ANBEISZEN vb. 1
etwas essen, eine (kleine) mahlzeit einnehmen: ⟨u1400⟩ si wolten in die statt für war. / da anbeißen, das was in not, / wann ins der heggwirt nit wol bot Kaufringer
1,285 LV. ⟨1468⟩ also ließ ich mir anzepeißen machen und aß und trank
(Augsb.) chr. dt. städte 5,106. 1534 auf daß villeicht in nit gezim auß dem wirthauß zuͦ gehen, ehe dann sie haben da anbissen und wol gezecht Franck
encomion 135 G. 1669 zudem muß niemand dieses leben deßhalber so elend- und jammervoll schetzen; wans ihm nicht gehet nach seinem willen; .. wan er muß sparsam anbeissen, im schweiß seine nahrung suchen Schottel
ethica 40. 1784 hierauf kehrten wir .. in das haus zurück, wuschen uns, bißen an, und fuhren
(weiter) Forster
tgb. 38 DLD. ⟨1875⟩ solange er zu erzählen hatte, da ging es noch an, da rückte man ihm doch ein glas hin und etwas zum „anbeißen“, daß er hübsch redselig blieb Anzengruber
34,230 B. – im besonderen ‘
frühstücken’ 15.jh. er bat sie alle geleich, / beide arme vnd reich, / daz sie sich dez fließen, / vnd fruewe mit ym anbießen
erz. altdt. hss. 138 LV. ⟨1542⟩ des morgens nuͤchtern ist es nutzlicher, das man vorhin ein wenig anbeisse Ryff
spiegel (1544)27b. 2
in etwas eßbares beißen; anfangen, etwas zu essen: ⟨n1427⟩ so nympt ydlichs ein pröcklein
(brot) und peyssendt da mitt an Schiltberger
48 LV. 1561 dann welcher vnder vns hat den oͤpffel im paradyß angebissen Bullinger
widertoͤuffer 26b faks. 1669 ein hund .. ist begierig, solches
(fleisch) mit lust zuessen .. in dem er aber wil anbeissen, schmecket er wolfsfleisch, .. schleudert es weg und läuft mit eckel davon Schottel
ethica 100. 1742 sie gedachten ihren hunger mit einer schmackhaften speise zu vermindern, allein sie kauten vor die frucht nur bittere asche. sie warffen sie .. wieder zur kehle aus. hunger und durst zwangen sie, daß sie manchmahl anbissen, aber sie wurden allemahl betrogen Bodmer
Milton, paradies 466 faks. 1833 saß da ein knabe, der bettelte; ich gab ihm das brot, was ich angebissen hatte Pückler-
M. brw. 1,1,152 A. ⟨1978⟩ die soldaten gaben uns ihre angebissenen stullen Lenz
heimatmuseum (1980)160. 3
etwas eßbares kosten, schmecken; den geschmack prüfen: ⟨
undatiert⟩ es sal ein gemeiner centgraff vff den kirbeabent ein mosse .. eychen lassen, vnd vff den kirbetag .. mit den wirtten die hinaussen win schencken anpeissen vnd bewern, ab sie rechte mosse geben
weist. 3,536 G. ⟨1668⟩ daß kalbfleisch ist noch jung, und beist sich lieblich an Weise
überflüssige gedanken 156 HND. ⟨1948⟩ ich beiße sie
(lorbeerblätter) an und schmecke bittres darin und weiß, es ist lorbeer Brecht
stücke 11(1969)75. 4
etwas anfressen, annagen: 1561 anbeyssen
schier gleych als abgnagen Maaler
t. spr. 16c. ⟨1635⟩ zuckerrosen und narcissen, / die kein frost hat angebissen Fleming
ged. 1,137 LV. ⟨v1683⟩ die ameißen versorgten sich über winter, bissen die weitzkörner an Lohenstein
Arminius (1689)1,609a. 1722 daß das im zunehmenden monden gefällete bauholtz gern wurmig wird .. weil .. im zunehmenden licht die bäume in mehrern safft .. stehen, wovon hernach .. die würme lieber anbeissen J.G. Schmidt
rocken-philos. 5/6,39. ⟨1835⟩ wir begegnen selbst diesen rasenden wölfen .. die fast im begriff sind, den menschen anzubeißen Tieck
(1828)27,84. ⟨1965⟩ oft waren die füße von denen die in agonie lagen morgens angebissen
(von ratten) Weiss
ermittlung (1966)52. 5
den köder annehmen, fressen (v. fischen) ⟨1571⟩ als ain visch nach dem angel gat / der ainmal angebissen hat Holtzmann
spiegel (1574)300a. ⟨1682⟩ wann nun ein scheiden oder anderer raubfisch anbeisset Hohberg
georgica (1687)2,593b. 1750 die feder-spule auf dem wasser lieget, woran man sehen kan, wenn ein fisch anbeisset
Chomel, lex. 1,418. 1847 er soll wallfische oder ikleie angeln, aber et will nischt anbeißen Glaszbrenner
volksleben 1,130. 1985 die schnur spannt sich, ein fisch hat angebissen Werner
sommertag 53. 6
übertr.; sich auf etwas einlassen, von einem köder verlocken lassen (vgl. anbeißen 5
). a
allg., auf etwas (einen vorschlag o.ä.) eingehen, sich darauf einlassen: 1556
(vgl. b
) item, das der teufel die ehebrecher vnd ehebrecherin verblendet, wenn sie ein mal angebissen, wagen sie es hernach weiter Sarcerius
disciplin 42b. 1588 vnd meidet alle ergernis / die euch mit jhrem schoͤnen gleissn / koͤndt reitzen wider anzubeissen Ringwaldt
warnung M 3a. 1613
(bauer zum landsknecht:) wann ich ein mahl anbeisse
(landsknecht zu werden) .. so bleib ich beym krieg Spangenberg
ausgew. dicht. 314 M. 1773 ich habe schon im consistorium darauf angetragen, dieserwegen vorstellung in Dreßden zu thun, es will aber niemand anbeißen Bahrdt
in: br. an Bahrdt 2,305 P. ⟨1878⟩ „jeder mensch hat seinen preis“ –das ist nicht wahr. aber es findet sich wohl für jeden ein köder, an den er anbeißen muß Nietzsche
(1906)3,286. 1984 klar, erwähnt hat er das mal, aber Lehmann hatte nicht angebissen Wenig
männer 177. b
im besonderen, sich auf eine beziehung mit einer frau bzw. mit einem mann einlassen: v1616 ich .. wollt aber bei ihnen
(fräulein) sie zu nehmen, nicht anbeiszen Schweinichen
denkw. 47 Oe. ⟨1769/73⟩ was kan aus solchem gelese entstehn? unsre mädchen pfropfen sich kopf und herz voll sentiments, reden und thun wie eine theaterprinzessinn: und welcher kluge mann wird da anbeissen? Hermes
Sophie (1778)3,172. 1841 mein liebes fischchen hat nun angebissen / und schwört mir über alle maßen treue, / es herzt und herzt und herzt mich stets aufs neue Herwegh
ged. eines lebendigen 172. 1964 trifft sich ein junger mann mit einem mädchen, so sagen die aufmerksamen nachbarn: er hat angebissen, mit ihr angebandelt Willberg
in: mutterspr. 82. c zum anbeißen
sehr verlockend reizend: 1845 ein höfchen und gärtchen am hause, so niedlich, zum anbeißen, worin wir uns vielleicht eine turnstange errichten Feuerbach
br. an seine mutter 1,12 K./ U.-B. 1900 Paul: .. wie sah sie aus? Fritz, grinsend: sehr gut! alles was recht ist! feudal! zum anbeißen, wie man so sagt Hartleben
rosenmontag 211. 1955 wie du dich herausgemacht hast, mirakulös, direkt zum anbeißen Fischer/ E.
Eugen 399. Unger