wirtlich,
adj. ,
vornehmlich im sinne von '
gastfreundlich' (
dann auch '
einladend, anheimelnd'),
also zu wirt I A,
und '
sparsam, haushälterisch',
also zu wirt III B,
nur vereinzelt im sinne von '
ehelich': mit chönleichem oder mit wirtleichem werch wirt mann und weib ein leib
aus cgm. 3900
bei Schmeller-Fr. 2, 1011; der hilt ein vil gar liebez weip zuo siner hausfrowen, die dâ nicht gedâcht on die trew wirtlicher lieb
gest. Rom. 38
Keller; 11) '
gastfreundlich'. 1@aa)
im eigentlichen sinne, von den eigenschaften, handlungsweisen u. s. w. des wirtes: vil stæten wirtlichen site erzeigte er an Gâwein Heinrich v.
d. Türlin
krone 15967; der wirtt milte und tugendsan gebott daz man ze tische gan solte, won das nachttmasz wirttenlich beraittett was
Göttweiger Trojanerkrieg 12824; da er sich dann mit allem fleis gar wirtlich zu erzeigen weis Ringwaldt
d. lauter warheit (1597) 100; er kömt zu ihnen zur hochzeit, er setzt sich an ihren tisch mit sorgfeltigem hertzen, mit wirtlichen augen, mit voller milder freigebiger hand und mit reichem segen Herberger
hertzpostilla (1613) 1, 154; nun musz ich (
hausknecht) helffen würthlich thun, wenn frembde gäste kommen Chr. Weise
d. grünend. jugend überfl. ged. 30
ndr.; mit dem 18.
jh. häufiger bezeugt, auch in den wörterbüchern: wirthlich
hospitalis, hospitaliter Kirsch (1732) 357; Steinbach (1734) 2, 999; Adelung 4, 1577; Campe 5, 743,
und zwar nun auch von personen: darauf ... verfällt er in ein entzündliches fieber und stirbt, ungeachtet ärztlicher hilfe und guter wartung seines neuen wirtlichen freundes Göthe I 41, 2, 83
W.; wer bist du, seltner mann, dem wirthliches beginnen nichts abgewinnen kann? 12, 342
W.; ich möchte euch heut gern wirthliche freundschaft erweisen L.
F. Huber
d. heimliche gericht (1790) 6; so komm zu dem, der wirthlich dich emfängt! R.
Z. Becker
mildh. liederb. (1799) 24; jetzt stehen sie (
die prunkzimmer) jedem gaste offen, der bei den wirthlichen älplern zuspricht L. Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 279; da kommt sie ja selbst, lachte sie Ida entgegen, die mit liebenswürdiger, wirtlicher geschäftigkeit thee für ihren gast brachte Hauff
s. w. (1890) 3, 127. 1@bb)
häufig übertragen: (
ein) wirthliches haus
M. Greif
ged. 31; die wirthliche laube Göthe I 25, 42
W.; auf dem stets wirtlichen schloszgute G. Keller
ges. w. 6, 158;
besonders wirtliches dach: grosze bäume ... mit wirthlichem bedacht W. H. v. Hohberg
der habspurg. Ottobert (1664) p 8
a,
wohl in erinnerung an die '
umbra hospitalis'
des Horaz; also liegt mit nachlässiger anmuth ein schlafendes mädchen hingegossen ins blumichte gras, unter wirthlichen schatten hauchender myrthenlauben Wieland I 1, 430
akad.; ein wirthlich dach für alle wandrer, die des weges fahren Schiller 14, 287
G. (
Wilh. Tell 1, 2);
ferner: kein wirthlicher heerd wird ihm rauchen, kein süszes gastrecht ihn erfreuen 9, 86; eine wirthliche stätte ... finden
jahrb. der Grillparzerges. (1890) 6, 49; einen wirthlicheren aufenthalt ... suchen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 91.
adverbiell: dasz es jetzt dort (
in der wohnung) nicht wirtlich aussehe G. Keller
ges. w. 3, 99;
enger angelehnt an wirt
als '
gastgeber': sie haben solch broht, das mir gut schmecket, und siehet in ihren baracken guht und wirdlich aus, denn man schüszellen mit speck und fleisch findet Friedr. Wilhem I.
an Leopold von Anhalt-Dessau (6. 8. 1723) 229
Krauske; dann auch: die obstbaumsetzlinge ... standen nun schon als wirthliche bäume da und brachten reiche frucht A. Stifter
s. w. (1901) 1, 188.
als '
einladend, anheimelnd, freundlich',
im gegensatz zu dem seit Klopstock
entsprechend gebrauchten unwirtlich (
s. teil 11,
sp. 2235): wirthliche inseln auf dem meere suchend Görres
ges. br. (1858) 2, 31; mit der langen kette seiner häfen und buchten in dem schönsten und wirthlichsten meere gelegen Nitzsch
dtsche studien (1879) 159;
von den teilen einer culturlandschaft: den wirthlichen, zierlich bepflanzten berg mit seinen bunten lusthäusern und bunten lauben Eichendorff
s. w. (1864) 2, 262;
freier: des wirthlichen dörfchens dumpfe glocken Fr. v. Matthisson
schr. (1825) 1, 185: nirgend steigt des rauches säule wirthlich in den abendhimmel P.
F. Gruppe
Theudelinde (1849) 69; vom osten schallte das wirtliche gegacker der hühner gedämpft herüber Gorch Fock
Nordsee (1916) 158;
vergleichbar: mit des horns wirthlichen klängen Freiligrath
ges. dicht. 4, 159.
ungewöhnlich: dort stand die mutter und betrachtete den wirthlichen schnee (
d. leinwand) zu ihren füszen Stifter
s. w. (1904) 3, 280. 22) '
sparsam, haushälterisch',
also zu wirt III B '
haushalter, verwalter, pfleger des materiellen besitzes': wirtlich
frugalis Steinbach (1734) 2, 999;
rem familiarem diligenter curans Frisch (1741) 453
a.
vom bedeutungsähnlichen wirtschaftlich,
das schon Adelung
als das üblichere bezeichnet, inzwischen fast völlig verdrängt. häufig auch von personen im gegensatz zu wirtschaftlich: 'wirthlich
geht die person, den wirth an; wirthschaftlich
geht die sache, die wirthschaft an' Lessing 7, 409
M. (
wb. zu Logau): stelen, rauben und geitzen musz klug und wirthlich heiszen Chr. Gilbertus
wächterhörnlein (1620) 112;
mehrfach bei Logau: weiber, die man wirthlich heist, sind gemeinlich böse
sämtl. sinnged. 541
E.; vgl. 102; 265;
ferner: (
wenn die) hauswirthinn weder lust noch verstand hat, mit dergleichen (
gut) glücklich und wirthlich umzugehen W. H. v. Hohberg
georgica curiosa (1682) 1, 19; das erste stükke der sparsamkeit ist ein wirthlich weib P. Winckler 2000
gutte ged. (1685) a 8
b; befühlen hüner, ist ein amt der wirthlichen hauszmütter, welche fleiszig darnach sehen und visitieren, ob die hüner balde legen werden Amaranthes
frauenzimmerlex. (1715) 194; wirthlich haushalten
to be a saving husband, to manage savingly your expenses Ludwig
teutsch-engl. (1716) 2505; an gottergebner frömmigkeit und wirthlicher erfahrenheit kann man sie zu den besten zählen D. W. Triller
poet. betracht. (1750) 5, 592; ob mein wirth gleich jeden fremden billig behandelte, so war er doch so wirthlich, dasz er sogar die dinte mit wasser vermischte G. Hiller
ged. u. selbstbiogr. 81; in ihrer jugend eine dorfschönheit und noch jetzt sehr klug und wirthlich geachtet A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 264; den blumen (
war im gemüsegarten) ein gröszerer platz eingeräumt, als es bei dem wirthlichen sinn der landleute sonst der fall zu sein pflegt
M. Meyr
erz. aus d. Ries (1868) 1, 38. — sich wirthlich einrichten, wirthlich leben Campe 5, 743. —
späte beispiele: er behauptet, die Frick wäre sehr wirthlich Bismarck
briefe an s. braut u. gattin 195;
sprichwörtlich: a ies mächtig wirtlich K. Rother
schles. sprichw. 420
b.