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weltzeit

nhd. bis Lex. · 2 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weltzeit f.

Bd. 28, Sp. 1738
weltzeit, f. AA. in modernem gebrauch 'universalzeit für alle orte der erde', '(mit bezug auf die ortszeit am nullmeridian) einheitlich festgelegte uhrzeit' (zu welt V, vgl. schwed. världstid; n. verdenstid): nullmeridian und weltzeit Hammer (1888) titel; die wissenschaft verlangt weit mehr als wir, sie ist nicht zufrieden mit einer deutschen einheitszeit, auch nicht mit einer mitteleuropäischen, sondern sie will eine weltzeit Moltke ges. schr. (1892) 7, 40; weltzeit oder universalzeit wollte man vor einigen jahren im interesse des betriebs der schnellverkehrsmittel, eisenbahnen und besonders telegraphen, den ortszeiten entweder vollständig substituiren oder neben den ortszeiten verwenden Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 7, 911; unter der seit 1. jan. 1925 eingeführten weltzeit versteht man die mittlere zeit von Greenwich; nach ihr werden die astronom. ereignisse festgelegt d. gr. Brockhaus 20 (1935) 566. BB. veraltete und sonderanwendungen. B@11) zeitalter. B@1@aa) 'zeitalter' schlechthin, dasselbe wie welt I A 1; besonders im älteren nhd.: weil der unverdrossene und zu dieser letzten weltzeit ... seinen zorn auszlassende ... eheteuffel ... zchtige und keusche hertzen am allermeisten mit hertzfressenden verleumdungen beschmeist C. Julius Susanna u. Daniel (1610) 29; bey welchen lAeufften, zu welcher weltzeit (oder saeculo) hat sich doch wol das gemeine alter der meisten einwohner ... bis auf das neuntzigste jahr erstreckt? E. Francisci lust-haus (1676) 262; alles dies (die hoffnung auf unsterblichkeit usw. der alten) athmet den geist jugendlicher weltzeiten Herder 16, 60 S.; wie ein denkmal aus einer jugendlichern weltzeit steht der ber allen ausdruck herrliche ... (tempel-)bau vor unsern augen C. Grasz sizil. reise (1815) 1, 123; in der farbengebung des Robertschen bildes erkennt man das studium des Raffael ... es wird mir nicht einfallen, zwischen Robert und dem gröszten maler der katholischen weltzeit eine parallele zu ziehen (1831) Heine s. w. 4, 54 E. im modernen nhd. noch in dichterischer anwendung: die weltzeit, die wir kennen, schuf der geist, der immer mann ist: ehrt das weib im stoffe ... er ist kein mindres heiligtum St. George stern d. bundes (1914) 96. B@1@bb) 'weltalter', dasselbe wie welt I A 2; vereinzelt schon im mittelalterlichen dt.: daz ist dies iudicii. der nah disen gesibenôten uuerltzîten chumet Notker 2, 14, 22 P.; 3, 13, 6; dies iudicii, der nach disen gesibenten weltzeiten kmt (14. jh.) Münchener hs. bei Khull beitr. z. mhd. wb. 39; geläufig jedoch erst im älteren nhd. und auch späterhin noch im zusammenhang mit biblischen vorstellungen gebraucht: dann zur ersten weltzeit ..., wann einer ein ast vom baum gebogen hat, vnnd ein prett drber that, so hat er schon ein hausz, hat er dann ein weib ..., so war ... sein hauszhaltung schon bestellt Fischart Garg. 307 ndr.; in der fnfften welt-zeit (kamen hervor) die blutigen zeugen gottes gegen die heydnischen verfolger J. W. Petersen d. warheit d. herrl. reiches Jesu Christi (1693) 2, 31; sie (die Inder) rechnen vier euwen oder welt-zeiten, drey wAeren allbereit verlauffen Mandelslo morgenl. reisebeschr. (1696) 82 Olearius; Jehovah, dein hauptgeschAefte sey, oder lasz seyn, dasz du in der mitte der jahren den welterlOeser ins irdische leben rufst und ihn in der mitte der jahren bekannt machst ... der prophet will zuverlAeszig weiter nichts sagen, als: Jehovah werde in den mittlern weltzeiten das erlOesungswerk ausfhren Jung-Stilling s. schr. (1835) 3, 463; dem zufolge musz in der gOettlichen ordnenden anschauung alles der ersten weltzeit angehOerige einen antheil haben an der beziehung auf den erlOeser Schleiermacher s. w. (1834) I 4, 20; wenn er nach hause kam, setzte er sich hinter die bibel und suchte die stellen, die von kommenden, glücklichen weltzeiten redeten qu. a. d. j. 1905. (in moderner sprache geläufiger: weltzeitalter Döllinger vortr. [1888] 1, 33; Feuchtwanger d. falsche Nero [1947] 214; Langgässer märk. Argonautenfahrt [1950] 255). B@1@cc) in formelhaften wendungen der älteren sprache (vgl.welt I A 5); vereinzelt schon im ahd.: ni uuard io in uuoroltzîtîn,thiu zisamane gehîtîn, thaz sich gesto guatîsulîhhêro ruamtî Otfrid II 8, 5 P.; geläufig erst im frühnhd.; auf (zu) ewige(n) weltzeiten: (das dorfbuch soll) auf ewig weltzeit gehalten (werden) (1583) österr. weistümer 4, 210, s. auch ebda. 1, 332 u. 5, 946; soll aller widerwillen, khrieg und auflauff freundlich vnd ainmuetig aufgehebt, verrichtet, vnd auf ewig weltzeit, hin- und ab sein (16.-17. jh.) J. A. v. Brandis landeshauptl. v. Tirol (1850) 68; ja es (das gold) bleibt von allen zuefAehlen gantz vnverletzt vnd bestAendig zu ewigen welt-zeiten Fr. A. v. Brandis ehrenkrAentzel (1678) 1, 149; Maria-hilf-bruderschaft ... auf ewige weltzeiten begnadet allg. dt. bibl. 84 (1788) 323; auch seit weltzeiten: so spricht derselbe apostel im brief an die Epheser ... von dem geheimniss, das seit weltzeiten in gott verborgen gewesen Schelling w. (1856) II 3, 330. B@22) dauer der diesseitigen welt (zu welt II A; vgl. auch zeit II B 3 teil 15, 537): es soll demnach die sünde nicht herrschen in eurem sterblichen leibe (ob dieser gleich zur zeit um der sünde willen dem tode noch unterworfen bleibt, bis die weltzeit vollendet ist und die auferstehung erfolgt) ihr zu gehorchen in ihren begierden Chr. Aug. Crusius kurzer begr. d. moraltheologie (1772) 621; die grosze wiedergeburt himmels und der erde erfolgt erst am ende dieser weltzeit. aber eine jegliche seele fällt nach dem tode ihrer bestimmung in der ewigkeit anheim L. Hofacker pred. (1852) 445; auch 'dauer des individuellen diesseitigen lebens': es hat ja auch sonst etwas einzigartig ergreifendes, die stunde mit zu durchleben, in der jemand mit klarem bewusztsein von den seinen für diese weltzeit abschied nimmt L. Ihmels siehe, ich mache alles neu (1913) 267. B@33) periode des weltlebens im gegensatz zu der des klosterlebens (zu welt II A 2 b): aus seiner weltzeit hatte er (pater Lampros) einen siegelring zurückbehalten qu. a. d. j. 1939. B@44) zeit, in die alles geschehen und sein eingebettet ist (entsprechung zu weltraum): geheimnisse, die aus den unmittelbaren schauern der natur herkommen, aus den unendlichen dimensionen des weltraums, aus dem ungeheuern drama der geschichte, aus der unendlichkeit der weltzeit, aus dem jetzt-, vor- und nachgeschichtlichen ... A. Jung geheimn. d. lebenskunst 1 (1858) 7; nicht nur der weltraum, auch die weltzeit ist höhlenhaft, und daraus folgt eine innerliche, echt magische gewiszheit: dasz alles 'eine zeit' hat Spengler abendl. (1922) 2, 290; vereinzelt auch in der form weltenzeit: war er für menschenwahn etwa dahingegossen, der grosze, weise schOepfungsplan? nur darum klein in weltenzeit geschlossen, damit der wurm ihn denken kann? allg. dt. bibl., anh. z. bd. 53-86 (nach 1789) 487. B@55) in dichterischem bilde 'den maszen des weltraums angemessene kosmische zeitspanne' (zu welt VII): nur vergessen wir immer im nachrechnen der hundertjährigen völkerkrisen, dasz die störungen groszer weltkörper auch grosze weltzeiten nöthig haben zur umkehr in den regellauf Jean Paul w. 35, 15 Hempel.
7209 Zeichen · 162 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    weltzeitf.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    weltzeit , f. A A. in modernem gebrauch ' universalzeit für alle orte der erde ', '( mit bezug auf die ortszeit am nullm…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Weltzeit

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Weltzeit ( Universalzeit ), im Gegensatz zur lokalen Zeit oder Ortszeit eine für die ganze Erde gemeinsame Zeitbestimmun…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weltzeit

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Zerlegung von weltzeit 2 Komponenten

welt+zeit

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weltzeit‑ als Erstglied (1 von 1)

Ableitungen von weltzeit (1 von 1)

urweltzeit

DWB

-zeit A. Grün 2, 84 ; Auerbach 17, 26 ; Gutzkow (1872 ff. ) 7, 476,