Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Artikulation
Artikulation
Artikel m. ‘Warengattung, Abhandlung, Gesetzesabschnitt, Geschlechtswort’ gelangt in seinen Hauptverwendungen durch mehrfache Entlehnung ins Dt. Lat. articulus ‘kleines Gelenk, (Finger)glied, Abschnitt’, Deminutivum zu lat. artus ‘Gelenk, Glied’, wird in mhd. Zeit im Sinne von ‘Gesetzes-, Vertragsabschnitt’ übernommen. Über Zwischenstufen wie ‘Abschnitt, Teil eines Textes’, auch ‘(Streit)punkt, Verhandlungsgegenstand’ (geläufig vom 16. bis 18. Jh.), entwickelt sich im 18. Jh. die Bedeutung ‘(kleinere) Abhandlung, (Zeitungs-, Zeitschriften)aufsatz’. Im 16. Jh. wird der grammatische Terminus aus lat. articulus ‘Rede-, Satzteilchen’ (eigentlich ‘syntaktisches Gelenkstück’) entlehnt, der sich seit dem 17. Jh. als Bezeichnung für den Substantivbegleiter durchsetzt. Die Abhängigkeit vom Lat. dauert über Jahrhunderte an. Neben bereits eingedeutschtem mhd. artikel (1291 artikeln Dativ Plur.) begegnen bis ins 18. Jh. Formen (zum Teil in lat. Flexion) wie Articul (Sing. und Plur.), Articulen (Dativ Plur.), Articulos (Akkusativ Plur.). Schließlich wird im 17. Jh. die kaufmannssprachliche Verwendung ‘Warengattung’ aus gleichbed. frz. article entlehnt, das ebenfalls auf lat. articulus zurückgeht. – Artikulation f. ‘deutliche, gegliederte Aussprache, Lautbildung’; nur fachsprachlich bzw. veraltet sind Verwendungen wie ‘Abgrenzung der Töne gegeneinander’ (Musik), ‘Gelenk’ (Anatomie), ‘Stellung der Zahnreihen zueinander’ (Zahnmedizin). Entlehnt (vereinzelt 17. Jh., geläufig seit 2. Hälfte 18. Jh.) aus lat. articulātio (Genitiv articulātiōnis) ‘Knotenansatz’ (an Bäumen), spätlat. ‘gegliederter Vortrag’. artikulieren Vb. ‘deutlich aussprechen, in Worte fassen’ (2. Hälfte 16. Jh.), älter ‘gliedern, (in Artikel) einteilen’ (um 1500), aus lat. articulāre ‘gliedern, deutlich aussprechen’.