z. b. das lat. onus ciborum
bei Maaler
vorhin). fuora
als speise aber wird ursprünglich bedeuten '
was wieder faran
macht',
den müden wieder stärkt, erquickt, speise und trank, wie man jetzt sagt essen und trinken brachte mich wieder auf die beine (
nachdem ich mich übermüdet hatte legen müssen).
und auch in gifuori
klingt das an, wenn bei Otfried
Christus als wegemüder mann die Samariterin um einen trunk anspricht: wib, quad er innân thes,gib mir thes drinkannes, wird mir zi gifuare,thaʒ ich mih nu gikuale (
erquicke). II, 14, 16,
werde mir zur stärkung, zur förderung (
eigentlich als wanderer);
auch sie braucht das wort, da sie nachher ihn um eine förderung, erquickung im geistlichen sinne bittet: thu mohtîs, quad siu, einan ruamjoh ein gifuari mir giduan, (
dasz du) mit themo brunnen, thu nu quîst,mih wênegûn gidranktîst. II, 14, 43;
das geht dann zugleich von selbst in die abstracte bed. unterstützende leistung (
s. u. 1,
c, bes. das mlat. fodrum gaforium),
noch abstracter in nutzen über. fuorôn
nähren, füttern (
sp. 430)
ist erst von fuora
speise gebildet, aber gifuori,
auch das gleichlautende adj. (
s. das vorige),
halten sich in form und sinn dicht bei fuorian, '
fahren machen'. 44)
ein mhd. gevüere
fuhrwerk aus Mones
zeitschr. 7, 215,
bei Lexer 1, 968,
vgl. frankfurtisch aus dem 15.
jh. gefuerze
ebenso das. 970.