würdiglich,
adj. ,
adv. mhd. halten sich, auch im obd., wirdeclich
und werdeclich
die waage, vgl. dazu oben unter würdigkeit,
f. nasaliertes werdenclich
passional 167, 14
H.; wirdenclichen
ebda 291, 68;
verkürztes wurklich (
Augsburg, um 1450)
städtechron. 5, 99.
frühe -ü-
form würdiklichen
ebda 157. 11)
als adjektivattribut. 1@aa)
mhd. nicht selten; aus wirdeclîche(n),
der adverbialform zu wirdec,
abgeleitet und, deutlicher als wirdec
selbst, das zu mhd. wirde
und werdecheit
gehörige adjektiv darstellend. für das, was höfischer art entspricht und vor dem maszstab der werdecheit
besteht, als merkmal ritterlicher vollkommenheit: dâ wart sîn werdeclîchez lebn durh minne an den rê gegebn Wolfram von Eschenbach
Parzival 751, 27;
vgl. 609, 25; 635, 18;
[] ich vant den künec unt des wîp, und manegen werdeclîchen lîp
ebda 653, 30;
vgl. 626, 30.
im blick auf ehre und geltung: zelent si Gâwânen und ander dise rîterschaft gein werdeclîcher prîses kraft Wolfram von Eschenbach
Parzival 284, 18.
allgemein wertend '
trefflich, schön': ê wâren im diu wangen mit rœte bevangen mit gemischter wîze mit werdeclîchem vlîze, nû swarz und in gewichen, daz antlütze erblichen Hartmann von Aue
Gregorius 3432
Paul. '
ehrend, auszeichnend': sô verzaget der biderbe von der scham ... sô manz im missebiutet und den bœsen vor im triutet mit werdeclîcher handelunge Konrad von Haslau
jüngling 221
in: zs. f. dt. altert. 8, 556. '
sittlich gut': wann kein tugent ist vollenkumen noch wirdiclich noch loblich niht, die do an mynne geschicht
minneburg 3085
Pyritz. in der wertwelt des religiösen: gâbe des heiligen geistes ist ein wirdelîch gebunge gotis Hermann von Fritslar in:
dt. mystiker 1, 181, 35
Pfeiffer. 1@bb)
im änhd. aussterbend: verlore er das königreich zuo Gasconien, vnd den wirdigklichen namen
hertzog Aymont (1535) n 1
a. 22)
als adverb. ahd. wirdeglîcho;
mhd. als wirdec-, werdeclîche(n)
die gängige adverbialform zu wirdec,
im nhd. aber nur noch als zweite, ständig rückläufige und bald nach 1800
aussterbende adverbialbildung neben einfachem würdig.
mhd. formen auf -lichen
halten sich bis tief ins 16.
jh.: wirdiglichen Arigo
decameron 35; 123
lit. ver.; Tauler
sermones (1508) 143
c; würdigklichen Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) 3
b; wirdigleichen Hans Sachs 15, 153
lit. ver. 2@aa)
in spezifischer, mehr durch den begriffsinhalt von würde
und würdigkeit
als durch den relationsbegriff würdig
bestimmter anwendung. 2@a@aα) '
mit auszeichnung, mit ehrerweisung, mit ehrfurcht'
; religiöse und profane handlungen charakterisierend: sih uuîo gotedehtîgo unde uuirdeglîcho dû daz ahtôest, taz ih ten tûom got tes tûomlichôsten gûotes chad fol uuesen (
quam id sancte probes atque inuiolabiliter ...) Notker 1, 185, 15
P.; er leret sÿ halten ǎne spott gar wirdenklich die zechen pott Konrad von Helmsdorf
spiegel d. menschl. heils 4678
Lindqvist; (
der priester) huoeb dasselbe (
stück der hostie) wirdikleich von der erden wider auff den allter ... und legt in (
den ziegel) zu anderm heyltumb wirdikleichen Johann Hartlieb
dial. miracul. 219, 12
Drescher; also ward Tarquinius ... mit grosser klag des gantzen römischen volcks, nach jrer gewonheyt, zuo äschen gebrant vnd darnach wirdigklich begraben Carbach
Livius (1551) 16
b; (
wir) begeren den leichnam Jhesus wirdigklich zw dem grab bestatten
altdt. passionsspiele aus Tirol 166
Wackernell. 2@a@bβ)
in der verbindung jmden würdiglich empfangen
besonders mhd. zu komplexem gebrauch neigend, '
in ehrfürchtiger haltung, mit ehrendem aufwand',
aber auch '
so, wie es jmd. verdient, es ihm angemessen ist' (
s.b)
oder, im blick auf den handelnden, '
wie es höfischer anstand gebietet' (
s. γ):
[] man enphienc sî wirdeclîche beidiu gelîche, Erecken und Enîten (
am Artushof) Hartmann von Aue
Erec 5094;
vgl. 9993; her inphienc ouch wirdecliche di jungen furstinnen, wi eine kuneginnen iman zu rechte enphahen sol
leben d. hl. Elisabeth 606
Rieger; man gieng im (
dem kaiser) loblichen entgegen mit aller priesterschaft und burger ..., und empfiengen in würdiklichen, als das wol pillich was (
Augsburg, um 1450)
städtechron. 5, 157; könig Artus gieng hin zu der königin, von der er auch wol vnd wirdiglich wurde empfangen
buch d. liebe (1587) 94
d.
auch in der nuance '
freundlich',
vgl. wirdiglich
benigne (15.
jh.) Diefenbach
gl. 71
c: so du ye bitterlicher gelitten hast, so du ye wirdigklicher empfangen wirst
d. ew. wiszh. betbüchlin (1518) 27
b. 2@a@gγ)
nur mhd. in der kennzeichnung höfischer werdecheit.
im bereich äuszerer ehre und geltung: nû lob ich got, sît dîniu (
der minne) bant mich sulen twingen, deich sô rehte hân erkant wâ dienest werdeclîchen lît Walther v.
d. Vogelweide 56, 11
Kr. nach dem masz innerer ritterlicher tugend: wilt du dîn leben zieren und rehte werdeclîchen varn Wolfram v. Eschenbach
Parzival 502, 5;
vgl. 139, 16; 754, 14; des muot sô wirdeklîche stât daz er unfuoge niht enlât gesigen in sîns herzen grunt
Reinfrid v. Braunschweig 1
Bartsch. 2@bb)
als relationsbegriff, zur kennzeichnung des angemessenen im sinne von würdig A 6.
im mhd. oft nur als sekundär mitgegebenes element (
s. ob. a
β). 2@b@aα)
neben bestimmten verben, die sich leicht mit der vorstellung des ausreichenden und zureichenden verbinden: Abel den vil tugende rîchen, deme sin opfer werdeclîchen wac dô für den gotes zorn Walther v.
d. Vogelweide
s. 189, 72
Kr.; daz ich ... erwerben mög dich wirdiklich zuoloben Gebweiler
beschirmung d. lobs Marie (1523) B 1
a; singt singt jhr engel singt: mit hunderttausend zungen, wird dieses wehrte kind nicht würdiglich besungen A. Silesius
cherub. wandersmann 65
ndr.; euere herzen sollen ... entscheiden, ob ich die liebe ... würdiglich geschildert habe Iselin
verm. schr. (1770) 2, 182. 2@b@bβ)
in mehr gelegentlicher umschreibung des angemessenen: gheiner ..., der den willen gottes recht und würdiglich erfüllte Zwingli
dt. schr. 1, 310
Sch.; kehrt nach Paris, dort sei das heil'ge fest der taufe würdiglich und schön gefeiert Tieck
schr. (1828) 1, 418. 2@b@gγ)
speziell '
mit recht, zu recht, verdientermaszen'
; so bis ins 19.
jh. hinein: welche anen (
bestimmter unsittlicher päpste) sämptlich in jren wappen gantz würdiglich führen böck, farren, stier Fischart
binenkorb (1588) 235
b; im stand der sünden keine solche todte werck etwas würdiglich verdienen Spee
güld. tugendbuch (1649)
vorr. 6
b; empfange denn mit ruhm und prangen den wolverdienten doctorshut! er wird dich würdiglich umfangen Drollinger
ged. (1743) 295; weil würdiglich vom ernsten vaterlande statt golds und silbers ward erhöht das eisen Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 17. 2@cc)
in besonderen religiösen anwendungen durchdringen sich die vorstellungen der angemessenheit und spezifischere bedeutungen, oder der akzent wechselt vom einen zum anderen hinüber. [] 2@c@aα) das abendmahl würdiglich empfangen
u. ä. '
angemessen',
aber auch '
mit ehrerbietiger andacht',
wie schlieszlich vor allem '
als ein würdiger'
im sinne von würdig C 3 a: niemin ist, der unsers herrn lichename wirdechliche neme
specul. ecclesiae 51, 3
Mellbourn; Tauler
pred. 294, 17; 20
Vetter; hilff, das alle priester das hochwirdig sacrament wirdiglich und seliglich zu der gantzen christenheit besserung handeln und brauchen Luther 7, 226
W.; so nun nieman on sünd ist, wie möchte ieman würdiglich hinzuo gon (
zum abendmahl) also, als du würdiglich nimmst für on sünd Zwingli
dt. schr. 1, 250
Sch.; nembt hin dy speis gar wierdikleich! sy frümbt ewch zu dem ewigen reych
altdt. passionsspiele aus Tirol 479
Wackernell; das hochheilige sacrament würdiglich empfahen, dessen würdiglich geniessen Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1406
a. 2@c@bβ)
auch die an neutestamentliche stellen angelehnte christliche wendung (der berufung, dem evangelium) würdiglich wandeln
schwankt zwischen der syntaktisch noch greifbaren angemessenheitsvorstellung und der davon gelösten qualitätsbezeichnung '
heilig, fromm': ich bitten úch, das ir wirdeklichen wandelent in der ladunge als ir geladen sint, mit aller demtkeit und senftmtikeit (
zu Eph. 4, 1) Tauler
pred. 240, 3
Vetter; vgl. 245, 28; 244, 6; 12; wie jr denn wisset, das wir ... bezeuget haben, das jr wandeln soltet wirdiglich fur gott, der euch beruffen hat zu seinem reich vnd zu seiner herrligkeit
1. Thess. 2, 12; dasz auch wir leben heiliglich nach deinem namen würdiglich Luther
in: Erlach
volkslieder d. Deutschen (1834) 1, 22.
auch in dativischer beziehung im anschlusz an neutestamentliches vorbild: wandelt nur wirdiglich dem euangelio Christi (
ἀξίως τοῦ εὐαγγελίου)
Phil. 1, 27; das wir der taufe wirdiglich lebeten Luther
bücher u. schr. 6 (
Jena 1561) 298
b; gott und seinem beruf würdiglich wandeln Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1406
a; gib weisheit, leite uns dir (
gott) nach, untadelich, und deinem gnadenruf zu wandeln würdiglich Zinzendorf
teutsche ged. (1766) 92. —