dro²ge Adj. [allg.] 1.1. nicht von Feuchtigkeit (bes. Wasser) durchdrungen oder von außen, an der Oberfläche damit benetzt, bedeckt; frei von Feuchtigkeit. Drǖge rīben (Kr. TecklenburgTek Me). En Sump droige leggen (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). Hei kam noch iaben vüärn Riägen int Dreuge (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@HalingenHa). Sick droich Tǖch antrekken (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). Wann de Fische op’t Droige kommt, fanget se an te spatteln (zappeln) (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). — Ra.: Sou droǖge osse Pulwer sehr trocken (Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil)Wal Bh || mehrf.). Et uppen geon Druügen häbben (Korn, Heu) gut eingebracht haben (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh). De het suin Schöpken in’n Druügen er hat erreicht, was er wollte; er hat vorgesorgt (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@GohfeldGo || mehrf.). Hä mäkt ne dröge Badereise er kommt ins Gefängnis (Ennepe-Ruhr-KreisEnr Ennepe-Ruhr-Kreis@AltendorfAd). Hä sitt op dem Dröigen a) er kommt, weiß nicht mehr weiter; b) er ist mittellos, arm; c) er hat nichts mehr zu trinken (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LaerLr || mehrf.). He sitt an’n drügen Pütt (Brunnen) dass. (Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@AschebergAb || mehrf.). Hä hett ne dröge Läwwer er hat immer Durst, er ist Alkoholiker (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LindenLi || mehrf.). Hei is uppet Dre’ue settet sein (Dienst-)Verhältnis ist plötzlich beendet worden (Kr. HöxterHöx Kr. Höxter@Tietelsen u. RotheTi). Hä spigget sük dräimol in dä Hänne, hä lött et oawer dräimol wie’er dröige wäh’n er ist faul und arbeitsscheu (Ennepe-Ruhr-KreisEnr Ennepe-Ruhr-Kreis@HerdeckeHd || mehrf.). Hä kritt dröige Foor (Trockenfutter) er bekommt Schläge (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LangendreerLd || mehrf.). In drüge Döke häbben sicher haben (Kr. BeckumBek Kr. Beckum@AhlenAl || mehrf. Münsterl). Wi hebbt datt Kind guett in drüge Döke kriegen eine wichtige Angelegenheit ist glücklich erledigt (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@KatenhornKa). Dat häs noch lange nich in dröge Dööke das ist noch nicht sicher (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@VredenVr || (ähnl.) mehrf. Münsterl). Du büst noch nit dreuge ächter de Ohren du bist noch zu unerfahren, um mitzureden; sagt man vor allem zu vorlauten jungen Menschen (Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@HohenlimburgHl || allg.); nich drüge unner de Niäse dass. (Kr. BeckumBek Kr. Beckum@AhlenAl). Boa unse Härguatt dian Ahm utstrecket, doa draff me nit dröige vüarbi goahn sagen Fuhrleute, wenn sie ein Wirtshaus passieren (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). — Sprichw.: Naate Jäggers un droige Fißkers brenget nit viel häime (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). Wat use Hähguod naat mäkt, mäkt hä auk wie’er dröige (die krfr. Stadt WittenWit die krfr. Stadt Witten@WittenWi || (ähnl.) mehrf.). Truige Saut is Buern Naut (Kr. BürenBür Kr. Büren@SalzkottenSk). — Sagw.: Beu et nat macht hät, mäker et ok weier dröge, sagte de Buer, do reener et int Heu (Kr. BrilonBri Kr. Brilon@RixenRi). — 1.2. keine, nur geringe Niederschläge aufweisend; niederschlags-, regenarm. Dröge Tiet Dürre (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@UlfkotteAd). Fisselrägen is drögen Rägen (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@VredenVr). Et gïet droiget Weär (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). — Ra.: Dat Wäer is vandage nett as ’n klein Kind; äwen häst ’t dröge, is ’t all weer natt sagt man vom Aprilwetter (Kr. Borken u. die krfr. Stadt BocholtBor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@BorkenBo). — Sprichw.: ’n drüg Jaor is kiin Hungerjaor trockenes Futter ist besser als feuchtes (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@WettringenWt). — Bauernregel: Droigen Mät (März) frait det Biuernhät (Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@HilbeckHi). — 1.3. die ursprünglich vorhandene (erwünschte) Feuchtigkeit verloren, abgegeben habend. — 1.3.1. ausgetrocknet, ausgedorrt; welk; knusprig (von Gebäck). Dat Gras up iuser Wiese es olle ganz dräuge (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@HeidenoldendorfHd). Drüge Appel, drüge Prumen (Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@LüdinghausenLh). ’n dröügen Twïelen (Kr. IserlohnIsl El). Dröge Stuten kieken Spiel, bei dem man sich gegenseitig, ohne zu lachen, in die Augen sieht (Ennepe-Ruhr-KreisEnr RE-GENITER). — Ra.: So dröge wie Sinter Claas siene Fott sehr trocken (von Brot, Kuchen, Lampendocht usw.) (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@WattenscheidWa || (ähnl.) mehrf.). Säo droige ä ne Raotel (ausgepreßte Honigwabe) dass. (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm || mehrf.). So drüge äs en Stock Holt dass. (HONC). Ne dröge Strotte häbben Durst haben (Kr. Borken u. die krfr. Stadt BocholtBor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@VelenVe). Met’t dröge Holt nao’n Hemmel reeken mit dem Flegel dreschen (Kr. AhausAhs Hl). Bui den Jungen mott no druüge Holt bui der Junge muß noch mit Strenge (Prügel) erzogen werden (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh). Water in’n drügen Pütt geiten Geld in ein als mißlungen anzusehendes Geschäft stecken (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@KatenhornKa). Am drügen Pütt wohnen Familien, die keine Kinder haben (Kr. MünsterMün Kr. Münster@HandorfHd). Et gäit mi as en dröigen Pannekauken; wao ek sitt, dao sitt ek faste sagt jmd., der sich vor Erschöpfung hingesetzt hat und sich nicht wieder erheben will (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LangendreerLd). — Sprichw.: Guatt ka me alls anvertriuen, bläous koain droaig Hoaih (Kr. Unna u. die krfr. Stadt HammUnn Kr. Unna u. die krfr. Stadt Hamm@HemmerdeHm || mehrf.); erweitert zum Sagw.: ... saggte de Biuer, do gaff et en Gewitter (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg || mehrf.). Drög Höi un junge Fraulö dröff m’ nich lange alleene laoten (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@VredenVr). — Bauernregel: Wenn Salt drög wäd, gifft Fost (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@VredenVr). Wenn ’t in’t druüge Holt (im noch kahlen, unbelaubten Wald) donnert, dann gif ’t vïele un swore, laige Gewitter (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh). — 1.3.2. hohl, keine Verbindung zum Wasser mehr aufweisend (von Eis). Dreje Ües (Kr. LemgoLem Kr. Lemgo@LiemeLi). — 1.4.1. einen geringen (nicht genügenden) Gehalt an feuchter, bes. fettiger Substanz aufweisend (
z.B. von Fleisch). Ne droige Mettwoast (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). — 1.4.2. mager, ausgezehrt (von Lebewesen). Droige Hippe (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@BochumBo). Dat is ne droigen Mensken (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@RüthenRü). — 1.5. ohne Aufstrich, ohne Belag, ohne (flüssige) Beigabe. Do maut Bueter op, so droich mag ek et nit (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl). Dröögen Koffie nur Kaffee, ohne Gebäck (WMWB). — Ra.: En dröigen Avschaid Abschiedsfeier ohne Alkohol (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LangendreerLd). — Sprichw.: Biäter te Huus dröiget Braud un Kruut (Rübenkraut) as buuten Stuuten un Wuorst (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LaerLr). Druihe Braut un nicks dertau, et geiht de ganze Wieke säu (Kr. BürenBür Kr. Büren@GrundsteinheimGr). Drui Braut un Spigge gifft de bäste Digge (Gedeihen) (Kr. WarburgWbg Kr. Warburg@KühlsenKü). Bey Spigge un bey druihe Braut wehert de mästen Kinner graut (Kr. BürenBür Kr. Büren@GrundsteinheimGr). Drei graute Bauhnen sind so guet os ene Snute vull drüge Braut (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LienenLi). — 1.6. idW.: Drüüg aoff Natt (Kr. SteinfurtStf Ka): Essen und Trinken. Se hett iehme nit Natt of Droige anbuon sie haben ihm weder zu essen noch zu trinken angeboten (Kr. SoestSos Kr. Soest@AmpenAm || mehrf.). Ick häff vandage noch nich Drüüg aoff Natt hat ich bin noch nüchtern (Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@KatenhornKa). — 2. von Kühen: 2.1. keine Milch (mehr) gebend. De Keo stāt dröge (Kr. MindenMin Kr. Minden@HahlenHa). — 2.2. unfruchtbar. — 3.1. sehr nüchtern, allzu sachlich, ohne Ausschmückung, Phantasie u. daher oft ziemlich langweilig; nicht anregend, nicht unterhaltsam. — Ra.: Drüge Pütt a) jmd., der nicht aus sich herausgeht, b) Träumer (Kr. MünsterMün Kr. Münster@AmelsbürenAm || mehrf.). Dat is sonne Drögen, kaos wall Mähl van mahlen er ist sehr nüchtern, ernst, einsilbig (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@AhausAh). Dat es en dröigen Pinn dass. (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LangendreerLd || mehrf.), ... dröüg’n Pott dass. (Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@WethmarWe), ... drögen Henrich dass. (die krfr. Städte Bochum, Herne u. WattenscheidBch die krfr. Städte Bochum, Herne u. Wattenscheid@LindenLi). — 3.2. ausdruckslos. Hai keyket säu droige ut den Äugen (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@MeinkenbrachtMb). — 4. dem Klang nach spröde, hart, scharf. Sau droich, dat et rappelt sehr spröde (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor Wl || mehrf.). ⟨›dro²ge‹ [Kr. TecklenburgTek Kr. MindenMin Kr. LübbeckeLüb westl. Münsterl Lippe SWestf Wal], ›drǖge‹ [Münsterl (außer WMünsterl Rek) OWestf (ohne Lüb) Bri]. — Konsonantismus: g > j [bes. Kr. MindenMin Lippe], g-Ausfall [bes. Kr. DetmoldDet HPaderb]⟩ ¶ Vgl. RHWB 1,1516: drüge; NDSWB 3,560: droge, drǖge. Zus.: →
breªke~,
brüᵉke~, hǟl~,
klapper~, klingel~,
klüᵉter~,
knappend~, kniᵉter~,
knoªken~, kurk~,
lucht~, ōr~,
pulwer~,
rappel~,
ratel~,
roªne~,
spēr~,
spōr~, spöªrken~,
sunnen~,
wind~.