worauf,
adv. ,
seit dem 15.
jh. belegbare zusammenrückung aus wo
und präpos.-adv. auf,
unter erhaltung des -r
aus ahd. wâr
vor vokalischem anlaut. älternhd. meist, im 17.
jh. noch gelegentlich mit dem alten a
des wo
als warauf, warauff, waruf, waruff.
vereinzeltes würaff
bei Schwarzenberg
Cicero (1535) 135
b.
zur form vgl. noch unter wo
sp. 904
f. eine trennung durch zwischengeschobene satzglieder ist (
trotz Kramer
t.-ital. 2 [1702] 1374
b: wo wartet ihr auf?)
schriftsprachlich nicht üblich, begegnet aber mundartlich und auf dieser basis umgangssprachlich als wo ... drauf
bei Fischer
schwäb. 6, 428
neben wodrauf Hofmann
niederhess. 265
b und wo
u rop
wb. d. luxemb. ma. 491
b. worauf
entspricht demonstrativem darauf (
s. teil 2,
sp. 760
ff.)
mit der wendung ins interrogative, relative oder indefinite. es bezeichnet, im sachlichen wie im geistigen, eine richtung, ein ziel oder das beruhen auf etwas oder eine zeitfolge. 11)
interrogativ. 1@aa)
in direkter frage: wǎruff woltst du dann dienen mir?
liederb. d. Hätzlerin 279
H.; würauff stet dein zuoversicht? J. v. Schwarzenberg
Cicero (1535) 135
b; worauff wag ich denn hoffen oder wem sol ich getrawen? J. Arndt
Thomas a Kempis (1631) 54; worauf sollen wir denn warten? Chr. Reuter
Schlamp. krankh. u. tod 142
ndr.; worauf beruhet denn diese grundkraft? worinn bestehet, worauf wirkt sie? Herder 22, 113
S.; sag, worauf bist du bedacht? Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 1, 532.
in verallgemeinerndem zusammenhang: sollte das vielleicht ... auf ein stilles gebet, oder worauf sonst deuten? Göthe IV 35, 301
W. 1@bb)
in indirekter frage: nur dasz man lernen solt, warauf die leut genaigt weren (
Augsburg, mitte d. 15.
jh.)
dt. städtechron. 5, 118; (
Luthers gegner) fur grossem ... grym auch nicht sehen, was odder warauff sie antworten sollen Luther 26, 261
W.; derhalben will ich ... sagen, was es (
das sakrament) vermag, worauff es stehe Egranus
ungedr. pred. 142
Buchwald; (
ich) wuste nicht, worauff deine rede gieng Bas. Faber
thes. (1587) 676
a; (
die) frag, worauff in dem heirahten sonderlich zu sehen? habe ich beantwortet Harsdörffer
teutsch. secretar. (1656) 1, Ccc 2
a; niemand wuszte eigentlich, worauf es bei mir ankam Göthe I 22, 309
W.; ich weisz auch, worauf das alles hinaus will Fontane
ges. w. (1905) I 5, 160.
elliptisch: die heidnischen königs- und ortsnamen (
bei Wolfram) ... gründen sich, gott weisz worauf, nur auf eine erdichtung nicht Jac. Grimm
an Lachmann in: briefw. 1, 384
Leitzmann. 22)
in relativischer anwendung. 2@aa)
in der beziehung auf ein substantiv des übergeordneten satzes, seit alters und bis ins 19.
jh., an stelle von auf dem, auf den, auf das, auf denen, auf die,
die in jüngster sprache wohl als korrekter gelten. 2@a@aα)
in sachlich-gegenständlicher beziehung, ein ruhen oder eine bewegungsrichtung anzeigend: (
ich) legte mich auf meine plauen, worauf ich die vorige nacht so trefflich wol geruhet hatte Grimmelshausen 2, 424
K.; (
eine) bank, worauf man sitzt Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 67; (
der) gipfel ..., worauf sie sich befanden Göthe I 24, 42
W.; zwei fingerringe ..., worauf das kreuzeszeichen in kostbaren edelstein gegraben war Mörike
w. 22, 408
Maync; (
ein) samtstuhl, worauf ich mich niedersetzen muste Chr. Reuter
Schelmuffsky 29
ndr.; (
der) untersatz, worauf ... ein solches kunstwerk gestellt werden sollte Göthe I 25, 15
W.; das geländer, worauf sie sich stützte Hölderlin
ges. dicht. 2, 110
L. 2@a@bβ)
allgemeiner und abstrakter: eine herablassung, worauf das publicum stolz seyn musz Gerstenberg
recensionen 167
lit.-denkm.; die hauptmomente, worauf es ... ankommt Göthe I 48, 49
W.; sie (
die naturbeobachtung) führte nicht zu historischen ereignissen, worauf man hätte bauen können W. Wackernagel
poetik, rhetorik u. stilistik (1873) 57.
in der verallgemeinernden beziehung auf das neutrum eines substantivierten adjektivs oder pronomens auch modern noch zulässig: und alles worauff ein solch tod ass fellet, das wird unrein
3. Mose 11, 32; ich habe mich ... zu weit von dem entfernt, worauf ich anfangs ausging Herder 13, 6
S.; manches hab ich noch, worauf ich sehr begierig bin, zu fragen Göthe I 10, 135
W. 2@bb)
an der spitze eines relativischen subjektssatzes: warauff eyn mensch trawet und sich verlesst, das ist seyn gott Luther 15, 299
W.; (
sie) ist froh, wanns wol von statten geht, worauf ihr sinn und hertze steht P. Gerhardt
in: Fischer-Tümpel 3, 376; und das wohl der ganzen welt ists, worauf ich ziele Göthe I 1, 123
W.; das ists, worauf es ankommt Carossa
verwandlungen einer jugend (1928) 210. 2@cc)
in relativischer satzverknüpfung mit der geltung einer temporalen konjunktion, in der eine kausale bedeutung mehr oder weniger mitschwingt: Annibal simulierte die flucht, warauff die Africaner dasz läger ahngefallen Albertinus
hirnschleiffer (1664) 3; warauff der alte anhube zu lächlen Moscherosch
gesichte (1650) 1, 55; (
ich) redete sie freundlich an, worauf sich ein junges, schönes, aber von ängstlichen zügen beschattetes gesicht einigermaszen erheiterte Göthe I 33, 6
W.; erst sein nachfolger ... nahm ... die ... stadt ..., worauf die eidgenossenschaft ... sich bekannte als den Römern unterthänig Mommsen
röm. gesch. 2 (1874) 165.
rein temporal: vater Dörr brummelte, dasz er sein eigenthum in keinem besseren schutz lassen könne, worauf das junge paar ... abschied nahm Fontane
ges. w. (1905) I 5, 145.
elliptisch: er sagte dem kanzler im eifer: 'da haben durchlaucht etwas dummes gemacht', worauf Bismarck: 'nun, gebe der himmel, dasz ew. majestät nie eine gröszere dummheit begehen mögen' G. Freytag
br. an s. gattin (1912) 149. 33)
als indefinitum im sinne von '
auf etwas'
in jungem gebrauch kaum noch üblich: hat er sonst worauf zu klagen? Neumark
fortgepfl. lustw. (1657) 2, 91; worauf warten, sehen, dencken, schweren, studiren
M. Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1374
c.