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Dēlos

GWB bis lat. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Dēlos

Bd. 4, Sp. 616
Dēlos (jetzt Mikra Dili, »Klein-D.«), eine der Kykladen im Ägäischen Meer, ein schmaler, flacher, 5 qkm großer Granitrücken mit dem Berg Kynthos (106 m), jetzt verödet, war im Altertum blühend als Sklavenmarkt und durch sein Nationalheiligtum der Griechen berühmt. Einst, wieder Mythus erzählt, schwamm die Insel auf dem Meer, bis sie Poseidon für die umherirrende, von der Hera verfolgte Leto (Latona) an vier diamantenen Säulen befestigte. Leto gebar hier den Apollon und die Artemis (daher deren Beinamen Delios und Delia); die Insel war deshalb heilig und wurde ein Hauptsitz der Verehrung beider Gottheiten. Zahlreiche Tempel und Kunstwerke schmückten sie; namentlich galt der prachtvolle Apollotempel nebst der Kolossalstatue des Gottes, einem Weihgeschenk der Naxier, allen Griechen als größtes Heiligtum. Es war ein dorischer Peripteros aus dem Beginn des 4. Jahrh. v. Chr. von 29,49 m Länge und 13,55 m Breite, wie die 1873–89 durch das französische archäologische Institut ausgeführten Nachgrabungen gezeigt haben. Nördlich von ihm stand ein merkwürdiger Altar, der ganz aus Widderhörnern, den Symbolen des Lichtes, zusammengesetzt war und zur Entstehung des sogen. Delischen Problems (s. d.) Veranlassung gab. Sämtliche ionische Staaten schickten hierher feierliche Gesandtschaften (Theorien) mit reichen Opfergaben. Auch befand sich in D. ein Orakel, das zur Zeit seiner Blüte als eins der zuverlässigsten galt, und alle fünf Jahre wurde daselbst das berühmte Delische Fest mit Wettgesängen, Wettkämpfen und Spielen aller Art gefeiert. Die frühesten Bewohner der Insel waren Karier; etwa 1000 Jahre vor Christo wurde sie von den Ioniern besetzt. Nach den Perserkriegen war sie besonders als Mittelpunkt für die große athenische Bundesgenossenschaft wichtig. Infolge der Heiligkeit des Apollotempels ward seit 476 die Bundeskasse hier bewahrt. 454 kam die Insel in Abhängigkeit von Athen, erfreute sich aber nach dessen Sturz durch die Makedonier von neuem der Freiheit, um sie 166 v. Chr. wieder an Athen zu verlieren. Als Handelsplatz blühte die Stadt D., deren Ruinen nördlich von denen des Tempels liegen, erst nach Korinths Zerstörung auf; namentlich ward sie ein vielbesuchter Sklavenmarkt und wegen ihrer Zollfreiheit Mittelpunkt des Verkehrs zwischen dem Schwarzen Meer und Alexandria. Ein schwerer Schlag, von dem sie sich nie wieder erholte, traf die Insel, die selbst die Perser geschont hatten, im Mithradatischen Krieg. Menophanes, der Feldherr des Mithradates, landete 87 mit einer Truppenabteilung, ermordete oder verkaufte die wehrlosen Einwohner und plünderte und zerstörte die Stadt und das Heiligtum mit seinen zahlreichen Kunstschätzen. Lange Zeit war die ganze Insel eine mit Schutt und Trümmern bedeckte Einöde, die sich erst wieder etwas belebt hat, seitdem die Franzosen, zuerst 1873 durch Lebègue, seit 1876 unter der Leitung von Homolle, Reinach u. a., umfassende Ausgrabungen unternommen haben, durch die innerhalb des heiligen Bezirks die Grundrisse von acht Tempeln (des Apollon, zwei der Artemis, des Dionysos), zahlreichen Säulenhallen, Schatzhäusern, Altären etc. aufgedeckt, ferner viele Statuen von den ältesten Zeiten griechischer Kunst an bis zu den spätesten, über 2000 Inschriften, darunter namentlich das Inventar des Tempelschatzes, etc. aufgefunden worden sind. Auf dem Kynthos, wo das älteste Apolloheiligtum (s. Tafel »Architektur III«, Fig. 5) und in römischer Zeit ägyptische Kultstätten lagen, finden sich auch Reste einer aus antiken Trümmern erbauten fränkischen Burg. Neben D. liegt jenseit einer 0,6 km breiten Meerenge die Insel Rheneia (jetzt Megali Dilos, »Groß-D.«), die den Begräbnisplatz von D. bildete, da auf dem heiligen D. niemand geboren werden, auch niemand sterben und ein Grab finden durfte (D. selbst wurde 426 v. Chr. durch die Athener von den früher dort bestatteten Leichen gereinigt). Sie besteht aus zwei mehrfach ausgezackten Bergmassen, die bis 150 m ansteigen und durch einen schmalen Isthmus miteinander verbunden sind, ist 17 qkm groß, noch öder und kahler als D. und wird nur zeitweise von Hirten und Schiffern besucht. Vgl. Lebègue, Recherches à D. (Par. 1876); V. v. Schöffer, De Deli insulae rebus (in den »Berliner Studien für klassische Philologie etc.«, Berl. 1889); Homolle, Les archives de l'intendance sacrée à Délos (Par. 1887); Ardaillon und Convert, Carte archéologique de l'ile de D. levée en 1893–1894 (das. 1901). Die Berichte über die französischen Ausgrabungen sind im »Bulletin de correspondance hellénique« (1879ff.) und in der »Revue archéologique« (neue Serie, Bd. 40) veröffentlicht.
4605 Zeichen · 59 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Delos

    Goethe-Wörterbuch

    Delos griech Insel; myth Geburtsstätte Apollons; personifiziert entsprechend der Vorlage 4,324 Auf die Geburt dApollo 81…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Delos

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Delos , die mittlere der Cykladen, 1 1 / 2 □M. groß, jetzt unbewohnt, im Alterthum ein Hauptsitz des Apollocultus, der m…

  3. Latein
    delos

    Mittellateinisches Wb.

    * delos adi. ( δῆλος ) lucidus, clarus — hell, klar : Eugen. Vulg. syll. 4,3,3 pulcrior tantum tua (sc. papae) forma luc…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit delos

21 Bildungen · 0 Erstglied · 20 Zweitglied · 1 Ableitungen

delos als Zweitglied (20 von 20)

bendelôs

MNWB

bend·elos

bendelôs , adj. , ohne Bänder, Reifen; mit losen Bändern, Reifen (Böttcher).

endelos

DWB

ende·los

endelos , infinitus, ags. endeleás, engl. endless, mhd. endelôs: indem der bauer sein endeloses gesuch an mann bringt. Klamer Schmidt kom. d…

Friedelos

Adelung

fried·elos

Friedelos , oder Friedlos, adj. et adv. 1) * Der öffentlichen Sicherheit beraubt, vogelfrey; in welcher jetzt veralteten Bedeutung es ehedem…

grundelôs

Lexer

grund·elos

grunde-lôs , grunt-lôs adj. BMZ bodenlos, unergründlich Trist. Helbl. Aneg. 4,51. Reinh. 1612. Osw. 2951. Apoll. 16887. Troj. 7670. 7905. 16…

hö̑delôs

MNWB

hoede·los

hö̑delôs (hoide-) , adj. , ohne Hirten, führerlos, unbewacht, schutzlos.

redelos

DWB

rede·los

redelos , adj. 1 1) frei von verantwortung: redlos, redelos, liber ab impetitione alterius Haltaus 1534 fg.; und sullen wir greve Engilbrach…

Rehdelos

Adelung

rehde·los

Rehdelos , -er, -este, adj. et adv. ein Niederdeutsches nur in der Schifffahrt übliches Wort, der Rehdung, d. i. der Ausrüstung, der Masten …

schadelôs

Lexer

schad·elos

schade-lôs adj. BMZ ohne schaden, unschädlich, unnachteilig Er. schadenlôs Dür. chr. 674. schadlôs, indemnis Dfg. 294 a .

stēdelôs

MNWB

stede·los

stēdelôs , adj. , nicht an der gehörigen Stelle, nur formelhaft „ nein stich stedelôs, nein kind vaterlôs ” (Zauberspruch Nd. Kbl. 21, 26).

¹vrēdelôs

MNWB

vrede·los

1 vrēdelôs (vred-) , vredde- , adj. , 1. friedlos, aus dem rechtlichen Frieden gesetzt, aus der Rechtsgemeinschaft ausgeschlossen, geächtet …

Ableitungen von delos (1 von 1)

bedelos

KöblerMnd

bedelos , Adj. Vw.: s. bēdelōs