weg(e)dorn,
m. benennung des kreuzdorns und einiger anderer dorniger sträucher. auch ndl. wegedoorn
und engl. waythorn. 11)
die lautform des wortes macht grosze schwierigkeiten. es tritt zuerst in frühnhd. glossaren als wechdorn
auf: Diefenbach
gl. 70
c bedegar, 500
b ronus (=
rhamnus).
nach dem lautstand der betr. glossare kann wech-
kaum aus weg-
entstanden sein; es findet sich auch in wechhagendorn Diefenbach
nov. gl. 50
b bedegar (
Augsb. 1468),
wofür ein andres glossar wichagindorn
hat (
bei Megenberg
wird bedegar, hagdorn oder weithagen,
in einer hs. durch waichehagen
gegeben 316, 3). wegdorn
findet sich dann in den kräuterbüchern des 16.
jahrh. und in den wörterbüchern seit Henisch (
bei Stieler
und Adelung wegedorn).
daneben steht wehdorn,
bei Nemnich wehedorn (
schon bei Mathesius wehedörnen);
in md. quellen kann weh-
aus wege-
entstanden sein, doch heiszt es auch schweiz. wehdorn Stalder 2, 440,
ebenso in Salzburg Schmeller 2, 824 (
vgl. daselbst 834
auch die glosse weheldorn, haindorn
voc. v. 1419).
auf wêdorn (
mit altem ê)
wird wiedorn
zurückgehen, das Henisch 735
als schlesisch anführt, auch bei Nemnich 4, 1144.
auf einer ausdeutung des ersten wortes (
zu mhd. wîch '
heilig',
vielleicht mit bezug auf die dornenkrone, dann zu weich)
beruht dann weichdorn (
s. o. Megenberg waichehagen),
bei Nemnich
und Campe
erwähnt (
für '
kreuzdorn'),
von den Franken J. Paul
und Rückert
gebraucht, schon mhd. als wichdorn
belegt (3).
nicht verwandt ist das bei Nemnich
mit angeführte wachenbeere,
wofür Lonicerus (1577) 59
a in ursprünglicherer form warchenbeer
hat. auch das nd. wepdorn,
ndl. wepeldoren,
die wilde rose, (
z. th. auch auf den weiszdorn übertragen),
mit wepke, wipke '
hagebutte',
ist ein anderes wort. —
den ersten bestandtheil der benennung bildet also ein dunkles wort, das mehrfacher umdeutung unterworfen war (
vgl. noch bedagar, wibedorn Steinmeyer - Sievers
gl. 3, 526, 37).
die anlehnung an weg
lag nahe, da der strauch besonders an den wegen wächst: nachdem wir eine zeitlang auf einem mit wegdornen und stacheln übersäten schmalen fuszweg fortgegangen Wieland
Lucian 4, 211. 22)
gewöhnlich ist wegdorn
der gemeine kreuzdorn, rhamnus cathartica L., auch wersenbeere, wersenstrauch, werstenbeere, wachenbeere, stechdorn Nemnich 4, 1144. Leunis
bot.3 2, 389; wegdornbeer (
der ganze strauch) Bock (1595) 361
b. Lonicerus 58
a. Tabernaemontanus 1489; wegedorn,
rhamnus solutivus Stieler 327.
von abarten bezeichnet es den färber-wegdorn,
rhamnus infectoria L. Nemnich 4, 1147, färbender wegdorn Leunis
bot.3 2, 370;
ferner den glatten wegdorn,
faulbaum, rhamnus frangula Leunis
a. a. o. Roszmäszler
der wald 495;
den südlichen wegdorn,
rhamnus alaternus Hehn
Italien 34;
die euphorbie, hippophae rhamnoides L. Stalder 2, 440 (
Berner Oberland). Schmeller 2, 824 (wehdorn). 33)
hie und da wird die bezeichnung auf die heckenrose, rosa canina und rosa rubiginosa L. übertragen. bedegar (
s. o. 1)
wird sonst durch hagendorn, wipdorn (
auch wiʒdorn)
gegeben, scheint also auf die wilde rose zu gehen. Pritzel-Jessen 339
b führt wechdorn (
neben wechhagen)
für rosa canina an, aus Mecklenburg in gleichem sinn wägeldurn, weicheldurn.
mhd. wichdorn
musz dieselbe bed. haben: dar nebent, hinder, vornen, mit rosen und wichdornen die matten umbfangen hat.
leben der h. Maria Magdalene 878 (
Mone's anzeiger 8, 488).
auch Rückert 2, 239
besingt in seinem gedicht der weichdorn
die wilde rose: weichdorn soll mich berg und kluft, das ist weihdorn, nennen; wenn man rosendorn mich ruft, werd' ich' nicht erkennen. mich geweiht bei wieg' und gruft soll man brennen.
auch für J. Paul (
s. wegdornig)
musz es die wilde rose sein. botanisch hat diese bezeichnung keine geltung. 44)
neben wegdistel
kommt es auch für den gemeinen burzeldorn vor s. wegdistel 6. 55)
auch (
wie stechdorn)
die (
wilde)
krause stachelbeere, ribes uva crispa L. Nemnich 5, 635. 4, 1160. 66)
von zusammensetzungen und ableitungen seien erwähnt: