BEERBEN vb. mhd. (md.) beerben,
mnd. beerven. 1
als erblasser fungieren. a
jmdn. zum erben machen, mit einem erbe versorgen: ⟨1221/4⟩ nimt dat wif man und gewint echte kindere bi deme lesten alse bi deme ersten, unde beerft se mit erme rechte unde mit erme gude Eike v. Repgowe
sachsenspiegel landrecht 2152 E. 1391/9 wenne di son na des vaders dode levet .., so is he beervet met synes vaders lene
berl. stadtb. (1883)170. 1451 und hofften zu got und den rechten, das nimant billicher domit beerbt solte sein, danne sie
obrhein. stadtrechte I 177. 1505/6 das die muter Katarina Pergamenters in irem toitlichen abgang solle beerbt haben gnanten Johan Pergamenter iren sohen
gerichtsb. Cassel 42 S. 1668 damit er sie .. und seiner tochter nachkommen damit beerben möchte Birken
in: frnhd. wb. 3,444. b
etwas jmdm. als erbe vermachen, vererben auch ‘
zukommen lassen’; älter mit präpositionalobjekt etwas auf jmdn. beerben: ⟨13.jh.⟩ der teil
(vom erbe) der ime worden ist, beerbet der man oder die frawe auf alle ihre kinder
thür. geschichtsqu. 9,204. 1523 auff das yhr besitzet dis güte land vnd beerbet auff ewre kinder nach eüch ewiglich Luther
bibel 1,278 W. 1613 so will der breutgamb seiner liben braut .. mit dem gute zu dorf und felde genzlich beerbet haben
brand. schöppenstuhlsakten 2,511 S. 1811 es ist, als wär’ er eine leiche schon, / und auch sein richteramt ist schon beerbt Kleist
1,330 Sch. 2
als erbe fungieren. a
jmds. erbe sein; hauptgebrauch des wortes: ⟨M14.jh.⟩ din somen wirt beerbin di heiden und wirt besetzen wuyste stete Cranc
66 Z. 1452 wer der kinder eyn dat ander beervede
in: DRW 1,1363. 1655 es sorg nur keiner, wann er sterb / daß niemandt sey der jhn beerb Weidner
apophthegmata 5,184. 1793
(Ernestine) mußte jede woche an sie
(die hofdame) schreiben, weil man sie zu beerben gedachte Jean Paul
I 2,30 ak. ⟨v1830⟩ vielleicht beerbst du ’nen reichen alten Gaudy
18,168 M. ⟨1878⟩
(bildl.:) der socialismus ist der phantastische jüngere bruder des fast abgelebten despotismus, den er beerben will Nietzsche
(1906)3,350. 1931 seine junge frau .. beerbte ein jahr nach der hochzeit ihren vater Kesten
menschen 400. 2005 noch vor der winterpause beerbte er
(der fußballtrainer) den glanzlosen Holger Fach
n. zürch. ztg. (5.4.)41c. b
etwas als erbe empfangen, in besitz nehmen; zuerst: ⟨M14.jh.⟩ bereitet syne sone in der bosheit irer vetir der slachtunge: si sullen sich nicht irboren, nicht sullen si di erde beerben Cranc
23 Z. 1521 ich hab beerbet deine tzeugniß Luther
w. 8,197 W. 1679 hie ist eine wittfrau, die must du auch nehmen, so fern du die güter beerben wilt Arcuarius
ehstand 185. 1718 im reiche gottes werden wir die crone der ehren tragen. .. dort beerben wir alle gottes-schätze Neumeister
seegen 36. 1796 das hündchen hatte den ganzen bettelsack mit dem mustheil darin schon beerbt und ausgekernt Jean Paul
I 5,373 ak. 3
als part.adj. beerbt (sein) ‘
(begütert und) an einem ort ansässig, (mit einem erbe) versorgt (sein)’.
selten sich beerben ‘
ansässig machen’: u1264 daz secze wer von den burgeren die vnzeme hus wissentlichen sint beerbet
corp. altdt. originalurk. 1,38 W. ⟨u1330/40⟩ dî ê von dûtschin landin / .. hin zu Prûzin wârin kumin / und hattin dâ beerbit sich Nicolaus v. Jeroschin
kronike 6207 S. 1444 und ere burgere dey dairyn beeruet synt mit swynen
urkb. Ndrhein 4,1,312. ⟨1560⟩ wenn aber unsre beerbten unterthanen von den bergleuten guͤter erkauften
corp. ivr. metallici 730 W. ⟨1603⟩ andere gemeine eingessene oder beerbte bawrmennere
weist. 3,140 G. 1738 allen die do in dem lande zu Döringen beerbet und besessen seynd Falckenstein
thür. chr. 2,1,261. ⟨1832⟩ in seinen stillen klüften / war er beerbt, verschollen und vergessen Immermann
15,83 B. 4
kinder als erben haben, gewinnen; fast nur als part.adj. beerbt: 15.jh. welch man in der ee sitczet mit seyner elichen huwszfrauwen vnd beerbet ist mit irer beider elichen kindern
gesch. danzinger willkür 45 S. 1639 da sein vater mit todte abgieng, wolte er nicht geistlich bleiben, sondern .. nam Hedewigen, hertzog Johannis .. tochter, zur ehe, mit welcher er doch nicht beerbet geworden Micraelius
Pommer-land 1/3,356. 1677 weil die person, welche zum andern mahl ehelich verknüpffet werd .., wenn sie beerbet ist, ihren kindern einen stief-vater .. erheuratet Butschky
Pathmos 590. ⟨1769/73⟩
(hierher?) wollten sie
(anrede) wol .. mich zur aufseherin .. ihrer kinder annehmen? die .. stelle ihres briefs, wo sie diese ihre schöne hofnung, beerbt zu werden, mir sagen, habe ich .. gelesen Hermes
Sophie (1778)6,418. 1845 einer seiner brüder, der graf von Artois, war früh beerbt, die königliche ehe ward erst im dritten jahre vollzogen Dahlmann
frz. rev. 14. 1889 auch das friesische recht unterschied zwischen kinderloser und beerbter ehe Schröder
rechtsgesch. 685.Scheider