BARFUSZ,
selten regional barft adj. mhd. barvuoz,
mnd. bā̆rvôt
(vgl. auch ahd. barafuozi
). zusr. von bar
adj. 1 a ‘
bloß, nackt, unbekleidet’
u. fuß 1. 1
bloßen fußes, mit unbekleideten, nackten füßen; älter bes. als charakterisierendes merkmal von demut, bußfertigkeit oder armut. überwiegend adverbial, bis ins 19. jh. gelegentl. attributiv oder prädikativ: ⟨A12.jh.⟩ that her barvoz einen esel ride na armer liude side
mfrk. reimbibel 656 M. hs.12./13.jh. chuͦm barvvͦz zvͦ des heiligen chruces genaden
benediktbeuerer ratschläge 73 W. ⟨u1200/10⟩ diu bêdiu
(der ritter u. seine frau) über blôzen lîp / truogen grâwe röcke herte / ûf ir bîhte verte. / .. si giengen alle barvuoz Wolfram
Parzival 7446,21 L./H. ⟨u1230⟩ ein ieglich man vermîden muoz / den distel, gêt er barfuoz Freidank
2119,15 G. ⟨1336⟩ und wo er ouch an eime fusse barfus, er sol sich nut sumen untze er den andern schuch angelege
weist. 1,701 G. 1391/9 muste di Jode
(die Juden) barft stan
berl. stadtb. (1883)167. u1450 vnd gie wider an mein gepet, vnd verhies vnser lieben fraun ain fart gen Zell mit parfuessen fuessen Kottanner
denkw. 16 WND. E15.jh. auss der selben capellen .. gett man abgeschucht und parfuss in ein ander capellen Rieter
reiseb. 97 LV. 1528 denn fasten, barfus gehen, nichts eigens haben, grosse demut und leiden furgeben koͤnnen auch schelck und buben, Turcken und heiden
(nachschr.) Luther
w. 28,168 W. 1533/4 als er
(Nero) parschenk und parfueß was Turmair
4,2,799 ak. 1692 offt lauffen armer leute kinder barfuß und mit blossen haupt, mit zurissenen kleidern umher Scriver
theognosia 266. ⟨1732⟩ ich nach zweymahligen anklopffen, die thüre selbst eröffnete, mit baarfussen beinen und abgenommener mütze hinein trat Schnabel
Felsenburg (1797)2,431. 1789 ich war barfuß Prosch
leben 16 P. 1830 das lange nasse gras aber, welches über die steinblöcke hing, machte das klettern sehr gefährlich. den barfußen kleinen jungen focht dieß indeß nicht sehr an Pückler-
M. br. eines verstorb. 1,116. ⟨1853⟩
(übertr.:) in diesen gebirgen geht das handwerk barfuß, hier wohnen die naturkinder der industrie Riehl
land (1861)309. 1929 nur fünf
(soldaten) .. trugen stiefel an den füßen, die übrigen waren barfuß oder hatten unbeschreibliche fetzen .. umgewickelt Werfel
Barbara 620. 1966
(scherzhaft:) er .. war .. barfuß bis über die ohren Selbmann
söhne 291. 1987 er bekam große lust, schuhe und strümpfe auszuziehen und barfuß weiterzugehen Süskind
taube 97. 2007 man hüpft also barfuß über heiße tempelsteine wie ein tanzbär
süddt. ztg. (19.4.)35f. —
häufig in paarformeln wie wollen und barfuß, nackt und barfuß, barhaupt und barfuß
u. ä., auch idiomat. zur verstärkenden kennzeichnung von demut u. armut: ⟨u1147⟩ do besante sich der heilige man
(Bonifatius) / nâch allen den guoten christen .. / si macheten sich wullîn
(in derber wollener kleidung) unde barefuoz, / sîn saminunge wart vil grôz
kaiserchr. 201 MGH. ⟨n1210⟩ sie kâmen wullen und barfuoz. / sie vielen dem künige an sînen fuoz: / sîner gnâden sie in bâten
herzog Ernst B 5923 B. ⟨u1300⟩ der vil unpflec geborget hat / und dabei naket und barvot gat
väterb. 34930 DTM. ⟨1332⟩ do muͦste er
(der schultheiß) sich machin uz sinem bette barfuͦz und bloizheubit
(Mainz) chr. dt. städte 17,357. ⟨M14.jh.⟩ der herre .. sprach: ganc und lose den sac von dinen lenden und lege ab di schu von dinen vuzen. alsus tet er und ging nact und barvuz Cranc
27 Z. ⟨1390⟩ so sal der man dry sondage vor dem ambt mit wichwasser vmb die kirchin, wollen und barfusz, geen
weist. 1,504 G. ⟨1421⟩ der babist .. gyngk do selber mit dem volke wullen unde barfuess zu den houptkirchen Rothe
düring. chr. 141 L. hs.u1430 er
(Lancelot) .. were ußer sinnen, nacket und barfuß
Lancelot 1,598 DTM. 1472/3 damit sy .. nicht also schentlich vnd armglichenn auß seinem hauß ginge, vnd in einem hemd parhaupt vnd parfuß gesechen würde Arigo
decameron 663 LV. ⟨v1490⟩ also ir 500 mann zugen sich aus und giengen barhaupt und barfuͦß in leinin klaidern Mülich
in: (Augsb.) chr. dt. städte 22,217. 1534
(der angehende bischof) geet demuͤttig barfuͦß vnd barhaupt inn das münster Franck
weltb. 50a. ⟨1564⟩ das die gottseligen Juden .. zu traurens zeiten .. giengen wuͤllen vnd parfuß zu grab Mathesius
ausgew. w. 4,360 L. 1684 wann sie
(die kreuzherren) schon auß dem gelobten land nackend und parfuß
(‘ohne besitztümer’) kommen wären Hartknoch
Preussen 2,272b. 1857 gleichwie mein knecht Jesajas nackt und barfuß gehet: drei jahre lang als zeichen und vorbedeutung wider Aegypten Bunsen
Aegyptens stelle 5,521. ⟨1872/86⟩ ein knabe, barhaupt und barfuß, läuft .. vorüber Rosegger
ges. w. 3(1914)19. 1994 auch hungrig, nackt und barfuß müssen die Serben für ihre freiheit kämpfen
presse (6.8.), IdS-arch. —
öfter idiomat. gänse, enten, hühner
u. dgl. gehen, laufen barfuß
u. ä. zur charakterisierung von selbstverständlichen, ganz natürlichen belanglosen sachverhalten oder mangelzuständen: 1575 o wie eine harte buß ..: gewiß die gaͤnß gehn vngern barfuß Fischart
geschichtklitterung 137 HND. ⟨1579⟩
(mit hilfe von weihwasser) dem menschē eine vnsichtbare gnad mitzutheilen, so wol als das h. oel ... ergo so bleibt es auch ein sacrament oder die enten gehn barfuß Fischart
binenkorb (1588)181b. 1654 man müsse .. nicht viel bekümmern, ob die endten gehen baarfuß oder schlieffen in die stiefel Abele
gerichtshändel 301. ⟨v1709⟩ gänß gehen barfuß Abraham a
s. Clara
kramerladen (1710)1,493. 1852 es sind schlechte zeiten ..! die hühner gehen barfuß Freiligrath
brw. mit Marx 1,49 ak. 1908 es war in aller früh, da kam die gans dahergepatscht und lief barfuß
Charon 5,218. 2
von pferden ‘unbeschlagen, ohne hufeisen’: ⟨u1200/10⟩ ein ors daz was wol beslagen, / und ein barvuoz pfäret daz muose tragen / eine vrouwen die er sach Wolfram
Parzival 7256,14 L./H. 1387 und die acht pfert sullin sein voren beslagen und hinden sullen sij barfuz sein
richtsteig landrechts 309 H. 1571 stell es
(das pferd) parfueß in ein küestall
pferdearzneib. Friedrich v. Württemberg 140 K. 1711/59 von verböllten huffen. .. kombt entweder von gar zu hartem oder zu weichem huf wan nemlich das pferd lang barfuß darauff geritten worden Kersting
pferdeheilkunst 128 F. 1874 die pferde gehen barfuß ...
ne sont pas ferrés Sachs/
V. dt.-frz. wb. 192c.Sattler