Bakke-oªwen
m. ⟨Bakke- (Kr. MeppenMep Kr. Meppen@RütenbrockRb, Kr. BrilonBri Kr. Brilon@NiederalmeNa), „bɐk“(wohl ›-ä-‹) Kr. PaderbornPad Kr. Paderborn@NordborchenNb, gewöhnlich Bak-. Das w des Grundwortes zeigt teilassimilierte Formen an das Bestimmungswort in: „Backaogen“ (Kr. Aschendorf-HümmlingAsd Kr. Aschendorf-Hümmling@DörpenDö), „Backougen“ (Kr. Aschendorf-HümmlingAsd Kr. Aschendorf-Hümmling@LorupLo), „Backkougen“ (Kr. CloppenburgKlo Kr. Cloppenburg@HollenHo), „Backkougend“ (Kr. CloppenburgKlo Kr. Cloppenburg@ScharrelSc), „Backogen“ (Kr. WittlageWlg Hb)⟩ Backofen. — S. Abb. 20. — Gemeint sind die nur noch selten vorhandenen und kaum noch genutzten Backöfen der Hausbäckerei. Kr. Grafschaft DiepholzDie einfachste Form, der freistehende Ofen auf dem Hofgelände, ist nur noch selten erhalten. Er war gegen Witterungseinflüsse mit einer Torf- oder Plaggenschicht abgedeckt, häufig auch mit einem Dach geschützt (Lüb, Ahs, Bor, Dor). Nur die ältesten Öfen sind ganz aus lehmverschmiertem Flechtwerk gebaut. Kr. Grafschaft DiepholzDie größte Schwierigkeit bereitete dabei das Ofengewölbe (→
Heªwen). Man baute zunächst die gewünschte Gewölbeform aus Reisig und Torf, bei größeren Öfen ein sorgfältig geflochtenes Lehrgerüst, das herausgebrannt wurde, wenn das Lehmgewölbe fertig war. Auch für die meist übliche Ofenwölbung aus Ziegelsteinen verwendete man zuweilen noch ein Holzgerüst als Modell (
z. B. Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@VredenVr, Kr. MünsterMün Kr. Münster@CoerdeKö) (→ Foªrmēl). Kr. Grafschaft DiepholzDie Hausfrau mußte (nach WWB-Source:325:WoeNWoeN) den letzten Stein einschlagen. Das aus Ziegelsteinen (mit Lehm als Mörtel) gebaute Gewölbe wurde ebenfalls mit einer dicken Lehmschicht umgeben. — Kr. Grafschaft DiepholzDie größeren Bauernhöfe, auch die Backgemeinschaften im südl. und östl. Westfalen, hatten im allgemeinen ihre Backöfen in einem besonderen Gebäude, dem →
Bakkes. Zuweilen waren —
z. B. im Münsterl — dort zwei Öfen eingebaut. Waren sie in der Größe verschieden, diente der große als →
Brō²doªwen zum Schwarzbrotbacken (= Pumpernickel →
Brō²d), während der kleine Ofen als →
Stūtenoªwen dann nur zum Weißbrotbacken (→
Stūte) gebraucht wurde (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@SchöppingenSc || Kr. CoesfeldKos Kr. Coesfeld@OsterwickOw, Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LadbergenLb). — Im Münsterl, besonders wohl im W, waren häufig auch kleine Backöfen (z. T. zwei Öfen) im Wohnhaus, und zwar in der starken gemauerten Kaminwand hinter dem →
Bō¹sem im Stāpel (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@SchöppingenSc Kr. Ahaus@WüllenWü Xy), eingebaut Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@ErleEr, (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@AhleAe Kr. Ahaus@LegdenLe Kr. Ahaus@SchöppingenSc Kr. Ahaus@WüllenWü Xy, Kr. Borken u. die krfr. Stadt BocholtBor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@GemenwirtheGw, Kr. CoesfeldKos Kr. Coesfeld@OsterwickOw, Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@BorghorstBo, Kr. MünsterMün Kr. Münster@HavixbeckHa). Sie dienten dem Stūtenbakken. In dörflichen Siedlungen des Westmünsterlandes —
z. B. in der Gegend von (Kr. AhausAhs Kr. Ahaus@SchöppingenSc) — gab es gewöhnlich wohl nur diese kleinen Backöfen im Schornsteinblock. Auch in Landschaften ohne Wandkamin waren — häufiger wohl bei kleineren Anwesen — Backöfen hinter der Feuerstätte eingerichtet (meist war das Ofengewölbe mit Bedachung versehen) von außen sichtbar dem Wohngiebel vorgebaut (Kr. Aschendorf-HümmlingAsd Kr. Aschendorf-Hümmling@NeurhedeNr, Kr. LübbeckeLüb Xy, Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg, Kr. MeschedeMes Kr. Meschede@NordenauNo Kr. Meschede@RemblinghausenRb, Kr. BrilonBri Kr. Brilon@NiederalmeNa Kr. Brilon@SilbachSi, Kr. BürenBür Kr. Büren@WünnenbergWü). Zuweilen stand in Südwestfalen der Backofen, mit Rauchabzugsmöglichkeit zum Schornstein, im Kellergeschoß (
z. B. Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg, Kr. MeschedeMes Kr. Meschede@NordenauNo Kr. Meschede@NuttlarNu). Lit.: Schepers, besonders 207 ff. (Aufmaßteil) und ders., Ofen und Kamin (Festschrift für J. Trier 1954), 368 ff. — Vgl.
u. a. auch
M. Bringemeier, Vom Brotbacken in früherer Zeit. Berichte. Archiv für westfälische Volkskunde. Münster 1961. — Rathert. — Raa.: Oft stürzte der Backofen beim Bauen des Gewölbes ein, besonders, wenn der Bauer ihn selbst herstellte. Daher die ironische Wendung: „Wat höllt der ēwig? segg de Buer, dao störtte em de niee Backuowen in“ (Münsterl WWB-Source:16:BahlmBahlm 91 || Kr. Borken u. die krfr. Stadt BocholtBor Kr. Borken u. die krfr. Stadt Bocholt@HeidenHd), „nix hölt äiwig ...“ (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen@LünenLü). „Et giët nicks wat eiwig höällt, saggte de Müermann, doa har hei nen Backuowen maket, dei inein estüörtet was“ (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü || WoeNl, WWB-Source:129:HoncHonc). Wenn eine Frau sich ins Wochenbett legt, sagt man do iës de Backuawe instüötet (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). Vgl. hierzu WWB-Source:111:HDAHDA I 788. Im Vergleich steht der Ofen für etwas unförmig Großes,
z. B. Ōgen äs ’n Bakkōwen (Kr. BersenbrückBbr Kr. Bersenbrück@VoltlageVo). Von einem kleinen, geringen Mann sagt man dai kann im ’me Backuowen diäsken (dreschen) (Kr. SoestSos Kr. Soest@BrockhausenBr || Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@RecklinghausenRh = WWB-Source:310:WalterWalter 26). Reichen die Kräfte nicht aus, um widrige Umstände zu ändern, gegen einen Stärkeren etwas durchzusetzen, sagt man: Tiëgen ’n Bakkuämm is slecht hōjānen Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@RheineRh || (Kr. HalleHal Kr. Halle@BrockhagenBh Kr. Halle@LoxtenLo Kr. Halle@VersmoldVm, Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@BellenbergBb Kr. Detmold@HeidenoldendorfHd Kr. Detmold@IstrupIs = WWB-Source:230:PlatenauSpPlatenauSp), „... is quaut janen“ (Kr. OsnabrückOsn WWB-Source:145:KlönKlön || Nh Strodtm, Kr. BersenbrückBbr Xy = WWB-Source:190:MittHgMittHg XV 31, Kr. LingenLin Kr. Lingen@MehringenMr = WWB-Source:316:WellmWellm 266), „... es nich gahn“ (Kr. LübbeckeLüb Kr. Lübbecke@GehlenbeckGb = Heimatbl. Lübbecke 1926), „... kann ’n nich annejaonen“ (Kr. MindenMin Kr. Minden@HahlenHa || Kr. BielefeldBie Kr. Bielefeld@GellershagenGh) ... kann man nich jānen (Kr. HerfordHfd Kr. Herford@GohfeldGo), ... kann ’m slecht anjiän’n (WWB-Source:235:RathertRathert 14), ... nit angāpen (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen@WellinghofenWl), ... nich gāpen (Kr. LingenLin Kr. Lingen@MehringenMr = WWB-Source:316:WellmWellm 275 || WWB-Source:129:HoncHonc), „... is slecht anjappen“ (Kr. MindenMin Kr. Minden@WindheimWh = WWB-Source:185:MeyerMeyer 139). Tiëgen ’n heten Backuowen kann ’m nich angapen“ (Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. GladbeckRek Kr. Recklinghausen u. die krfr. Städte Bottrop u. Gladbeck@RecklinghausenRh = WWB-Source:310:WalterWalter 37 || die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen@LünenLü, Kr. CoesfeldKos Kr. Coesfeld@OsterwickOw), „... nich pussen“ (pusten) (Kr. LüdinghausenLhs Kr. Lüdinghausen@OndrupOn), „... nich ānpissen“ (= ein Tropfen auf dem heißen Stein) (die krfr. Städte Essen u. OberhausenEss die krfr. Städte Essen u. Oberhausen@KönigssteeleKs). Das ist soviel, „ase wenn ’me in en Backuawen spigget“ (Kr. ArnsbergArn Kr. Arnsberg@HagenHg). „Teegn ’nen Backaomt köi nich angaapen, teeng ’n Fuur Meß köi nich anstīⁿken“ (Kr. Grafschaft BentheimBen Kr. Grafschaft Bentheim@WilsumWm = WWB-Source:233:RakersGVRakersGV 2117 || Münsterl), „... nich jaanen ...“ (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe = WWB-Source:240:RickelmRickelm 613). Kǟgen ’n Bakkawent is kuat janen un kǟgen ’n Foer Meß (Fuder Mist) laip stinken (Kr. BersenbrückBbr Kr. Bersenbrück@WulftenWu) || No, „... es schlächt haujahnen ...“ (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@IstrupIs = WWB-Source:230:PlatenauSpPlatenauSp), „... kann man nich jaanen ...“ (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe = WWB-Source:240:RickelmRickelm 613). Manchmal findet man mit seinem Anliegen wenig Gegenliebe, es ist „grade so guet, as wann d’ tiegen den Backoam küerst“ (die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-EickelGel die krfr. Städte Gelsenkirchen u. Wanne-Eickel@ÜckendorfÜd). Auf urteilsloses und törichtes Handeln zielt das Sagwort: „Der äisten Näut et äiste stuiern, sachte de Būr, do botte (zündete er) en Backuawen met’m Backetruage ān“ (Kr. MeschedeMes Kr. Meschede@BödefeldBö). „De euersten Naut es behobm, see de Friu ...“ (Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@IstrupIs = WWB-Source:230:PlatenauSpPlatenauSp). Ähnl. Raa. →
Bakketrog. Wegen der starken Rauchentwicklung beim Anheizen sagt man von einem starken Raucher: „He dampet äs ’n Backuebm“ (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe). →
bakken. Ist es irgendwo besonders heiß, sagt man: „so hǟit at im Bakkoamen“ (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen@WellinghofenWl || Schleef, Kr. SteinfurtStf Kr. Steinfurt@AltenrheineAr, Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@GesekeGe, WWB-Source:325:WoeNWoeN). Hat jemand ein sehr rotes, erhitztes Gesicht, fragt man ihn: „häst du in ’n Backaoben säten?“ (Kr. MindenMin Kr. Minden@KutenhausenKh) oder: „He glait äs so’n Backuowen“ (Kr. CoesfeldKos Kr. Coesfeld@HoltwickHw || Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@MettingenMe Kr. Tecklenburg@ReckeRe, Kr. WarendorfWdf Kr. Warendorf@HoetmarHo, Kr. BielefeldBie Kr. Bielefeld@DeppendorfNd, Kr. BeckumBek Kr. Beckum@AhlenAl, Kr. BrilonBri Kr. Brilon@NiedersfeldNf), „däi gloart as ’n Baeckoawand“ (Kr. Aschendorf-HümmlingAsd Kr. Aschendorf-Hümmling@VreesVr || Kr. HerfordHfd Kr. Herford@ObernbeckOb, Kr. BeckumBek Kr. Beckum@AhlenAl), he brennt ... (Kr. MindenMin Kr. Minden@WersteWe || Kr. OsnabrückOsn Kr. Osnabrück@OsnabrückOb), he gloimt (→ glomen) ... (Kr. LemgoLem Kr. Lemgo@LangenholzhausenLh), dai Kopp glǫiset (→ glosen) ... (Kr. PaderbornPad Kr. Paderborn@HövelhofHö), ... löcht ... (Ennepe-Ruhr-KreisEnr Ennepe-Ruhr-Kreis@HerbedeHe). „He kräich nen Kopp wī nen Backouwen“ (Kr. TecklenburgTek Kr. Tecklenburg@LeedenLd || Re, Kr. LemgoLem Kr. Lemgo@WendlinghausenWh, Ennepe-Ruhr-KreisEnr Ennepe-Ruhr-Kreis@HerdeckeHd). „Dai hiät öuk al ächterm Backuäbm huäkken“ der hat das auch schon alles durchgemacht, erlebt Kr. IserlohnIsl Kr. Iserlohn@IserlohnIs. „Me säuket nümmes ächtern Backuoawen, oder me hiät selwes drächter esiäten“ (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü || WWB-Source:324:WoeGMWoeGM 77). Hittken (Ziegenlamm) ächtern Backäwen nennt man jemanden, den man ausgeschickt hat, um einen anderen zu holen, und der nun selber ausbleibt Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@AltenaAl. „Bå bliffi wann de Welt verget? — Dann krupe vi innen Backuowen (um die brotessenden Propheten lächerlich zu machen)“ (WWB-Source:324:WoeGMWoeGM 81). „Man kann ’t nich in den Backowen schuben“ man darf eine Arbeit nicht halb machen (Kr. MindenMin Xy = WWB-Source:236:RavBlRavBl XII 72). „Dat es en Verseihen, saggte de Bäcker, dao harr hei sine Frau in ’n Backuowen schuowen“ (Kr. Altena u. die krfr. Stadt LüdenscheidAlt Kr. Altena u. die krfr. Stadt Lüdenscheid@LüdenscheidLü). Wenn ek dat Gält könnte outem Bakkuǫwen tēn! wenn ich das Geld mit so leichter Mühe herbeischaffen könnte Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil)Wal Kr. Waldeck u. Kr. Frankenberg (niederdeutscher Teil)@BenkhausenBh || (Kr. LippstadtLst Kr. Lippstadt@GesekeGe). Bei etwas Verkehrtem, Ungereimtem sagt man: „Minleämm hek noch känn hültenn Backoamm sain“ (die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. LünenDor die krfr. Städte Dortmund, Castrop-Rauxel u. Lünen@WellinghofenWl). „Olles in ’r Welt, bleoß keunen höltenen Backomen“ (Kr. LemgoLem Kr. Lemgo@BegaBg). Rätsel vom Backofen voll brauner Brote und vom Brotschieber: „Ick hewwen Stall vull brune Peere, ick kann se nich rut locken, ick kann se nich rut tocken, Plattfaut de mot sei rut halen“ (Kr. MindenMin Kr. Minden@WindheimWh = WWB-Source:185:MeyerMeyer 187 || Kr. DetmoldDet Kr. Detmold@HeidenoldendorfHd = WWB-Source:204:NdJbNdJb 34, 145, Münsterl WWB-Source:334:ZrhwVZrhwV 12, 82) Kr. HöxterHöx Kr. Höxter@SandebeckSb. — Vgl. auch Raa. unter →
Oªwen. ¶ Kr. Grafschaft DiepholzDie oben als teilassimilierte Formen angeführten Belege mit ›-oªgen‹ (statt ›-oªwen‹) erklären sich wohl phonetisch aus der engen Verwandtschaft des bilabialen w und des g als sth. Reibelaute. (Vgl. Otto Jespersen, Elementarbuch der Phonetik, Berlin 1912, S. 100, 8.5.)