zelge,
zelgen, zelg,
m., ast, zweig; gemeingerm. (
got. unbezeugt)
: mhd. zëlch,
stm., zëlge,
swm., mnd. telch,
stm., n., telge,
swm., mnld. telch,
n., m., ags. tëlga,
m., tëlgor,
m., f., tëlgra,
m., altn. tjalga,
f.; mit groszer wahrscheinlichkeit zu altn. telgja (
norw. telgja,
schwed. tälja)
schneiden, behauen (
s.zelgen sp. 602)
und weiter zu air. dluigim
ich spalte, ai. dlayatí
er spaltet, lat. dolare
behauen, bearbeiten (
wurzel del-,
s. Walde lat. et. wb. 239)
gestellt, so dasz z.
den abgeschnittenen theil bedeutet. nur durch den ablaut von z.
geschieden ist zolch (
th. 16, 31,
wo das got. adj. tulgus
fest, stark als weiterer nächster germ. verwandter angeführt wird).
zur selben wurzel gehören mnd. tol, tolle
zweig und mhd. zol
cylinderförmiges stück, klotz, zoll (
th. 16, 32)
und zelle,
m. (
s. d.),
während die selten belegte form zwelg (
ahd. ostfränk. zuelga
Tatian 73, 2; 146, 1,
spätmhd.- und nhd.-md. zwelch
in schles. handschriften d. Sachsensp. 2, 52, 2
sowie bei Tob. Hübner
d. andere woche [1632] 157)
lediglich als mischproduct mit zwîg
anzusehen ist. die modernen mundarten, denen das wort noch durchaus geläufig ist, bewahren z. th. noch die starke flexion als m. (
so tellich
neben telge Dähnert 484
a; telg Doornkaat-K. 3, 401
b;
fränk. zelch
bei H. Fischer 6, 1115; zalg, -e-
neben zalgen, -e- Vilmar 464; zelg Schmeller-Fr. 2, 1117),
doch überwiegt die schwache bildung (telge
brem. wb. 5, 51; Schambach 228
b; Damköhler
Nordharz. wb. 194
a; telj Danneil 222
b;
gewöhnlich aber telgen,
zelgen).
das fem. hält sich neben dem masc. in Bayern, Schwaben, allein in Obersachsen, der südl. mark Brandenburg und Ostpreuszen, sowie in der sonderbedeutung junge eiche in Westfalen (
neben telgen,
m., ast, zweig Woeste 270
a).
beim neutrum tritt mnld. und mnd. der plur. -er
auf. in Thür. und Ostfranken -k-: zelken Hertel
Thür. 263; das wasser ... bringet das kindle ... auff einen apffelbaum und setzt es auff einen kleinen zelcken S. Franck
zeitbuch (1585) 2, 857; dasz ein baum. wann ... ihm die blAetter abgefallen sind, ... die drren zelcken emporhebet A. Olearius
pers. baumg. 103; Reyher p 2
v b; Adelung
2 4, 1681.
mhd. und mnd. belege: hô wâren die boume, die zelgen dicke unde breit
Straszb. Alexander 5196
K.; obene er (
der baum) vil zelgen truc Herbort v. Fritzlar
troj. krieg 3744;
vgl. 15273; so daz du bist ein edel zelch daruffe (
an Christus als baum)
passional 667
K.; Heinrich v. Hesler
apokal. 22680; wan sine zelgin iczunt morwe werden
M. Beheim
evangelienb. Matth. 24, 32;
ebda Mark. 13, 28
u. Luk. 13, 19; siner boume z-n (
nd. telge,
schles. zwelge) en suln ouch uber den zun nicht gen, sime nakebure zu schaden
Sachsensp. 2, 52, 2
W.; eynen isliken telch, de syne vrucht nicht en brenget, den nemet he van my
bei Schiller-L. 4, 523
a; umme enen telghen Josef
todsünd. 2009; myt telgeren van bomen Schiller-L. 4, 523
a;
übertrag. für verwandtschaftsgrad: wenn es aber ausz den brdern und schwestern kOembt, so nimbt man das erbe nach den zelchen gleich Peisker
index de vernac. (1685) 69.
das wort fehlt bei Luther
und begegnet daher nur selten in der literatur: ich kletterte an einem ast oder zelgen hinauf Grimmelshausen 3, 492
K.; und hieng denselben unseligen an baum, ja an den hOehsten zelgen B. Waldis
Es. 1, 294
K.; dim.: diser text ... lautet ... von dem reiszlein und schsserling, oder wie es Jeremias nennet, von dem seligen zelchlein und gewechse Davids J. Mathesius
leichenred. 111
L.; allg. haush.-lex. 2, 746
b.
auf die rolle als galgenersatz (
s. ob. bei B. Waldis)
deutet die wendung gâ an n galgen un an n telgen
geh an den galgen, geh zum teufel Schambach 228
b und (dat is) tüm telgen (
zum aufhängen) J. Brinckman
plattd. w. 1 (1924) 128; 3, 177.
sonderbedeutungen: pflänzling, junger baum, insbes. eiche Lübben-W. 401
a,
vgl.telgen potten (
münst. 16.
jahrh.)
weisth. 3, 136;
junge schlanke eiche Woeste 270
a; zelge,
f., zweiglein am weinstocke mit einigen beeren (
westl. Schwarzwald) Schmid 546 (
in dieser bedeutung schon niederrhein. 12.
jahrh. zilge
Trierer ps. 79, 12); zelgen,
m., schosz an einem blumenstock, einer kartoffelstaude, kleiner zweig, theil eines astes, auch junger spröszling von pflanzen Martin-L. 2, 903
b;
zacken eines kristalls: er (
der amethyst) bricht in groszen stcken, an welchen die zelgen sechseckigt stehen P. Albinus
meiszn. bergkchron. 143;
von den enden des hirschgeweihs Müller-Fr. 2, 699
a (
thür.). —
zss.: zelgenbaum, nur mnd. telgenbôm,
m., baum mit zweigen und ästen Schiller-L. 4, 523
a;