wrasen,
m. 11)
feuchter boden, rasenstück, rasenfläche; mnd. wrase,
m. (Schiller-Lübben 5, 778
a; Diefenbach
gl. 116
a und nov. gl. 87
b s. v. cespes);
aus neuerer zeit vgl. wrôse, frôse '
ein stück ausgeschnittene grasnarbe, rasenstück' Frischbier
pr. wb. 2, 481; wrausen Mi
mecklenb. 109
a; vrâsen Woeste
westf. 308; Schambach
Göttingen 278; frāse,
f. Bauer-Collitz
Waldeck 35; Martin
Rhoden 215; frasen,
m. Leithäuser
Barmen 55;
Elberf. ma. 54; Hasenclever
Wermelskirchen 81;
rhein. wb. 2, 735; Vilmar
Kurhessen 108; brās,
f. Heinzerling-Reuter
Siegerland 29
b.
dieses nd. wort ist in seiner md. lautform rasen (
teil 8,
sp. 130)
in die hd. schriftsprache aufgenommen worden. auf dem gesamten dt. sprachgebiet begegnet (
daneben bzw. im obd. alleinherrschend)
das inhaltlich übereinstimmende und lautlich nahestehende wasen (
teil 13,
sp. 2276). 22)
feuchter dunst, (
wasser-)
dampf, brodem; nur vereinzelt im nd., jeweils neben gleichbedeutendem wasen (
teil 13,
sp. 2284): wrasen Mensing
schlesw.-holst. 5, 705; wrâsen Damköhler
Nordharz 230;
wahrscheinlich auch frâsem
bei Frischbier
pr. wb. 1, 204.
stärker vertreten und alleinherrschend nur im märkisch-berlinischen (
vgl. der fratem
ist niedersächsisch, theils für den in der kälte sichtbar werdenden menschlichen und thierischen athem, theils für brodem oder dampf; die berlinsche mundart nennt beides wrasen Heynatz
antibarb. [1796] 1, 421),
s. Meyer
richt. Berliner 45; Brendicke
Berliner wortsch. 194; Trachsel
gloss. 64.
von Berlin aus dringt das wort in die schriftsprache: setze dihr auf einen stuhl und lasse dihr den wrrassen von der warmen milch an die hemeroiden an gehen, das fleget sehr zu helfen (1753) Friedrich
d. gr. in:
br. an Fredersdorf 218
Richter; einen ... alten teekessel, dessen deckel, trotzdem der wrasen auch vorn aus der tülle quoll, ... klapperte Fontane
ges. w. (1905) I 5, 118; so war ich doch in den der weihnachtszeit voraufgehenden wochen immer halb krank von den unausgesetzt das haus durchziehenden fettwrasen
ders., meine kinderjahre (
71911) 107; der bäcker ist im stande, wrasen ... für diejenige herdstelle in thätigkeit zu setzen, für welche er es nötig hält Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 2, 714; sie hebt den deckel. es steigt ein wrasen; da sieht sie, kochen stücke eines hasen Paul Ernst
kaiserbuch 2, 1 (1927) 189.
die herleitung der bedeutungsgleichen wörter wrasen
und wasen
ist umstritten. die annahme einer identität der wr-
form mit der r-
losen form bei germ. schwund des r (Noreen
urgerm. lautlehre 221; Weigand
wb. 2, 1215)
musz auf grund auszergerm. verwandter (
einerseits lett. vasa '
feuchtigkeit des bodens, ein wald mit feuchten lehm enthaltendem boden', ievasa '
feuchtigkeit in der erde, saft in bäumen',
andererseits aind. varṣa '
regen',
gr. (
ε)
ἔρση '
tau'),
die beide wörter als alt erscheinen lassen, zumindest zweifelhaft bleiben (
vgl. Falk-Torp
norw.-dän. etym. wb. 1, 802).
eher dürfte die r-
lose form auf die wurzel ues- '
feuchten, nasz'
zurückgehen, beachte ahd. uuasulun '
pluuiis'
ahd. gl. 1, 506, 39
und uuasal
Muspilli 58 ('
regen'
oder '
feuchte erde'?),
s. Falk-Torp
a. a. o.; Walde-Pokorny 1, 308 (
ebda 1, 222
wird für wasen '
feuchter dampf'
zugehörigkeit zu uē- '
wehen'
erwogen).
für wrasen '
rasen'
setzt dagegen Walde-Pokorny 1, 277
eine wz.-form *ers
an (
zu *er- '
drehen, biegen'),
ohne freilich dabei (
das allerdings erst spät bezeugte) wrasen '
dunst'
zu berücksichtigen. daher wohl eher zu ers-, res-
erweiterungen von idg. er- '
feuchten, nasz' Walde-Pokorny 1, 269,
wobei sich allerdings der ansatz res-
nur auf unser wort stützte. auf grund der inhaltlichen parallelität und der lautlichen ähnlichkeit beider wörter bleibt noch die (
bereits teil 8,
sp. 2276
ohne nähere angaben geäuszerte)
vermutung einer lautlichen vermischung der (
als älter angenommenen) r-
losen formen mit anderen wörtern erwägenswert, wobei die wr-
bildung als sekundäre mischform betrachtet werden müszte. wasen, wrasen '
dunst'
ist nur nd. (
nach Bischoff
und Teuchert
d. sprachreste der nl. siedlungen 378
aus dem nl. entlehnt)
neben gleichfalls auf nd. boden belegtem fradem, vradem (
hd. bradem, brodem),
so dasz sich wasen '
dunst'
in analogie zu vradem
zu wrasen
entwickelt haben könnte, vgl. Mensing,
der neben wrasen (5, 705)
ein bratten (1, 508)
und eine weitere, vermittelnde mischform wraten (5, 707)
verzeichnet; ähnlich Frischbier,
der fradem, fratem, frasem (1, 204)
gleichbedeutend nebeneinander angibt. von da aus diese mischform auch für die bedeutung '
rasen'
anzuwenden, bot keine schwierigkeit (
evtl. bei anlehnung an gras?).