zuschieben,
v. in früherer zeit, bes. 16.
jh., vielfach übertragen, neuerdings mit deutlicherer anschauung des '
schiebens'. 11)
personen irgendwohin schieben: da ... fühlt er sich ... mit wilder gewalt nach der ausfahrthür zugeschoben O. Ludwig 1, 336
E. Schm.; A., die nach ausgestandener haft ihrer heimat 'zugeschoben' wurde, wie es in der amtssprache heiszt Anzengruber
ges. w. 4, 219.
früher: einem ein liebchen z. Kramer 2, 516
a; wie ich dem böszwicht möcht vergelten, der uns den also hat zuogeschoben (
qui hunc supposuit nobis) Boltz
Terenz (1539) 54
a; wann du nun durch deine strick also etlich dem teuffel zugeschoben und zugeeignet hast Chr. Bruno
instit. christ. foeminae (1566) 20
a. 22)
einem etwas, zunächst räumlich, meist zum besitz oder genusz z. Kramer: emsig musste ich lesen, was den augen zugeschoben wurde J. K. H. Hampel
Hephata 8; wie manches zuckerbrod oder bisquit oder makrone ich euch hab zugeschoben Schiller 2, 144
G.: sie ... zog ein versiegeltes blatt aus dem busen und schob es ihm zu Mörike
w. 3, 43; im nächsten augenblick wurde dem schneider ... der ganze einsatz zugeschoben G. Keller 5, 24.
mit betonung des unauffälligen: besonders sinne ich auf vehikel und masken, wodurch und unter welchen wir dem publico manches z. können Göthe IV 10, 200
W. einem beistand, glück z.: umb das gott den küng behuoti und im guot gelück zuoschib Richental
chr. d. Const. conz. 82
lit. ver.; hat ... ihnen ... gelt, geschütz und dergleychen hilff zugeschoben Stumpf
Schweizerchr. (1608) 267
a.
im sinne des heimlichen, ungehörigen: den, der also der that oder desz zuschiebens oder zusehens verdacht, ... fürzunemen
bair. landordnung (1553) 8
b: dasz Lepidus demselben widern kaiser haimliche hilff zuoschob J. v. Watt 3, 18; ein falsch testament heimlich beybringen, z. Corvinus
fons lat. (1646) 646; um bei der gelegenheit sich und den übrigen eine zulage zuzuschieben Göthe III 1, 79
W. doch auch nachtheil: inen eynig args zugefúgt oder zugeschoben wúrd
Aymont (1535) i 5
b; ... getraute sich niemand dem kirchspiel bei einquartierungen ... ein mehrers zuzuschieben, als die ordnung erforderte Just. Möser 1, 239.
in der rechtssprache einem den eid z.,
in weiterem sinne eine leistung z.: so bleibt dieses werk Fausten zugeschoben, dem es auch vollkommen gelingt Göthe
gespr. 7, 175
B.; im übrigen sucht die kirche die erhaltung des friedhofes der gemeinde zuzuschieben Rosegger II 2, 267.
ebenso einem eine schuld, eine verantwortung z. Eichendorf
s. w. 2, 415; Prutz
preusz. gesch 4, 289. 33)
durch schieben verschlieszen: fenster zum auf und z. Tieck 17, 285; einen riegel, eine thür, ein fach z. Göthe 23, 172
W.; Eichendorf
s. w. 2, 132; O. Ludwig 3, 463
E. Schm. —