ÄFERN vb. ahd. avaren, avarôn,
mhd. avern, ävern, äfern;
zu aber,
ahd. avur
adv. ‘wieder(um),
abermals’.
seit dem mhd. oft durch wieder
verdeutlicht u. dann von wiederäfern (
1DWB 14,1,2,895 f.)
vielfach nicht sicher zu trennen. nach dem 17. jh. nur noch selten. vorwiegend obd. (vgl. äbern). gelegentlich in der form äftern (mit anlehnung an after präp., adv.?),
s. u. 2 b.
vgl. auch eifern. 1
wiederholen nachahmen. a
wiederholen, wieder tun (sagen),
rekapitulieren: 8./9.jh.
iterata kiauartiu
ahd. gl. 2,313,36 S./ S. 865/71 thio buah bigan er afaron,/ fon Moysese ouh tho redinon
(Jesus mit den jüngern von Emmaus) Otfrid
V 9,49 E. ⟨v1022⟩ vnlustsamo geaberter buostab Notker
1,678 P. ⟨u1300⟩ swenner
(sünder) siner suͤnde ze ainem mâl kumt ze riuwe un̄ ze bihte. un̄ do er si niht me wil evern un̄ tuͦn
dt. pred. 2,123 G. 1499 Pamphilus .. widerumb efert dz wort des im nit gefallen hat
Terentius 18a. 1520 ich wil hiemit geeffert haben, das mein nahm nit gedruckt ist in der bulle Karlstadt
heylickeit G3b. 1521 daß ich offt muͦß efern vnd widerumb sagen, so wayß ich noch die zal, noch die vnflaͤtickait meiner sünde Oekolampadius
beicht H3a. ⟨1566⟩ selbs eygene erfahrenheit ist .. zum hochloͤblichsten, viel geaͤferte belesung ist aber viel hefftiger vnd heylsamer Fronsperger
kriegßb. 1(1571)218b. 1572 dieses gehalts wirckunge aber ist hieuor in dem 7. buch am 12. capitel verzeichnet, wird derhalben hie wider zuefferen billich vermitten Thurneysser
Pison 408. —
vom echo: 1556 echo .. widerton .. so einer schreyet, vnd die stimm das letst wort allweg widerhaͤlt oder aͤferet Frisius
dict. 457a. 1863 daß sie
(Loreley) oben auf dem stein erscheine und die vorüber schiffenden necke, deren stimmen ja das echo nachäft oder alt ausgedrückt, äfert, avarôt J. Grimm
kl. schr. 7(1884)508. b
nachvollziehen, nachahmen, (einen gedenktag) begehen u. ä.: hs.E12.jh. sæligiv christenheit div heiligiv averest sante hohzit Marien
(que sacra replicas sancte festa Marie) cod. pal. vind. 2682 2,59 LGF. ⟨u1160⟩ die tugenthaften, die ire magituͦm an ire
(Maria) wellent w(i)der aueren mit der nâchbildunge chûskes lebennes unde gaistlicher zuhte
st. trudperter hohes lied 100,3 M. 1525 der wachter uff der obersten wacht soll all stunden mit der trummeten äfern
statutensamml. Vögeli 17 F. 1525 sidtmal das gantz christenlich wesen und säligheit darinn stat, das wir .. mit unserem leben inn
(Christus) ußtruckind und äfrind Zwingli
4,237 E./F. ⟨v1545⟩ Suetonius schreibt, daß Augustus darnach alle jar sins lebens denselben tag mit sonderm truren ghalten und geäfert hab
(jahrestag der niederlage des Varus) Watt
3,28 G. 1561 eines angsicht aeferen, sähen wöllen wie ein anderer
vultum alterius fingere Maaler
t. spr. 12a. 1691 tugend äfern
in ostentationem virtutis compositum esse Stieler
stammbaum 4. 2
erneuern, wieder aufleben lassen, neu beleben. a
selten in allgemeiner verwendung: 865/71 ja wurtun tote man ouh les/ queke sines wortes;/ jâ saget man, thaz zi waru/ sie scrigtin fon theru baru,/ thaz lib bigondun sie avaron/ joh stuantun ir then grebiron! Otfrid
IV 26,20 E. ⟨u1147⟩ graben unde mûre
(des von Alarich zerstörten Rom)/ wart duo wol gaverôt
kaiserchr. 7434 MGH. der kunich Hêlîus Adrîânus,/ .. er begunde di stat ze lieben,/ harte wol zieren/ er äverte wider die stat
(Jerusalem) ebd. 7224. b
rechtssprachl. von konflikten, rechtsstreitigkeiten u. ä.: 1299 das ich .. mich hân verzigen .., niemer wider ze euerne aller der klage vnd der ansprach, die ich wider die .. stat vnd die burger von Vilingen .. gehebt vnde gevuͤret hân
corp. altdt. originalurk. 4,391 W. 1376 daz alle burger ze Ulme .. allen hasse und vintschaft gentzlich hin süllen legen, und daz mit dehainen sachen nit niuren noch äfern
württ. gesch.qu. 8,24. ⟨1466⟩ das nieman dhainen uflöf mache, noch dehein zerwürfnuß, noch dehain alte atzung nit äfre
weist. 5,152 G. ⟨1530⟩ hiemit soll aller vnwill, spaͤnn, irrung vnd zwitracht zwischen beiden teilen .. gantz tod, ab, krafftlos sein vnnd bleiben, des auch gegen niemanden .. gedencken noch äfern Hug
rhetorica (1537)63a. 1545 wer suͤnde zudeckt, der macht freundschafft, wer aber die sache euert
(vulg.: qui altero sermone repetit, prov. 17,9), der macht fuͤrsten vneins Luther
bibel 10,2,57 W. ⟨1614⟩ soll keiner mit dem andern hadern, oder einen alten hass äftern
öst. weist. 4,189. jünger noch mdal. obd. 3
rächen, vergelten, anfechten, beanstanden; überwiegend in der rechtssprache. meist formelhaft in kombination mit rächen, rügen, ahnden
u. ä.: 1291
(daß ein kontrahent des andern) friunt ist worden vmb die sache die si .. gegen einander heten zesprechen, vnd dar uber .. gantze svͦn hat gesworn immer mer zebehalten, vnd swa er daz inner fvnf iarn iendert æuerte oder zerbræche daz er denne .. schuldich sei zwaier hvndert march
corp. altdt. originalurk. 2,627 W. ⟨1385⟩
(daß er) gelopt und gesworn hat offenlich .., dz er aller burger Zúrich .. frúnt sin sol, und die vangnúss noch die sachen, dar umb er gefangen was, niemer ze evernen noch ze anden
zürcher stadtb. 1,279 Z.-W. u1400 wer gestraͧft wirdet und daz aͤfern taͤte
(überschr.) obrhein. stadtrechte II 2,64. 1430 es sollen ouch die .. Juden den von Eger ein urfede tun, daz sy solich sache
(ihre vertreibung aus Eger) .. nymmermer efren oder zu arg wenden sollen
cod. jur. municipalis Bohemiae (1948)3,77. ⟨1474⟩ das er do muß .. sweren, das er die straffe und das gefencknuß nicht wolle anden, effern, noch rechen, weder mit worten noch mit wercken
würzb. polizeisätze 148 H. 1500 dett jnen allen we, der vinden vbermutt./ zu Alterßwil, hielt man rat kurtz vnd gutt./ die sach zu effren, vnd nitt vngerochen ze lon
d. geschichtsfreund 4(1847)27. ⟨1527⟩
(d. freigelassene prediger soll schwören:) in unsere lande .. nicht zu kummen, .. sunder dieselbigen genzlichen zu meiden, .. auch des gefengnis kegen nimands zu recht noch in ungutem zu effern ader zu gedenken
akten u. br. Georg v. Sachsen 2,745 G. ⟨1531⟩ das der bischoff des ertzbischoffs tadel niendert dan̄ bey dem rhoͤmischen stuͦl oder patriarchen anden, rügen oder aͤfern solten Franck
zeitb. (1536)2,19a. 1592/1601 da bricht alsdann hiraus, was zuvor im herzen verborgen lag; alles will man bei dem trunk austragen und schlichten, alles anden und effern, davon man sonst nuchtern nicht muchzen darf
qu. Hof (1894)174 M. A17.jh. das sy
(d. beiden herzöge) gegen yhemannde, vmbwegen etlich dem ein, etliche aber dem anndern thaill anhenngig gewest, solches nit äfern auch khain vngnad gegen inen nit tragen wolten Brandis
landeshauptleute (1850)188. 1634 synen tod ze ä(feren), ald ze rächen
in: schweiz. id. 1,106. 1706/65 geandet und geäpfferet
ebd. 1,107. 4
schweiz., bebauen, landwirtschaftl. nutzen (s. schweiz. id. 1,107) ⟨1486⟩ ob wegsame da weren uff unser getruwen eydgnossen von Biel guͤtter und vaͤldverrt dienend, die soͤllen si miteinandern, namlich unser eydgenossen vom Biel und die unsern von Nidow machen, aͤfern und eren haben
rechtsqu. Bern I 4,1,596. ⟨1526⟩ gaͤbe er jaͤrlich allen und yeden personen, so semliche des gotshuß guͤtter innhaben, aͤffren und besitzen, ein mutschen brots sampt einem stuck fleisch
ebd. I 4,1,13. ⟨1551⟩ ein rüte soll von dem, so sy vffgebrochen wirt, nit wyters dann drü jar lang noch einanderen genutzet geäffert, vnd dannenthin widerumb .. zu gemeinem weidgang vnd allmend gebracht .. werden
rechtsqu. Argau II 2,82. ⟨1605⟩ so ouch etwan guͦtte arme gsellen weren, die uff die von Lungeren übergriffen und geäfferet hetten, ist angesechen, das man sy uß barmhärtzigkheit ouch darby lässen sölle
rechtsqu. Bern I 4,2,1105. 1747 das ried .. reüten, säubern und äfern
in: DRW 1,451.Huber