Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Contratenor
Contratenor
1Tenor m. Spätmhd. tenōr, tenūr, wohl entlehnt (14. Jh.) aus gleichbed. mfrz. teneur bzw. ital. tenore bezeichnet wie das zugrundeliegende lat. tenor in der mittelalterlichen Musik (12. bis 16. Jh.) die ‘dominierende, den Melodieteil (den Cantus firmus im mehrstimmigen Chor der Motette) tragende (“haltende”) Stimme’ (s. 2Tenor). Daraus weiterentwickelt (nunmehr mit Betonung der zweiten Silbe) frühnhd. tenor ‘(männliche) Stimmlage über dem Baß, höhere Männerstimme’ (15. Jh.) und (unter erneutem Einfluß des Ital.) ‘Sänger in dieser Stimmlage’ (um 1800), voraufgehendes Tenorist (Anfang 17. Jh.) ablösend. – Contratenor m. Im 14. bis 16. Jh. die den Tenor als Cantus firmus kontrapunktierend umspielende Singstimme, nach mlat. contratenor, ital. contrattenore (eigentlich ‘Gegenstimme’, s. kontra). Dann auch die hohe, über den Tenor hinausgehende Männerstimme (Altus); eine seit dem 14. Jh. bestehende Gesangstechnik für Männer, mit Kopfstimme (Falsett) und Brustresonanz in Alt- oder Sopranlage zu singen, danach der diese Technik beherrschende Sänger (15. Jh.), später auch Kontertenor, heute allgemein Countertenor m., Übernahme (17. Jh.) von engl. countertenor (14. Jh.), aus mfrz. contreteneur, ital. contrattenore (s. oben).