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zureichen

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

zureichen v.

Bd. 32, Sp. 653
zureichen, v. , Bas. Faber thes. (1587) 506a, mhd. noch nicht belegt, auch dem nd. fremd. 11) für den vorgang des reichens in der richtung auf eine person oder sache. 1@aa) die hände, arme einem zureichen: doch reichete er ihm .. beide arme zu und zoge ihn also zu sich in die kammer A. U. v. Braunschweig Octavia 1, 360; ist denn ein abgrund zwischen uns eingesunken, dass sich die länder nicht mehr ihre arme, die landstraszen, zureichen? H. v. Kleist 5, 132 E. Schmidt. ähnlich: da reyche die oren zu und lass dyrs eyngehen, wie gott durch den menschen redet Luther 15, 488 W. ohne obj. wie zulangen: zureichen in die schüssel Kramer 2, 307c. nicht mehr übl. 1@bb) einem gegenstände zureichen: so sollen die auf der anderen parthei ... die hawen zureichen Xylander Polybius 428; worauff die schild- und lantzenträger ihren helden die waffen zureichten Lohenstein Arminius (1689) 2, 507a; mit selbstgefälligkeit reichte er den strausz seiner herrin zu Göthe 24, 105 W. freier: ich konnte dem grafen noch verschiedene auskünfte zu diesen erzählungen zureichen Hippel lebensläufe 1, 136; so dasz der, dem ich meine gedanken einzeln zuzählen, meine empfindungen einzeln zureichen will, immer schon lange vorher wissen könnte, wo es mit mir hinaus wollte? Göthe 20, 46 W. allgemein von der hilfe bei einer arbeit: einem dachdecker, mäurer etc. ziegel, steine, mörtel etc. zureichen Kramer 2, 307c; als ich bei ihr (der pflegemutter) stand und ihr wäsche zureichte Holtei erz. schr. 1, 67; in doppelter reihe wurden die eimer (zum löschen) zugereicht Fontane I 1, 491. auch vom zureichen der speisen: sie (die jünger) reichten zu, nach allem fug ihr keiner ward vergessen Barth. Ringwaldt evangelia M 5a. 22) wie ausreichen, hinreichen, s. reichen 3 c, th. 8, 587, auch langen und zulangen. auf diese anwendung wird es sich beziehen, wenn Campe zureichen für edler als zulangen erklärt. meist in negativen oder bedingten wendungen: 2@aa) mit deutlicher räumlicher anschauung des reichens: wo die löwenhaut nicht zureichen will, da musz man einen streifen vom fuchsbalg dran nähen Mich. Montaignes ged. u. meinungen 1, 42; doch freylich reicht ein kurzer faden nicht zu, um sich aus diesen labyrinthen herauszuwickeln Göthe IV 17, 212 W.; der mantel der christlichen kirche ... reicht nicht mehr zu, ihren unflat zu bedecken Bettine die Günderode 2, 46 (vgl.mantel 3 a, th. 6, 1609). 2@bb) von irgendwie mesz- und zählbarem: also dass selbige zu vermehren weder zeit noch wille zureichet G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) vorr. 14; geschäfte, welche auszulernen kaum das leben zureicht A. G. Meiszner Alcibiades 1, 157; wie ... sollte die zeit zureichen, die ich in hunderterlei thätigkeiten zersplitterte Göthe 27, 311 W.; es sind ihrer (der beamten) so viele, dasz die hälfte davon zureichen würde, aber alle tage werden sie vermehrt Ranke s. w. 8, 87. von einer menge, einem vorrat für einen bestimmten zweck, bes. von lebensmitteln: so, dasz die im übrigen gesunden theil der lungen enthaltene lufft nicht zugereicht habe, die lungen in der höhe zu behalten C. F. Paullini philosophischer feierabend (1700) 741; ihre unzehlbaren baumfrüchte reichten zu, die gantze welt zu speisen Lohenstein Arminius (1689) 2, 303a; biszweilen entstehet im lager eine theurung, und der proviant will nicht zureichen v. Fleming vollk. t. soldat 165; wenn ich sage ..., dasz ein schinken für sechs mann nur so eben zureichte Immermann 3, 54 H. bes. von geldmitteln: dass ein kreiskaste dem andern, der kundlich und offentlich nicht zureichen kann, von der ubermass soll zu hulfe kommen polit. korrespondenz Moritz v. Sachsen 1, 353 (1542); mein geld reicht zu bezahlung der schulden nicht zu Stieler 1509; wer grade so viel hat als für seine bedürfnisse zureicht, hat der genug oder nicht? ... und er leidet mangel, wenn er ... mit dem, was er hat, nicht ausreicht Wieland Lucian 3, 149; sein vermögen reichte für seinen hofhalt nicht zu Ranke s. w. 4, 99. 2@cc) allgemeiner von dem, was als mittel, kraft oder möglichkeit für eine leistung genügt: kommts zum hohen alter, so dasz die kräfte nicht mehr zureichen wollen, so ist er vollends übel dran der wohlgeplagte priester (1695) 88; in solchen fällen ..., wo .. die natur zureichet, der verlangten absicht ein gnügen zu thun Chr. v. Wolff vernünft. ged. von gott (1720) 566; in London, wo die gesetze für alle bedürfnisse nicht zureichen Just. Möser 5, 88; unsre sprache reicht nicht zu, alles zu umfassen maler Müller 2, 121; einen der entwürfe des Michel Angelo ..., wo einige meiszelhiebe dem künstler zureichten, um seinen ganzen gedanken auszudrücken Göthe 41, 2, 186 W. 2@dd) weiterhin von den mitteln des deutlichmachens und beweisens: wie weit dieser schlusz zureiche, ist droben angeführet Morhof unterr. v. d. dtschen spr. (1682) 1, 398; weil die andern widerlegungen nicht wolten zureichen G. Arnold kirchen- u. ketzerhist. (1699) 371b; dasz sie (die kategorien) allein noch nicht zur erkenntnis der dinge an sich selbst zureichen Kant 3, 230 ak. ausg.; die zahl muss aushelfen, wo die anschauung nicht mehr zureicht Schiller 10, 195 G. 2@ee) dieselbe bedeutung mit persönlichem subj.: sie konnten mit allem geld ... nicht helfen und zureichen Brentano 4, 387; da ich mit meinem zuschusz von oben nicht immer zureiche Holtei erz. schr. 19, 246. 33) das part. zureichend als adj., auch attributiv und adverbial, gelegentlich als comparativ: doch die kost war von diesem tage an wesentlich zureichender Roseggfr wildlinge 200. wie 2 a: schmale, ... für fuszgänger und einzelne bergrosse zureichende wege A. v. Haller Fabius u. Cato (1774) 13; mein häuschen ist .. nur eben für seinen bewohner zureichend Wieland Lucian 4, 232. wie 2 b: zu jener (dankbarkeit) wird meine ganze lebenszeit ... kaum zureichend seyn Gottschedin br. 2, 5 R.; eine zureichende pfarrstelle polit. maulaffe (1679) 121; ein zureichendes vermögen (zum heiraten) Chr. F. Weisze lustsp. 2, 230; im, ganzen ... schien (die pflanzung) nicht zureichend, die einwohner das ganze jahr über zu ernähren J. G. Forster s. schr. 2, 299; zureichende nahrung, verpflegung u. ä. wie 2 c: mit zureichendem eyffer Chemnitz schwed. krieg 2 (1653), 418; mit zureichenden kenntnissen der sache versehen allg. dtsche bibl. anh. zu 37/52, 43; jetzt bin ich ruhig ... durch den glauben an die zureichende kraft meines wesens Schiller br. 1, 411 Jonas; da alles in zureichendem stande war, entliesz er die fremden arbeiter Stifter s. w. 3, 103. Heynatz tadelt als eine 'buchhändlerredensart', in der hinreichend stehen müszte: der name des verfassers allein ist zureichend, diesem buch leser zu verschaffen antibarb. 2, 679. wie 2 d: zureichender bericht Schottel t. haubtspr. (1663) 42; die zahl der sylben .. macht keinen solchen eindruck bey unsern Deutschen, dasz man sie für ein zureichendes merkmal der verse halten sollte Gottsched dtsche sprachk. (1748) 513; zureichende begriffe von obrigkeit, regierung und gesetz A. Cramer nord. aufseher 1, 430; ohne zureichenden beweis Raumer gesch. d. Hohenstaufen 4, 120. gelegentl. als begriff der ökonomie für die sog. autarkie: da .. wenige staaten sich selbst zureichend sind Iselin verm. schr. (1770) 157. als adv.: der deutsche übersetzer hat diesen vorwurf .. zureichend beantwortet allg. dtsche bibl. anh. zu 19/24, 1318; der übergang von einem zum andern ist sanft und zureichend motiviret Schiller 6, 231 G. dafür jetzt ausreichend. 44) fest eingeführt und lebendig geblieben ist der von der aufklärungsphilosophie geprägte zureichende grund, s. die belege aus Chr. Wolff hierunter: ich wuszte, dasz nichts ohne ursache geschieht, und dasz also auch ein zureichender grund vorhanden seyn müszte Liscow sat. u. ernsth. schr. (1739) 64; (das poetisch wahre) hat für die phantasie und die sinne seinen zureichenden grund Bodmer v. d. wunderbaren (1740) 47; dieser vertrag garantirt sich selbst: er hat in sich selbst den zureichenden grund Fichte s. w. 3, 207; alles hat seinen zureichenden grund Hegel w. 6, 243. formelhaft mit präp.: aus zureichenden gründen Nicolai Sebaldus Nothanker (1713) 1, 43; mit zureichendem grunde Rabener s. w. 1, 206; doch aber ohne zureichenden grund keine änderung geschehen kann Chr. Wolff ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 54. geblieben ist auch der satz vom zureichenden grunde: da nun .. unmöglich ist, dasz aus nichts etwas werden kann, so musz alles, was ist, seinen zureichenden grund haben, warum es ist. diesen satz wollen wir den satz des zureichenden grundes nennen Chr. Wolff vernünft. ged. v. gott (1720) 13; also ist der satz vom zureichenden grunde der grund möglicher erfahrung nämlich der objectiven erkenntnisz der erscheinungen in ansehung des verhältnisses derselben in reihenfolge der zeit Kant 3, 174 ak.; über die vierfache wurzel des satzes vom zureichenden grunde Schopenhauer 1, 11 Griseb.; hiernach bedeutet der satz des zureichenden grundes die behauptung von einem lückenlosen, logischen zusammenhang, der jede thatsache und entsprechend jeden satz in sich faszt Dilthey einl. in die geisteswiss. (1883) 1, 496. selten und ungenau für einen von auszen kommenden beweggrund: der zureichende grund ihn bös zu machen, ist blos allein dieser, wenn man von jemand gutes spricht v. Loen ges. kl. schr. (1749) 1, 31; wenn es nicht wichtigere gründe giebt, mich zur auswanderung von hier zu nöthigen, so halte ich den von Prokeschs ernennung nicht für einen zureichenden Bismarck an gen. v. Gerlach 57 (1893). ungewöhnlich ist auch die verbindung mit ursache: war er (gott) nicht die zureichende ursache der menschlichen natur, so wie diese den grund alles bösen in sich enthielt? Jung-Stilling s. schr. 4, 374. —
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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit zureichen

2 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von zureichen

zur + -ei + -chen

zureichen leitet sich vom Lemma zur ab mit Suffixen -ei und -chen.

Zerlegung von zureichen 2 Komponenten

zur+eichen

zureichen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

zureichen‑ als Erstglied (2 von 2)

Zureichender Grund

Meyers

Zureichender Grund ( Satz des zureichenden Grundes ), s. Grund .

zureichendheit

DWB

zureichendheit , f. : das ... nachweisenwollen der z. eines motives O. Ludwig 6, 24 E. Schmidt.