Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
anomal Adj.
anomal Adj.
anomal Adj. ‘von der Regel abweichend’ wird Anfang des 19. Jhs. wie auch schon älteres anomalisch (2. Hälfte 17. Jh. bis Anfang 20. Jh.) zunächst als grammatischer Terminus verwendet. Beide sind aus spätlat. anōmalos, anōmalus ‘der Form nach mit der Regel nicht übereinstimmend, unregelmäßig’ entlehnt, nach griech. anṓmalos (ἀνώμαλός) ‘uneben, ungleichartig, ungleichmäßig’, aus verneinendem a- bzw. an- vor Vokal (ἀ- privativum) und griech. homalós (ὁμαλός) ‘gleich, eben(mäßig), glatt’, einer l-Bildung zu griech. homós (ὁμός) ‘gemeinsam, ein und derselbe, gleich, ähnlich, eben’ (s. homo-). Das ähnlich lautende anormal Adj. ‘nicht normal, von der Regel abweichend, ungewöhnlich, abnorm’ (2. Hälfte 19. Jh.) ist unter Einfluß von gleichbed. frz. anormal (vgl. schon mlat. anormalus ‘von der Regel abweichend’) vermutlich das Ergebnis einer Kreuzung aus anomal und normal (s. d.), vielleicht auch eine späte Neubildung mit negierendem griech. a(n)- ‘nicht, un-’ und lat. nōrmālis ‘nach dem Winkelmaß gemacht, der Regel entsprechend’, von lat. nōrma ‘Winkelmaß, Richtschnur, Regel’ (s. Norm). – Anomalie f. ‘Abweichung von der Regel, vom Normalen, Ausnahme, Abnormität’, gelehrte Entlehnung (um 1700) aus gleichbed. lat. anōmalia, nach dem von griech. anṓmalos (s. oben) abgeleiteten anōmalía (ἀνωμαλία) ‘Unebenheit, Ungleichförmigkeit, Ungleichheit’. Anfangs besonders als grammatischer Terminus und in der Astronomie im Sinne von ‘Amplitude’ gebraucht.