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Anmuth

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Anmuth

Bd. 1, Sp. 340
Die Anmuth, plur. car. 1) Die sanfte angenehme Empfindung, welche durch den Genuß des Guten hervor gebracht wird. Dann fühle ich ganz die Anmuth häuslicher Sicherheit. Wie viele Anmuth des Lebens rauben sich diejenigen, die sich aus Eigensinn zu einem ehelosen Stande verdammen, Gell. O Anblick, der mich fröhlich macht, Mein Weinstock reift und Doris lacht, Und mir zur Anmuth wachsen beyde! Haged. Noch häufiger aber, 2) diejenige Eigenschaft an den Gegenständen, welche diese sanfte Empfindung hervor bringt, besonders so fern diese Eigenschaft in das Auge fällt. Die Anmuth einer Gegend. Ein Garten von besonderer Anmuth. Wüßten sie, wie viel Anmuth das Landleben bey sich führet! Anm. Wachter hält Anmuth für ein neues Wort, das von muthen, animum afficere, herkomme, wenn es nicht gar aus dem Latein. Amoenitas gemacht worden. Frisch glaubt, daß es aus Annehmede entstanden, und rechnet es folglich zu nehmen, und annehmen. Beyde kennen nur die zweyte Bedeutung in diesem Worte, und übergehen die erste, die doch die ursprüngliche ist, völlig. Aber aus dieser erhellet zugleich, daß Anmuth wirklich[] aus Muth zusammen gesetzt ist. Dieses bedeutete ehedem unter andern auch, theils eine jede Begierde, theils aber auch Freude und Vergnügen. Frisch selbst führet aus dem Leo Jud zwey Stellen an, in welchen derselbe der Anmuth für Sinn, Begierde gebraucht, erkläret aber dieses Wort irrig für veraltet, wozu ihn vermuthlich das männliche Geschlecht, in welchem dieser Schriftsteller das Wort gebrauchet, verleitet hat. Nur das Vorwort an macht hier einige Schwierigkeit, weil dessen eigentliche Bedeutung hier nicht sogleich klar ist. Es kann, in so fern Muth hier Begierde und Verlangen bedeutet, entweder die Richtung des Gemüthes auf den verlangten Gegenstand andeuten, oder es kann auch, wenn Muth hier für Freude, Vergnügen stehet, eine mildernde Kraft haben, und einen geringen Grad der Freude ausdrücken, welches dem Verstande des Wortes Anmuth, so fern es eine Empfindung bezeichnet, vollkommen angemessen ist, indem Anmuth, Vergnügen, Freude u. s. f. nur dem Grade nach verschieden sind. S. auch die beyden folgenden Artikel. Schilter führet aus dem Steinhovel das Beywort anmin für anmuthig an, welches diese Ableitung bestätiget; indem Min in dieser Zusammensetzung ohne Zweifel das alte Minne, Liebe ist. Das Angelsächsische anmod für widerspänstig, hartnäckig, gehöret zu einer andern Bedeutung des Wortes Muth, nach welcher es auch Zorn, Eifer, bezeichnete. Es ist sonderbar, daß Anmuth, in so fern es eine Eigenschaft der Gegenstände ausdruckt, im Hochdeutschen nur von solchen Dingen gebraucht wird, die durch das Gesicht empfunden werden. In der Zusammensetzung des Wortes ist kein Grund dazu vorhanden. Es rühret solches ohne Zweifel von einer bloßen Unterlassung der Hochdeutschen her, die dieses Wort von den Oberdeutschen bekommen haben, bey welchen es wirklich von allen übrigen Sinnen üblich ist.
2923 Zeichen · 29 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Anmuth

    Adelung (1793–1801) · +1 Parallelbeleg

    Die Anmuth , plur. car. 1) Die sanfte angenehme Empfindung, welche durch den Genuß des Guten hervor gebracht wird. Dann …

  2. Sprichwörter
    Anmuth

    Wander (Sprichwörter)

    Anmuth 1. Anmuth geht über Schönheit. – Tendlau, 738. Lat. : Gratior est pulchro veniens in corpore virtus. 2. Anmuth ma…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit anmuth

9 Bildungen · 8 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

anmuth‑ als Erstglied (8 von 8)

Anmuthen

Adelung

anmut·hen

Anmuthen , verb. reg. act. von einem begehren, verlangen, ihm zumuthen, doch nur im gemeinen Leben. Einem etwas anmuthen. Das möchte ich ihm…

Anmuthig

Adelung

Anmuthig , -er, -ste, adj. et adv. Anmuth habend, oder Anmuth erweckend, nicht nur von Gegenständen, die in das Gesicht, sondern auch von so…

Anmuthigkeit

Adelung

anmuthig·keit

Die Anmuthigkeit , plur. inus. der Zustand, da etwas anmuthig ist, Anmuth in der zweyten Bedeutung hat.

Anmuthiglich

Campe

anmuth·iglich

≠ Anmuthiglich , adj. u. adv. soviel als anmuthig unnöthiger Weise verlängert. Kannst du noch nicht, gutes Ding! Dich in den Winkel stellen …

Anmuthlos

Campe

anmuth·los

○ Anmuthlos , — er, — este, adj. u. adv. der Anmuth beraubt, ohne Anmuth. »Er (der Rhein) floß trüb und anmuthlos dahin.« Bürde. Naht er Per…

Anmuthreich

Campe

anmuth·reich

○ Anmuthreich , — er, — ste, adj. u. adv. reich an Anmuth, sehr anmuthig. Die Schwelle des anmuthreichen Gemaches. Voß. Anmuthreich ein Gewe…

Anmuthsvoll

Adelung

anmuth·s·voll

Anmuthsvoll , -er, -ste, adj. et adv. voll Anmuth. Eine anmuthsvolle Gegend. O fliehe nicht, rief sie mit anmuthsvollem Ton, Wiel.

Anmuthung

Campe

anmuth·ung

Die Anmuthung , Mz. die — en. 1) Die Handlung des Anmuthens; ohne Mehrzahl. 2) Etwas, das man einem anmuthet. Solche Anmuthungen dürfen sie …

Ableitungen von anmuth (1 von 1)

unanmuth

DWB

unanmuth , m. f. , mangel an anmuth, verlangen, liebe, zuneigung; feindseligkeit. vgl. unanmuthig . selten und in der neueren bedeutung von …

Zitieren als…
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Cotta, M. (2026). „anmuth". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/anmuth/adelung?formid=A02415
MLA
Cotta, Marcel. „anmuth". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/anmuth/adelung?formid=A02415. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „anmuth". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/anmuth/adelung?formid=A02415.
BibTeX
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