Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
êre stF.
1.1 allgem.
1.1.1 als hohes Glücksgut unter anderen ( sælde, gelücke, heil, guot, lîp, vrume, nutz usw.), neben ihnen bestehend, sie einschließend oder mit ihnen im Widerstreit liegend
1.1.2 Gegenteil von schande
1.1.3 nicht mit gemach, senfte vereinbar
1.1.4 personif.
1.2 an Herrschaft und Reichtum gebunden, übertr. diese selbst
1.3 gebunden an Überlegenheit in Krieg und ritterlichem Kampf, übertr. für ‘Sieg’
1.4 an Stand oder Amt gebundene Würden und Rechte, übertr. für den Stand, das Amt selbst
1.5 ‘Standespflicht, Amtspflicht’
1.6 speziell: weibliche (der Jungfrauen und Frauen)
1.7 ‘Vorrecht, Vorzug, Vorzugsstellung’
1.8 einzelne ehrenvolle Handlung
1.9 Fügungen und Wendungen
1.9.1 verbale
1.9.1.1 jmds. râten, sprechen, singen, begân, tuon ‘raten, tun usw., was jmdm. bringt oder jmds. wahrt’
1.9.1.2 etw. ist jmdm. (ein) ~ getân ‘bringt ihm ’ (wörtl. ‘das zu tun, bringt ihm ’ ; zur Konstruktion vgl. 2 5 Mhd. Gr. § S 30,5)
1.9.1.3 etw. sint jmds. (Pl.) ‘etw. betrifft jmds. , wahrt jmds. , wird von jmds. gefordert’ , wohl nicht ‘bringt ihm ’ (Benecke zu Iw 2528 ) oder ‘steht in seiner Macht, ist sein Recht, seine Befugnis’ (Bech zu Iw 2528 mit Verweis auf den Gebrauch wie 1.2 und 1.4 )
1.9.1.4 andere
1.9.2 in adverb. Präp.-Gruppen
1.9.2.1 im Sg.,
1.9.2.2 im Pl., mit / nâch (jmds.) êren ‘auf (für jmdn.) ehrenvolle, würdige, standesgemäße Weise; unter Wahrung des Ansehens, der Würde (von jmdm.)’
1.9.3 abhängig von einem Nomen
1.9.3.1 als Gen.-Attr. eines Subst., meist vorangest.
1.9.3.2 als Gen.-Erg. zu einem Adj.
2 ‘Glanz, Pracht, Herrlichkeit’
3 von Wirtschaftsgütern und -gebäuden ‘guter, gepflegter Zustand’
4 von Gemeinwesen ‘Wohlfahrt’
5 ‘Privileg, Recht’ (speziell ‘Verfügungsgewalt über Lehen’ [WMU]?; vgl. unten UrkCorp 1197 und MLLM 1,649 s.v. honor 14 ‘Beneficium, Lehen’ )
6 ‘Ehrerbietung, Respekt, ehrenvolle, zuvorkommende Behandlung’
6.1 allgem.
6.2 in der Wendung guot vür / umbe ~ nëmen sind ursprüngl. die bezahlten Dienste eines Spielmanns gemeint, besonders Lobreden, die dem Ansehen eines Herren dienen; dann auch umgedeutet zu ‘das Gut der Ehre vorziehen’ (vgl. MF:Anm., S. 245 zu 21,31 = MF:Sperv 1:8,3 mit Belegsammlung und Verweis auf frühere Literatur)
6.3 in Präp.-Gefügen mit in, mit, zuo
7 vereinzelter rechtssprachl. Gebrauch
7.1 ‘Ehrschatz’ als Handänderungsgebühr
7.2 ‘gerichtl. Strafgebühr’ (?)
8 ‘Ehrgefühl, Ehrenhaftigkeit’ (selten deutlich von "äußerer" Ehrauffassung zu unterscheiden)
1 ‘hohe Geltung, hohes Ansehen, Ruhm’ und das, worauf sie beruhen: Macht, Reichtum, Kriegserfolg und Rittertaten, Stand und Amt, Unbescholtenheit usw. 1.1 allgem. 1.1.1 als hohes Glücksgut unter anderen (sælde, gelücke, heil, guot, lîp, vrume, nutz usw.), neben ihnen bestehend, sie einschließend oder mit ihnen im Widerstreit liegend: swer an rehte güete / wendet sîn gemüete, / dem volget sælde und êre Iw 3. 4855. 5531 u.ö.; des sî pfant mîn sælde und êre Parz 269,30; div werlt iv vollen lon geit / [...], / so chvmt iv zegewinne / ir ere [...]: / zesælden seit ir gecelt / vnt gelvke ce ingesinde, / dem hæile zeliebem chinde Warnung 2595; gelücke, heil und sælde und êre Walth 29,31; got vüege iu heil und êre Iw 1991. – wie im [Iwein] iuwer [Lunetes] hövescheit / dise êre hât gevüeget [...]: / er hât von iu ein schœne wîp / ein rîchez lant und den lîp / und swes ein man zer werlte gert Iw 2745. – daz herze mir dô alsô stuont, / als alle werlttôren tuont / den daz rætet ir muot, / daz si êre unde guot / âne got mügen hân AHeinr 398. 617. 1439; jâ leider des enmac niht sîn, / daz guot und weltliche êre / und gotes hulde mêre / zesame in ein herze komen Walth 8,14.20; êre unde guot / hât nû lützel ieman, wan der übel tuot ebd. 90,29; vgl. auch guot umbe / vür êre nemen unten unter 5.2 in der Umdeutung ‘der Ehre vorziehen’. – nach eren ir iv peinet, / daz iv der leip versweinet, / vnt wizzet ir churze zeit wol, / daz si iv nicht langer wern sol Warnung 2637; RvZw 263,7 (vgl. unten unter 1.1.4); ezn ist niht ein biderbe wîp, / diu ir êre durch ir lîp, / ir lîp durch ir êre lât, / sô guote state sô si des hât, / daz si si beidiu behabe Tr 17999. – sî [Lunete] hetes vrume und êre [wenn sie Iwein zum Mann nähme] Iw 4133. 2415. 4350. 5209; durch unser vorgenanter stat frum und ere haben wir in [...] elliu diu reht [...] verniwet UrkCorp (WMU) 1975AB,14; nutz und ere ebd. 2345,19 1.1.2 Gegenteil von schande: sîner êrn und Keiî schande / vreuten sî sich alle dô Iw 2616; der guoten ræte der sint drî, / drîe ander bœse stênt dâ bî / zer linggen hant. [...] / vrum unde gotes hulde und weltlich êre, / daz sint die guoten. [...] / die andern heizent schade, sünde und schande Walth 83,33 1.1.3 nicht mit gemach, senfte vereinbar: Keiî leite sich slâfen / ûf den sal under in: / ze gemache ân êre stuont sîn sin Iw 76; gemach daz ist der êren tôt, / dâ mans ze lange und ouch ze vil / in der kintheite pflegen wil Tr 4432; Flore 38; Winsb 42,2; Greg 1677; Wig 2874; mit senfte nieman êre hât, / als nû die werlt stât Freid 92,5; dagegen: ein muͦter allez guͦtes, daz ist die einhellekeit, alse sie den, die sie liep hat, vriden, gemach und ere birt UrkCorp (WMU) N77,22 1.1.4 personif.: des uacht der Erin holde / in helidis geberdin / vn̄ tungite die erdin / mit reueigin bluͦte Athis C 72; Êrec der Êren holde Er 9963; Eren bist dû ingesinde [Dienstmann im Hause der Ehre] Walth 149,22; vrowen Êren amîs ûzerkorn HvFreibTr 61; waz wil werltlîch Êre mê / wan daz man lîbe unt guote wê / tuo durch ir werden hulde? / wil si ir diener des betwingen / daz si sich gar ze nihte bringen [...] / son wær si aller guoter ding nicht gar ein übergulde RvZw 263,7; weitere Belege W. Grimm, Kl. Schr. 3,286 zu Athis C 72 1.2 an Herrschaft und Reichtum gebunden, übertr. diese selbst: ez waren dri chunege [Reiche] , die alle die werlt bedwngen heten; einez was in Persia, daz ander in Grecia, daz dritte in Roma. der sint zwei an deme gewalte unde an den eren zegangen Spec 144,24; des tôten ist vergezzen: / der lebende hât besezzen / beidiu sîn êre und sîn lant Iw 2437; und solde mich der [Schwiegersohn] überleben, / der gewünne michel êre [...] / und wurd im allez diz lant ebd. 6607; mîn urbor und mîn êre, / die ich in disen landen hân, / die wil ich [Tristan] lîhen unde lân / mînem vater Rûâle Tr 5796; ouch half Gurmûnen sêre / und gab im craft und êre, / daz er Môroldes swester nam ebd. 5932; waz sol mir beide êre unde gewalt? / über driuzehen künicrîche was ich ein frowe gezalt. / diu hân ich geben durch got WolfdB 732,1; an der kure, die der selbe [Erzbischof Balduin von Trier] umb sine herschaft und ere zuͦ behaldene getan hat, eynen Romesschen kuning zuͦ kysene MGHConst 8:109,16 (a. 1346); weitere Belege für "die fürstliche Macht, die Gewalt des Gebieters, die Herrschaft (vis regia, imperium, corona)" bei Bech zu Iw 2437. – mich hete mîn troum gemachet / zeinem rîchen herren. / [...] Troum, [...] dû machest rîche in kurzer vrist / einen alsô swachen man / der nie nâch êren muot gewan Iw 3552; dô clagetes harte sêre / ir guot und ir êre ebd. 5704; swenne si mugint darnach ginade irwerben an dem babeste, sol sulent sie ir ere vnd ir guͦt wider haben UrkCorp (WMU) 680,2. 1944,10; ez wâren bî ir viure / under wîlen tiure / daz vleisch zuo den vischen. / sî muose verwischen [ihnen entging] / wirtschaft und êre Iw 6219. – bei Armut keine ~ : armuot [...] kan êren niht begân Freid 42,20; nieman in der eren saz / komt ane schaz Frl 7:15,11; swer [...] in dem biutel niht enhât, / der mac leider ê verderben / denne âne guot grôze êre erwerben Renner 6226 1.3 gebunden an Überlegenheit in Krieg und ritterlichem Kampf, übertr. für ‘Sieg’ dô sah man über sätele fliezen daz bluot. / sus wurben nâch den êren die riter küene unde guot NibB 203,4; da sie nach den eren drungen / beidenthalben imme strite GrRud Fb 13. Fb 16; ir rumet uch des siges zefruͦ: / swer genozen hinne uare [mit dem Leben davonkommt] , / der habe di ere gare; / swer morgen lebe ze dirre zît, / der habe di marche ane strit Rol 5314. 5723; behabent di cristen di ere, / so ne ruche ich mere / nicht ze lebene ebd. 5443; ê si hin furen die ere ebd. 5227; dô im diu êre was geschehen [es ihm gelungen war, mich zu besiegen] , / do gebârter rehte diu gelîch / als im aller tägelîch / zehenstunt geschæhe alsame. / der prîs was sîn, und mîn diu schame Iw 752; ouch enwâren sî niht zagen / die dâ mit im vâhten [...] dochn mohten si im dehein êre / vürnames an gewinnen ebd. 5368; dit vrlouge ein teil do wart / den zwelf gesellen zv hart / wande si ir ere da virlurn / vnde die walstat virkurn Pass I/II 40,38 1.4 an Stand oder Amt gebundene Würden und Rechte, übertr. für den Stand, das Amt selbst: so sol in der babst scheiden von allen sinen phaflichen ern, vnd sol sin bistvm eim andern bischof lazen [...]. wan der babst volleclichn gewalt hat, so mac er im sin bistvm lan vnd sine phafliche ere SchwSp 64a; das die bürger zu Mospach kein gesatz noch recht machen über die chorhern, vicarier, die pfaffheit gemeinglich [...], das widder pfefflich ere und geistlich recht si StRMosb 545; swer den fride brichet [...], ist der des rates oder ein scheffel, den sol man entsetzen der eren sines ambahtes UrkCorp (WMU) N238AB,2.26; so vertreiben wir di juden von der pflegenvͦsse der ampt ze Wienne dar vmbe, daz si vnder den eren der herschefte oder des offenne amptes di christen niht beswæren ebd. 2345,3; dem pannen vnd gebieten wir frid von dem gewalt vnser fvͤrstlichen ern ebd. 2237B,21; ze pfande ich mîne triuwe / setz unde ritters êre / daz ich her wider kêre KvWEngelh 4187; er sei in den êren, daz er wol aigen læut gehaben mach RbRupr 304; da zuͦ sol men in [Friedensbrecher] haben vuͥr meineidig unde eloz unde erlos unde von aller wertlicher eren gescheiden. er mag oͮch mit rehte niemer werden rihter, vuͥrspreche noch gezuͥg noch erbe keines guͦtes [...] MGHConst 4:359,13 (a. 1310). – tuot dem kriuze rehte, / sô sît ir gotes knehte / und dar zuo sîniu lieben kint. / die zwô êre die sint / iu dâ ze himele gewegen StrKarl 712 1.5 ‘Standespflicht, Amtspflicht’ nu bite ich beide / die fürsten und des rîches man / und swer mir mîner êren gan, / daz er mir rehtes helfe hie. / ich [...] lône in iemer mêre, / die ir triwe unde ir êre / hie behaltent [...] / an mir und an dem rîche StrKarl 11764; wider sein ere, phlicht gelubd und eid damit er unns als romischen kaiser verbunden DRW 3,1266 (MittSalzbLk 5; a. 1328); [der Schultheiß] sal den [erlegten] hirtz mit den scheffen deilen alse sin ere ist WeistGr 6,400 (a. 1338); nach der Mitte des 14. Jhs. häufig, s. DRW 3,1266f. 1.6 speziell: weibliche ~ (der Jungfrauen und Frauen): [ wie ein kint vater vnd mvͦter erbe verwvrken mac: ] ob ein tohter vngeraten wirt, daz si man zvͦ ir leit ane ir vater willen, die wile si vnder fivnf vnd zweinzec iarn ist. kumt si vber fivnf vnd zweinzec iar, so mac si ir ere wol verliesen, aber ir erbe kan sie niemer verliesen SchwSp 12a; daz du niemir uirhengest, daz ich iemir giscendet werde uon deheime irdischin menischin, unde mir des gunnist mit dinir gnade, daz ich dise welt uirwandelon moͮze ungischendet, unde min wiblich ere an mir niemir ginideret werde MuriGeb 147; si [Crescentia] enbaite sîn [ihres Gemahls] mit êren / ân alle werletscande, / unz in ir got sande ze lande Kchr 11673; ein schone wip ane ere, / diune hat niht lobes mere, / wan als diu schone bluͦme hat, / diu uf einer grozen chroten stat StrKD 29,93; gib mir deß ain urkúnd! / nim an diser stund / mein junckfroͤlich er: / die sol deß sein din rechter gewer FrSchw 4367 1.7 ‘Vorrecht, Vorzug, Vorzugsstellung’ daz mvget ir merken bi vil mæniger ere, da mit er [Christus] in [Johannes] gezieret hat in himel vnde in erde. er was des wert, daz in vnser herre Iesus Christus mer minnete denne deheinen sinen ivnger. er entslief vf siner brvste an sinem merde. do er hie an dem heiligen crvce, do bevalch er im sine mvͦter [...] er gie vz dem wallenden ole vngelaidigeter. er trank daz aitter, daz ez im niht enwar [...] Spec 29,29; nû sult ir herren [...] mir die wal lân [...], und daz mir erloube / vor iu iuwer beider munt / die êrsten tjost hie zestunt / [...]. dô gewerten si in der êre Er 3215. – das guldein tal: / das hatt di ere fur alle land / di menschen augen sind pekant HvNstAp 4326 1.8 einzelne ehrenvolle Handlung: eine Kâlogrenant [...] spranc engegen ir [der Königin] ûf zehant, / er neic ir unde enpfienc sî. / do erzeicte aber Keiî / sîn alte gewonheit: / im was des mannes êre leit Iw 110; armuot mac niht tugende hân, / wan sie kan êren niht begân ["kann keine ehrenvollen Taten verrichten", Anm. z.St.] Freid 42,20; vgl. auch unten unter 1.9.1.4 1.9 Fügungen und Wendungen 1.9.1 verbale 1.9.1.1 jmds. ~ râten, sprechen, singen, begân, tuon ‘raten, tun usw., was jmdm. ~ bringt oder jmds. ~ wahrt’ sô rât ich dir dîn êre Kchr 6654; nu râtet waz ich drumbe tuo: / râtet die gotes êre, / ine ger nihtes mêre, / wan daz wir sô gedingen, / daz wir gotes hulde gewinnen StrKarl 1539; ich riet iu wîplîch êre Parz 614,29; scheidet er von hinnen / mit selhen unminnen, / ern gesprichet nimmer mêre / dehein iuwer êre Iw 4578; der wirt sprach sîn êre Parz 173,11 ( ‘sagte, was ihm, dem Gastgeber Gurnemanz, zur Ehre gereichte’; oder, wahrscheinlicher: ‘riet, was Parzival zu ~ verhelfen sollte’); swâ kirchen ode münster stuont, / dâ man gotes êre sprach ebd. 461,5; dâ von wirt sîn sin bereit, / [...] daz er singet / iuwer êre und werdekeit Walth 113,14; und wi ez stê, des wundert mich. / er begât sîn êre, swer mirz saget UvZLanz (K) 2213; diu frowe tet ir êre / uber daz nôthaft wîp [indem sie ihr aus der Not half] Kchr 12019 1.9.1.2 etw. ist jmdm. (ein) ~ getân ‘bringt ihm ~ ’ (wörtl. ‘das zu tun, bringt ihm ~ ’; zur Konstruktion vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 30,5): ob ich nû daz erwirbe, / daz ist iu êre getân, / des ich neheinen frumen hân Flore (S) 6459; drizzit [l. -ic ] koninge / die kumin dir alle / unde hant mich indeme scalle / daz ist dir ere getan Roth 3991; wolder aber here uore gan / daz were ime ere getan ebd. 3923. 1547; si lônte den spileman / mit vil grôzer gâbe; daz was ir êre getân NibB 1498,4; sô sol iu got gebieten, daz ir frümeclîchen tuot. / slaht uns ellenden [...] : daz ist iu êre getân ebd. 2096,4. – ze (den, einen) êren, hierher oder zu 6.3?: iu hât der künec erloubet, ir sult ze hove gân, / sîn swester sol iuch grüezen; daz ist zen êren iu getân NibB 290,4; daz wart zeinen êrn getân / froun Cunnewârn der künegîn Parz 336,28 1.9.1.3 etw. sint jmds. ~ (Pl.) ‘etw. betrifft jmds. ~ , wahrt jmds. ~ , wird von jmds. ~ gefordert’, wohl nicht ‘bringt ihm ~ ’ (Benecke zu Iw 2528) oder ‘steht in seiner Macht, ist sein Recht, seine Befugnis’ (Bech zu Iw 2528 mit Verweis auf den Gebrauch wie 1.2 und 1.4 ): ichn gewähenes niemer mêre, / nû daz sîn iuwer êre Iw 2528; sol ich lîden / von im langez mîden, / daz müet mich wol sêre, / ich spriche im niht mêre, / wan daz er mich siht, daz sint sîn êre MF:Reinm 55: 1,11; ich [Frosch] sage dir, sneke, was dv tv: / phlige dines amptes alsam e [zu kriechen, nicht zu springen wie ein Frosch] , / [...] daz sint din selbes ere. / [...] dein site [...] der ist wanderbære FabelCorp 19,86; nu erlâz mich, küener degen balt, / suone gein disem wîbe, / und gebiut mîme lîbe / anders swaz dîn êre sîn Parz 267,5; volge er mîner lêre, / sît daz ich in warnen sol; / sô tuot er wol und sint sîn êre KLD:UvW 29:1,10 1.9.1.4 andere: – ~ hân + Gen. ‘wegen etw.’ swaz helde nu dar under müese ligen tôt, / wir hetens lützel êre und ir vil kleinen frum NibB 124,3; er gâhte abe anders sêre, / daz es dez ors het êre / (wan daz erzeigte snelheit) Parz 536,14; iwerr helfe habt ir êre ebd. 642,17. 323,21; Walth 18,1. – jmdm. an sîne ~ sprechen ‘jmdn. ~ mit Worten angreifen’ im was des mannes êre leit, / und beruoft in drumbe sêre / und sprach im an sîn êre Iw 112. 168. 1071; ob ich ez an ivch ræche, / ob man mir niht spræche / dar vmb an mein ere Krone 3777. – jmdn. an (den) êren krenken ‘jmds. ~ mindern, schaden’ wer möhte daz verclagen / sweder ir dâ wurde erslagen / od gekrenket an den êren? Iw 7281; ich trunke gerne, dâ man bî der mâze schenket / unde der unmâze niemen iht gedenket, / sît sî den man an lîb, an guot und an den êren krenket Walth 29,27; heite in [Tristan] daz tranc der minne / niht brâht ûf unsinne! / daz krankte in dicke an êren UvTürhTr 3583. – jmdm. geschiht dehein ~ ‘gelingt eine ehrenvolle Handlung, Tat’ daz dû [Keiî] den iemer hazzen muost / deme dehein êre geschiht Iw 141. 835. 2777. 2489. – bî mîner, unserer / ûf mîne, unsere ~ ‘auf Ehr und Gewissen, bei meiner, unserer Ehre’ geloben, râten, sprechen, tuon, in ehrenwörtlichen Versicherungen, besonders bei Ehrenverpfändungen: [wir] han globit in guden truwen by vnsirm eyde vnde by unseren eren vur vns vnde vnse erben, daz [...] UrkCorp 1200,37; vnd daz diz wâre sige, so sprechen wir es mitte gvͦten trúwen vnd bi v́nsern êren UrkCorp (WMU) N135,22; daz sol man an vier erber man lazen, [...] vn swaz diͤ darvmbe sprechen vffeͥ ir sele vnd vf ir ere, daz sol beiderthalp stete wesen ebd. 611,1; wande wir disen koͮf gemeinliche haben getan vffen vnser trvwe vnde vnser ere dvr besservnge vnsers dorfes vnd des kilchoves ebd. 671,38; ih rate uf min ere, / [...] daz [...] OsterSpM 2,64 1.9.2 in adverb. Präp.-Gruppen 1.9.2.1 im Sg., bî / durch jmds. / einer Sache ~ : sô man i’n dennoch mêre / bî des helmes êre / unt durch ritter ordenlîchez lebn Parz 321,26; Anfortasen bat dô sêre / durch sîner swester êre / Feirefîz ebd. 820,6; Walth 24,23. 12,35; daz liez er durch sîn êre Wig 3034. 275 1.9.2.2 im Pl., mit / nâch (jmds.) êren ‘auf (für jmdn.) ehrenvolle, würdige, standesgemäße Weise; unter Wahrung des Ansehens, der Würde (von jmdm.)’ si sprâchen daz nemahten si getuon mit deheinen ire êren, / daz si decheim unbesnitenen manne gâben ire swester ze wîbe Gen 1619; Alexander weinte den hêren. / mit vil grôzen êren / wart di bâre bereit / und der lîchame dar ûf geleit SAlex 3873; in diente von ir landen vil stolziu ritterscaft / mit lobelîchen êren unz an ir endes zît NibB 6,3; deiswâr, sô hâstû guot heil, / gescheidestû mit êren dan Iw 597; hie huop sich ein strîten / daz got mit êren [unbeschadet seiner Würde] möhte sehen ebd. 1021. 1591; ergebet iuch in mîne gewalt; / odr ir sît schier von mir bezalt, / daz iwer vallen rüert den snê. / sô tæt irz baz mit êren ê Parz 288,2. 228,18. 336,22; alle fürsten lebent nû mit êren, / wan der hœhste ist geswachet, / daz hât der pfaffen wal gemachet Walth 25,20; man seit mir ie von Tegersê, / wie wol daz hûs [die Abtei] mit êren stê ebd. 104,24. 28,20; vnd sol der svn [als Erbe des Vaters zu dessen Lebzeiten] an sine stat treten, vnd sol im sine notdvrfte geben, vnd sol im die mit eren geben und nach den eren, als er gelebt hat SchwSp 12a. – der künec dô gie ze râte, wie er lônte sînen man; / si heten sînen willen nâch grôzen êren getân NibB 256,4. 885,1; ir hât alsô gelebet unz her / [...] nâch êren als ein guot kneht Iw 2901; gespîset [mit Lebensmitteln versehen] wol nâch êren [wie es sich gehört] / sint ir schif in der habe Parz 753,20; zuo flieze im aller sælden fluz, / niht wildes mîde sînen schuz, / sîns hundes louf, sîns hornes duz / erhelle im und erschelle im wol nâch êren Walth 18,28; darnach hiez der von Pern / [bei Tisch] iegleichen sitzen nach sein ern Walberan 1228; an ir was niht vergezzen / deheiner slahte güete, / wand ir reinez gemüete / ie nâch êren blüete Wig 3186 1.9.3 abhängig von einem Nomen 1.9.3.1 als Gen.-Attr. eines Subst., meist vorangest.: daz er der êren krône / dô truoc und noch sîn name treit Iw 10; wand er hêt ie des gegert / daz im der êren krône / ze jungest wær ze lône / gevallen Wig 3567. 11022; Tannh 4,102; Winsb 12,5; BdN 228,35. – ritterschaft, wie stêt dîn orden? / sage an, wem’st dîn wirde worden? / [...] setze ûf wider der êren kranz KLD:UvL 59: 3,12; du hâst von kindes jugende / getragen ie der êren cranz KvWWelt 141. – der êren chünic Christ [ rex gloriae Christus ] , / der aller tugende orthabe ist KvHeimUrst 1699. 1860. 2027; diemuot unde willigiu armuot, dâ sich der êren künic mite gezieret und gekleidet hât DvASchr 343,9. – der slac sîner êren Iw 3204; welt, dû stêst sô lasterlîchen, / daz ich ez niht betiuten mac. / triuwe und wârheit sint vil gar bescholten. / daz ist ouch aller êren slac Walth 21,24. – wer zieret nû der êren sal ? der jungen ritter zuht ist smal, / sô pflegent die knehte gar unhövescher dinge / mit worten und mit werken ouch Walth 24,3. – unde folgest mîner lêre, / sâ bûwes dû ûf êren strâze Walth 149,26. – milte ist gar ein troum / widr im, er ist der eren wirt Tannh 1,50. – durch daz solde er sizzen / uffe der eren banke GrRud δ 45. – diu jugent wil vrô sîn unde vrî: / der beider hân ich mich bewegen. / diu hôchvart velwet êren zwî: / ich wil mîn herze lâzen nider Winsbeckin 4,7 1.9.3.2 als Gen.-Erg. zu einem Adj.: alsus überslief den tac / der êren rîche und lasters arm Parz 581,1 2 ‘Glanz, Pracht, Herrlichkeit’ der palas was hêre / gezîrt mit manigen êren. / obene di swibogen / wâren mit golde ubirzogen SAlex 5906; ich vuor des endes [...] / und vant dâ grôz êre [einen prachtvollen Brunnen] Iw 603; dâ was wünne und êre, / vreude und michel rîterschaft / und alles des diu überkraft / des man zem lîbe gerte ebd. 2442; dô huop sich von den liuten vil michel der gedranc, / dâ si ze riter wurden nâch riterlîcher ê / mit alsô grôzen êren NibB 33,4. – fremdiu wunder, frœlich êre / bringet uns des werden meien bluot KLD:HvW 2:1,1; vil ist, des ich minn an ir: / sô des meijen êre / varwe rêret, stolzen leijen, / secht, so gent ir wengel liechten SM:Wi 4: 2,8; got gebe, daz der herbest sîn êre volbringe, / sît des menschen fröide gruntveste da lît! SM:UvB 3: 1,9 3 von Wirtschaftsgütern und -gebäuden ‘guter, gepflegter Zustand’ so sol er vns vnde vnsern erben die burg wider entwurten in den eren vnde in dem gancen bûwe [...], als ez ime geentwurtet ist UrkCorp (WMU) N412,22; daz si disen vorst sol han mit banne vnd mit getwinge vnd mit nvzze vnd in allen dien eron, als er vnz her ist komin vnwͤsticliche ebd. 65,21; hie wider sol der Oͤninger vnd sin rehten eͮrben das selbe gvͦt in eron han mit buwe [durch Bewirtschaftung] ebd. 842,23 4 von Gemeinwesen ‘Wohlfahrt’ wan sit si der stat ere gesworn hant, so ist ouch billich vnd reht, daz si gvͤtlich mit einander leben vnd do mit der stat ere behalten UrkBasel (S) 12,13 (a. 1286); UrkCorp 3570,33; die sü dunket alre nuzberst darzuo, und die der herschefte und der stat wol fügent, ir ere und ir gefüre [...] ze behütende UrkFreiburg (Sch) 132 (a. 1293) 5 ‘Privileg, Recht’ (speziell ‘Verfügungsgewalt über Lehen’ [WMU]?; vgl. unten UrkCorp 1197 und MLLM 1,649 s.v. honor 14 ‘Beneficium, Lehen’): es sey umb aigen, lehen, gelt, gült oder pfantschaft [...] und ander ir ere und recht und guet gewohnhait BairFreibr 16; [ich] han ime dc selbe gvͦt mit allem rechte, mit allen eron, mit allem nuzze [...] gelúwen ze rechtem lehene UrkCorp (WMU) 434,29; vnd sol er ouh bei seinen eren [ honoribus 1197A,9 ] , bei seinen rehten vnd bei alter gewonheit beleiben, als ander sein vordern gehabt habent ebd. 1197B,18; weitere Belege aus der 1. H. d. 14. Jh.s s. DRW 3,1268. 6 ‘Ehrerbietung, Respekt, ehrenvolle, zuvorkommende Behandlung’ 6.1 allgem.: der chnecht eret sinen herren, daz chint sinen vater. ob ich nv der herre pin, wa ist min ere. ob ich der vater pin, wa ist min libe? PrLeys 4,4. – gloria in excelsis deo, [...] lob unde êre sî got in den himeln Spec 13,8. 21,9. 24,31; der heilige Christ, / [...] dem geben wir lop unt êre Kchr 3028; des sî dir lop und êre geseit, Marîâ künigîn Walth 37,1; RvEGer 1880. – grôzer êren ist er [Mars] wert Kchr 3712; diu reinen wip mit guotem site / diu sint wol aller êren wert KLD:HvP 1:2,2. – die êre und die minne, / die ich û [König Euander dem Eneas] getûn mach / [...] des solt ir sîn vil gewis, / daz û daz gereit is En 6130; dô ir diu êre geschach / daz sî der künec durch in gesach Iw 2675; daz sî der grôzen êre / mich armen man erlâze ebd. 4790; nû vürht ich aber vil sêre / daz ich dise grôze êre / vil tiure gelten müeze ebd. 6558; dem milten künige Artûs / gnâdeten si der êren [dankten ihm für die ihnen erwiesene Ehre] Wig 4038. 2183. 4038. – häufig ~ bieten: jâ gebôt er unde bater / daz man muoter unde vater / minne und êre biete AHeinr 643; ern bôt mir nie die êre / daz er mich wolde ane gesehen Iw 750; ezn gebôt nie wirt mêre / sînem gaste grœzer êre ebd. 356; man biut iu êre unt gemach Parz 227,4; dâ wart im von in beiden / mit dienst erboten êre ebd. 765,25; bietet den gesten êre Wig 11546. – diz zinsreht unde disen prîsant / den liezen disiu zwei lant [ Curnewâle und Engelant ] / in dem vünften jâre ie schouwen / die werden Rôme, ir vrouwen. / doch butens ir dise êre / niht ellîch alsô sêre / weder durch reht noch durch got / sô durch Gurmûnes gebot Tr 6003 6.2 in der Wendung guot vür / umbe ~ nëmen sind ursprüngl. die bezahlten Dienste eines Spielmanns gemeint, besonders Lobreden, die dem Ansehen eines Herren dienen; dann auch umgedeutet zu ‘das Gut der Ehre vorziehen’ (vgl. MF:Anm., S. 245 zu 21,31 = MF:Sperv 1:8,3 mit Belegsammlung und Verweis auf frühere Literatur): swaz der diete dar kam, / diu guot umbe êre nam Er 2167; golt, silber, pfeller breit / gap der edel wîgant / den guoten knehten [...], / di guot umb êre nâmen / oder durch geselleschaft UvZLanz (K) 8394; [was das elterliche Erbe verwirkt:] ob der svn ein spilman wirt wider sins vater willen, daz er gvͦt fvr ere nimt, vnd daz der vater nie gvͦt fvr ere genam SchwSp 11b; RbRupr 182; wohl umgedeutet: in küneges râte nieman zimt, / der guot für’s rîches êre nimt Freid 72,8. – aus der Sicht des Herrn: guot vor êre (niht) (ver)sparn ‘(nicht) an Lohn für Ehrung durch Spielleute sparen’ (vgl. die Belegsammlung in MF:Anm. a.a.O.): erst tump, swer guot vor êren spart MF:Sperv 1:8,3; got gnâde Wernharte, / der ûf Steinsberc saz / und niht vor den êren versparte MF:Her 1:2,7 6.3 in Präp.-Gefügen mit in, mit, zuo: daz vierde [Gebot] ist ouch sô gedân: / dû salt vader und mûder hân / alle zît in êren Erlös 6865; want si bî des kaiser Liuthêres zît / in grôzzen êren wâren Kchr 17194. – Israhêl habe mich mit êren. / ih pin ain got unt ain hêrre Kchr 8610; dar nach so lese der abbit ein leccien von dem ewanglio vnde sten alle dar zv mit eren inde mit vorhte BrHoh 11; frou, nû klagt niht alsus! / [...] ich wil iur pflegen mit êren vil EnikWchr 15639. – Rômêre, duͦ sin infiengin, / einin nûwin sidde aneviengin: / si begondin igizin [ihrzen] den heirrin [Caesar] . / daz vundin simi cêrin, / wanter eini duͦ habite allin gewalt, / der é gideilit was in manigvalt Anno 28,8; dune darft mir wizzen keinen danc, / swaz dir mîn dienst hie zêren tuot Parz 68,5; sîme gote ze êren [...] ich mich gerne toufen solte ebd. 57,6; in die banier was gesniten / Amor der minne zêre Wh 24,5; disen wunneklîchen sanc / hân ich gesungen mîner [...] frouwen ze êren Walth 118,37; vgl. auch oben unter 1.9.1.2 7 vereinzelter rechtssprachl. Gebrauch 7.1 ‘Ehrschatz’ als Handänderungsgebühr: vnd swenne dv́ hant wandelot als reht ist, so svn sî als vil ze eron gen als [wie sonst] ze zinse UrkCorp (WMU) 2335,2 7.2 ‘gerichtl. Strafgebühr’ (?): jst oͮch, dc sich fvͦget eteswenne von misselingen ân alle geverde vnd âchvst, dc achzehen phenninge ab der march gewicht gât, dar vmb svn die mv́nzemeͥster êrn olde gvͦts dekeime gerichte schvldich sin UrkCorp (WMU) 188,40 8 ‘Ehrgefühl, Ehrenhaftigkeit’ (selten deutlich von "äußerer" Ehrauffassung zu unterscheiden): ein wîp die man hât erkant / in alsô stætem muote, / diun bedarf niht mêre huote / niuwan ir selber êren Iw 2893; er was der nôthaften vluht, / ein schilt sîner mâge, / der milte ein glîchiu wâge: / im enwart über noch gebrast. / er truoc den arbeitsamen last / der êren über rücke AHeinr 69; si nam, daz ich ir bôt, / einem kinde vil gelîch, daz êre hât Walth 74,29; nieman kan mit gerten / kindes zuht beherten. / den man zêren bringen mac, / dem ist ein wort als ein slac ebd. 87,3; man sint niht in êren, / daz si tougen unser minne gern Neidh SL 28:3,3
MWB 1 1846,10; Bearbeiter: Plate