widerscheinen,
vb. ,
ahd. uuidiriscînen,
mhd. widerschînen,
mnl. wederschinen,
ndl. weerschijnen.
im dt. nach den belegen in der regel untrennbar komponiert. zufrühest in einer ahd. gl. zu Gregors homilien bezeugt: specula quippe mulierum (
vor der stiftshütte, s. 2. Mose 38, 8)
sunt praecepta dei, in quibus se sanctae animae aspiciunt, et si quae in eis sunt foeditatis maculae, deprehendunt. cogitationum vitia corrigunt, et quasi renitentes (uvidiriscinentiv, uuidiriscinentiu)
vultus velut ex reddita imagine componunt, quia ... in eis procul dubio vel quid in se coelesti viro placeat, vel quid displiceat agnoscunt (10./11.
jh.)
ahd. gl. 2, 291, 8
St.-S. mhd. '
den schein erwidern, entgegenscheinen': ûf dem (
haar einer dame) schein durliuhtic klâr golt, und drîn gewieret edel stein, daz zieret wol die zarten fînen. dem glaste widerschînen sach man ir klâres bilde (
um 1300)
Reinfried v. Braunschweig 2128
Bartsch; sô blicket er (
der tempel) alsô schone unde liuhtet alsô lûter unde klâr über allez, das got geschaffen hat ..., daz ime nieman widerschînen mac denne der ungeschaffene got alleine meister Eckhart in:
dt. mystiker d. 14.
jhs. 2, 36
Pf. in den lexika ist das wort seit dem 15.
jh. heimisch: reniteri wider scheynen (
hs. 1470) Diefenbach
ml.-hd.-böhm. wb. 235; widerschinen
renitere, resplendere, refulgere, reniteri, voc. incip. teut. ante lat. (
Speyer um 1485) oo 3
a;
renideo widerscheynen, widerglantzen, einen widerglantz geben Frisius
dict. (1556) 1142
a;
reluceo widerscheinen, ein liecht oder schein geben Calepinus XI
ling. (1598) 1246
a; wiederscheinen
refulgere, resplendere, repercutere lumen, etiam gegenscheinen Stieler
stammb. (1691) 1751; wiederscheinen,
praes. ich wiederscheine
refulgeo Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 419.
dagegen literarisch im 16.
und 17.
jh. nur vereinzelt bezeugt, reichlicher erst seit dem 18.
jh. 11)
meist im absoluten gebrauch. 1@aa) '
reflektieren, reflektiert werden'. 1@a@aα)
dinge (
personen)
widerscheinen, wenn sie ein licht reflektieren, zurückstrahlen: als si von des wegen petend was, ist si im geist verzuckt worden und do hat si gesehen ein person sam gesalbte mit dem öl, aber widerscheinend (
resplendentem) in grossem schein
das puch d. himl. offenb. d. hl. Birgitte (1502) 8
a; so die hut glastet vnd widerschinet, vnd ist glatt gereckt vnd gestrecket als ein dinn wol balliert leder Gersdorff
wundarzney (1517) 74
b; es decket ihre (
der personifizierten natur) glieder ein wiederscheinendes vielfarbigtes gewand (1721) König
ged. (1745) 76; sehen sie dort ... den mond über die wiederscheinenden berge sich erheben
Europa (1803) 2, 172
Schlegel; die rasen widerscheinen wie von gläsernem tau
qu. a. d. j. 1927. 1@a@bβ)
ein licht (
oder leuchtendes)
wird reflektiert, strahlt zurück: gott, den kein umfang schliest, wo gröszre cörper (
die planeten) gehn und ihrer züge zweck in einem bau (
in einem system) vereinen, darin sie, wie der mond, zu zeiten lassen sehn, der sonn' entsetzlich-weit entlehntes widerscheinen Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 179; wenn ... in den dörfern am ufer sich lichter entzünden, im wasser widerscheinend Göthe I 25, 234
W.; der himmel trat zurück gegen die leuchtende erde, wie beschämt zeigte er nur ein widerscheinendes rot Clara Viebig
die vor d. toren (1949) 17.
uneigentlich: vnd weil eines jeden klarheit (
im himml. Jerusalem) ausz desz andern hertzen widerstralet vnd widerscheinet, tringet sie zugleich durch die gewissen Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 2, 161; wenn ... gott uns ... lehrt, wie wir die werke seiner schöpfung in einem widerscheinenden lichte betrachten sollen Hamann
schr. (1821) 1, 98; wie sich in den hellen musikwellen die zarten füsze badeten im tanz, in den tönen widerschien der glanz Tieck
schr. (1828) 2, 116; die mittheilungen aus Schillers jugendleben lassen ihn keineswegs in dem moralischen lichte sehen, das aus seinem spätern leben und schriften widerscheint Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 131. 1@bb) '
abgebildet, als spiegelbild zurückgeworfen werden' (
s. o. ahd. gl. sp. 1183): ist nun ein fehl oder steinlein im glase (
des spiegels), so wird solches auch in dem gegenbilde und angesichte der bespigelten person widerscheinen Butschky
Pathmos (1677) 325.
gern aus dem
oder im
wasser: er (
der stolze quell) blickt im drange seines schmerzens in's silber seiner wellen hin, aus dem das bildnisz einst des frommen Antonin nein, wie der abdruck seines herzens, aus blauem grunde wiederschien Thümmel
reise (1791) 2, 36; er sieht sein faltiges gesicht im wasserspiegel wiederscheinen A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 25.
uneigentlich: nun soll dieses heitre licht, dies lächeln der natur, aus unserm angesicht, als einem spiegel, wiederscheinen (1787) J. A. Ebert
episteln u. verm. ged. (1789) 222; in Goethens gedichteten landschaften widerscheinen seine gemalten (1804) Jean Paul
w. 49/51, 28
Hempel; das bild der sie umgebenden welt muss auch in ihrem innern wiederscheinen E.
M. Arndt
schr. (1845) 2, 333. 22)
selten transitiv mit akkusativobjekt: den treuen spiegel gieb mir freund, der ganz mein herz empfängt und ganz es wiederscheinet (
reduzierte stelle aus '
don Carlos') (1796) Schiller
br. 4, 406
Jonas; als Christus lag im hain Gethsemane ... und eine quelle murmelte ihr weh, des mondes blasse scheibe widerscheinend, — da war die stunde, wo ein engel weinend von gottes throne ward herabgesandt A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 3, 210. —