wesentlichkeit,
f. ,
älter wes(e)licheit, wesenlicheit,
zu wesentlich,
adj. (
s. d. näheres über die mhd. und frühnhd. formen). 11) '
essenz, essentialität',
vom göttlichen wesen (
zu wesentlich 1);
essentia wesenlichkeit Melber
voc. pred. (
ca. 1500) h 4
b: dâ diu sêle în gebildet wirt ... in den îndruk der lûteren weselicheit, dâ si gotes gesmeket ê er wârheit oder bekantheit an sich vâhet meister Eckhart 99, 14
Pf.; dez götlichen ... wesens kraft ... ist aller wisen bloss von creaturen, mer in ir selben hat si ir wise eigenlich na ire weslichkeit Seuse
dt. schr. 188
Bihlm.; in Christo seind drei stuck zu bedencken, die weiszheit seiner lehr, frommkeit seines leben, und der gottheit wäsenligkeit Pantaleon
warh. bestätigung (1571) 134; mit seiner wesentlichkeit und unanfänglichkeit Zinzendorf
Londoner pred. (1756) 1, 284. 22)
im 16.
jh. oft '
die beschaffenheit',
gleichbed. mit wesen I D: acht haben (
auf) die wesenlichait, grosz oder klain der sachen, person und schrifften
neu laienspiegel (1518) 13
a; von farben, weslicheyt des leibs vnd geschlecht des menschen Dryander
d. ganzen arzenei gem. inhalt (1542) * 3
a reg.; das man den ersten tag vor gericht nichts thuet, dann die sachen mit kurtzer erzelung der geschichten und wesenlichait des handels, den man disputiren soll, einzufüren Kilian
res. publ. Venetum (1557) L 6
a; die fuszknecht und reüter hat er geordnet, wie es dann die wesenligkeit der stett und zal der hauffen litte Pinicianus
Scanderbeg (1561) 234
b. 33)
sonst im frühnhd. mehr gelegentlich in verschiedenen bedeutungen. 3@aa)
etwa '
physis, leibliche substanz' (
vgl.wesen I C 6
und 7
in ähnlichen verwendungen): die jungkfraw Maria, die ... hat Christum ohne ein mann entpfangen, und aus eigner jrer wesenlicheit, auch von natürlicher fruchtpare, ein son geborn Heroldt
v. adel u. fürtreffen weibl. geschlechts (1540) D 2
b; dem jungen kindt ist nichts füglicher, dann eben die wesenlicheit darausz es geschaffen ist Chr. Bruno
de instit. christ. foeminae (1566) 83
b. 3@bb)
zu wesentlich 6 '
rechtschaffen, tüchtig': ein fröliche hoffnung flüsset uss dapfferheit und wessenlicheit Keisersberg
bilgerschafft (1512) 26
a; wesenlicheit der rede ist wolsprechen und nit fluchen, noch ehr abschneiden Zwengel
formular buch (1568) 2
b. 3@cc)
ganz vereinzelt noch '
ens, ding' (
wie wesen II A 2): als ich dann in etlichen schulkünsten gepflogen die meinung fürzebringen von den allgemeinen dingen oder wäsznen (
sc. die begriffslehre), und dasz ein wäsenlicheit einer gemeinen art oder gattung uszgesündert hab vilerley unterwürfflicher gattungen das wäsens Tschudi
chron. Helvet. (1734) 2, 43. —
wohl auch '
existenz' (
wie wesen I B 1): die göttlich majestät ..., als von deren wir haben unser wesenlicheit
Th. Morus, Utopia (1617) 1, 85. —
und in weiteren sporadischen verwendungen, vgl. Fischer schwäb. 6, 727; Diefenbach
gl. 541
a s. v. solidịtas; 551
a s. v. status. 44)
in moderner sprache wird das wort nur hin und wieder verwendet; es begegnet 4@aa)
für '
substantialität, realität' (
vgl. wesentlich 7 a
und 2
sowie wesen I C 3); die wesentlichkeit
la réalité ('
wenig gebräuchlich') Schwan
nouv. dict. (1783) 2, 1040
b: einer würde ..., deren werth nur im rang, ohne wesentlichkeit, bestanden haben würde Niebuhr
röm. gesch. (1811) 2, 416; ein wahres scheinbild, das so wenig wesentlichkeit hat, als das spectrum solare Schelling
w. (1856) I 7, 172; war kraft, tat und erfolg bestimmend für das ansehen des mannes, und hinter wesentlichkeit verschrumpften amt und würden
qu. v. j. 1926. 4@bb)
für '
wichtigkeit, erheblichkeit' (
auch konkret),
zu wesentlich 7 c: die ... wesentlichkeiten ..., die er ... unbeachtet gelassen
dt. museum (1812) 1, 74
Fr. Schlegel; zwischen dem ich und dem gegenstande keinen unterschied der wesentlichkeit und unwesentlichkeit (
machen) Hegel
w. (1832) 2, 79.