ziererei,
f., 1)
kommt im letzten viertel des 18.
jahrh. als nominale bildung zu sich
zieren (
s. zieren III B 2)
auf, dessen tadelnden sinn noch eigens durch das bildungselement -erei
steigernd. a)
gekünsteltes, gezwungenes, unnatürliches wesen in haliung und gebärden, im verhalten und benehmen, namentlich weibliche koketterie, in übertriebener gesellschaftlicher etikette, auch in unaufrichtiger gesinnung, im verkünstelten und überladenen sprachstil und verschrobenen kunstempfinden; der plur. ist im anfang häufiger als später: das ist die albernste ziererei, die ich kenne (1778) Bürger
s. w. 1, 326
a Bohtz; nein, ... sollten sie es auch für ziererey halten H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 76; possen! eine ziererey von jungfräulicher etikette C.
F. Weisze
lustspiele (1783) 2, 227; ich will ohne ziererey nach meiner angeborenen aufrichtigkeit zur sache selbst schreiten Mozart (1788)
bei O. Jahn
Mozart 3, 489; eine natürliche haltung des ganzen leibes ..., ohne alle künstelei und ziererei Fr. L. Jahn
w. 2, 23
Euler; sein gang war leicht, ... ohne spur von ziererei Holtei
erz. schr. 10, 104; aus der affektierten anmuth (
wird) ziererey Schiller 10, 123
G.; ich putzte mich, nicht ohne ziererei, halb einfach ländlich, halb komödiantisch heraus G. Keller
ges. w. 1, 181; unentstellt von ziererei laszt die langen flechten hangen v. Salis
gedichte 65; einem solchen zu verschweigen, dasz er ungelegen kam, ... wäre doch blöde ziererei gewesen Jac. Grimm
an Gervinus 2, 74; die ... ihr ganzes leben mit affectation, ziererey, visitenschnack und spiel hinbringen Zimmermann
üb. d. einsamk. 4, 166; wo der bürger nichts mehr zu sagen hat, da ist es mit der vaterlandsliebe eitel ziererey Heinse
s. w. 4, 353
Sch.; der belagerungszustand in Elberfeld aufgehoben. blosze ziererei, er dauert im wesentlichen noch fort Varnhagen v. Ense
tageb. 5, 368; Ramler, die ziererei, die eigenliebe, die eitelkeit in eigner person J. G. Forster
s. schr. 7, 113; schriftstellerische ziererey Lichtenberg
Hogarth. kupferstiche 1, xiv; es ist nicht ... möglich, ... die ... ziererey ... seines (
Lucians) ausdrucks zu erreichen Wieland
Lucians s. w. (1788) 6, 138; (
der) fehler des falschen pathos, des schwulstes, der ziererei J. J. Engel
schr. 8, 168; eine sprache ohne künstliche ziererey, aber von natürlichem ausdruck J. J. Chr. Bode
Montaigne 1, 345;
plur.: selten wird wahre liebe dieser zierereyen bedürfen A. H. Niemeyer
Philotas (1786) 1, 213; zierereyen und förmlichkeiten Knigge
umgang mit menschen 2, 268; nichts wuszte man in diesen thälern von den zierereien der heimlich zu ihrem zwecke sich hinwindenden lüsternheit J. A. Fessler
Alonso 1, 350; lustig ist das freien ohne zierereien J. Eiselein
sprw. u. sinnred. (1840) 182.
erweitert durch einen präpos. ausdruck: die ziererei mit der allgemeinen menschenliebe Kant
s. w. (1838) 5, 403; es war eine wissentliche ziererey mit seiner schönheit, welche den Alexander den kopf auf eine seite hängen liesz J. J. Chr. Bode
Montaigne 4, 188; die ziererei der Schweizer mit dem französischreden Ed. Devrient
a. s. frau 302. b)
sich sperrendes, spreizendes gehabe: Babet, ich habe nun der zierereyen genung angehört. ich befehle dir schlechterdings; du sollst und muszt Kretschmann
s. w. 3, 127; da ist ein kleines mädchen, das weint, und er stellt die kleine ziererei vor (
ahmt nach) Göthe 45, 118
W.; nach vielen complimenten und zierereien singt sie ihm eine arie vor O. Jahn
Mozart 1, 344; zimperlichkeit und ziererei W. v. Polenz
Grabenhäger 2, 143; eine kleine spende nahm das arme weib ohne ziererei Carossa
tag in Terracina (1947) 40. 2)
zum trans. zieren
schmücken a)
das zieren: denn so ein weiblein putzt sich dann aus fremdem säckel, und dem mann wächst, ob des weibes ziererey (
putzsucht), manch zentnerschweres hirschgeweih Blumauer
ged. (1782) 181. b)
überladener schmuck: welch ein armseliger umrisz! welches elende relief! was für eine gemeine ziererei! Winckelmann
s. w. (1825) 2, 113; die möbeln, schränke, portefeuilles elegant ohne ziererei oder überflusz Göthe 27, 154
W.; diese ganze ziererei der columnae caelatae Welcker
alte denkmäler 5, 8; da legt sie ab die goldnen spangen, den falschen putz und ziererei Eichendorff
s. w. 1, 697. —