weltflucht,
f., '
asketische abkehr von der welt',
wohl im 17.
jh. aus weltflüchtig (
s. dort)
rückgebildet, jedoch erst seit dem ende des 18.
jhs. häufiger nachweisbar und auch im modernen dän. auftretend (verdensflugt
ordbog over det danske sprog 26 [1952] 1216): wann doch vnsere profane welt-leut nur einen geringen geschmack empfinden solten von der inniglichen hertzlichen freude, so eine glaubige seel schOepffen kan ausz rechter grndlicher erkAentnusz der geoffenbarten gOettlichen geheimnusz, ich weisz, die welt und aller welt augenlust wuorde jhnen bald verleiden, aller welt-freud als nichtig und abgeschmackt frkommen: aber da mangelts an der welt-flucht Dannhawer
catech. 5 (1671) 1187; das crucifix mit dem für die sünden der menschen gestorbenen gotte ist ... die einseitigste schroffste verkörperung der christlichen weltflucht und passivität D. Fr. Strausz
ges. schr. 6 (1877) 61 (
d. a. u. d. n. glaube, 9.
aufl.); die ... eremiten ... hatten sich den ort ihrer weltflucht so ausgesucht, dasz sie ein gut stück schöner welt mitgenommen hatten Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 101; der mittelalterliche mensch schwankt zwischen den beiden extremen eines leidenschaftlichen lebensgenusses und einer pessimistischen weltflucht unsicher hin und her
d. religion i. gesch. u. gegenw. 1 (1909) 728
Schiele-Zscharnack; die weltverneinung war bei ihnen (
den bettelorden im gegensatz zum älteren mönchtum) nicht weltflucht Dehio
gesch. d. dt. kunst 2 (1921) 9; ein streben, das auf werte dieser welt um ihrer selbst willen geht, ist böse ... die folge ist die entwertung des diesseits, abkehr des menschen vom gegebenen leben und in der idee die allseitige weltflucht Nic. Hartmann
ethik (
21935) 738;
nicht ausschlieszlich im sinne christlicher askese und mönchischer entsagung; vgl. etwa: wo geschäftlosigkeit, mangel öffentlicher theilnehmung, weltflucht, selbstzerstörende verborgenheit des zerrissenen herzens letzte zuflucht wurden ... konnte vielwissen der himmel des vereinzelten und forschen alles unwesentlichen der schlaftrunk wankender hoffnung werden Meyern
Dya-na-sore 1 (1800) 274; das psychologische motiv jedoch für die freiwillige weltflucht, für die vereinsamung ... ist die uralte tragödie des Prometheus
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 4, 61; es war vielleicht mehr die reaktion reich veranlagter naturen, als vorübergehende verzagtheit und schwäche, wenn ihm (
v. Boyen) ... in dem kampfe gegen den welteroberer zuweilen auch gedanken der weltflucht kamen Meinecke
Boyen (1896) 1, 176; in dieser zeit (
familiärer zerrüttung) wurde die neigung zu weltflucht und menschenscheu weiter ausgebildet Th. Mann
ausgew. erz. (1948) 46;
metaphorisch: die romantiker hatten sich in den traum vergangener grösze geflüchtet, Kleist und Hebbel hatten die kleider der weltflucht vom leibe gerissen
qu. a. d. j. 1925.