ABENTEUERN,
ebenteuern vb. 1
älterer gebrauch, im wesentlichen auf das mhd. und mnd. beschränkt. a
einige frühe anwendungen sind in unterschiedlicher weise auf das grundwort bezogen; seit Wolfram (die romanhandlung betreffend) ‘
sich zur aventiure gestalten, verdichten’ ⟨u1210⟩ alrêrst nu âventiurt ez sich Wolfram
Parzival 7249,4 L./H. ⟨u1270⟩ mich dunket an den meren ez well sich aventvren Albrecht v. Scharfenberg
Titurel 2400,1 H. (anders 4648,2). ⟨u1453⟩ es wil sich abentiurn;/ des last uch
(zuhörer) nit belangen Hermann
v. Sachsenheim
in: Altswert
151 LV. —
sonst vereinzelt: ⟨1220/5⟩ mich hât geâventiuret
(zum dichten angeregt?)/ sîn getât der lêre an im Rudolf v. Ems
Gêrhart 52 ATB. ⟨v1318⟩
(die gottheit, die sich in Christus ein irdisches gewand schneiderte,) âventiurte meisterschaft/ von fremder kraft Frauenlob
11 E. b
aventiure (abenteuer I A 2)
suchen, treiben; sich ihr stellen (
intrans. und refl., vgl. 2 b):⟨2.h13.jh.⟩ hs.u1430
(Lancelot) der sich off der bruck
(schwertbrücke vor der burg) so sere abenturet
Lancelot 1,629 DTM. ⟨1314⟩ do habt/ sich an sin aventuͤren/ do sach er ungehuͤren/ gestalt Johann v. Würzburg
3135 DTM. ⟨2.h14.jh.⟩ hilf, heilig heilant!/ nu muz ich aber mich aventuren
(zur wehr setzen) Johan ûz d. Virgiere 1553 P. ⟨2.h14.jh.⟩ eins tags er abentewrn rait/ .. da ward der degen uͤberrant Suchenwirt
18,333 P. ⟨1425⟩ was ich .. geabenteuert han,/ mit Cristen, Reussen, haiden Oswald v. Wolkenstein
2111,132 Sch. c
(zum guten oder zum schlechten) ausschlagen; zu abenteuer I A 1,
im ganzen selten und spät bezeugt: hs.A15.jh.
sortiri gelucken, abenturen Diefenbach
gl. 544a. ⟨1455/70⟩
(er) entschuldiget sich .., das es yme also mißlucket vnd abenturt hette
Pontus 197 TSM. 1498
(Reinke) dachte: ‘wan my dyt euentuͤrde,/ dat ik deme baren betalde desse word’
Reinke de vos 500 L. noch mdal. im nordwesten. 2
der mhd. gebrauch setzt sich fort in den bedeutungen ‘
etwas wagen, riskieren’ (a)
und –
zu abenteuer II B
stimmend – ‘
wettkämpfen’ (b);
hinzu treten vereinzelte frnhd. sonderverwendungen (c). a
wagen, riskieren, aufs spiel setzen (trans. und absolut),
aus ritterlichem in bürgerliches milieu überwechselnd (so auch mnl.) ⟨u1285/90⟩ sîne jugent die gehiuren/ die wil er âventiuren Heinrich v. Freiberg
Tristan 1452 B. hs.u1400 mennich here .. auenturden lijff vnde gud
leyen doctrinal 197a L. n1566 das er sein .. reputation
(in einer unhaltbaren rechtssache) wider ain sollichen klainfüegen man .. aventuirt
zimmer. chr. 22,438 B. 1585 wult auch uff min alte tage nit gern vil abenturn
(durch späte heirat) b. Weinsberg (1886)5,256. 1634 denn unterliegen oder siegn,/ man ebenteuert bei den kriegn
dreißigj. krieg 336 O./C. 1691 in wichtigen sachen muß man nicht abenteuren Stieler
stammbaum 281. im norden und nordwesten noch mdal. —
von (kaufmännischer) kapitalanlage in spekulativen unternehmungen: ⟨1357⟩ wir .. virlyen desin .. Juͤden .., iren kinden, di kein eygin gelt abintwͤren, und irem .. gesinde, eynen .. steten vrede, .. ir gelt wͤsczulyen
(Breslau) schles. urk. 65 Oe. ⟨1385⟩ wer do ligende gelt hot das her nicht ebentewert
(muß dafür steuern zahlen) zunftordn. Krakau 13 B. ⟨E14.jh.⟩ als .. wir
(Christen) nun hie sind in dem .. ellenden jomertall und
(wie kaufleute) .. alle unser hab anlegen und offentüren mussen
schürebrand (B) 31 S. ⟨1424⟩
(falls) ir es
(silberbergbau) mit uns abenteuren woltet, so wolten wir die bergmaister ausfertigen
samml. baier. bergrecht (1764) XXIX. 1444 es ist nit vel wachss hie
(auf der messe) gesin .. und wär wol zu abentürin gewessen
in: Ammann
Diesbach-Watt-ges. (1928)48*. 1664 wen de koepman mehr gut hefft, alse he in een schip will eventhüren
in: Baasch
börtfahrt (1898)106. b
wettkämpfen (
intrans. u. refl., vgl. 1 b).
wie abenteuer II B
im bereich mittelalterlichen turnierwesens aufgekommen, vorzugsweise im südwesten verbreitet: ⟨u1350/77⟩ wann er ebentewren wil/ mit pidern lauͤten fuͤr daz zil Teichner
369,49 DTM. vgl. ebd. 307,13 u. 21. 14.jh. da sich der Leuiathan abenteuern begond mit dem der in beschaffen hiet, den turnay nam sich an sant Michel
gesta Romanorum 6 K. ⟨u1467⟩
(die verfeindeten städte) schickten ettlich gesellen zesamen und liessends mit ainander abenteuren
(Augsb.) chr. dt. städte 25,332. 15.jh. ain ritter und ain pauman/ begunden abenteuren
(wortgefecht über die vorzüge ihrer stände) hoch- u. nd. volkslieder 1,1,336 U. 1485 ditz obgenant abenthüren
(schießwettkampf) mitt. vaterländ. gesch. st. Gallen 3(1866)201. 1583 alle diejenigen, so sich
(im turnier) abenthewrten
Amadis 1,219d. 1605 ick woldt mit yuw woll euenthürn:/ gy scholden stoerten alle dree Hollonius
somnium 42 HND. 1666 ein schwerdt, darumb zu abentüren vnd zu mutwillen Haffner
schaw-platz 2,164. noch schweizerdt.: aventüren ‘
die gymnastischen nationalspiele betreiben .. springen, wettlaufen und steinstossen’
schweiz. id. 1,104. —
lotterie spielen: ⟨z.j.1471⟩ welche personen .. darinn obenthuren wollen, die mögen ihre namen einschreiben lassen, und für jeden namen einen baselplappert in die obenthurn des hafens legen
in: Ochs
gesch. Basel 4(1819)207. c
frnhd. mehrfach in trans. u. intrans. sonderverwendungen beeinflußt durch abenteuer II A;
etwas auf besondere weise behandeln: ⟨M15.jh.⟩ konde er die zwu metall
(gold aus kupfer, silber aus quecksilber) abentewern,/ das sie bestunden in allen fewern Rosenplüt
in: Germania 3(1858)373. bei Geiler: ⟨v1510⟩ dein windlen .. die du beschissen hast, oder geabenthürt, es heißt ietz gehoffiert
emeis (1516)81d. —
intrans. in unterschiedlicher weise, leichtfertig handeln, allotria treiben: 1527 das leichtfertige schwermer mit den worten des abendmals nach yhrem dunckel gauckeln und ebentheuren Luther
w. 23,85 W. 1558 wenn du in der spiler zunfft/ sitzt, fantasirst und abenthewerst Sachs
3,53 LV. ⟨1564⟩ das einer nothzwang mit einer magt gebrucht oder mit ir geafentürt
schweiz. id. 1,104. 3
auf ungewiß-neuartiges erleben (abenteuer I B)
ausgehen ausziehen, umherschweifen. häufig in poetisch freier verwendung. am gebräuchlichsten im part. präs.: 1691 er hat wol recht durch die welt geabenteuret Stieler
stammbaum 281. 1780 ihr seid .. eine herumstreiferin, eine abentheuernde prinzeßin Mylius
Puf van Vlieten 42. ⟨1823⟩ der abentheuernde reisende Tieck
(1828)14,318. ⟨1839⟩ alles abenteuernde unruhige gesindel Gaudy
17,165 M. ⟨1843⟩ während der unruhige geist des Clemens in allerlei seltsamkeiten abenteuerte Auerbach
(1857)1,349. ⟨1860⟩ den abenteuernden wandertrieb Burckhardt
ges. w. [1955]3,190. 1876 einem .. abenteuernden, leidenschaftlichen .. Mexicaner
gegenwart 10,42b. ⟨1925⟩ er .. wäre am liebsten ins freie und den hügel hinauf geabenteuert Federer
papst (1926)179. 1951 individualistisch abenteuernde subjektivität Niekisch
bilanz 240. —
oft mit dem nebenbegriff unsteter, zielloser ortsveränderung: 1843 dort abenteuert eine gestalt über die herbstlichen stoppeln Nestroy
12,68 B./R. 1922 solange das schiff zwischen eisschollen abenteuerte I. Seidel
labyrinth 104. —
reflexiv: 1952 jungen abenteuern sich durch ein seifenkistenrennen Reding
Silberspeer, untertitel.H. Schmidt