wassergusz,
m. ergusz des wassers (
mhd. -guʒ,
auch n., s. u. väterbuch),
auch -gosz (
mhd. -gôʒ),
m., plur. -gösse
2. Sam. 22, 16, -gösz Alberus
dict. Zz 1
b.
damit sind andre bildungen verschmolzen worden. im obd. steht daneben das auf ahd. gussa
f. und gussi
n. (ss
aus germ. tþ)
zurückgehende -guss(e),
f.: ein grosze wassergusz Paracelsus
op. (1616) 2, 407 B, die grosz wassergusze (
sing.) Hug
Villinger chronik 96
Roder, acc. plur. wassergussen
österr. weisth. 1, 180, 29 (
bei Salzburg 1570),
meist -güss(e),
f. (
dessen formen fallen z. th. mit denen des pl. von -gusz
zusammen),
z. b. alem. ein wassergússe Mone
schausp. 2, 335, 3731, die wassergüssi (
sing.) Tschudi
chron. helv. 1, 288, -güsse Dasypodius 453
a,
plur.-güssenen
schweiz. id. 2, 478;
bair.-österr. von der wassergüss Füetrer
bayer. chronik 189, 9
Spiller, bei groszer wassergisz
österr. weisth. 6, 443, 36 (
Kärnten 18.
jahrh.),
auch neutr.: ein gäh wassergüss Riederer
spiegel der rhetoric (1493) 15
b, ain wassergüss
österr. weisth. 5, 609, 34 (
Lienz 1596),
jetzt bair. 's wossə'gisz Schmeller 1, 950.
auszerhalb des obd. führt nur gen. pl. der wassergụssen Melissus
ps. 60
neudr. anderen stammes, zu anord. gjósa
engl. gush '
hervorbrechen'
gehörend, ist ahd. gusi,
n. (
belegt pl. gusu
bei Tatian),
mhd. güse,
f. schweiz. -güsi,
f. idiot. 2, 478: -güse Frisius (1556) 341
a. Maaler 486
b,
pl. -gusynen
Zürcher stadtbücher 2, 402 (1509), -güsenen Stumpf
Schwytzerchr. (1606) 113
a;
vielleicht auch schwäb. -gsy (
vocab. o. j., das schwäb. au
statt â
hat) Diefenbach
nov. gl. 135
b (
vgl. gīs
f. n. Fischer 3, 937).
auszerhalb des deutschen entspricht ndl. waetergeute Kilian 648
b,
ags. wætergyte. 11)
an intr. gieszen '
sich ergieszen, strömen'
sich anschlieszende bedeutungen, '
das sich ergieszen einer wassermasse, eines gewässers',
meist aber '
sich ergieszende wassermasse'. 1@aa)
reiszendes, wildes, übergetretenes gewässer, überschwemmung; schriftsprachlich jetzt nur noch selten, wol in anlehnung an die obd. mundarten. 1@a@aα)
das reiszende steht im vordergrunde: wan als ein drete waʒʒerguʒ, daʒ von kraft hat starken vluʒ, han si mine hus zustoret.
das väterbuch 30189
Reiszenberger; ein sturmwindt ungestümb warff mir ein stadel ümb, ein wassergusz anstembt, ein wisen mir verschwembt. H. Sachs 7, 228, 7
Keller; manch' tiffe kluoft der wassergụssen plekt, uond wuord der gruond des ærdbodens entdekt. Melissus
psalmen 60 (18, 16)
neudr.; da sahe man wassergösse, und des erdbodens grund ward auffgedeckt von dem schelten des herrn
2. Sam. 22, 16; und ward die wassergüssi so grosz, dasz die vient entsaszend, es wurd die bruck ... hinweg nemmen Tschudi
chron. helv. 1, 288; hat man auch in einem freyen kornacker allaunertz gefunden, welches auch von einem wassergusz und rausch entbloset worden Thurneyszer
magna alchymia (1583) 67; sollen die Arnaldsteiner fleisige obsicht auf den pach haben, damit selbiger bei groszer wassergisz keinen schaden verursacht
österr. weisth. 6, 443, 36 (
Kärnten 18.
jahrh.); ob die räder (
der mühlen) bey groszem eys und wassergüssen können aufgehangen werden? v. Hohberg
Georgica (1682) 1, 11; von allen bergen wassergüsse, abrollende steine, bergbrüche Steub
drei sommer in Tirol 2, 289. 1@a@bβ)
das überschwemmende steht im vordergrund, inundationes aquarum, wassergösz Alberus
dict. Z z 1
b; die wassergüse,
cataclysmos. wassergusz, schwal oder überlauff des wassers,
diluvium, eluvies Maaler 486
b;
débordement d'eaux Pomay (1709) 337
b: des jares erhueb sich das mer und ward von der wassergüsz söllich jamer in Holland U. Füetrer
bayer. chronik 189, 9
Spiller; könig Abibeiba hatte seine wohnung auf einem hohen baume aufgeschlagen, indem er wegen öffterer wassergüsse nicht wohl auf dem erdboden wohnen konnte Schnabel
insel Felsenburg 435
neudr. die sintflut: do der wassergusz die gantz welt umbbracht
Züricher bibel, weish. Sal. 10, 4; bis das er schuoff hern Noe und im ein wassergússe kam. Mone
schausp. 2, 335, 3731 1@bb)
flieszendes gewässer überhaupt: die groszen flüsz und starck schiffreichen wassergüsz waren yetz kleine seichte lachen. Wickram 7, 73, 505
Bolte; (
wo ich) in dem wald bei kleinen wassergüssen auf einen reim für Silvien gedacht. v. Haller
ged. 6
Hirzel. wasserfall: ein strauch, der in den wassergusz hängt Hirschfeld
gartenkunst (1779
ff.) 5, 99.
wassermasse eines flieszenden gewässers, der bedeutung '
woge'
sich nähernd: welches seind aber dieselben flüsz, durch deren freundlich wassergüsz der Rhein ein nachbarschafft erwecket, die sich je mehr und mehr erstrecket? Fischart 1, 205 (
bündnis u. verein 76)
Hauffen; aber wenn ihr, deutsche flüsse, strömet eure wassergüsse in ein bett, in eines, das ist grosz, ich mein' es. Rückert
ges. ged. 3, 404. 1@cc)
seit dem 15.
jahrh. ist die noch jetzt übliche bedeutung '
starker regen'
belegt; in der älteren zeit tritt ein näherer zusammenhang mit a hervor '
wolkenbruch, der überschwemmung verursacht' (
vgl. auch wassergüsz, wolckenbrüch
volksbuch v. Faust 70
neudr., wolckenbrüche und wassergisse Schupp 409): als der römisch hauptman Cepio mercklich versamnung volcks in einem tal beruofft und ein geh wassergüsz über dasselb tal unversehenlich sich erhuob Riederer
spiegel der rhetoric 15
b; anno 594 fiel ein sollich wassergusz und platzregen ernider, das meniglich sich des sindtflusz Noah besorget S. Franck
chron. Germ. (1538) 61
b; der regenbogen ein groszen landregen oder grosze wassergüsz (
anzeigt) Paracelsus
opera (1616) 2, 303 C; es waren auch die gewitter diser zeit sehr ungonstig, gestalten ... ein wassergusz das dorff Rentsch verschwembt v. Brandis
des tirol. adlers immergrün. ehrenkräntzel (1678) 122; der wassergusz,
ein gewaltiger platzregen Ludwig 2394; der nebel verwandelt sich in regen, in wassergusz Grillparzer,
jahrb. d. Grillparzerges. 3, 190; der regen schlug an das fenster, ein wassergusz rasselte und klatschte um das haus Freytag 6, 97.
bildlich: welcher aber dis euangelion recht begreifftt, last sich solich sturmwindt und wassergues nichtz anfechten Luther 10, iii, 354, 3
Weim. ausg.; das übermasz des letzteren (
pathetischen) in Lohenstein muszte nothwendig zu diesem abfalle bringen: auf dessen donnerschläge muszte wohl der Weisesche wassergusz folgen Gervinus
gesch. d. d. dichtung (1853) 3, 466. 1@dd)
von den thränen; im vergleich: ich weine thränen aus wie flüsse, wie ungeheure wassergüsse. Gryphius
lustsp. 33 (
Peter Squenz 3)
Palm. dann: wer gibt min ougen wassergüsz, das sich der schmertz heruszer flüsz?
N. Manuel,
Wackernagels kirchenlied 3, 397; wenn nun der wassergusz der augen wird verflieszen; wird sich der wehmuth dampff auch von denselben ziehn. v. Besser 1, 322. 22)
an trans. gieszen
sich anschlieszend '
das ausgieszen von wasser, ausgegossene wassermasse': schon oft ist ein haus, in unnöthiger angst vor feuersgefahr, mit voreiligen wassergüssen verderbt worden Zschokke (1824
ff.) 36, 218; eifrig bemüht, seine stubenfenster mit hülfe eines strohwisches und endloser wassergüsse zu säubern v. Droste-Hülshoff 4, 56
Kreiten; ein leichter wassergusz aus hohler hand scheuchte sie aus ihrem traum Scheffel
Ekkeh. 230; da — klatsch — traf ihn ein wohlgezielter wassergusz H. Seidel
Leb. Hühnchen (1899) 112.
bildlich: dieser kalte wassergusz auf die erhitzten köpfe ergab nun freilich viel zischen und dampf D.
F. Strausz 1, 21. 33)
ding, aus dem etwas sich ergieszt oder ausgegossen wird: der wassergusz an dem dach eines hauses, ein wassergusz oder wasserstein in der küchen Ludwig 2395.