zitadelle,
f. : '
castellum, propugnaculum, arx imminens urbi, ist eine kleine festung von vier, fünff bis sechs bollwercken, welche man gern an den höchsten ort der stadt, an den einfluss der flüsse, an den ort, wo die meiste zufuhr ist, mit einem wort an den vortheilhafftigsten ort einer stadt leget, damit man sie sowohl desto besser beschützen, als auch im zaum halten könne' Fäsch
kriegslex. (1735) 179;
das zu ait. cittade (<
vulgärlat. civitatem)
gebildete diminutiv cittadella '
kleine stadt, stadtschlosz'
dringt in dieser form ins humanist. lat. und im 15.
jh. als citadelle
ins frz. alle drei sprachen tragen das wort ins dt., wo es 1453
bei Hermann v. Sachsenheim (
s. u. 2)
zum erstenmal auftritt; es verdrängt das ältere dt. schlosz
in der bedeutung '
stadtfestung'.
vgl.: citadella oder schlosz J. W. Gebhart
fürstl. tischr. (1617) 2, 23.
zur synonymik vgl. Eberhard-Lyon
syn. hdwb. (1910) 479.
im 17./18.
jh. begegnet das wort häufig als neutr., vielleicht nach vorbildern wie karussell, rondell (Kluge-Götze
etym. wb.15 904
b): ain zütadell (1644) Bürster
beschr. d. schwed. krieges 221
Weech; vom citadell
almanach d. dt. musen (1779) 209; das citadell H. v. Kleist
w. 5, 145
E. Schmidt. in den wbb. erscheint zitadelle
im nl. schon zu beginn, im dt. dagegen erst am ende des 17.
jhs.: citadelle Kilian
etym. teut. ling. (1605) 698
a; cittadell (
n.) Kramer
teutsch-it. (1678) 319
a; citadell (
die) Ludwig
teutsch-engl. (1716) 397; citadell (
n.)
arx Frisch
teutsch-lat. (1741) 1, 170
c; citadell (
f.)
ders., nouv. dict. 2 (1752) 151
b; citadelle Campe
wb. z. verdeutschung (1801) 228
b. 11)
eigentlich: (
die einwohner brauchen nicht) zuo leiden, dasz schlösser, festungen oder citadell, es sey dann mit ihrer verwilligung und zuolassen in ihren stedten gebawet werden
edict kgl. maj. aus Frankreich (1573) B 2
a; uff den Galler (
ortsname) hat der Franzosz, so es ihme blüben, ain zütatell wollen laszen bawen (1644) Bürster
beschr. d. schwed. krieges 221
Weech; der ganz unvergleichliche oberingenieur Bott, welcher zu Wesel die citadelle erbauet (1713)
Berliner geschr. zeitungen 3
Friedl.; sonst war meine seele wie eine stadt mit geringen mauern, die hinter sich eine citadelle auf dem berge hat. das schloss bewacht ich, und die stadt lies ich in frieden und krieg wehrlos (1778) Göthe IV 3, 224
W.; die katholischen geistlichen (
fanden es) rathsam, die besten kostbarkeiten der kirchen in die zitadelle zu flüchten Schiller 7, 233
G.; an der esplanade zwischen der stadt und der citadelle läuft eine sehr schöne, breite allee längs der stadt hin J. G. Forster
s. schr. (1843) 3, 247; auf den plätzen, in den gassen, in den werkstätten, in den kirchen, auf dem rathause und in der zitadelle wurde das wort gehört W. Raabe
s. w. I 5, 468; (
eine französische armee war) vor der von den Holländern besetzten zitadelle von Antwerpen eingetroffen Roon
denkw. (1892) 1, 64; sie (
die Sibylle) aber stand jeden abend auf derselben stelle, schwarz wie eine alte zitadelle hoch und hohl und ausgebrannt Rilke
ges. w. (1927) 3, 137; general Clausz feiert ostern in Brest-Litowsk auf der zitadelle, wo ihm niemand zuschaut A. Zweig
eins. e. königs (1950) 169. 22)
in bildlicher anwendung. von einem beschützer oder etwas beschützendem: du (
jungfrau Maria) kastel und zyttidell mit wol beschloszner porten Hermann v. Sachsenheim 235
lit. ver.; gott ist der Christen hülff und macht, ein veste citadelle, er wacht und schillert tag und nacht, thut rond und sentinelle Moscherosch
gesichte (1650) 2, 690; das haus ist die citadelle der sitte Riehl
naturgesch. d. volkes (1851) 3, 12.
ähnlich vom hauswesen (
vgl.my home is my castle): nachdem du dir deine citadelle durch den aufwand deines ganzen lebens erbaut (1832) Göthe IV 49, 265
W.; denn die behörden wuszten wohl, dasz er in seiner zitadelle, seinen mit büchern überfüllten zimmern ohne maske und schminke sprach Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 390.
von der dame, die erobert werden soll: die festung, die ich biszher so lange belägert, hat parlamentiret, der accord ist geschlossen, und soll von uns beyden auff künfftig unterzeichnet, auch bald darauff die citadel in posses genommen werden Gryphius
lustsp. 105
lit. ver. von einem schiff: ein schwimmend heer furchtbarer citadellen (
die armada) Schiller 4, 110
G.