fürsprache,
f. ,
ein, worauf auch das nd. fem. vorsprake (
brem. wb. 5, 459)
in seiner bedeutung weisen dürfte, auf älterem, wenn gleich in anderem sinne gebrauchten vorsprache (
s. d.),
ahd. forasprâhha,
beruhendes, aber unter der starken einwirkung von fürsprechen (
s. d.)
entstandenes wort, das am frühesten in Matthias Kramers 1719
erschienenem nd. - hochd. u. hochd. - nd. wb. auftaucht, und zwar findet sich da thl. 2, 77
b fürsprach
nebst fürspruch
als synonym mit fürbitte,
doch 1, 487
a vorsprach.
dabei an beiden stellen steht nnl. voorspraak,
an der letzten hauptsächlich nnl. voorspreeking.
dagegen hat er in dem von ihm 1678
herausgegebenen deutsch-ital. wb., vor welchem er sich Krämer
nennt, weder fürsprache
noch vorsprache,
woraus sich schlieszen läszt, dasz keins von beiden wörtern damals im gebrauche gewesen ist. in den wörterbüchern des 18.
jh. nimmt, nach Kramer,
zunächst Frisch 2, 307
b vorsprach
auf, aber nur in der ersten bedeutung, dann Ludwig 2348 vorsprache oder fürsprache
in der ersten und der zweiten bedeutung. wenn nun auch Hederich
keins der wörter verzeichnet, so bringt doch der ihm sonst nachtretende Nieremberger Ddd 1
b fürsprache
und Ssssss 1
d vorsprache,
doch als synonym von fürbitte
mit dem erklärenden lat. deprecatio, und fügt bei vorsprache
die bemerkung hinzu beszer fürsprache. Matthiä in der 1761
erschienenen dritten ausgabe seines lexicons erhebt sich aber nicht bis zur anführung der wörter seinem vorgänger Kirsch
gegenüber, der gleich Hederich
beide unbeachtet läszt. auch Steinbach
scheinen sie unbekannt oder der aufnahme nicht werth gewesen zu sein. dagegen hat Weber
deutschlat. universalwb. 790
b vorsprache (fürsprache) nöthig haben
und für einen,
und Moerbeek
führt beide wörter in seinem nieuw woordenboek, einer späteren ausg. von Kramers
nd. u. hochd. wb. u. s. w., fort. auch Haas
im deutsch-franz. wb. bringt beide und noch vor ihm Adelung,
der fürsprache
in das eigentlich deutsche wb. einführt und zu seinen gunsten spricht, indem er namentlich bei vorsprache
bemerkt, dasz fürsprache
in seinen beiden bedeutungen richtiger, auch bereits gewöhnlicher sei. dieselbe ansicht blickt bei Bauer
und Scheller
durch, wenn sie bei vorsprache
kurz auf fürsprache
verweisen; Campe
aber, offenbar Adelung
folgend, erklärt bei jenem worte ausdrücklich, dasz dieses, weil hier der begrif vorsteche, das sprechen geschehe für einen andern, für das beste eines andern, besser sei. damit stimmt dann auch Heinsius,
aber der weit jüngere Heyse 2, 1736
läszt vorsprache
in dem sinne von fürsprache
nur als landschaftlich gelten, ohne zu bedenken, dasz jenes von den mustergültigsten schriftstellern, wie Lessing, Göthe
u. s. w., gebraucht ist. vgl. vorsprache
und auch vorwort.
die geschichtliche begründung von vorsprache
wie fürsprache
ergibt sich aus dem oben angegebenen, im ganzen gleichzeitigen erscheinen beider im nhd. Bedeutungen: 11)
das sprechen für jemanden in vertretung desselben vor gericht, besonders wenn diese vertretung durch einen rechtskundigen geschieht, advocati sive patroni oratio, patrocinium. diese bedeutung, im gedanken an fürsprach
m. und fürsprech
entstanden, scheint die älteste, ist aber gegen die folgende mehr und mehr zurückgetreten und wird mit ablauf des 18.
jh. von ihr verdrängt, weshalb sie z. b. Scheller
auch gar nicht mehr anführt. 22)
das sprechen zu gunsten jemandes oder zu seinem vortheile, seinem besten, das sprechen zu jemandes empfehlung. dies die geläufige bedeutung, in der älterer ausdruck fürspruch (
s. d.)
ist. fürsprache thun. Adelung. eine fürsprache
oder auch ohne artikel blosz fürsprache für jemand einlegen. auf deine fürsprache will ichs thun. Scheller (1804) 1034
a. damit wir aber nicht über oder gar für dén zu reden scheinen, der unsrer fürsprache gar nicht bedarf, so wollen wir lieber die materie rein erfassen. Herder
z. sch. lit. u. k. 12, 339 =
Adrastea 5, 297; aufschub sollt ich ihr verschaffen, rath schaffen sollt ich — bei der majestät fürsprach einlegen. Schiller 606
a (
Tur. 5, 1); muth gefaszt, la Roche! wenn meine fürsprache etwas gilt, so ist Ihre sache noch nicht verloren. 639
a (
parasit 3, 10); sollte sie so hinten um nach dem mädchen sich erkundigen oder geradezu die frau um rath und fürsprache ersuchen. Gotthelf
Käthi cap. 21 (
schrift. 1861 4, 322).