zülle,
f., zille,
ahd. zúlla
cymba ahd. gl. 2, 325,
mhd. zülle
mhd. wb. 3, 948
b; Lexer 3, 1173.
in Baiern und Österreich auch züllen Schmeller 2
2, 1115; Castelli 274.
die form zille,
auch oberd. belegt, ist in Sachsen, Brandenburg, Schlesien allein üblich. das wort ist seit ältester zeit im gebiet der Donau zu hause, dagegen dem westen und norden, vor allem der seeküste fremd, s. Kluge
seemannsspr. 844.
es ist ein lehnwort aus dem slaw. nach einem in allen slaw. sprachen vorkommenden worte tschech. člun,
poln. czoln
usw., s. Schmeller,
auch zolle,
f., o. sp. 52.
wäre es etwa ins tschech. aus dem hd. entnommen, so wäre der anlaut dort c.
so geht es nicht wohl auf ein germ. *tulla
holzklotz zurück Lessiak
germ.-rom. monatsschr. 2, 283,
vgl. auch 1zoll,
sp. 32,
zurück, kann aber mit dieser wortsippe volksetymologisch zusammengebracht sein, s. die belege unten voc. theut. (1482) n 8
a und aus Schmeller. zülle
bezeichnet nach Schmeller
jede art von fluszschiff, wozu auch mhd. belege passen wie Neidhart
s. 110
Haupt; Ottokar
reimchr. 14650; 18839; 18854
Seem. doch weisen andere, bes. die der alten wbb., auf kleine fahrzeuge. zülle
glossiert cymba Diefenbach 119
a; 226
c,
phaselus 226
c,
legia 322
c,
scapha n. gl. 329
b,
wird erklärt als levis navis de una tantum arbore voc. theut. (1482) n 8
a.
ähnlich: canoen sein schiffl oder zillen ausz aim paumb gemacht
cgm. 936,
f. 190
bei Schmeller.
es wird gleichgestellt mit rennschiff (
s. renneschiff Lexer 2, 405
[] und d. bel. aus dem volksbuch v. herzog Ernst),
mit nache Diefenbach 322
c;
voc. theut. (1482) x 2
b; a a 7
b.
es ist das beiboot, mit dem man vom seeschiff an land geht: Apollonius der weygandt fur mit zullen an daz lant Heinr. v. Neustadt
Apollonius 6464
Singer; da hiesz herzog Ernste die segelbome mit iren fanen ablaszen und die anchern oder heftpfäle in das waszer sencken, und di rennschiff oder zülle los laszen
volksb. v. herzog Ernst 255
B.; so lang bis man in den rennschiffen oder züllen, di man an das gestat herusz fuort von dem kiele, die wunden totsiechen und auch die gesunden alle einfuort in den kiel 263.
dafür barken
herz. Ernst b 2254; 3836, barca
in der lat. vorlage. dies alles weist letzten endes auf die slaw. fischer, zu deren einbäumen und weidlingen das wort ursprünglich gehörte. diesen zusammenhang zeigt auch renntzülle
navis piscatoria Diefenbach
nov. gloss. 369
b,
sowie weidzülle,
s. u. doch auch die bedeutung '
lastschiff'
ist alt: ... ich sach daz ein zülle was grôz und wart doch überladen ... Frauenlob 104, 11 (
ähnl. Hugo v. Langenstein
Martina 215, 62
Keller, vgl. Germ. 29, 24); willekomen sît ir, her wîter sac! (
redet der höllenwirt die seele des gîtegen
an) ob ich dich erfüllen mac, daz wil ich versuochen ... du bodenlôse zülle! als ich dich gefülle, ich senck dich an der helle grunt
Seifried Helbling 2, 595
Seem. so wurde zülle
auch im salzhandel auf der Salzach gebraucht Lori 311
a; 313
a; 315
b (
Salzburger schifferordn. zu Lauffen 1581).
heute ist auf der Donau, nach auskunft der kanzlei des bayer.-österr. wb., zülle,
in der ma. züln,
ein '
vorn und hinten ganz flacher kahn ohne kiel von geringer bis mittlerer grösze',
zur beförderung von personen und leichten lasten. diese zülle
wird auch an den gröszeren trauner
oder an die groszen plätten
angehängt als beizülle
oder Marsbacher zülle. züllen,
die zum fischfang eingerichtet sind, heiszen weidzülle (weidzille Kramer 2, 1294
a). zülle
und weidzülle
sind auch in den wortschatz der österr. pioniere übernommen. das weist auf die verwendung bei Heinr. v. Neustadt
und im volksb. v. herz. Ernst und die herkunft von der urthümlichen fischerei der Slawen. auf der oberen Elbe, auf der Oder, Spree und Havel ist die zille
überall der lastkahn, dessen umfang mit der zeit immer gröszer geworden ist. in Hamburg dagegen heiszen solche kähne oberländer (kähne).
solche fahrzeuge meint Schottel: zille ...
oblongum et angustum navigium haubtspr. (1663) 1448.
dem entspricht niederösterr. wazzüln '
weizenkahn'(?) Castelli 274. —