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Adebor

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MeckWB
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Eintrag · Mecklenburgisches Wb.

Adebor m.

Bd. 1, Sp. 69
Wossidia MeckWBNAdebor (adəbōə, arəbōə), Pl. Adebors m. Storch, ciconia alba; das Wort Adebor (mnd. âdebar) beherrscht das gesamtmecklenburgische Gebiet; die Form Heinotter der Westprignitz sowie das ostprignitzsche Knäppener (knäpnər) sind in den Nordranddörfern der Prignitz noch nicht vorhanden, doch dringt Heinotter bis in die Gegend von Eldena und Ludwigslust vor Wo. V. 2, S. 403. Nur im Südwesten des Landes erscheint die Lautform dbēə. Der schwarze Storch (swart Adebor Wüstn.-Clod. 215) spielt im Volksglauben keine besondere Rolle. 1. In der Volksanschauung. a. Der Adebor ist der Lieblingsvogel des bäuerlichen Menschen und wird als der vertraute Freund seines Hauses empfunden, der ihm Glück und Segen bringt, daher allgemein der sprichwörtliche Reim: wur de Adebor bugt up 't Hus, treckt Gott's Fräden in in 't Hus, s. Schill. Kr. 1, 3; er beschützt das Haus, auf dem er sein Nest erbaut, vor Feuersgefahr; bezieht er im Frühling sein altes Nest nicht wieder, wird das Gebäude im selben Jahr abbrennen. Daher baut man mancherorts dem Storch schon ein Nest auf dem Dach, um ihn an das Haus zu ziehen, vgl. Bartsch 2, 168. Dem Volke ist er sogar ein heiliges Wesen; harte Strafe trifft darum denjenigen, der das Nest zerstört oder sonst dem Storch Leid zufügt: sonn heiligen Vagel to scheiten, is Sünd' MaMalchin@WalkendorfWalk. So berichtet die Volkserzählung von einem Mann, der dem Storch ein Bein abschnitt und dessen Frau dafür ein verkrüppeltes Kind gebar HaHagenow@WittenburgWitt. Als heiliges Tier soll soll er auch das Paradies bewachen. Gern sieht das Volk in ihm ein menschliches Wesen, wegen seines stolzen Ganges einen verwünschten Edelmann; daher rufen ihm die Mäher zu: Na, Eddelmann, dor büst du jo ok wedder! WiWismar@NeuklosterNKlost; oder er soll ein verwünschter Priester sein: de witt Bost sünd de Böffken Wa; liebevolle Beobachtung spricht aus der Meinung, daß der Storch weine: wenn een von dat Poor (das Männchen oder Weibchen) dot blifft, denn sall de Adebor weinen LuLudwigslust@FahrbindeFahrb; ferner sucht man äußere Eigenheiten des Storches zu deuten, z. B. das Klappern: de Adebor hett kein Tung', dorüm klappert he jo; dabei glaubt man, daß der Herrgott selber den Störchen, als sie als kleine Menschen in heftigen Redestreit gerieten, die Zunge abgelöst habe StaStargard@HelptHelpt; von den roten Beinen gilt die Anschauung: de roden Bein hett he dorvon, wiel he dörch 't rod' Meer gahn is Wa. b. Von jeher gilt der Storch im besonderen als der Spender des Kindersegens; im Winter nach seinem Fortzug gelten in unserem Lande mancherorts die Eule oder auch die Krähe als Kinderbringer, s. Atl. d. Volksk. Karte 21; schon aus seinem Verhalten schließt man auf die bevorstehende Geburt, daher viele Rdaa.: de Adebor kickt all in 'n Schostein Schw; dor bugt de Äbier (wird bald ein Kind geboren) HaHagenow@BesitzBes; dor ward de Adebor bald klappern SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; dor sitt de Adebor up 't Hecken StaStargard@WulkenzinWulk; zur Binderin, wenn ein Storch sich in ihrer Nähe aufhält: di will de Adebor stäken RoRostock@KörkwitzKörkw; von der Schwangeren: ehr hett de Adebor bäten; oder: se hett den Adebor raupen PaParchim@SteinbeckSteinb; nach erfolgter Geburt erzählt man den Kindern: de Adebor hett Mudding in 't Bein bäten allg.; wenn man die Hebamme ins Haus treten sieht, sagt man wohl: ik heff 'n Adebor fleigen seihn RoRostock@DierhagenDierh; scherzhaft zum Kinde: di hett de Adebor ut 't Nest smäten HaHagenow@HoortHoort; derb: du hest ok 'n Geburtsdag? Ick dacht, dat di de Adebor uppe Brak schäten hadd RoRostock@MüritzMür; möst uppassen un dat Finster taumaken, süss bringt de Adebor noch 'ne Swester Wi; nu heff ick den Adebor den Swanz uträten, nu kümmt hei nich wedder Wa; den Adebor ward 'n Büdel mitgäben, dor sall hei de Kinner in mitbringen StaStargard@HelptHelpt; zutrauliches Empfinden des Kindes zum Storch spricht aus den mannigfachen Anrufreimen, s. Wo. V. 2, 1244 ff., Bartsch 2, 170—172; kinderlosen Ehefrauen legt man folgende Wendungen in den Mund: ick heff mit 'n Adebor nicks in 'n Sinn WaWaren@JabelJab; oder: ick heff den Adebor 'n Sack mitgäben, œwer hei hett em mi nich wedderbröcht StaStargard@GlienkeGlienke; oft achten die jungen Mädchen auf den Storch; ein Mädchen, das den Storch sitzen sieht, kommt bald ins Kindbett StaStargard@WulkenzinWulk; wenn Mädchen zuerst einen Storch erblicken, bedecken sie ihr Gesicht mit der Schürze, damit er ihnen kein Kind bringt LuLudwigslust@Alt JabelAJab; in humoristischer Wendung: Frühjohrs 'n lütten Adebor un harwstœwers 'n lütten Spätling ebda; nah knapp een Johr, klappert dat wedder bi uns (wurde wieder ein Kind geboren). c. Er gilt als der Künder und Vorbote künftiger Geschehnisse. Daher beobachtet man das Verhalten des Storches genau: wirft er ein Ei aus dem Nest, wird es ein teures Jahr geben, ein reiches Jahr aber, wenn ein Junges herausgeworfen wird; wenn man den Storch zuerst klappern hört und Geld in der Tasche hat, besitzt man durch das ganze Jahr Geld; hört man ihn klappern, ohne ihn zu sehen, so zerbricht man viel Geschirr HaHagenow@EichhofEichh. Namentlich ist der Storch dem Landmann ein Wetterprophet: sieht er bei seiner Ankunft weiß aus, gibt es ein trockenes Jahr, wenn schmutzig, ein nasses; s. auch Col. Cal. 22; anderseits deutet ein schmutzig aussehender Storch auf ein gutes Flachsjahr hin Wa; den Tag seines Ankommens und des Abzuges kennt man genau: Mareen (Mariä Verkündigung, am 25. März) bezieht der Storch sein Nest; mit dem Bartholomäustag (Bartelmeis, am 24. August) verläßt er es wieder. 2. In sprachl. Verwendung. Das vertraute Verhältnis des Landmenschen zum Storch zeigt sich in den Rdaa. und Vergleichen. a. Vom Gang des Menschen: dee geiht ümher as 'n langbeinigen Adebor RoRostock@KlockenhagenKlock; zum Langbeinigen: dee geiht as 'n Adebor in 'n Salat allgem.; wenn jem. dünne Waden hat: dee liggt mit de Adebors in Prozeß Schill. Nachl.; oder he hett Waden as 'n Adebor WaWaren@PenzlinPenzl; von einer unbeholfenen Tänzerin: dee perrt as de Adebor in 't Flass Wa; ähnlich vom schlechten Tanzpaar: dee perren rüm as de Adebor mank de Wicken Wa; den Stolzen neckt man mit der Rda.: dee geiht so stolz as 'n Arebor inne Wisch PaParchim@MarnitzMarn; ähnl.: hei geht as 'n Arebor in 'n Nettel ebda; vom gierig Schlingenden beim Essen heißt es: hei wörgt de Tüffeln dal, as de Adebor de Poggen Wa; oder: dat geiht, as wenn de Ädbär 'ne Pogg œwersluckt HaHagenow@GammGamm; von Schwätzern: sei snacken so bunt as de Arebor klappert Ro Rostock@ThulendorfThul; wenn die Jungen mit Stelzen gingen: denn würd as 'n Arebor gahn RoRostock@BuchholzBuchh; von der Kleidung: de Slippen von dat Kleed gahn vonein, as wenn de Arebor inne Luft geiht SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; derb vom Bart: dor kann de Arebor in 'n Galopp dörchschiten WaWaren@Groß GievitzGGiev; humoristisch vom schlecht geladenen Fuder: dor sall woll de Arebor up bugen Wa; wenn es hagelt, sagt man: de Arebor seit sin Arwten up Gottsierdbodden SchwSchwerin@PinnowPinn; vom einzeln liegenden Gehöft heißt es derb: dat liggt dor, as wenn 't de Arebor dor henschäten hett RoRostock@MüritzMür. b. Sprichwörtliche Wendungen und Redensarten: dat gifft mihr Adebors as Poggen mehr Bewerber als Stellen allgem., s. auch Mantz. Ruh. 6, 74; ähnlich bei Kohf. Hg. 8, 2: 'dei Adbars sünd nu mehr als Kuhle-Poggens sünd'; dgl. E. Boll Charakt. 272: je dicker (häufiger) de Adebors, je dünner (seltener) de Poggen; wo Poggen sünd, finnen sick ok Adebors Reut. 7, 177; Bri. 6, 131; de Rostocker Pogg will ok ümmer von 'n Rostocker Adebor fräten warden Ro; jeder Adebor bätert sin Nest jeder sorgt für sein Fortkommen mehrf.; wenn jem. etwas nicht begreift: he will ümmer noch nich glöben, dat de Adebor 'n Vagel is Wi; vom Verrückten: dee hett 'n Vagel, dat is all mihr Adebor WaWaren@EldenburgEld; ähnl.: dei hett sick einen wegluert, is so grot as 'n Adebor RoRostock@GresenhorstGres; ebenso: de hett 'n Adebor MaMalchin@GielowGiel; den Eingebildeten verspottet man mit der Rda.: wenn dee 'ne Fedderflücht in 'n Noors hadd un 'ne Stang' Siegellack in 't Mul, denn wier de Adebor farig PaParchim@DobbertinDobb; RoRostock@KröpelinKröp; ähnl. vom Frauenzimmer; weitere Wendungen, so in bekräftigender Rede: bi 'n leiwen Gott un den Adebor is allens mœglich Pa Parchim@GranzinGranz; 'n Sparling is äben so gaut 'n Vagel as de Adebor WiWismar@PoelPoel; im Ausruf der Verwunderung: nu dau mi einer 'n Gefallen un brad' mi 'n Adebor, œwer keinen Storch! Ma Malchin@GülzowGülz; wenn etwas unumgänglich ist: wer kann gegen Gott un 'n Adebär! StaStargard@Klein DaberkowKDab; im Beispielsprichwort: dat sünd hochbeint Johren, säd de Adebor, un stünn bet ünner 'n Buk in 't Water RoRostock@GresenhorstGres; nich Fisch noch Fleisch, säd de Adebor, dor fret hei 'ne Pogg Wa; man nich so ängstlich, säd de Adebor tau de Pogg, dat is glik œwer Bri. Volkssp. 24; um ein Kind zu beschwichtigen: kik, dor sitt 'n Adebor in 'n Bom! Wo. V. 3, 1166; im Verwunderungslied: Adebor, de Klipperklapper, de slög de Brut de Trummel vör 2, 1545; de Adebor mit 'n langen Knaken woll so giern de Brut beslapen 2, 1542. 3. Auch in der magischen Krankheitsbehandlung spielt der Adebor eine Rolle: sein Fleisch, besonders das Fett, wurde früher als Heilmittel für Pest, Epilepsie und Gicht gebraucht; im Segen gegen Fieber: de Adebor hett kein Tung', de Voss hett kein Lung' RoRostock@WulfshagenWulfsh. — FN.: Adeborsbarg-, -brok, -busch, -dik, -eik, -hürn, -kamp, -klotz, -kuhl, -moor, -nest, -schneise, -slag, -soll, -wisch. — Br. Wb. 1, 285; Da. 7b; Dä. 3a; Me. 1, 46; Mi 1a; Ri. 50; Schu. 2.
9012 Zeichen · 94 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. modern
    Dialekt
    Adeborm.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit adebor

29 Bildungen · 29 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von adebor 2 Komponenten

ade+bor

adebor setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

adebor‑ als Erstglied (29 von 29)

Adeborflag'

MeckWBN

adebor·flag

Wossidia Adeborflag' f. Regenschauer im Frühling, wenn die Störche kommen: Ädberflagen (mit ē ) Lu Ludwigslust@Neu Kaliß NKal .

Adeborsbein

MeckWB

adebor·s·bein

Adeborsbein m. 1. der Fuß des Storches; Rda.: dor geiht hei mit de Adeborsbein wenn jem. auf Stelzen ging Wa Wred ; dei hett jo Adeborsbein …

Adeborsblaum

MeckWB

adebor·s·blaum

Adeborsblaum f. Wasserschwertlilie, iris pseudacorus; ihre Wurzeln galten früher als Heilmittel; wer die am Johannismittag wie eine Menschen…

Adeborsbom

MeckWBN

adebor·s·bom

Wossidia Adeborsbom m. Baum mit einem Storchennest: ünner den Adborsbom Wo. Sag. 1, 141.

Adeborsbrot

MeckWB

adebor·s·brot

Adeborsbrot n. 1. Storchschnabel, geranium robertianum, s. Niem. Idiot. 1; auch das Innere des Kalmushalmes bezeichnend. 2. das den Kindern …

Adeborsfedder

MeckWB

adebor·s·fedder

Adeborsfedder f. Storchfeder, im Volksreim: ick hadd Pipen von Adeborsfeddern Gü Kät ; ähnlich: Piping späl up din Adeborsfedder Ro Körkw .

Adeborsfett

MeckWB

adebor·s·fett

Adeborsfett n. das Fett des Storches gilt seit alters her als Heilmittel für Ohrenund Gichtleiden, jetzt nicht mehr erhältlich, da der Adebo…

Adeborshagen

MeckWB

adebor·s·hagen

Adeborshagen Scherzname für die Dörfer Jürgenshagen ( Gü ) und Bargeshagen ( Ro ) wegen der vielen Storchnester.

Adeborskasbeer

MeckWB

Adeborskasbeer f. schwarze Johannisbeere, ribes nigrum Niem. Idiot. 1; Syn. Gichtbeernstruk, Gichtholt, Stinkstruk ; volkstümliche Verwechsl…

Adeborsnawel

MeckWBN

adebor·snawel

Wossidia Adeborsnawel m. Storchschnabel, geranium spec.: Adeborschnawel Giese Pflanz. 41.

Adeborsnest

MeckWB

adebor·s·nest

Adeborsnest n. Storchnest; in Rdaa., so vom langen Menschen: dee kann in 'n Adeborsnest kiken Wa; die Garben müssen in Form des Storchnestes…

Adeborsnibben

MeckWB

Adeborsnibben Pl. Storchschnabel, eine Pflanzenart, delphinium consolida; wurde früher als Mittel gegen Viehkrankheit verwendet, s. Nützl. B…

Adeborspoggen

MeckWB

adebor·s·poggen

Adeborspoggen Pl. Frösche mit einem A- Zeichen auf dem Rücken, s. Apogg Sta Glienke .

Adeborsschit

MeckWB

adebor·s·schit

Adeborsschit Äberschit f. Storchdreck, Scherzname für die Hafergrütze Ha Lank .

Adeborssnawel

MeckWB

adebor·s·snawel

Adeborssnawel m. Storchschnabel; übertr. eine lange Nase: 'de hinder minem Rgge einn Adebars Schnabel dreien' Laur. Schg. 4, 419; auch das …

Adeborsstöwer

MeckWB

Adeborsstöwer m. Regenschauer zur Zeit der Ankunft der Störche, Aprilschauer Sta NStrel ; zu nhd. stöbern; daneben steht im Stargarder Land …

Adeborsstorm

MeckWB

adebor·s·storm

Adeborsstorm m. so nannten früher die Warnemünder Seeleute den um den Gregorstag (12. März) auftretenden Sturm F. Barn. Warn. 233.

Adeborstüben

MeckWBN

adebor·stueben

Wossidia Adeborstüben n. wie Adeborflag': Adborstüwen Ha Hagenow@Redefin Red . Subst. Inf. von stuben, stüben.

Adeborswaden

MeckWB

adebor·swaden

Adeborswaden Pl. so nennt man besonders dünne Waden; auch als Aprilscherz: Adeborswaden halen Camm. Nds. 12, 342.

Adeborszüg'

MeckWB

Adeborszüg' Pl., hd., dasselbe wie -stöwer Sta NStrel .

Adeborwäder

MeckWBN

Wossidia Adeborwäder n. Regenwetter zur Zeit der Wiederkehr der Störche Ma Malchin@Zarnekow Zarnekow .