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wirtlich

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wirtlich adj.

Bd. 30, Sp. 658
wirtlich, adj. , vornehmlich im sinne von 'gastfreundlich' (dann auch 'einladend, anheimelnd'), also zu wirt I A, und 'sparsam, haushälterisch', also zu wirt III B, nur vereinzelt im sinne von 'ehelich': mit chönleichem oder mit wirtleichem werch wirt mann und weib ein leib aus cgm. 3900 bei Schmeller-Fr. 2, 1011; der hilt ein vil gar liebez weip zuo siner hausfrowen, die dâ nicht gedâcht on die trew wirtlicher lieb gest. Rom. 38 Keller; 11) 'gastfreundlich'. 1@aa) im eigentlichen sinne, von den eigenschaften, handlungsweisen u. s. w. des wirtes: vil stæten wirtlichen site erzeigte er an Gâwein Heinrich v. d. Türlin krone 15967; der wirtt milte und tugendsan gebott daz man ze tische gan solte, won das nachttmasz wirttenlich beraittett was Göttweiger Trojanerkrieg 12824; da er sich dann mit allem fleis gar wirtlich zu erzeigen weis Ringwaldt d. lauter warheit (1597) 100; er kömt zu ihnen zur hochzeit, er setzt sich an ihren tisch mit sorgfeltigem hertzen, mit wirtlichen augen, mit voller milder freigebiger hand und mit reichem segen Herberger hertzpostilla (1613) 1, 154; nun musz ich (hausknecht) helffen würthlich thun, wenn frembde gäste kommen Chr. Weise d. grünend. jugend überfl. ged. 30 ndr.; mit dem 18. jh. häufiger bezeugt, auch in den wörterbüchern: wirthlich hospitalis, hospitaliter Kirsch (1732) 357; Steinbach (1734) 2, 999; Adelung 4, 1577; Campe 5, 743, und zwar nun auch von personen: darauf ... verfällt er in ein entzündliches fieber und stirbt, ungeachtet ärztlicher hilfe und guter wartung seines neuen wirtlichen freundes Göthe I 41, 2, 83 W.; wer bist du, seltner mann, dem wirthliches beginnen nichts abgewinnen kann? 12, 342 W.; ich möchte euch heut gern wirthliche freundschaft erweisen L. F. Huber d. heimliche gericht (1790) 6; so komm zu dem, der wirthlich dich emfängt! R. Z. Becker mildh. liederb. (1799) 24; jetzt stehen sie (die prunkzimmer) jedem gaste offen, der bei den wirthlichen älplern zuspricht L. Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 279; da kommt sie ja selbst, lachte sie Ida entgegen, die mit liebenswürdiger, wirtlicher geschäftigkeit thee für ihren gast brachte Hauff s. w. (1890) 3, 127. 1@bb) häufig übertragen: (ein) wirthliches haus M. Greif ged. 31; die wirthliche laube Göthe I 25, 42 W.; auf dem stets wirtlichen schloszgute G. Keller ges. w. 6, 158; besonders wirtliches dach: grosze bäume ... mit wirthlichem bedacht W. H. v. Hohberg der habspurg. Ottobert (1664) p 8a, wohl in erinnerung an die 'umbra hospitalis' des Horaz; also liegt mit nachlässiger anmuth ein schlafendes mädchen hingegossen ins blumichte gras, unter wirthlichen schatten hauchender myrthenlauben Wieland I 1, 430 akad.; ein wirthlich dach für alle wandrer, die des weges fahren Schiller 14, 287 G. (Wilh. Tell 1, 2); ferner: kein wirthlicher heerd wird ihm rauchen, kein süszes gastrecht ihn erfreuen 9, 86; eine wirthliche stätte ... finden jahrb. der Grillparzerges. (1890) 6, 49; einen wirthlicheren aufenthalt ... suchen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 91. adverbiell: dasz es jetzt dort (in der wohnung) nicht wirtlich aussehe G. Keller ges. w. 3, 99; enger angelehnt an wirt als 'gastgeber': sie haben solch broht, das mir gut schmecket, und siehet in ihren baracken guht und wirdlich aus, denn man schüszellen mit speck und fleisch findet Friedr. Wilhem I. an Leopold von Anhalt-Dessau (6. 8. 1723) 229 Krauske; dann auch: die obstbaumsetzlinge ... standen nun schon als wirthliche bäume da und brachten reiche frucht A. Stifter s. w. (1901) 1, 188. als 'einladend, anheimelnd, freundlich', im gegensatz zu dem seit Klopstock entsprechend gebrauchten unwirtlich (s. teil 11, sp. 2235): wirthliche inseln auf dem meere suchend Görres ges. br. (1858) 2, 31; mit der langen kette seiner häfen und buchten in dem schönsten und wirthlichsten meere gelegen Nitzsch dtsche studien (1879) 159; von den teilen einer culturlandschaft: den wirthlichen, zierlich bepflanzten berg mit seinen bunten lusthäusern und bunten lauben Eichendorff s. w. (1864) 2, 262; freier: des wirthlichen dörfchens dumpfe glocken Fr. v. Matthisson schr. (1825) 1, 185: nirgend steigt des rauches säule wirthlich in den abendhimmel P. F. Gruppe Theudelinde (1849) 69; vom osten schallte das wirtliche gegacker der hühner gedämpft herüber Gorch Fock Nordsee (1916) 158; vergleichbar: mit des horns wirthlichen klängen Freiligrath ges. dicht. 4, 159. ungewöhnlich: dort stand die mutter und betrachtete den wirthlichen schnee (d. leinwand) zu ihren füszen Stifter s. w. (1904) 3, 280. 22) 'sparsam, haushälterisch', also zu wirt III B 'haushalter, verwalter, pfleger des materiellen besitzes': wirtlich frugalis Steinbach (1734) 2, 999; rem familiarem diligenter curans Frisch (1741) 453a. vom bedeutungsähnlichen wirtschaftlich, das schon Adelung als das üblichere bezeichnet, inzwischen fast völlig verdrängt. häufig auch von personen im gegensatz zu wirtschaftlich: 'wirthlich geht die person, den wirth an; wirthschaftlich geht die sache, die wirthschaft an' Lessing 7, 409 M. (wb. zu Logau): stelen, rauben und geitzen musz klug und wirthlich heiszen Chr. Gilbertus wächterhörnlein (1620) 112; mehrfach bei Logau: weiber, die man wirthlich heist, sind gemeinlich böse sämtl. sinnged. 541 E.; vgl. 102; 265; ferner: (wenn die) hauswirthinn weder lust noch verstand hat, mit dergleichen (gut) glücklich und wirthlich umzugehen W. H. v. Hohberg georgica curiosa (1682) 1, 19; das erste stükke der sparsamkeit ist ein wirthlich weib P. Winckler 2000 gutte ged. (1685) a 8b; befühlen hüner, ist ein amt der wirthlichen hauszmütter, welche fleiszig darnach sehen und visitieren, ob die hüner balde legen werden Amaranthes frauenzimmerlex. (1715) 194; wirthlich haushalten to be a saving husband, to manage savingly your expenses Ludwig teutsch-engl. (1716) 2505; an gottergebner frömmigkeit und wirthlicher erfahrenheit kann man sie zu den besten zählen D. W. Triller poet. betracht. (1750) 5, 592; ob mein wirth gleich jeden fremden billig behandelte, so war er doch so wirthlich, dasz er sogar die dinte mit wasser vermischte G. Hiller ged. u. selbstbiogr. 81; in ihrer jugend eine dorfschönheit und noch jetzt sehr klug und wirthlich geachtet A. v. Droste-Hülshoff w. 2, 264; den blumen (war im gemüsegarten) ein gröszerer platz eingeräumt, als es bei dem wirthlichen sinn der landleute sonst der fall zu sein pflegt M. Meyr erz. aus d. Ries (1868) 1, 38. — sich wirthlich einrichten, wirthlich leben Campe 5, 743. — späte beispiele: er behauptet, die Frick wäre sehr wirthlich Bismarck briefe an s. braut u. gattin 195; sprichwörtlich: a ies mächtig wirtlich K. Rother schles. sprichw. 420b.
6718 Zeichen · 135 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wirtlichadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +2 Parallelbelege

    wirtlich adj. einem wirte angemessen. daʒ der herre in gemaches gunde in sîner heimüete nâch wirtlîcher güete warn. 2732…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    wirtlichadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +1 Parallelbeleg

    wirtlich , adj. , vornehmlich im sinne von ' gastfreundlich ' ( dann auch ' einladend, anheimelnd '), also zu wirt I A, …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wirtlich

    Goethe-Wörterbuch

    wirtlich [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    wirtlich

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    wirtlich ä. Spr. wirtschaftlich: 'Berghane, wilde Gänse, Endten und Haasen ohne Unterscheid der Zeit, jedoch mit der sch…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wirtlich

4 Bildungen · 2 Erstglied · 0 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von wirtlich

wirt + -lich

wirtlich leitet sich vom Lemma wirt ab mit Suffix -lich.

wirtlich‑ als Erstglied (2 von 2)

wirtlîchen

Lexer

wirt·lichen

wirt-lîche , wirt-lîchen adv. ib. Krone 8745. Loh. 3081. Hadam. 369. Marld. han. 15,8.

wirtlichkeit

DWB

wirtlich·keit

wirtlichkeit , f. , von wirtlich und im allg. nach dessen bedeutungen. erst bei Adelung 4, 1577 notiert, doch schon im 17. jh. mehrfach beze…

Ableitungen von wirtlich (2 von 2)

unwirtlich

DWB

unwirtlich , adj. adv. , nicht wirtlich ( s. d. ), erst bei Campe verzeichnet. Klopstock änderte im Messias 2, 425 : wie auf hohen unwirthli…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wirtlich". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wirtlich/dwb?formid=W23726
MLA
Cotta, Marcel. „wirtlich". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wirtlich/dwb?formid=W23726. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wirtlich". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wirtlich/dwb?formid=W23726.
BibTeX
@misc{lautwandel_wirtlich_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
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