Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
bäurisch
bäurisch
3Bauer m. ‘wer Grund und Boden, mit dem ihn ein bestimmtes Eigentumsverhältnis verbindet, bestellt’; entstanden aus schwach flektierendem ahd. gibūro m. ‘Familien-, Stammesgenosse, Dorfgenosse, Nachbar, Mitbürger, abhängiger Bauer’ (8. Jh.), neben stark flektierendem gleichbed. gibūr (8. Jh.), mhd. gebūr(e) (neben būr(e)) ‘Miteinwohner, Nachbar, Bauer, roher Mensch’. Es handelt sich um substantivische Possessivkomposita zu dem unter 2Bauer behandelten Wort mit dem Präfix gi-, ge-, das hier die Bedeutung ‘zusammen mit, gemeinsam mit’ hat (s. Genosse, Geselle). Bauer ist eigentlich ‘wer die Wohnung mit (einem) anderen gemeinsam hat’, der ‘Mitbewohner’. Bereits im 15. Jh. geht die volle Form, die noch im Familiennamen Gebauer erhalten ist, zurück; es setzt sich die präfixlose Form Bauer, mhd. būr(e) durch. – Neubauer m., im 18. Jh. ‘neuer Anbauer, Kolonist’; 1945 ‘wer durch die Bodenreform Land zur Bewirtschaftung erhält’. Bäuerin f., mhd. būrīn, gebūrinne, gebiurinne. bäurisch Adj. ‘unfein, derb, grobschlächtig’; ahd. gibūrisc (Hs. 12. Jh.), mhd. (ge)biurisch ‘bäuerlich’ (diese Bedeutung noch im 18. Jh.), daneben auch schon früh ‘grob, derb, unverfeinert hinsichtlich Sitte und Lebensart’ im Gegensatz zum Adel oder zum Städter (14. Jh.). bäuerlich Adj. ‘den Bauern betreffend’, ahd. gibūrlīh ‘nachbarlich, bürgerlich, öffentlich’ (9. Jh.), mhd. (ge)būrlich, gebiurlich ‘bäuerlich’.