wonach,
adv. und konjunktion, aus der zusammenrückung des adv. nach
mit wo
entstanden, seit dem 13.
jh. als interrogative und relative konjunktion gebraucht, auch indefinit. mhd. warnâch (
z. b. Nibelungenlied 1169, 4
Lachmann),
in dieser form vereinzelt noch frühnhd.; vom 16.
jh. bis in die gegenwart wornach,
s. belege unten und bei H. Paul
dtsche gramm. (1916) 1, 357
aus Wieland, Herder, Göthe, Schiller, Rückert
u. a. diese form bleibt bis ins beginnende 19.
jh. neben der heute geltenden form wonach
vorherrschend. wonach
findet sich seit dem 17.,
in getrennter schreibung wo nach
schon im 16.
jh. (
z. b. Murner
die mühle 930
B.)
neben der form mit r: wonach, wornach Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1376
a. P. Gerhardt, Göthe
und viele andere verwenden wornach
und wonach
nebeneinander. zur form und verbreitung vgl. auch wo sp. 904
f. 11)
auf ein ziel, eine richtung, ein verlangen, ein bemühen weisend. 1@aa)
interrogativ. wonach trachtet ihr?
à che tendete Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1376
a; beschaue dein gemüthe, wornach lüstert es? Jac. Böhme
mysterium magnum (1682) 61; wornach sucht eure hand? Fr.
M. Klinger
neues theater (1790) 1, 171; wornach soll ich in der welt nun weiter fragen? Göthe I 23, 244
W.; 3, 233
W. 1@bb)
relativ: (
Rüdiger als bote vor Kriemhilt:) sult ir daz erlouben daz wir vor iu stân und iu sagen diu mære war nâch wir her geriten hân
Nibelungenlied 1169, 4
Lachmann; es ist dyr ... gesagt darumb das du wissest ..., warnach du dich solt stellen
der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 56
a; warnach ein mensch stelt, das wird ihm Paracelsus
chirurg. bücher u. schr. (1618) 410
H.; war nach einer ringt, darnach im gelingt Tappius
adag. centuriae septem (1545) d 2
a; do gsach ich erst, wornach ich warb H. R. Manuel
das weinspiel v. 3179
ndr.; was ehrbar ist, was zucht erhält, wornach die englein trachten P. Gerhardt
in: Fischer-Tümpel
ev. kirchenl. 3, 314; 318; gottes kinder säen zwar traurig und mit thränen, aber endlich bringt das jahr wonach sie sich sehnen
ebda 3, 385; wohrnahch einem jünglinge verlanget, daführ träget ein alter graubahrt ... ekel Zesen
adriat. Rosemund 7
ndr.; die vertilgung des tyrannen ... bleibet mein zweck, wornach ich sehe und ziele A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 372; (
die) scheibe ... wornach man schieszt Gottsched
dtsche sprachkunst (1748) 98; hier haben sie, wornach sie so begierig sind Lessing 18, 176
L.-M.; ich gewinne, wornach ich so lang gestrebt Göthe IV 8, 100
W.; eine vorschrift, wornach er sich richtet I 21, 58
W.; das ziel, wornach wir streben sollen E.
M. Arndt
schr. für s. l. Deutschen (1845) 1, 251; wonach ich schmachtete, ... das ist vor mir Hölderlin
ges. dicht. 2, 140
L.; hast du doch alles, wonach du mit ganzer seele getrachtet Bürger
s. w. 245
B.; ehre ... war das, wonach ihm zumeist der sinn stand Fontane
ges. w. I 6, 13. 1@cc)
indefinit: sich wornach sehnen
desiderare aliquid Bellin
rechtschreibung (1657) 133. 22)
auf ein gesetz, vorbild bezogen für '
wem gemäsz?' 2@aa)
interrogativ: wonach riechet das ding?
di che odora ... questa cosa? Kramer
dict. 2 (1702) 1376
a; wornach urtheilt hier unser gefühl? Herder 22, 80
S. 2@bb)
relativ: zu einem muster unnd fürbilde, wornach du dich ... hinfüro ... zu regulieren Zinkgref
auserles. ged. 3
ndr.; gedachte regeln ... können ... niemals zu ... gesetzen a priori dienen, wornach sich unser geschmacksurtheil richten müszte Kant 3, 51
akad.; die vorschriften ..., wornach wir ... arbeiten müssen Just. Möser
s. w. 1, 106
A.; bist alsobald und fort und fort gediehen, nach dem gesetz, wonach du angetreten Göthe I 3, 95
W.; 4, 114
W.; regeln, wornach sie handelten
ders. II 5, 1, 13
W.; IV 28, 360
W.; (
man musz) den älteren ... sprachgebrauch heranziehen, wornach blind unsichtbar bedeutet Laistner
nebelsagen (1879) 6. 2@cc)
indefinit: wornach riechen
haver' odore ... di qualche cosa Kramer
dict. 2 (1702) 1376
a. 33)
auf einen zustand weisend, relativ für '
dem zu folge': die feldsklaverei, wonach der bauer zugleich mit seinem knechte ackert Mommsen
röm. gesch. 2 (1865) 76. 44)
selten temporal für '
worauf': ich (
habe) sie hefftig geschlagen, wornach sie denn so gar fromb worden
engl. comedien (1624) c 6
a.