zischlaut,
m. ,
sibilant, zischender laut; s. auch zisch,
zischer. 11)
als grammatisch-phonetischer terminus (
meist zur bezeichnung des -s
und sch-
lautes).
aus der schon im 17.
jh. begegnenden verbindung zischender laut (Schottel,
vgl. zischen 1 c
β)
entsteht im 18.
jh. die zusammensetzung: übrigens aber bin ich mit dem gelehrten herrn Wachter allerdings einig, dasz sehen und schauen von ouh, augen, oculus, auge durch vorgesetzten zischlaut herzuleiten sey Gottsched in:
beytr. z. crit. hist. 18 (1738) 260. 1@aa)
zur bezeichnung des sch-
lautes: so ist der buchstabe sch ein zischlaut Campe 5 (1811) 875.
z. t. im unterschied zum s-
laut; in deutlicher abgrenzung gegen letzteren bereits bei Adelung: sauselaute oder säuseler, nach verschiedenen graden der stärke, s, ß, z. von andern werden sie nebst dem folgenden zischer oder zischlaute genannt, obgleich sehr mit unrecht, indem nur das sch allein zischt
umst. lehrgeb. d. dt. spr. (1782) 129; 'gluchzen' ... siehe 'schluchzen', welches durch vorsetzung des zischlautes davon herstammt Krünitz
öcon. encycl. 19 (1780) 204; er spricht die zischlaute st, sp, sch viel milder als sein bruder
mon. Germ. päd. 36 (1804) 171; statt des zischlautes sch ward gewöhnlich damals (
im 14.
jh.) nur ein s gesetzt Zschokke
s. ausgew. schr. (1824) 31, 250
anm.; ihr starker zischlaut sch oder dj statt s, macht ihre rede ... oft unverständlich Ritter
erdkde (1822)
teil 6, 935. 1@bb)
zur bezeichnung verschiedener s-
laute; sifflante pfeifend, zischlaut, s-laut
consonne de la série des fricatives, caractérisée par un bruit de sifflement de l'air expiré à travers une fente étroite ménagée vers la partie médiane de la langue: sourde s,
sonore z Marouzeau
lexique de la termin. linguist. (1951) 207: der goth. zischlaut war eine verdickung des reinen s-lautes, die sich im alth. durch einen parallelen übergang in r offenbart, der goth. sauselaut wurde zischend, der alth. schwirrend J. Grimm
dt. gramm. (1822) 1, 165; englische grammatiker pflegen den sauselaut
hissing, den zischlaut
buzzing sound zu benennen nach dem schneidenden pfeifen ... der schlange und dem dumpfen summen ... der biene oder hummel
ebda 1, 166; beide zischlaute können in denselben wörtern nach umständen der flexion vorkommen, z. b. sizan (
sedere), saʒ (
sedit)
ebda 1, 165; vermuthlich aber hat schon in frühster zeit ein härterer, dem
nhd. z gleichender und ein weicherer, dem
nhd. ß gleichender zischlaut stattgefunden
ebda 1, 162; sch ist eine innigere verschmelzung des reinen hauch- und zischlautes ... als sk J. Grimm
briefw. m. K. Lachmann 1, 143
Leitzm.; gestoszen sind dieselben dh und th, welche wegen der engen verwandtschaft des stoszhauches und des sauselautes leicht in den zischlaut (z) übergehen Schmitthenner
ursprachlehre (1826) 78; die gotischen zischlaute s und z sind aus dem urgermanischen übernommen W. Krause
hdb. d. gotischen (1953) 106. 1@cc)
in weiterem sinne auch von anderen reibelauten: er (
engl. th) ist ... ein harter zischlaut
allg. dt. bibl. (1765) 69, 553;
dazu vgl.: die asp. þ, th, welche anlautet, ist kein eigentlicher zischlaut, obwohl sich ihm nähernd J. Grimm
dt. gramm. (1822) 1, 166
anm. für assibilierte laute: ci musz also dem zischlaut leichter, früher, stärker heimgefallen sein als tio, tii, tium J. Grimm
kl. schr. (1864) 2, 361; die zischlaute s, z (= weich s), š (= sch), ž (= französisch j), tš, dž Gabelentz
sprachwiss. (1901) 36.
ungewöhnlich: wohl aber gerät sie (
die luft) selbst durch die reibung (friktion) ... in vibration, was das ohr als zischen ... wahrnimmt. das lautprodukt ist dann ein frikativlaut ('reibelaut'), auch spirant ('zischlaut') genannt, z. b. f und ss in fassen Noreen
einf. i. d. wiss. betr. d. sprache (1923) 69. 22)
von einer zischenden sprechweise, die auf erregung, gemütsbewegung usw. zurückzuführen ist; vgl. 1zischen 1 b: Dismas, da gibts beute! sprach Jusuf mit scharfem zischlaute und faszte den griff seiner waffe P. Rosegger
schr. (1895) II 2, 8; 'es geht schlecht', das sind die ängstlichen zischlaute, die sie einander zuflüstern H. Heine
s. w. 6, 276
Elster. 33)
vom bloszen geräuschlaut, der nicht sprachlicher sinnträger, sondern nur ausdruck des miszfallens, der überraschung oder aufforderung zur ruhe ist, vgl. 1zischen 1 d: ... ein plötzlich st! st! st! was soll der gebietrische zischlaut?
bei Campe 5 (1811) 875
b; doch in der hauptscene ... lieszen sich zuerst einige zischlaute eines gegners vernehmen J. Schreyvogel
ges. schr. (1829) 2, 1, 249; in der versammlung war ein zischlaut zu hören. was ist das? P. Rosegger
schr. (1895) II 14, 331; (
wenn) sie merken, dasz jetzo zu ende das stück, so begleiten sie meinen emporgang mit unheilverkündendem zischlaut nicht Hamerling
s. w. 7 (1911) 63; pater Maury zog einen leisen zischlaut durch die zähne (
nach der überraschenden antwort eines anderen) Handel-Mazzetti
Jesse u. Marie (1911) 2, 71.
ungewöhnlich: so finden wir überall ... künstliche mittel angewendet, um das takthalten zu unterstützen. bald sind es blosze zischlaute und rufe der ruderer selbst K. Bücher
arbeit u. rhythmus (1909) 220.