zulangen,
v. ,
mnd. tolangen Sch.-L. 4, 568
b. 11)
einem etwas zulangen,
mit ausgestrecktem arm zureichen oder es ergreifen Kramer 1, 889
b,
s.langen 6,
th. 6, 169: es wäre ja etwas unverträgliches: dasz man einem mit der einen hand feuer auf den halsz würfe, mit der andern ihm wasser zum leschen zulangte Lohenstein
Arm. 2, 1147
a; einer musz immer dem andern die bausteine zulangen Bettine
dies buch gehört d. könig 1, 107; ihre .. zunge ist es ..., womit sie (
die wendehälse) ihre nahrung zulangen Naumann 5, 355. Braun
nennt diese verwendung '
nicht gut' 317
b. 22)
ohne obj., die hand hinstrecken, oft wie zugreifen, insbes. helfend zugreifen: es bekäme derjenige das hertzgespann, der aus einem becher oder krug träncke, den man im zulangen mit der hand überspannet hätte Amaranthes 1095; her da, mir zur seite, lang' ein wenig zu! maler Müller 3, 76; wir wollen hoffen, so lang es geht, und wenn es nicht mehr geht, zulangen und helfen, wo wir können und dürfen Deinhardstein
ges. dram. w. 3, 175. 33)
allgemein üblich, bes. in der umgangsprache und den maa. ist zulangen
beim essen, wie zugreifen,
nomencl. Hamburg. (1634) 401; Kramer 1, 189
b: ich langte also bey meinem nachbar so unbesorgt zu, wie man an andern orten ein glas wasser nimmt Nicolai
reise durch Deutschland 3, 215; wer bei der schüssel sitzt und nicht zulangt, der mag darben Musäus
volksmärchen 1, 65
Hempel; nur zugelangt, ihr herren! Kramer; langt zu, kinder! Chr. Fr. Weise
kom. opern 3, 186; bitten, auffordern, nöthigen zuzulangen; brav, dreist, tapfer zulangen.
mit ergänzung durch von: er ... langt von einem ... andern gericht zu
portraits (1779) 47; schüsseln ..., von denen jeder zwischendurch nach belieben zulangt Moltke 4, 89; er solle noch weiter von ihren leckerbissen zulangen W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 53.
selten mit d. acc.: unaufhörlich nach allen seiten fleisch, pfeffer, salz zulangend, gab er nur halbe oder gar keine antwort Eichendorf 3, 212. 44)
an ein ziel kommen wie langen 5
th. 6, 169: deren der rechte (
arm der Donau bei der insel Schütt) die marktflecken Khitsee und Reckendorf ... vorbey auf Owarr ... zulanget S. v. Birken
vermehrte Donaustrand (1684) 50.
mit d. dat. wie zukommen III 1
oben sp. 472: bis i.
f. g. der erbetene beistand zulangen konnte Schweinichen 71
Österl.; die ihm zulangende nachricht J. Grimm
kl. schr. 2, 95.
kaum noch üblich. übertragen, mit dem verstand hinkommen, begreifen: im fall auch jemand unter der gesellschaft nicht alsobalden zulangen könte, solle er demselben an die hand gehen, wie es (
ein spiel) zu betrachten Harsdörfer
gesprechspiele 1, c 4
b. 55)
wie hinreichen, zureichen, auch hinlangen, vgl. langen 7
th. 6, 170.
nur in dieser bedeutung im mnd.: so idt (
d. geld) up dat mael nicht wolde tolangen Sch.-L. 4, 568
b; dieses wenige geld wird schwerlich zulangen Kramer 1, 889
b; weil aber seine kräfften nicht zulangten, muste er ihm mit einer kriegslist rathen Lohenstein
Armin. 2, 1069
b; allein diese dauer langet noch nicht vollkommen zu, man müszte doch noch einige jahre haben Gottsched
d. neueste 9, 14; es will nirgends zulangen.
mit umgelegtem subj.: kein mensch, so weit sein witz auch langet, langt hier mit seiner vorsicht zu Gottsched
ged. (1751) 1, 297.
mit ergänzung durch präp.: hieraus folgt, dasz die reine kategorie auch zu keinem synthetischen grundsatze a priori zulange Kant 3, 208
ak.; seine erfahrung langte gerade zu für die verwaltung eines rein ländlichen kreises W. v. Polenz
Grabenhäger 1, 152.
mit dem inf.: wenn er nun medicin studirt und dabey sein geld nicht zulangen will, auch auf leibesübungen etwas zu wenden Chr. Wolff
von der menschen thun und lassen (1720) 143; weil dieses noch nicht zulanget, alle zweifel wegen des gebrauches dieser wörter zu heben Gottsched
d. sprachk. (1748) 432.