gebräme,
n. verbrämung, mhd. gebræme. II.
Belege. I@11)
gebräme, gebräm,
auch im 16.
jahrh. alem., wo das ä
meist rein blieb: dasz die juden breite borten und gebräm an iren röcken tragen. Fischart
bien. 143
a; das schön gepräm, die fransen, karsaminpasament.
Garg. 114
b (
Sch. 206); und hab der magd ins gbräm genist.
flöhhatz 801
Sch., gpräm Kurz 2, 29; gebräm an der mützen, zobelgebräme, fuchsgebräme Stieler 216; gebräme,
petagium, limbus, fimbria Steinbach 1, 178; den mägden wird hiermit verboten alles gebräme an den mützen von zobeln und zobelschwänzen, auszer die welche gefärbet sein (
d. h. falsche, vgl. kunterbunt 2,
d, kitzmädern).
Danziger willkür 1783
s. 150.
so, von pelzverbrämung, kennt es Adelung
allein noch aus seiner zeit. bildlich: ists möglich, deck' ihr gebräm .. die blöszen meines gedichts. Thümmel 5, 476; darum suchte er zur gröszern vollkommenheit die kleinern (
menschen) als gebräme und eckenbeschläge mit so vielem eifer auf. J. Paul
Hesp. 1, 70. I@22)
gebreme u. ä.: cestus, das gebreme,
acupictum, vorbremet. Trochus M ij
b (
vorher fimbria saum),
vgl. Dief. 116
b; von einem seiden kleide mit angelaufenen falten und niderlendischem gebreme oder anderm hohem gebreme, dieweil solche brem ein mal oder zwir angeschlagen werden, futerlon j gulden.
Leipziger ordn. 1544 D ij
a; die flittern, die gebreme, die schnürlin.
Jes. 3, 20.
Nah. 3, 5; und gehet vil auf macherlon, wenn man hauben, gepreme und porten knippen, klecklen und klippen sol. Mathesius
hochzeitpr. K 3
a,
sie wurden also geklöppelt, geknüpft; mit ausgehabenen und verschnürten gepremen.
das.; ausgehawene und verschnürte gebreme und schweife.
Sar. 10
a; die bauren brauchen sein (
des iltis) fellwerk zun gebremen der mützen. Coler
hausb. 215. IIII.
Entstehung und geschichte des wortes, die oben unter bräme
und auch sonst noch dunkel gelassen ist. II@11) gebräme
ist coll. zu dem fem. bräme, breme (
s. d.)
oder subst. verb. zu brämen, bremen,
verbrämen. II@1@aa)
mhd. sind bezeugt gebræme
und bræmen (
s. Lexer 1, 759. 349): ein mederîn gebræme (: genæme) ûf einem hôhen gollier. Otacher
reimchr. 80
b; enge ermel treit er lanc, die sint vor gebræmet (: vlæmet). Ben.
beitr. 322, Neidh. 81, 40,
mit var. mit sîden wol gebræmet,
was denn auch mit dem bloszen gebræmet
gemeint sein mag; mit schînât,
einer fischhaut: bestellet und gebræmet (: geschræmet) mit schînâte was daʒ cleit.
troj. kr. 2982. 20257
K. eigen ist später mhd. bröumen: des wil die frowe ein lîsten hân, dâ mite sô wil sie iren mantel bröumen (: tröumen).
Kolm. meist. s. 247 (
hs. bremen);
vgl. bair. bräunen
für brämen
unter 4,
b. II@1@bb)
auch das spätere prem von samat oder ander seiden
bei Lexer 1, 348
aus den Nürnb. pol. 96
ist nichts als präm,
d. h. wol gebräme (
nach sp. 1606
ff.),
wie schon Schmeller 1, 258
diese form auffaszte: ein präm von weiszem hermlein. Westenr.
beitr. 3, 132; neben anderem thäten an dem undern brämb des klaids 366 guldene schellen hangen. Schm.
aus Abr. a S. Cl.; ein gesticktes oder gestepts brem,
limbus pictus, ein gewirktes
[] brem, bleg,
limbus textilis. Henisch 488; das brem an einem bnterrock,
segmenta. das.; brähm,
limbus. Dief.
nov. gl. 235
b aus einem Prager voc. von 1723.
So noch bair. bräm
n., österr brām (
d. h. â
gleich mhd. æ),
gebräme Höfer 1, 105,
z. b. das bram
an einer ohrhaube, am pelze, am rocke, bram
verbrämung Castelli 93.
schweiz. demin. brämli
n. gebräme, z. b. an der brämlichappe,
mütze mit pelzrand Tobler 73
b.
in Kärnten als masc. prâm Lexer 38,
durch mischung mit 'prâm
m. ruszstreifen, ruszfleck',
obwol sich auch brâ
braue (
s. unter d)
als m. findet Vintler 7919
var. siebenb. brêm
n., alle arten von fell, die zur verbrämung dienen, 'bräm'. Haltrich 90. II@1@cc)
im 15.
jh. und gewiss älter auch prem
eines schildes, wappenschildes, in der heraldik, brämende zierat: auch solich farb braucht der purggraf in dem prem seines schilts. L. Meisterlin
Nürnb. chr. 93, 15,
mit lehrreicher var. prembde,
die eine nebenform gebrämde
n. bezeugt (
s. sp. 1616),
s. auch bei Frisch 1, 124
c. II@22)
das angebliche mhd. brëm,
zeitwort brëmen
in den wbb., das nur auf jenem späteren prAem
bei Schmeller
fuszt, ist also zu streichen (
wird aber doch sein leben in den wbb. noch lange fortschleppen).
weiter führt eine nebenform brewen, mrh. 14.
jh.: eʒ sol ouch ir deheine keinen rock oder mantel brewen (
also selbst, im hause) oder dragen gebrewet mit belzwerke, buntwerke, mit siden oder zendel breiter denne zweier twerchvinger breit, oben unde niht unden, wanne unden sol kein rok oder mantel gebrewet sin.
Speirer kleiderordn. von 1356 Mones
zeitschr. 7, 59,
anz. d. germ. mus. 4, 175,
das ist brêwen,
genauer bræwen, und als subst. dazu stimmt nl. brauwe
limbus pelliceus, ora pellicea vestis, ora e pelle lanata Kil., braeuwe Oudemans 1, 800 (
schon bei Halma
nicht mehr).
am Oberrhein brôhe, Frisch 1, 124
c gibt aus der Straszb. pol. ordn. von 1628
s. 46: die mägde sollen keinen belz über zehen gulden werth tragen, riemen, blaig (
s.bleg
bei Henisch
unter b) und brohe mit eingerechnet;
auch von kappen ist die rede und ihrem zeug, futter, brohe,
von grauen belzbrohen
u. a. II@33)
das ist aber der name der augenbraue. II@3@aa)
ahd. brâwa,
nl. brauwe
cilium Kil.,
dem elsäss. brôhe
entsprechend im 15.
jh. augebrahe, augenbroe
cilium Dief. 118
c,
supercilium 566
c, auprahe
palpebra 407
c;
es ist wie bei krähe,
die auch ahd. chrâwa,
mhd. krâwe, krâhe,
später auch krôwe, kroe, krohe, kraue
heiszt. Und auch die m-
form erscheint hier ebenso, denn es heiszt bair. augbrám (á
gleich æ), brám
f. und n., schon im voc. 1419 prAem,
s. Schm. 1, 242,
österr. augenbrām Höfer 1, 106,
auch schweiz. hie und da augbrame Stald. 1, 220,
tirol. augnbrâm, ôgebrêm Schöpf 53. 52;
im 18.
jahrh. bei Kirsch 1, 1051
b supercilium, augbraunen, augbräme (
plur.),
bei Steinbach 1, 178 (
vgl. 189) augenbrame;
doch auch mnd. findet sich oghenbram Dief. 566
c. II@3@bb)
die einheit beider begriffe musz noch dem 13.
jahrh. klar gewesen sein, wenn es da von den augen einer frau heiszt: darumb gebræwet ist ein zûn, darunder (
d. h. unter den augen) siht man liehtiu wengel rasten.
MSH. 2, 32
a,
die brauen als schützender und zierender zaun der augen, als augenverbrämung, d. h. in bræwen
flieszt da der gedanke an das gebräme und die brauen völlig zusammen, also wieder ein allgemeiner begriff vom menschlichen leibe entlehnt und erweitert. denn dasz nicht umgekehrt ursprünglich die brauen als verbrämung benannt sind, wie Stieler 217, Steinbach, Frisch
meinten und noch J. Grimm
oben unter bram
n. (
das selbst nichts als gebräme
ist, nach 1,
b),
dafür bürgt die urverwandtschaft des ersten mit griech. ὀφρύς,
sanskr. bhrû
u. s. w., augenbraue. II@3@cc)
eine ähnliche sprachliche und begriffliche verwendung der braue zeigt schweiz. braue, brauwe
f., scharfer rand z. b. eines holzes, dazu z. b. entbrauwen
abschärfen, des scharfen randes berauben, s. Stalder 1, 220 (
vgl. altn. brŷna
schärfen, zu brûn
nachher);
auch das nl. brauwe
ora, extremus ambitus bei Kil.
wird zugleich so gemeint sein; engl. brow
augenbraue ist auch bergrand und waldrand, die ja sachlich oft zusammenfallen (
vgl. hd. brane
unter 4,
c).
ebenso altn. brûn
f. augenbraue auch für rand Egilsson 84
b,
z. b. dagsbrûn
der lichtrand am himmel beim morgengrauen (
norw. auch dagsrand),
auch himmelsrand überhaupt 93
b, îsbrûn
eiskante Fritzner 328
b,
ein gewisser vorstehender seitenbalken am hause hiesz brûnâss
m. 75
a,
der augenbraue verglichen, ganz wie lat. supercilium
auch für ähnliche vorsprünge am hause gebraucht war, auszerdem für bergrand u. ähnl., wie griech. ὀφρύς.
auch das gebräme ist zugleich ein vorstehender und schützender rand, und alles das ein fall der ursprünglich allgemeinen vermenschlichung äuszerer dinge. [] II@44)
aber die wortform gibt noch fragen auf. II@4@aa)
die form mit -m
musz wol von da ausgegangen sein, wo schon die braue das -m
hat, also am wahrscheinlichsten aus dem bair. sprachgebiete (
s. 3,
a),
wohin auch die mhd. belege u. 1,
a hauptsächlich gehören, musz sich aber verbreitet haben getrennt von der form für die braue, vermutlich getragen von einem fortschritt im handwerk, etwa in der kürschnerei. danach wäre sie von dort eingeführt ins md. und nd., etwa im 14.
jahrh., da nd. bremen
verbrämen, bremelse
n. verbrämung schon da erscheint, wesentlich von pelzgepräme, s. Sch.
u. Lübben 1, 421
a,
im 16.
jh. z. b.: toga pura, ein mansrock ane bremels. Chytraeus 226;
limbus, eines frowenrockes bremels. 232;
jetzt z. b. in der Altmark bräm,
pelzvorsatz an mütze und rock, als m., s. Danneil 23
b.
Das Rheinland blieb nach 2
lange bei seiner form, aber nl. gibt schon Kil.
auch verbremen, verbraemen,
doch ausdrücklich als sächsisch, auch hier von brauwe
gebräme sich trennend. entlehnt auch dän. brämme,
schwed. bräm
n. m., mundartlich auch von der krämpe der mütze, des hutes Rietz 62
a,
norw. dagegen ins nordische umgesetzt bryning
f., d. h. zu brun
gezogen (
s. 3,
c) Aasen 86
a. 84
b.
Auszerdem im slav., z. b. poln. brama
f., dagegen slowak. prám,
böhm. prém, prým,
worin die östr. form wiederzuerkennen ist, wie wol auch in dem siebenb. brêm
unter 1,
b. es war eben ein wanderndes culturwort geworden. II@4@bb)
aber woher das -m
selbst? und der umlaut? ein bræme
etwa unmittelbar aus brâwe
ist unmöglich, von einer umlautsform des letzteren keine spur. zwar tauschen -w
und -m
gerade im bair. und alem., s. Schmeller
bair. gr. s. 156. 118, Weinh.
bair. gr. s. 144,
alem. gr. s. 132,
aber kaum so frei stehend und nach langem tonvocal, und ob so früh? doch der bair. plur. brâm,
die brauen, ist begreiflich und regelrecht aus brâwn
pl. (Schm. 1, 242),
wie z. b. pfâm
aus mhd. pfâwen
pfauen (Weinh.
bair. gr.);
der sing. dagegen, das n. brâm
kann eben nur gebræme
sein, auf die brauen rückwärts übertragen. So müszte im bair. mhd. zuerst bræmen
für bræwen
entstanden sein, aus jenem pl. brâwn (
vgl.zesme
für zeswe
schon bei Suchenwirt),
und daraus erst gebræme.
das fem. bräme
aber, das übrigens erst sehr spät wirklich bezeugt ist, könnte nur auf dem pl. bräme (
d. i. gebräme)
fuszen, daraus rückwärts entnommen; denn auch gebräme
war gern im pl. gebraucht, s. unter I,
vgl. das. unter 2 brem
plur. aus den Leipziger stadtordn. Dasselbe ist wol übrigens schwäb., am Bodensee bräme
f. weiszgrauer nebelrand, der einen gewittersturm ankündigt, s. Schmid 91;
dazu bair. ein wetter brämt (
oder bräunt) sich an,
von wolken am rande des gesichtskreises, s. Schm. 1, 258;
vgl. nord. brûn
vom himmelsrande unter 3,
c. s. auch bräme
waldrand unter c. II@4@cc)
zu erwähnen ist doch auch die form mit -n,
die für die braue erscheint, s. augenbraune, augenbran,
sing. augenbrane
f. Herder
lit. u. k. (1809) 11, 307,
und dasselbe ist gewiss brane f. waldrand (
z. b. bei Leipzig),
also wie engl. brow
unter 3,
c, vom felde aus gesehen der braue verglichen; es heiszt auch prone, brome, brame
und bräme,
im forstwesen, rand von laubholz an feld, wiese, wald (
s. Adelung
unter brame 2),
wie auprôn,
palpebra Dief. 407
c (
für augbrôn).
das -n,
das aus dem plur. mhd. brân
wol begreiflich ist, erscheint doch auch schon im altn. brûn
f. neben brâ
f., kurz das wort zeigt nach form und inhalt ein altes reiches leben, dem noch tiefer nachzugehen wäre, wollte man das einzelne sicher beurtheilen. II@55)
noch abweichender ist übrigens eine form brach für die braue: augprach
n. Schm. 1, 242, auchprach
cilium Dief.
nov. gl. 90
a (
noch kärnt. in âprechn
augenwimpern Lexer 39);
auch augbrag
palpebra Dief. 407
c, ougenbrage
cilium 118
c,
das -g
wol als vertreter des -h
in dem häufigen brahe
das.; das stimmt aber zum goth. brahv und zieht dieses sicher herzu, brahv augins,
ῥιπὴ ὀφθαλμοῦ 1 Cor. 15, 52,
die goth. form liegt hd. gleichsam vertheilt vor in braue
und diesem brahe, brach,
wie in genau
und nahe
das goth. nêhva (
s.gähe I,
c). brahv
aber musz wol eigentlich das blinken des auges sein, wie es durch die bewegung der wimpern (
mhd. wintbrâ)
bestimmt wird; damit nähert sich denn weiter auch mhd. brehen
flimmernd, zitternd glänzen, altn. brâ, brjâ,
das mhd. wort vom glanze der sonne, sterne u. ä., aber auch der augen, noch im 15.
jh. (
s. unter brehen),
womit jenes brach, brahe
auch selbst gleich zusammenhängen kann. denn der begriff der braue
ist wirklich gleichsam verschiebbar, wie Schmeller 1, 242
fragweise vorbrachte, er umfaszt die ganze augengegend von der behaarung des augenknochens bis zum untern augenliede, sodasz sowol die wimpern als die augenlieder selbst, ja der obere augenknochen selbst damit bezeichnet wurde (
wie ähnlich bei lat. cilium, supercilium),
vgl. etwas entsprechendes [] unter kinn 1,
b ff., kinnbacken 2,
kommt doch ahd. vor '
mala praon' Haupt 5, 356, Graff 3, 315,
also braue
vom augenknochen übertragen auf den backenknochen, wie dessen fortsetzung unterm auge; danach ist die erstreckung auf die lichtbewegung des auges selber, von der bewegung der wimpern ausgehend, ganz glaublich. ob nicht aber zugleich ein frühes verwachsen verschiedener wortstämme vorliegt, wie sich mhd. brehen
deutlich im sprachbewusztsein mit brechen
vermengte, ist eine weitere frage. vgl. Diefenbach
goth. wb. 1, 316. 2, 754.