FREVELICH adj. (1)
ahd. fravallîh,
mhd. vrevellich.
as. fraƀillīco
adv., mnd. vrēvelik;
mnl. vrevelijc;
ae. fræfellīhe
adv. status des nl. umstritten, evtl. dt. lehnwort. abl. von frevel adj. oder m. (2)
durch dissimilation entsteht im 12. jh. die nbf. frevenlich.
seit dem 14. jh. erscheint die nbf. freventlich,
bei der zwischen unbetontem ‐en‐
und ‐l‐
als gleitlaut ein ‐t‐
eingeschoben wird; ab dem 17. jh. überwiegt sie. daneben steht seit dem 14. jh. die durch nebentonsilbenausfall entstandene nbf. frevlich. (3)
nhd. selten, bildungssprachlich noch (zumeist) in der form freventlich
verwendet, üblicherweise jedoch abgelöst durch frevelhaft adj. 1
ein (positives) ausmaß bezeichnend, gewaltig; ungestüm. überwiegend mhd. bezeugt: 9.jh.
pertinaciter frafallicho
ahd. gl. 2,249,12 S./S. ⟨u1240/50⟩ von siner frevellichen kraft/ muosen si sine meisterschaft/ ze allen ziten liden Stricker
tierbispel 14,67 ATB. hs.E14.jh. ain ritter ../ der was rich dez gutez/ vnd fräuenliches mutes
lieder saal 148,242 L. ⟨u1440⟩ mit grosser vngestemickeit traff er
(falke) den are an den kopff vnd stieß sich selbes vnd den are freuelich zu tode
v. falken, hunden u. pferden 2,30 L. 1522 der ist zů vnserm haupt man gůt,/ der mit freuenlichem můt/ dem babst vnd keiser greifft in bart Murner
9,178 Sch. 1726 Siegfried sprach: nun sage mir, viel edler ritter, .. was ist die ursach, daß du mich so freventlich angerannt?
hist. gehörnter Siegfried 271 HND. 2
frech, vermessen: 9.jh.
(contumaciter) superbe vel contempnendo frabalicho
ahd. gl. 2,92,11 S./S. 11.jh.
procaciter fraualliho
ebd. 2,53,9 S./S. hs.M/E12.jh. jn allē dingū davō si alle di maistrinun si nah volgū di regel. vn̄ nit vō ir wraulic werde gwichē von kaime
regula st. Benedicti 16 S. ⟨A13.jh.⟩ is abir daz he loikinit vrevilichi, .. so is he ein diepcamiri
mühlhäuser reichsrechtsb. 3159 M. ⟨u1350⟩ die leng ichz nit vertragen kan,/ daz dû sô frevellîche/ gâst hie vor den ougen mîn
jüng. Sigenot 138,10 Sch. ⟨z.j.1475⟩ wan wurde iemandt unter euch so törstig, frevelich und vermessen sein und dem also nicht thun, den wollen wir mitsampt dem rathe straffen an leib und gutte Spittendorff
denkw. 105 O. 1534 einer fraget yn
(Diogenes) freuenlich, warumb er sich fur ein philosophum vß gebe, dieweil er nüts wisszt Eppendorff
Plutarch, sprüch 181. ⟨v1584⟩
(es ist) nit alles gewissen .., was die jetzige freche welt gewissen haisset, .. sonder mehrer thails ein vnwissenheit, ein fraͤueliche praesumption vn̄ vermessenheit Burgkard
avtonomia (1586)2,56a. 1624/6 wer ist nun der mane/ der so frävenlich stat,/ der mir vor meinem hause/ ain söllich geschrai anfacht?
volkslieder 31,203 U. 1678 das leidige spielen .. schadet .. weib und kindern, derer versorgung und zucht freventlich wird hindan gesetzet J. L. Hartmann
spielteuffel 198. 1748
(graf Zinzendorf) führet sich .. auf als ein unverschämter und freventlicher affe unsers heylandes Fröreisen
vergleichung 40. 1792 wer .. gegen den senior spricht, ihn schimpft, und sich seinen befehlen freventlich widersetzt, wird ohne alle gnade .. aus dem orden herausgeschmissen Laukhard
leben 1,162. 1843 du willst dich freventlich emanzipieren/ und aufstehn wider mich mit keckem sinn,/ aufs eigne fäustchen deine wirtschaft führen,/ du schöne kleine jakobinerin? Keller
14,125 F. 1855 was .. ein hund im stillen sinne denkt, wenn er die frevliche hand des herrn leckt, die ihn malträtirt, das hat uns bis jetzt noch keiner gesagt Riehl
naturgesch. (1854)3,173. ⟨1927⟩ eitel war dein krieg, unzeitig war dein krieg, frech und freventlich war dein krieg Hofmannsthal
dr. 4,365 S. 1976 wir
(treue anhänger des Odysseus) sind machtlos gegen die vielen
(freier) und ihren freventlichen übermut Hagelstange
filou 144. 3
gegen göttliches oder weltliches recht verstoßend: ⟨1060/5⟩ sô er sich denne vescamet got er fravelîchen vemanet
wiener genesis 438 S. ⟨u1187/9⟩ dâ hâten sî
(mörder) in
(mann) nider geslagen/ und im vrevellîche entragen/ aller sîner sinne kleit Hartmann
Gregorius 102 N. ⟨1235⟩ swelch sun an sins vater lib ratet oder vrevelichen an grifet mit wunden .., der selbe si êlos und rehtlos ewichlichen
quellensamml. reichsverfassung 268 Z. 1362 alle die bi gotte sweren frevelliche und daz nüt beßernt, sint ouch verlorn
(Straßb.) chr. dt. städte 8,115. ⟨1421⟩ dornoch clagete lantgrave Heynrich von Hessin deme keisser obir seynen swagir lantgraven Frederichin von Doryngen, das her om seyne frawe heymelichen ane seynen wissen unde willen entfurt hette unde frevelichen Rothe
düring. chr. 567 L. 1520 es sol wissen yderman, das ehr mir keynen dinst dran thut, szo er die freuelisch, ketzrisch, lugenhafftige bulle vorachte, widderumb kein vordriesz, ob er sie hoch achte Luther
w. 6,617 W. ⟨1555⟩ das vor einem vnserm amptman vnd gantzen gericht berechtet werden sollen, alle peinlich, straͤfflich, vnd fraͤuenliche haͤndel, vnd darzů alle burgerliche sachen
landtrecht Würtemberg (1567)49. 1607 so jhr auch würdet vnter den predigern .. etliche vernemen, die sich freffentlicher, vppiger vnd gottslästeriger wort, in dem daß sie das heilig sacrament deß leibs vnd bluts Christi würden ein fleischern gott .. nennen, .. vernehmen lassen .., die sollet jhr von vnsert wegen straffen Leuchter
fides 62. 1699 man lasset .. zu, daß grosse herren den gewalt haben, die unterthanen zur billigen straff zu ziehen, welche in dem wild=bahn sich freventlich vergreiffen Abraham a
s. Clara
etwas 1,134. 1706 wenn Petrus seinen gott so freventlich verneinet,/ und zu den feinden läufft, so zieht er wunderlich/ durch einen gnaden=blick ihn wiederum zu sich Linde
ernsthaffte ged. 48. 1784 ich seh heilige gesezze freventlich entweiht, und zu menschensazzungen herabgewürdigt Knüppel
rechte 14. 1803 nur zu gern ../ beraubt’ er
(frz. könig) uns, und häufte unsre schätze/ zu den erpressten, die er freventlich/ durch seiner bürger blut’gen schweiss erbeutet Werner
söhne 1,59. ⟨1854⟩ in der zuschrift stand, daß Luzian wegen freventlicher störung des gottesdienstes zu sechs wochen bürgerlichem gefängniß verurtheilt sei Auerbach
(1857) 4,196. ⟨1949⟩ millionen von steinquadern sollten die toten königskörper schützen; zugemauerte gänge, architektonische verschleierungstricks sollten jedermann abhalten, sich etwa freventlich zu bereichern Ceram
götter (1951)159. –
meist in doppelformeln unter betonung der bösen absicht, vorsätzlich, böswillig: 1296 swelich schuler vngevůrich vnd vngevolgich dem schulmaister wolde sein, der sol div stat ravmen, oder er werde ein laie. swer in dar v̊ber behaltet, der sol dem rihter geben zwai phunt vnd an div stat zwai phunt, also ob er in vræuellichen vnd wizzenlichen behaltet drei tage wider den maister vnd wider di purger
corp. altdt. originalurk. 3,453 W. ⟨1352⟩ selle er eine dotsúnde důn so můse er si gar freffelliche und mit eime rehthen wissende důn Merswin
neunfelsenb. 52 ATB. ⟨1403/39⟩ der statschreiberr sol vnd tarr nicht merr nemmen von armm leüten, den als oben geschriben stet .. thuet er darr wider vnd nymbt merr türstigklich vnd frëuelich, dan sein vor geschribne schreiblon aus weisenn, so sol er dem richterr pezallen zwir als vil, als er hat genomen
ofner stadtrecht 80 M. 1524 welhe .. die angezeigten gotslesterer wie obsteet wissentlich und frevenlich zu diener aufnemen, .. gegen denselben .. soll der der fiscall auch macht haben, si vor dem .. cammergericht furzunemen
dt. reichstagsakten 4,279. ⟨v1565⟩ ob er
(Jesus) wol nicht fuͤr die halßstarrige vnd teufelbennige welt bittet, die da mutwillig, freuentlich, vnd wissentlich dises fuͤrbitters verdienst, fuͤrbit, lehr, salbung vnnd kirche anficht, so betet er doch fuͤr alle fleissige zuhoͤrer der apostolischen lehr Mathesius
hist. Christi (1568) 1,113a. 1657 so .. einer ein vrphede mit sachen, darumb er das leben nicht verwürckt hat, fürsätzlich vnd fräventlich bräche, der solle erstens als ain mainaydiger mit einem gantzen schilling, zum andertenmahl mit abhawung der handt oder finger, mit welchen er geschworen, drittens, mit dem schwerdt vom leben zum todt gericht werden
landtgerichts-ordn. Oesterreich 154. 1748 ein unbeflecktes gerücht nennt man dasjenige, wenn einer durch seine bosheit und unordnung das gesetz der natur nicht wissentlich und freventlich übertreten
Holberg, naturrecht 537. 1770 es muß sich .. kein dienstbothe unterstehen, weder heimlich noch mit trotz und freventlich seinen dienst, vor dessen endigung zu verlassen
n. corp. constitutionum pruss.-brand. 4(1771)6710. 1834 dieses
(rechtsverwirken) hat statt, wenn der vogtherr entweder selbst oder durch andere personen den pfarrer oder beneficiaten boshaft und freventlich am leibe verletzt, oder gar um das leben bringt Helfert
kirchenvermögen 1,158. 4
rasch, schnell. meist adv. mit verben der bewegung: 14./15.jh. die ochsen die vor dem wagen gingent die strebtent und zugent also vaste daz die arcke wagete und vallen wolte. do lieff Oza dar freveliche und det daz der arcken zů helffe und hůp sy mit der hant
historienbibeln 2,887 LV. 1542 ließ er einen hauffen, mer dann sechs tausent zů fůß .. dißhalb deß wassers heimlich gestelt, verbergen, darmit die feind .. jme dess freuenlicher nach eilen solten Tacius
kriegsanschlege 9b.Schlaps