widerborstig,
adj. ,
mnd. wedderborstich;
mnl. wederborstich,
nnl. weerbarstig.
zuerst bei Diefenbach
gl. 390
b:
obstinatus wider borstig (
anf. 15.
jh. obd.); wedder burstig (15.
jh., md. mit neigung z. nd.).
literarisch seit dem 16.
jh. bezeugt als widerborstig, -börstig, -burstig, -bürstig.
die einzelnen formen werden unterschiedslos gebraucht, doch herrschen in der älteren zeit formen mit umlaut vor. mundartlich ist widerborstig
weit verbreitet (
Bayern, Schwaben, Elsasz, Lothringen, Saarland, Luxemburg, Rheinland, Siegerland, Sachsen, Nordwestböhmen).
es fehlt anscheinend der Schweiz. auf nd. boden verzeichnet es Mensing
Schleswig-Holstein 5, 558. 11)
im eigentlichen sinne '
gegen etwas gerichtet, zuwiderlaufend'. 1@aa)
urspr. und vornehmlich von haaren '
gegen den strich gerichtet, emporgesträubt, struppig'
; vom fell des tieres: grausame wylde ochszen haben sye da ... geler farb, braune augen, ein widerbörstig har Eppendorff
Plinius (1543) 57; wann das pferd ein bösz aug oder widerborstige haar hat Hohberg
georg. cur. 3, 2 (1715) 182; ob dem jungen bären wohl auch das fell so widerborstig gewachsen ... wäre ...? L. v. François
fr. Erdmuthens zwillingssöhne (
o. j.) 27.
weiterhin: ihr (
der ochsen) widerborstiges ansehen und das gebrülle ... giebt ihnen eine ebenso verhungerte, als gräszliche gestalt C.
F. E. Hammard
reise durch Oberschles. (1787) 189.
hierher: der leuw hatt ein zung die ist ruch widerbürstig Keisersberg
brösamlin (1517) 1, 51
a.
von menschl. haaren: denn er rühmet sich hoch, wie er nemlich ein widerbürstig haar, unflätigen wilden bart unnd haarichte brust habe Porta
physiognomy (1601) 423; um das braune ganze hieng ein widerbürstig-schwarzes stachelhaar Dittrich
bem. auf e. reise (1816) 254; jedes borstige und widerborstige haar seines hauptes (
des oheims Grünebaum) schien einen beleidigten schuster zu bedeuten W. Raabe
d. hungerpastor (1864) 1, 100; wie er so dastand ..., die schon lange nicht mehr geschorenen, langen, widerborstigen grauen haare nach allen seiten strahlend O.
M. Graf
unruhe (1948) 408. 1@bb)
von der beschaffenheit des holzes; widerborstiges holz
ist ein wimmeriges oder maseriges holz Behlen
forst- u. jagdkde (1840) 6, 388: man kan nicht aus allem groben holtze, ein subtiel vnd hübsches bild schnitzen, es mus fein schlecht vnd gerade holtz sein, das zu drehen dienet, was aber wippelstreussig, windschaffen, wiederporstig, knörrich vnd steingellig ist, das thuts nicht, man verderbet die eisen drinnen Mathesius
Syrach (1586) 1, 145
a.
wohl in anlehnung daran: der ander (
baum) aber war voller äste, knorrig und ungeschickt ... er ist wipffelsträuszig, windschaffen, wiederporstig und steingällig Scriver
andachten (1706) 45.
vom aussehen: an einen widerborstigen fichtenbaum ist eine votivtafel genagelt Rosegger
schr. (1895) I 13, 308. 1@cc)
in der bergsprache von erzgängen und gesteinsschichten, die kein rechtes fallen haben; gleichbedeutend mit widersinnig,
s. Veith
bergwb. 171;
commissurae inuersae widerperstiege absetz Frischlin
nomencl. (1586) 144
a; (1594) 253;
saxum inuersum widerporstig stein
M. Ruland
lex. alchem. (1612) 427: so aber das absetzen des gesteins von eim teil der welt, in dises, so ihm zuo entgegen ist, fallet, als nemlich von morgen in abendt, so die selbige veste klüfft wider porstig gemacht habendt, geschicht es, das auch das absetzen des gesteins, die vom morgen in abendt fiellendt, härwiderumb vom abendt in morgen fallendt vnd das gstein wider porstig wirt Bech 12
bücher v. bergbau (1557) 56. 1@dd)
von gegenständen: Menestratus ... schmidet ein bantzer von ärtz mit widerbürstigen anglen J. Herold
heydenweldt (1554) h 4
a; bei der 'begegnung' (
einem gemälde) beachte man den widerborstigen pfahl, der nach links zu uns fast das auge ausstoszen und wie ein rammbock die bildfläche durchbrechen will Pinder
d. kunst d. ersten bürgerzeit (1937) 269. 22)
übertragen vom menschlichen wesen: störrisch, halsstarrig, widerspenstig, unfügsam, widersetzlich: aygensinnigheyt thut mich ziern. was yederman für gut erkend, wirdt von mir veracht und geschendt. was man vernicht, dem gieb ich preisz, leb ganz wiederpörstiger weisz (1534) Hans Sachs 5, 321
lit. ver. sein widerporstiger vnnd vnglaubiger diener ... wil, wie Philippus, sein herren vnd magister meystern Mathesius
ausg. w. 4, 39
L.; was verwundern wir uns denn, das ... so wüste wilde fürsten und regenten seind, das die unterthanen auch so widerbürstig sind? Gigas
postilla (1595) 2, 141
b; es ist kein kunst mit einem vernünfftigen guten mann können auszkommen, sondern mit dem der widerporstig ist Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 173; denn er war ... ein ... wiederborstiger kopf Arnim
trösteinsamkeit (1883) 56; solch eine eintönigkeit ... liegt in deutschen charakteren, welche daher in ihrer verschlossenheit leicht störrisch, widerborstig, ... unzugänglich ... erscheinen Hegel
w. (1832) II 10, 205; (
ich) setzte meinen weg durch die straszen einsam fort, widerborstig gegen das fatum, meiner — wohnung zu W. Raabe
s. w. I 2, 344; der staat braucht dann und wann einen seelenarzt, um sich eines widerborstigen individuums entledigen zu können Werfel
Bernadette (1948) 329.
hierher auch: etliche widerborstige berghöfe, welche von geistlicher und weltlicher obrigkeit ungeschoren sich eines stillen unbekannten separatismus erfreuen Steub
drei sommer in Tirol (1895) 1, 209.
vom kopf als dem sitz des widerspenstigen wesens: es sey geleich fraw oder mann, die solch widerpörstisch köpff han Hans Sachs 9, 297
lit. ver.; wohl waren diese tintenfässer (
um 1556) geeignet, dem gegner wie dem teufel damit ein loch in den widerborstigen kopf zu werfen W. Raabe
s. w. I 3, 5.
vom aussehen: (
er sprach) mit einer so widerbürstigen miene J. Möser
s. w. 3 (1842) 196. 33)
nur auf mundartl. gebiet: widerbörstig ...
widrig von tönen Kehrein
Nassau 445; Schmidt
Westerwald 328;
widrig, besonders bey tönen; das stück klingt widerbörstig,
wenn in einem musikstücke zu viel dissonanzen ... vorkommen Reinwald
Henneberg 1, 194. —