weglöse,
weglose,
f. ein altes rechtswort, ahd. als *wegalôsî (
daneben wegalôsa?)
vorauszusetzen (
alem. noch weglösi -lösin, -losi -losin),
eig. lösung, freimachung des weges. belegt aus Schwaben, Franken, Böhmen (
hier als weglos,
n. und umgedeutet zu weglasz);
in Schwaben bis auf die neuere zeit gebräuchlich (
Fischer 6, 544)
und darum auch in juristischen werken u. dgl. (
neben weglösung)
bis ins 18.
jahrh. angeführt. Wehner
observ. (1661) 378
b. Zedler 53, 1926. 11)
die abgabe, die ein wegziehender an den herrn oder die obrigkeit entrichten muszte: die weglosz zum Hoff und uff dem lande zu Regnitz
urkundenb. der vögte von Weida 1, 115 (1288); dasz ein yder erber man nach altem herkommen die seinen gutlich von im ziehen lasz ... es sol auch nimands die ubung der weglose halben mit der that hinfüro geprauchen
quellen zur alten gesch. des fürstenth. Bayreuth 1, 59 (
Hof 1482); so sollen die herren oder pfleger zuo Kingsprünnen gewelt haben dem pauren das guot ... abzukünden, darnach soll dann der paur ... das guot raümen, davon ziehen ... und die von Kingsprunnen ir schülden mit sampt der weglosy bezalen
württemb. ländl. rechtsquellen 1, 289, 7 (1490).
auch für die entlassung und die urkunde über die entlassung: das ... nymandz der mitburgere an sein (
des bürgermeisters) wissen und willen van der stat zihe, er hab den desz weglosz van im genomen
chronik d. st. Elbogen 108 (1502); szo ein frumer man abczueg von seim erbthern, ... szo sol im der her geben ein redtliches weglaesz. darumb er im schuldik ist ein bar huner zum abczueg
mitth. d. ver. f. gesch. d. D. in Böhmen 15, 178 (
Pröhl 1536); weglasz
chroniken d. st. Eger 170; denn weil die leibeigenschafft bey den jüden nit ewig weret ..., so war das schatzgelt leidlicher, denn bey andern nationen, da man auch mehr geben musz, wenn man nur ein weglosz haben wil Mathesius
Sarepta 173
b.
dazu weglosbrief, m.: so jemandt seinen underthan ledig zehlt, mit hand und munde, oder mit einem brieff und gibet ihn einem andern, und das wirdt gnugsam bewiesen, so soll der underthan desz genieszen, in aller masz als ob er im einen wegloszbrieff gegeben hette Sturba
beheimische landordnung 247 (1604). weglaszbrief Span
speculum juris metallici (1698) 154. Apianus
geschichte Böhmens (1905) 121. 22)
ohne deutlichen hinweis auf den wegzug, überhaupt die abgabe, die bei besitzwechsel durch todesfall, tausch oder verkauf der abgehende (
oder dessen erben)
zu zahlen hatte (
der antretende zahlte den handlohn;
dies und die weglöse
werden auch zu einem betrag zusammengefaszt vgl. Fischer 6, 545): swer auch ain aigen hin git daʒ in der stat ze burcrehte lit, swenne man daʒ aigen verkaufet, swer daʒ danne kaufet, der git dem zolner sin reht davon also daʒ der zins kumet selbe fünfte, den er e elliu jar von dem aigen gæben hat, unde haiʒʒet daʒ rehtiu wægelose
stadtbuch v. Augsburg (1276) 29; ist aber, daʒ der selbe Hainrich von dem selben guote vert lebender oder toter, so gît er dem spitale von Ulme sehz schillinge haller ze ainer wegelose
Ulmisches urkundenbuch 1, 298 (1308); es ist ouch gedinget, wolten wir den garten uf gein, so sun wir gein zwein schillinge Costenzer ze wegelösi
urkundenbuch des klosters Heiligkreuztal 1, 139 (1324); diu mlin, diu jAerlich gilt driu pfunt haller, hundert ayr, und vier pfunt ze weglos
zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 10, 339 (1358); wenne ain nüwer apt wirt oder ain widmer stirbet, so sind die widmer ledig, und sont die widmer oder ir erben, ob si wellent, emphahen umb ain apt, und sont cze weglösi als vil gon, als vil des nehsten czins ist, so sont si ouch emphahen umb als vil als des nehsten zins ist
weisth. 1, 375 (
Dornheim i. Schwarzwald 1417); (
die hofstatt), die uns jercklichen giltet ... ain vasnahthun ... und dazu zwelff pfenning zu weglosz für rechtʒ freyes aygen und unverkumrets gut
monum. boica 23, 415 (
bair. Schwaben 1436); so offt und dickh auch die benant isenschmitten zufallen oder in ein ander hand kompt durch todfelle, khauff oder willigs übergeben, solle nemlichen von dem der sy verkhaufft oder ubergibt, ein gulden zu weglosin, und von dem, der sy füro empfahet, und dem wir und unser nachkhomen leyhen ... ein guldin zu hantlon
urkunde von 1479
bei Haltaus 2047. Wehner
observ. 502
a. —