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wuerzwisch

nhd. bis Dial. · 4 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

PfWB
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4 in 4 Wb.
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2 von 16

Eintrag · Pfälzisches Wb.

Würzwisch m.

Bd. 6, Sp. 1501
Würz-wisch m. : 'Kräuterbüschel, das am Fest Mariä Himmelfahrt vor oder in der kath. Kirche geweiht wird', Weʳzwisch [verbr. (bes. kath. Orte), Schandein Bav. IV,2 328 Rußl-Speyer], Wiʳz- [verbr. lothr. SWPf mancherorts SOPf Kamm 69], Wirzwich [Glass 131], Wiʳzwesch [BZ-Albw], Weʳzwesch [GH-Leimh], Weʳzewisch [BZ-Völkw]; vgl. Gewürzwisch, Kräuterbüschel, Weihbusch, -büschel, Weihwisch, Wisch, Würzstrauß. Vk.: Die Zusammensetzung und Anzahl der zum W. gehörigen Kräuter ist örtlich unterschiedlich; Gewährsleute und Darstellungen für die Pf. geben an, das er aus neun [Schandein Bav. IV,2 394, 405], dreiunddreißig [FR-Hettldh LA-Siebdg], zweiundsiebzig [FR-Mörsch N'lein] oder gar neunundneunzig [Carl Pfalz im Jahr 300] Pflanzen bestehen müsse. Folgende Pflanzen werden als Bestandteil häufiger genannt: Königskerze (Verbascum thapsiforme), mda. Kunkel, Liebfraukunkel, Muttergotteskunkel, Osterkerze (Syn. s. Kunkel 2) meist in der Mitte des Kräuterbüschels; Rainfarn (Tanacetum vulgare), mda. Rääfaʳn(t), Hemderknopf u. a.; Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis), mda. Blutskopf, -knopf, Stinkknopf u. a. (Syn. s. Würzwischstaude); Leinkraut (Linaria vulgaris), mda. Abnehmkraut, Frauenflachs, Herrgottsschuh, Jungfrau-, Maria-, Muttergottesbettstroh u. a. (Syn. s. Wolfsmilch 2); Karden-, Kohl-, Mariendistel (Dipsacus fullonum, Silybum marianum), mda. Donnerdistel, Mädchenssträhl, Strähl; Wermut (Arthemisia absinthium); Fuchsschwanz (Amarantus cruentus); Dost (Origanum vulgare); Ampfer (Rumex crispus), mda. Halwer Gaul; Labkraut (Galium verum und mollugo); Eisenkraut (Verbena officinalis); Odermennig (Agrimonia eupatoria), mda. Odermännche, -männel; Raute (Ruta graveolens); Liebstöckel (Levisticum officinale); Quendel (Thymus serpyllum, vulgaris); Fenchel (Foeniculum vulgare); Salbei (Salvia officinalis); Pfefferminze (Mentha piperita); Tausendgüldenkraut (Centaureum minus); Schafgarbe (Achillea millefolium), Syn. s. Schafgarbe; Osterluzei (Aristolochia clematitis); Malve (Malva neglecta, Althaea rosea), mda. Halsrose, Syn. s. Käseblume 1 a, Halsrose 1 b, Stockrose; Hartheu (Hypericum perforatum), Syn. s. Stierkraut 1; Herzgespann (Leonurus cardiaca), mda. Herzgesperr; Bohnenkräutchen (Saturea hortensis); Sonnenblume (Helianthus annuus); dazu Klee, Laub von Walnußbäumen, Edelkastanien, Getreidesorten (bes. Hafer). Örtliche Zusammensetzungen werden beschrieben bei Grünenwald 130/31, Manfred Claus: De [] Walsemer Werzwisch. Waldsee (Selbstverlag) 1991, Karl Blum in: Feierowend 6/1954 Nr. 33 S. 6 und Sprissler in: Landauer Anzeiger 15. 8. 1933. Der geweihte W. wird im Haus (unter dem Dach) oder im Stall angebracht; er soll gegen Blitzschlag [mancherorts], Hexen oder Krankheiten von Vieh und Mensch wirken [mancherorts, Becker Vk. 330 Stoll 65]. Von seinen Kräutern wird dem krankem Vieh etwas in das Saufen beigemengt [FR-Mörsch GH-Knitth]. Wenn eine Kuh kalbt, dann gibt man ihr vom W. zu fressen [KL-Lind]. Bei drohendem Gewitter wird zum Schutz vor Blitzschlag etwas von dem W. in das Feuer geworfen [HB-Kirrbg]. »Gegen Hexen wird ein geweihter W. an den Stallpfosten gehängt« [Schandein Bav. IV,2 337]. Der katholische Brauch wurde als Aberglauben bekämpft: a. 1566: Vom Kräuter weihen: Bei 10 fl. Strafe ist verordnet, daß niemand hinfortan zu den gottlosen, aberglaubigen Meßpfaffen oder Mönchen laufen, Wachs, Palmen, Kerzen oder Kräuter weihen lasse, mit welchem man nachmals Zauberei, Segerei und Hexenwerk braucht [PfMus. 39/1922 148 (Leininger Polizeiordnung)]. a. 1443: Weihen der Palmen. Würtzwisch und Lichter [UrkKG Nr. 634 (KU-Roßb)]. a. 1496: Der Pfarrer soll an Mariä Himmelfahrt die Würtzwische in Niederbexbach weihen [UrkKG]. a. 1577: Ist der gewächs eines (nämlich die Stabwurz), das man inn die Wurtzwüsch tht damit die alten Weiber vil narrenwerck treiben [Bock Kreutterbuch 123]. — Rhein. IX 670; Lothr. 545 Wirzwisch; Els. II 875; DWb. XIV, II 2400.
4029 Zeichen · 78 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    würzwischm.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    würzwisch , m. , kräuterbüschel, der an Mariä himmelfahrt geweiht wurde; zu wurz, f. 1: dieweil sie die weiber dise dürw…

  2. modern
    Dialekt
    Würzwisch

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    PfWB LothWB RhWB Würzwisch [Wèrtswi Schleit. ] m. Gebinde aus allerlei Heilkräutern, welches in der kathol. Kirche eing…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wuerzwisch

6 Bildungen · 4 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von wuerzwisch 2 Komponenten

wurz+wisch

wuerzwisch setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

wuerzwisch‑ als Erstglied (4 von 4)

Würzwischkunkel

PfWB

wuerzwisch·kunkel

Würzwisch-kunkel f. : 'Königskerze (Verbascum thapsiforme)', Weʳzwischkunkel [BZ-Rohrb ( Wilde 150)]; Syn. s. PfWB Kunkel 1 2. —

Würzwischstaude

PfWB

wuerzwisch·staude

Würzwisch-staude f. : 'Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis)', -staud [BZ-Rohrb ( Wilde 273)]; Syn.: PfWB Pimpernell 1 a, PfWB Blutknopf , -…

Würzwischtag

PfWB

wuerzwisch·tag

Würzwisch-tag m. : 'das Fest Mariä Himmelfahrt (15. August)', Weʳzwischdaa, -daach [vereinzelt, Hussong Kirkel 170 Stoll 65, 150], Wiʳzwisch…

wuerzwisch als Zweitglied (1 von 1)

Gewürzwisch

PfWB

gewuerz·wisch

Gewürz-wisch m. : 'geweihter Strauß aus Würzkräutern', Gewiʳzwisch [ Franz 227]; vgl. PfWB Würzwisch . Brauchtum: Der G. aus Kräutern, die a…

Ableitungen von wuerzwisch (1 von 1)

Gewürzwisch

PfWB

Gewürz-wisch m. : 'geweihter Strauß aus Würzkräutern', Gewiʳzwisch [ Franz 227]; vgl. PfWB Würzwisch . Brauchtum: Der G. aus Kräutern, die a…