EWIGKEIT f. ahd. êwigheit,
mhd. êwicheit.
mnd. ēwichē
it;
mnl. ewicheit,
nnl. eeuwigheid.
abl. von ewig
adj. 1
unendlichkeit, zeitlosigkeit. religiös, philosophisch. a
grenzenlose dauer ohne anfang und ende, das menschlichen zeitmaßstäben enthobene unveränderliche sein gottes oder überweltlicher bereiche: ⟨v1022⟩ ist ouh fatum gagen prouidentia, also zîte gagen êuuigheite. zîte loufent per tria tempora, presens, preteritum, et futurum, êuuigheit stât îo ze stete in presenti Notker
1,3,302 ATB. ⟨E13./A14.jh.⟩ daz ander ist: sô diu zît in ir ende kumet, daz ist in êwicheit; wan dâ hât alliu zît ein ende, wan dâ enist noch vor noch nâch meister Eckhart
dt. w. 1,423 Q. ⟨1343/5⟩
(nd./md.or.um 1281/2) wc ist dc, ewekeit? das ist die vngeschaffene wisheit der endelosen gotheit, die weder begin̄e noch ende hat Mechthild v. Magdeburg
216 M. ⟨1479⟩ Hylgart ist uffgangen von ainer tugent in die andren und hatt begert zuͦ sechen den almächtigen got in siner ewigkait Birck
kemptner chr. 32 B. 1527 die ewickeit aber kan man nicht bas begreiffen denn also, das es gewesen sey vor anfang und zeit, ehe man stund oder tag zelet
(bearbeitung) Luther
w. 17,2,317 W. 1610 also auch mit der zeit, an welche gott mit seiner ewigkeit nicht verbunden, weil er jmmer vnwandelbar bleibet Arndt
christenthumb 2,393. 1757 z. b. der anker ist ein hieroglyphisches bild der hoffnung, die gekrümmte schlange oder die zirkellinie ein bild der ewigkeit Mendelssohn
1,181 E. 1840 weit mehr schwierigkeiten macht die ewigkeit. nach der allgemeinsten anfoderung soll dieselbe als ganz zeitlos, ja allem zeitlichen entgegengesetzt gedacht werden .. wir denken dafür nur eine unendliche, veränderungslose zeit Beneke
system 518. 1921
(Goethes Faust,) der zwischen dem kosmos und dem urväterhausrat schwankt, der die ewigkeit in den augenblick einfangen möchte Westphal
philos. 283. 1977 nicht wie regen waren die jahre, sondern wie dieser eine tropfen tau, im spiegel der ewigkeit Cordes
haus 241. –
zeit vor erschaffung der welt; auch von jeher, vor undenklich langen zeiten. im anschluß an bibelsprachlichen gebrauch: ⟨v1022⟩ tû
(gott) die zîte hîeze iro ferte beginnen, sament tero uuerlte, uuanda êr neuuâren zîte, nube êuuigheite Notker
1,2,189 ATB. ⟨u1433⟩ wie wol in der cristenheyt allein ein warer got ist, der von ewigkeyt gewesen ist vnd ewigklichen beleibt Peuntner
liebe gotes (1498)E3b. 1532 durch die mutter Mariam ist er
(Christus) aus Bethleem kommen und ist auch gewest jnn ewigkeit, da man nicht zeit noch stund zelen kund, da widder tag noch nacht gewesen sind
(nachschr.) Luther
w. 36,57 W. 1619 sonst könt ich eben auff den schlag schliessen, Aristoteles will nicht, daß die welt erschaffen, sondern daß sie von ewigkeyt gewesen sey Dieterich
cometen pred. 36. 1720 so sehen wir nun, wo das wesen aller dinge von ewigkeit her gewesen, nemlich im verstande gottes Ch. Wolff
gott 532. 1839 da endlich alles mit einander in dem uranfänglichen akte der schöpfung von ewigkeit her bestimmt und geordnet ist Sigwart
freiheit 80. ⟨1963⟩ dieses
(revolutionäre naturrecht) weigert sich ja, in der positiven masse der geschichtlich gewordenen privilegien die von ewigkeit vernünftige ordnung wiederzuerkennen Habermas
theorie (1969)90. b
fortdauer der menschlichen existenz nach dem irdischen tod. hauptgebrauch, gegenwartssprachlich abnehmend. α
unsterblichkeit, das ewige leben: ⟨v1022⟩ minnôta sî ouh Cyllenium, uuanda er fone iro gesougtêr êuuigheit infangen habeta
(quod eius uberibus educatus, poculum immortalitatis exhauserat) Notker
2,56 ATB. ⟨1276⟩ sich waz ere und wirdekeit/ got an di sele hat geleit./ .. her hat si nach im selbin gebildet/ und glichet sich an der ewikeit/ nach im selber so man seit Brun v. Schonebeck
7249 LV. ⟨u1300⟩ ir sult mit gote leben noch!/ uch wirt fuͤr hie daz leben/ von gote ein ewikeit gegeben Heinrich v. Neustadt
zukunft 5903 DTM. 1483 darvͤmb der ewigkeit wil haben, der muͦß zeit laßen vnd das in der zeit ist
b. d. zehen gepot 59a. ⟨1544⟩ gleich wie der teuffel gewirckt hat, das er uns beraubt der ewigkeit, aber ein solcher morder ist Christus nit, sondern der teuffel ist ein morder des lebens
(nachschr ) Luther
w. 49,515 W. ⟨1675⟩
(der verstorbene,) welcher .. nach außgestandener schweren krankheit, durch einen sanfften todt, dieses zeitliche mit der ewigkeit .. verwechselt Kongehl
cypressen-hayn (1694)332. 1772 des menschen zwek sey die ewigkeit: ihr einziges geschäfte, sich auf ein unvergängliches leben zuzubereiten Haller
wahrheiten 64. 1870 diese zeit birgt die ewigkeit im schoße; jenes leben, es hängt von diesem leben ab. das ist die große verantwortlichkeit, die auf uns liegt Uhlhorn
pred. sonntage 1,81. ⟨1958⟩ wenn wir dazu verurteilt wären, die ewigkeit im gefängnis unserer menschlichen bewußtheit und individualität zuzubringen Szczesny
unglaube (1959)156. β
in räumlicher vorstellung, das jenseits, das reich gottes: ⟨v1022⟩ in êuuigheite, dâr man in
(gott) ana-sihet facie ad faciem Notker
3,2,525 ATB. ⟨u1240/50⟩ do er gen der ewikeite sach/ in den spiegel der gotheit,/ aller erst wart er gemeit Stricker
bispelreden 3,N38,16 Sch. ⟨2.h14.jh.⟩ Maria, maget, vrǎwe,/ la dir di sel enpholhen sein/ .. und hilf im
(dem verstorbenen) in dein ewichait,/ da vraͤud ist ewichleich berait! Suchenwirt
16,219 P. hs.u1400 in der eren vnd in der freuden, da du mich
(Maria den auferstandenen Christus) ynne gesehen hais in werden ich dir nummer benomen in der zyt mit rechter zo versichte vnd in der ewicheit mit ewiger vreuden vnd stedicheit
Christi leiden 81 P. ⟨v1565⟩ wie die kirche singet, Christ will vnser trost sein, hie vnd in ewigkeit Mathesius
hist. Christi (1568) 2,77b. 1669 endtlich sie kennen ihn
(Christus) nicht als ihren richter, der sie auch .. wird richten, und nach gerichte und gerechtigkeit abstraffen, wo nicht in zeit, dennoch gewiß in der ewigkeit Hoburg
Christvs 29. ⟨1707⟩ der reichthum dieser welt höret mit diesem leben auf, und reiset nicht mit in die ewigkeit Cyprian
sitten-lehre (1733)177. 1849 im geiste erblickte ich mich an die pforten der ewigkeit versetzt, voll freudiger zuversicht, der heiland werde sie mir nun öffnen
nachrichten brüder-gemeine 31,412. ⟨1922⟩ die mutter sprach von ihm als einem steinalten, kranken mann, der schon mit einem fuß in der ewigkeit stünde Carossa
(1949)2,39. 1978 ich möchte, daß er
(gott) wenn ich endlich tot bin, zu mir sagt: so, Franzl, jetzt schaust dich ein jahrhundert lang in der ewigkeit um Bieler
kanal 138. – in wendungen wie in die ewigkeit eingehen,
verhüllend für ‘
sterben’ ⟨1675⟩ ja er
(der teufel) wird dahin trachten, daß er dich .., wo es ihm gott zulässt, gar auß der zeitligkeit in die ewigkeit rücke, eh du dich besinnen und zu der gnade gottes in Christo wieder fliehen kanst Scriver
seelen-schatz (1681)1/3, 193. ⟨1761⟩ wie viel aeltern sind nicht in diesen belagerungen und drauf folgenden theurung in die ewigkeit gegangen
denkw. belagerungen Colb. (1763)376. 1819 auch sind mir zwey söhne .. in die ewigkeit voran gegangen
nachrichten brüder-gemeine 2,189. 1919 als mein mann anno dreiundachtzig in die ewigkeit einging Iger
spartakustage 54. 1936 noch vor vollendung seines 27. lebensjahres, in dem er bereits zur ewigkeit abgerufen wurde Dörnberg-H.
Dörnberg 3. γ
unendliche dauer, endlosigkeit in christlichem verständnis von den höllenstrafen: ⟨2.h14.jh.⟩ vor vns her
(Christus) wolde leyden,/ ab wir moͤchten vormeyden/ swere peyn, den tot der ewykeyt
in: Johann v. Neumarkt
4,378 K. 1491 die menge herbigkeit vnd ewigkeit irer peyn, gieng mir
(Christus) zu hertzen Fridolin
schatzbehalter L1b. 1669 so wird der gottloß unbußfertig zur ewigen verdamnus verurtheilt, in welcher in ewigkeit anders nichts zu gewarten, als .. leid ohne trost Grimmelshausen
Simplicissimus 462 Sch. 1745 wie angenehm könte er
(der mensch) sich nicht sein leben machen, wenn er alle seine begierden erfüllen könte, .. wenn ihn die fürchterlichen bilder eines künftigen gerichts und einer ewigkeit davon nicht abschrekten Jerusalem
samml. pred. 215. 1871 es war meistentheils nur noch die furcht vor der ewigkeit der höllenstrafen, welche reiche sünder bewog, stiftungen für die kirche zu machen W. Menzel
unrecht 101. 2
unabsehbar lange zukünftige dauer. a
zeitalter, generationen überdauerndes fortbestehen von etwas; rechtlich unbegrenzte unbefristete gültigkeit: ⟨u1160⟩ daz
(firmament) hat din wistuom so g[e]vestenet von deme anegenge,/ deiz stæte hat dere ewicheite in dere tage lenge,/ gesliffen noch gewichen noch gevallen nemach
himmelreich 2,18 M. 1277 wan bedarf wol daz man div dinch mit briefen, vnde mit gezivgen stætecliche wernde mache, div stæte vnde ewekait, ane alle widerrede haben sont
corp. altdt. originalurk. 1,312 W. ⟨u1330/40⟩ um der vetre erbe/ stêt in strîte bederbe;/ sô nemit ir grôz achberkeit/ und eines namen êwicheit! Nicolaus v. Jeroschin
kronike 27122 S. M15.jh. den pflasterzol hat herzog Ernst und Wilhalm der stat ze ewicheit geben 1430
denkm. münch. stadtrecht 571 D. 1538 das es
(das gesetz) die funffzehenhundert jar nicht gefallen noch auffgehoͤret und also seine ewigkeit nicht verloren hette Luther
w. 50,323 W. ⟨1638⟩ da mein’ und ihre
(meiner dichtungen) zier/ den kranz der ewigkeit auch auf wird setzen dir./ dein lohn wird dieser sein: sie werden nicht vergehen,/ die namen, die allhier mit angezeichnet stehen Fleming
ged. 1,196 LV. 1726 doch diese in den friedens=schlüssen angelobte ewigkeit ist offters von gar kurtzer dauer, es gehen bißweilen kaum ein paar jahr vorbey, so wird der ewige friede in einen zeitlichen krieg verwan- delt Fleming
soldat 680b. 1800 ein jedes kunstwerk, welches sich als ein solches fühlt, muß seiner natur nach anspruch auf die ewigkeit machen Schleiermacher
vertraute br. 104. 1882 meistens wird auch noch die ewige dauer als ein charakteristikon des staatenbundes hervorgehoben, .. wie dem staate selbst das moment der ewigkeit vindicirt Jellinek
staatenverbindungen 174. 1974 beide schriften sind nicht ergebnisse eigener gelehrter forschungen und auch nicht für die ewigkeit bestimmt Birnbaum
achtzig jahre 336. b
ferner zukünftiger zeitraum; meist in präp. verbindungen in, für (alle) ewigkeit,
für alle denkbare zukünftige zeit. z. t. von bibelsprachlichem gebrauch her: ⟨A14.jh.⟩ die Juden daz wol vernamen,/ wie die heiden uf sie quamen,/ .. baten sie nu got den werden,/ daz er sin volc an aller stat,/ daz er selber irkoren hat,/ in ewikeit die bewaren/ nu welde vor allen varen
Maccabäer 10813 LV. ⟨15./16.jh.⟩ von nun an biß in ewigkeit/ sey gott im himmel danck
kirchenlied 2,981 W. 1556 gott .. vernichtiget die radtschleg der fürsten, aber des herren radtschlag bleybt in ewigkeit Stumpf
Heinrych IV. 76b. ⟨1672⟩ so müssen die stattlichen leute
(gelehrte) vor die saure arbeit
(sprachreinigung) nichts als spott und verachtung einnehmen. doch stellt man den endlichen außschlag der grauen ewigkeit anheim Weise
erznarren 66 HND. ⟨1789⟩ dieß .. herrliche, alte pantheon .. scheinet den beobachter zu versichern, daß es nicht da stehe, durch einige jahrhunderte zu paradiren, sondern der ewigkeit zu trotzen Ayrenhoff
(1803)6,204. 1876 damit sind diese verträge als solche nicht aufgehoben oder modifizirt; dieselben bilden für alle ewigkeit die völkerrechtliche grundlage, auf welcher die gründung des reiches erfolgt ist Laband
staatsrecht 1,49. 1975 der ‘verlust der mitte’ beherrscht eine kirche, die sich selbst in der zeit verliert. der ‘verlust des horizontes’ bestimmt eine kirche, die sich selbst in ewigkeit bewahren will Moltmann
kirche 153. –
häufig formelhaft, ‘für immer’ ,
negiert ‘niemals’.
überwiegend umgangssprachlich: u1490 so durch schneiden si
(parallelen) sich nymer yn ewigkeit
dt. Ptolemäus a8b F. 1524 wo e.
f. g. bey diser sachen nicht ein gnediges einsehen thun werden, befarn wir bede, das in ewigkeyt kein gut ordenung noch regiment alhie wirt erhalten
akten u. br. Georg v. Sachsen 1,686 G. u1700 wer denen bauren von gerechtigkeit saget, dessen feinde seynd sie in ewigkeit und noch drey tag drüber Veroander
lasterprob (o.o.u.j.)118. 1735 welches aus dem bloßen general=baß nun und in alle ewigkeit nicht zu erlernen stehet Mattheson
general-baß-schule 49. ⟨1852⟩ ich dich um vergebung bitten? in ewigkeit nicht! Hebbel
I 3,143 W. ⟨1908⟩ so geht es
(auf reisen) durch städte, die man .. vielleicht nie wieder sehen wird, an lauter unbekannten gesichtern vorüber, die gleich wieder für alle ewigkeit verschwinden Schnitzler
(1912) I 3,118. 1976 bis in alle ewigkeit werde er die schreie der königlichen gefangenen .. vernehmen Hagelstange
filou 64. 3
endlos lang erscheinende, sich endlos dehnende zeitspanne. überwiegend umgangssprachlich; bis ins 18. jh. selten, gegenwartssprachlicher hauptgebrauch: hs.A16.jh. wie hastu
(Jesus) mich gelassen/ jn diser petriebten zeit?/ .. wie hastu mich gelassen/ jn diser betriebten ebigkait?
kirchenlied 2,920 W. 1654
(daß die rechtsparteien) gott herzlichen dancken, daß sie aus dem schmerzlichen labyrinth, der gleichsam eingebildeten ewigkeit errettet worden Abele
gerichtshändel 401. 1745 wo du bist, da ist mir/ der himmel in der nähe./ doch jedes körngen zeit,/ wofern ich dich nicht sehe,/ wird mir zur ewigkeit Götz
ged. 19 DLD. 1826 bei unsern eine halbe ewigkeit dauernden processen sind die besitzer .. gleichsam im dritten himmel Jassoy
aphorismen 213. ⟨1909⟩ eine ewigkeit dünkte ihm die spanne zeit, bis daß leben in den grauen fleck
(gesichtetes wild) kam, eine ewigkeit, die ihm .. den schweiß aus allen poren trieb Löns
s. w. 4,55 C. 1987 obwohl es ewigkeiten dauerte, bis endlich feierabend war Heller
mann 270. 4
zeitalter, weltalter. oft im plur. im anschluß an biblischen gebrauch, vgl. lat. saeculum, aevum
n. (gr. αἰών
m., f.). dichterisch gehoben: 1522 dem got aber vnnd vnserm vater sey preyß von ewickeyt zu ewickeyt. amen
(Phil. 4,20; vulgata: in saecula saeculorum) Luther
bibel 7,224 W. 1652 du
(gott) hast sehr herrlich dich gesetzt/ hoch auff den thron der ewigkeiten Dach
ged. 4,31 Z. 1728 prägt, musen! prägt den ewigkeiten/ das bildniß dieses käysers ein
oden dt. ges. 35 G. 1852 der alte gott, welchem die ewigkeiten im schoose ruhen, und mit ihnen die geschicke der welt Goltz
jugendleben 1,173. 1927 von dem vergänglichsten augenblick zeitlicher beschäftigung zu den äonen und ewigkeiten, da gott war, ehe noch die welt war Haecker
christentum 101. Albrand