weiberfeind,
m. gilt als lehnübersetzung von gr. μισογύνης,
besteht aber, begrifflich in dem noch älteren menschenfeind (
th. 6, 2044)
ohnehin schon enthalten, durch fast zwei jahrh. unabhängig von jenem etwa im sinn des mhd. wîptrugenære (
s. o. weiberbetrüger): der son gottes ... kennet diese unfleter und weyberfeinde und alle schandmeuler, die das tugentliche weybszgeschlecht lestern Mathesius
hochzeitpred. 33, 24
Lösche; ein hurer oder ein ehbrecher, ein kinder- und ein weiberfeind Ayrer 3, 2015
Keller; du stets verfluchtes ungeheuer ... weiberfeind, des teuffels brut Treuer
d. Dädalus 1, 833.
weiter beleben die gelehrten einige jahrzehnte lang mit hilfe von weiberfeind
die gestalt des Atheners Melanion, von dem es nach Aristophanes
Lysistrata 785
sprichwörtlich hiesz: Μελανίωνος σωφρονέστερος (
Suidas): Dentzler (1716) 345
a; Hederich (1729) 2618; Steinbach 1, 425.
noch Lessing
in seinem jugendlustspiel der misogyn (1748)
bringt zwar weiberfeind
von vornherein mit dem puritanischen womans hater
zusammen: ich sollte ihr sohn seyn, mein herr Wumshäter; ich wollte das geschlecht der weiberfeinde vortrefflich fortpflanzen 2, 9
Lachmann-muncker, wird aber erst durch die kritik, eigene und fremde, darauf aufmerksam, dasz weiberfeind
die gegebene fassung des titels gewesen wäre: der verfasser hätte wohl können sagen der weiberfeind. denn ist es nicht abgeschmackt seinen sohn Theophilus zu nennen, wenn man ihn Gottlieb nennen kann? (1755) 7, 26
Lachmann-Muncker; warum das letzte stück einen ... griechischen und also dem gröszten theile der logen und des paterrs (!) unverständlichen titel habe, wissen wir nicht, besonders da weiberfeind eben so kurz und bündig klingen würde
allg. d. biblioth. (1770) 11 i 247.
seitdem steht die gleichung weiberfeind = misogyn
fest: Campe 5, 631; Heinsius 4, 1556; Singer
zs. f. d. wortf. 4, 132,
auch der classische ursprung der vorstellung (
s. o. sp. 357)
wird fortan aus der umgebung, in der das wort auftritt, mehrfach deutlich: dadurch erfahren erst die weiber, was für lectionen der heillose weiberfeind (
Euripides) ihren männern ... gegeben hat Böttiger
kl. schriften 1, 317; Winckelmann galt bei vielen für einen weiberfeind Justi
Winckelmann 2, 336.
wäre weiberfeind
stets nur lehnübersetzung von misogyn
gewesen, so hätte nie die abgrenzung von hagestolz
schwierigkeiten bereiten können, um die sich Eberhard-Maasz 3 (1827) 279
und Weigand
synon. 2 (1843) 10
f. bemühen, indem sie betonen, dasz weiberfeind
auch von verheiratheten gesagt werden kann, die erst durch die ehe dazu geworden sein mögen. klärend tritt die bildung ehefeind (
misogam)
daneben Pierer
anat. realwb. 5 (1823) 379; Bauernfeld 4, 6.
gern vermengt beide typen die komödie, die von Aristophanes
und Lessing
her beide stets liebt: der hagestolz oder weiberfeind bleibt allezeit ein brauchbarer charakter für das lustspiel Möser 2, 90; Brandes
hagestolze (1771)
theater d. Deutschen 14, 233; Iffland
die hagestolzen; Bäuerle
kom. theater 4, 6; Kotzebue
dram. werke 2, 124; Müllner 7, 188; Raupach
kom. 3, 103.
in roman und novelle ist der weiberfeind
seit dem Laertes der lehrjahre (Göthe I 21, 285
Weim.)
gleichfalls heimisch: Grillparzer 8, 8; Gutzkow
ritter vom geiste 4, 447; G. Keller 1, 296, 5, 156; Fontane I 5, 141.
die weiberfeindschaft (
s. u.)
zweifelt, wie die kritik am weib überhaupt (
s. o. sp. 362),
an sittlichkeit, verstand und gefühlsleben der frau: weiberfeind, foeminarum illecebris infestus Stieler 462; wer beydes (
sinn und charakter) auch von den weibern fodert, ist ein weiberfeind Schleiermacher
Athenäum 1 ii 99; weiberfeinde schreyen laut: das schöne geschlecht liebe nie mit ... treuer ergebung Knigge
umgang 2, 89; eben von dieser geistigkeit ... kommt es, dasz das weibliche herz sich öfter vor diesen eindrücken verschlieszt, nicht aber von einer gewissen innerlichen kälte, wie jene weiberfeinde behaupten, die da annehmen, die frauen besäszen nur phantasie, aber kein gemüt O. Ludwig 2, 453. —