fürsicht,
f. ,
s. vorsicht.
ahd. findet sich nur das erst bei Notker
vorkommende foresiht,
providentia, d. i. nhd. vorsicht,
aber kein unserm nhd. fürsicht
entsprechendes furisiht,
obgleich einmal ein dieses voraussetzendes adj. furesihtîg
neben foresihtîg
auftaucht (
s. das adj. fürsichtig),
auch furisëhan
neben forasëhan (
s.fürsehen).
mhd. könnte vürsiht
vorkommen, doch vermag ich es nicht nachzuweisen. nhd. ist anfangs weder fürsicht
noch vorsicht
häufig, man setzte lieber fürsichtigkeit.
erst in der zweiten hälfte des 17.
jh. scheint das wort mehr in gebrauch zu kommen, wenigstens verzeichnet Kramer in seinem
deutsch-ital. dictionar. (1678)
s. 1196
a vorsicht.
aber dann hat wieder Stieler
keins der beiden aufgenommen, eben so wenig Wilhelmi, Dentzler, Weismann, Kirsch
und selbst noch, diesem letzten folgend, Matthiä,
auch nicht der sonst so reichhaltige Ludwig. Rädlein
dagegen verzeichnet vorsicht,
welches auch Hederich
und der ihm folgende Nieremberger
bieten, doch nur mit verweisung auf vorsichtigkeit,
womit wol dieses als das üblichere wort bezeichnet werden soll. dasz trotzdem fürsicht
und vorsicht
gangbar waren, zeigt ihre aufnahme bei Steinbach 2, 569
und die des letzten wortes bei Frisch 2, 273
a b. Adelung
verweist bei fürsicht
kurz auf vorsicht
und bemerkt bei diesem, dasz sich fürsicht
für vorsicht
zwar erklären lasse, aber wider die wahrscheinlichere abstammung sowol, als wider den hochdeutschen sprachgebrauch sei. die eine behauptung jedoch ist so wenig stichhaltig als die andere, denn ein ahd. furisiht, furesiht
ist nach dem oben bemerkten keineswegs unmöglich, und fürsicht
im hochdeutschen zu Adelungs
zeit wird durch die unten folgenden stellen belegt. dasz auch noch gegen ende des 18.
jh. fürsicht
gleich fürsehen
und fürsehung
vertheidiger gefunden, erwähnt Heynatz
antibarb. 1, 436. Campe
und nach ihm Heinsius
verweisen, nach Adelung,
bei fürsicht
kurz auf vorsicht,
ohne aber bei diesem das mindeste über jenes zu bemerken. Haas in seinem
deutsch-franz. wb. (1786)
hat nur vorsicht,
in dem spätern deutsch-lat. handwb. aber beide wörter, und dieses letzte findet auch bei Bauer (1798)
statt, der überdies sp. 2825
bei vorsicht
noch in klammern beifügt besser, wenigstens in manchen fällen, fürsicht. Heinrich Braun
dagegen setzt in seinem deutsch-orthograph. wörterb., trotz seiner scheidung von fürsehung
und vorsehung,
s. 247
a nur vorsicht,
und allein dieses nehmen auch Scheller (1805)
und der spätere Heyse (1833)
auf. der heutige sprachgebrauch läszt allerdings nur vorsicht
gelten. das wort ist aus für
und sicht zusammengesetzt, wie ahd. foresiht
aus fora, fore
und dem nur in zusammensetzungen erscheinenden siht (
s. sicht).
aber diese bildung erfolgte unverkennbar unter dem einflusse des ahd. verbums forasëhan
nhd. vorsehen
und so auch jene, nemlich die von fürsicht,
unter dem von ahd. furisëhan
nhd. fürsehen.
grundbedeutung ist hiernach die voraussicht, das voraussehen, woraus dann die bedeutungen hervorgehn, in denen das wort sich wirklich findet: 11)
die auf voraussicht gegründete achtsamkeit zur vermeidung etwa zukommenden übels. ... (
die mönche) ein volck sind, das kein bedacht noch fursicht hat. Luther
evang. von den tzehen aussetzigen (
Wittemb. 1521) C iiij
a,
s. Ph. Dietz 1, 219
a.
in demselben sinne hat es auch Steinbach
a. a. o., Bauer 1082,
der namentlich fürsicht brauchen, die fürsicht brauchen
anführt, und Haas
deutsch-lat. handwb. 210.
Treuwerth. ach! ich fühle die vorwürfe ...
Mariane. keine vorwürfe, regeln der klugheit, der fürsicht! hier ist die einzige sicherheit in der flucht! C.
F. Weisze
lustsp. 3, 180; ich danke dir, gott, dasz du mich stelltest an die spitze der beutelschneider! — diese schlüssel verlachen die fürsicht der hölle. Schillers
räuber, Mannheimer theaterausg. (1782) 4, 16; eine waise liesz er mich, nicht ohne fürsicht.
F. L. Stolberg 4, 267; Thecla aber, vertrauend des bruders gesinnung, Jucundens reinem gemüth, und dem wink der leise lenkenden fürsicht, offenbarte dem bruder: wie ihr Jucunde des herzens heimlichstes gestern vertraut. Kosegarten
Jucunde (
Berlin 1803)
s. 176. 22)
was fürsehung 6). ich traue dem vater seiner geschöpfe. die wege seiner fürsicht sind verschlungen und dunkel, aber sie führen zum ziele, das die allgüte gesteckt hat. Voss
briefe 1, 253.
aber auch, wie fürsehung
in dem sinne, übergetragen auf das voraussehende und vorauswissende und danach das zukünftige bestimmende und leitende wesen, d. h. gott selbst: die freyheit hilft verstand und willen der fürsicht groszen zweck erfüllen, den sie den menschen vorgestellt. Christoph Mylius
verm. schriften (
Berlin 1754)
s. 459; nach vielen (
l. vielem) ruhn sah er das beszre land, den gütgern himmel, der ihn plötzlich heilt. die fürsicht leitet ihn beglückt dahin. E. v. Kleist
neue ged. (1758)
s. 44.
daneben bei demselben dichter freilich auch vorsicht: bald schilt er die vorsicht, die ihn in purpur und reichthum verabsäumt.
ged. (1756)
s. 88; dann strafe, woferne du kanst, die vorsicht und ordnung der erde. 89. fürsicht =
dei providentia, numen. Haas
deutsch-lat. handwb. 210
a.