AUSBEUTELN vb. mhd. ûzbiuteln. 1
mehl durch ein mehlsieb laufen lassen, von gröberen bestandteilen befreien, siebend verfeinern; zuerst bildl.: ⟨E13./A14.
Jh.⟩ swenne daz kleine wirt ûz gebiutelt, sô sol ich bekennen als ich bekant bin, als er sich selber bekennet âne kleine und âne mitel in ime selben alzemâle
in: meister Eckhart
dt. w. 3,202 Q. ⟨1531⟩ uf das betracht ein ieglicher .. die vilfeltigen zeichen in himel und erden, das durch söliche zeichen befunden wird, ein sölich hert scheiden von einandern und so gnau usgebütelt, das ouch der gerecht kum bston wird Paracelsus
I 9,388 S. 1541
excernere .. auszbeutlen Cholinus/
F. dict. 331b. 1562 wie ein schoͤn außgebeutelt mel, da keine kleyen oder pol mehr bey ist Mathesius
Sarepta 92b. 1562 die geleuterte, gewuͤrffelte, außgebeutelte, außgeriebne vnnd außgepleychte lehr von der waren busse vnd vergebung der sunden
ebd. 172b. 1598 etliche .. lassen das beste vom mehl ausbeuteln Colerus
oecon. 4, Qq 2a. 1778 das weisse grießmähl, welches durch handarbeit ausgebeutelt wird
ephemeriden d. menschheit 2,74. ⟨1832⟩ eine große menge zierlich gekleideter herren .. eilten auf und ab, das schroten, mahlen und ausbeuteln zu besorgen Eichendorff
w. [1908]4,273 K. 1903 das schwarzmehl wird weniger ausgebeutelt und enthält daher mehr kleber als weißmehl Paust
naturlehre 3102. 1939 utgebiedelt mehl Ziesemer
preuß. wb. 1,285b. 2
geld aus dem beutel nehmen, den geldbeutel leeren; mit objektwechsel refl. ‘
sein geld (vollständig) ausgeben, sich verausgaben’,
mit persönl. objekt ‘jmdn. um sein geld bringen, ausnehmen’
; übertr. auch mit sachobjekt ‘etwas plündern’ 1561 da trawre ich, / das er schier auß gebeuttelt hat, / wann er bat mich nur nechten spat, / ich solt im 20 guldin leyen Sachs
11,230 LV. 1648 habe mich sonsten zwar sehr außgebeuttelt, vndt werde alhier .. nicht viel geldt wegzuwerfen haben
ertzschrein 116 K. 1784 um 101⁄2
(uhr) endlich trüb, ausgebeutelt und wüst, in meinem wagen ab Forster
tgb. 197 DLD. 1837 Jenny hat .. einmal sogar 40 reichstaler auf einmal ausbeuteln müssen Droste-H.
br. 1,237 K. 1838 beuteln sie ihr pult aus, schreiben sie, was sie von gedichten haben .., ab Chamisso
w. (1836)6,223. 1846 meine finanzen sind schlecht, diese krankheit und die reise nach Barèges haben mich schier ausgebeutelt Heine
br. 3,83 H. 1853 aber es hat mich jüngsthin mein buchhändler Campe .. bis auf den letzten vers ausgebeutelt
ebd. 465. 1969 nun hockten wir in unserem massensarg, verlassen, ausgebeutelt Zimmering
Grischa 11. 1998 dan ham se abber in der schenke ausgebeitelt!
wb. obs. mdaa. 1,125b. —
jmdn. zur preisgabe von informationen veranlassen nötigen: 1923 wenn Mala nicht zugegen gewesen wäre, hätte Gereon wohl kaum mehr an sich halten können und den kerl ausgebeutelt daraufhin, ob er denn wirklich .. sichere beweise gegen Mala gehabt hätte Eulenberg
zugvögel 204. 1928 ausbeuteln ..
aushorchen, rhein. wb. 1,670. ⟨1943⟩ unter des stiches qualenzwang blieb ihm nichts übrig, als mit einem seiner verborgenen namen nach dem anderen herauszurücken ... .. sie .. beutelte ihn aus bis aufs letzte, bis er ihr auch den allergeheimsten genannt hatte Th. Mann
Joseph 3(1954)78. 3
kleidungsstücke mit beutelförmigen wölbungen, ausbuchtungen versehen, ausbeulen; überwiegend im zustandspassiv: ⟨1860⟩ beinkleider .., die .. auf den knieen ausgebeutelt sind Goltz
typen (1864)1,10. ⟨1949⟩ beide hände in den ausgebeutelten manteltaschen Sfghers
d. toten (1950)106. 1959 Oskar verstand es .. mit den knien seine hosenbeine gleichmäßig auszubeuteln Grass
blechtrommel 572. 2003 ab und zu kam vater G. P. im ausgebeutelten trainingsanzug in die kita
berl. ztg. (30.6.)25a. —
vereinzelt von tierischen körpern oder körperteilen auch refl.: 1909 daß dieses fliegende krokodil .. seinen eignen leib so ausgerenkt und im buchstäblichen sinn ausgebeutelt hat, daß es mit diesem leibe selbst hoch durch die wolken fliegt Bölsche
stunden 63. 1946 ein anderes bergzebra ... die schweren köpfe haben lange eselsohren, der hals beutelt sich zu einer wamme aus Gerlach
vierfüssler 31. 4
süddt., österr. ‘
etwas ausschütteln und von staub u. dgl. befreien’; zuerst: 1926 vielen spaß machte ihm
(dem fuchs) das wühlen im haar meiner frau, und zwar zog er zunächst die haarkämme und -nadeln heraus und beutelte dann das haar ordentlich aus B. Schmid
seelenleben 80. ⟨v1942⟩ ich beutle stets mein staubtuch aus direkt vor ihrer nase
in: Ebner
Duden, Öst. (1969)34b. 1956 wahrscheinlich haben sie vergessen, das fenster zu schließen, als sie den mop und den bettvorleger ausgebeutelt hatten
süddt. ztg. 2,4. 2001 die tischdecke a(usbeuteln)
Duden, universalwb. 195c.Scheider