wartolf,
m. cylindrisches, über reifen gespanntes netz, das in eine spitze verläuft. nach Schuchardt
zeitschr. f. deutsche wortf. 2, 82
beruhend auf lat. vertibulum '
gelenk',
das im romanischen auch in der bedeutung '
garnreuse'
weiterlebt, schon in der lex salica vertebolum,
franz. verveux,
ital. bertovello,
mundartlich auch die rutenreuse oder eine art netz bezeichnend. ein romanisches *vertevolo
wurde volksetymologisch umgedeutet zu wartwolf (
worauf auch wolf
in der bedeutung '
reuse'
oder '
eine art netz'
zurückgeht Schuchardt
s. 83),
daraus dann wartolf.
diese form läszt sich im südwesten seit dem 14.
jahrh. nachweisen: wer ouch mit eim stoszgarn oder eim wartolf zuo einre logen oder zuo eim fach stellet anders, denne als es von alter her komen ist
Schlettstadter stadtrechte 2, 546 (1388)
Gény; es soll auch kein visscher nit mehr dan sechs stoszgarn, 6 elkerb, 12 krepskerb, 16 wartholff stellen 2, 548 (1534); es soll niemand kein
[] raumsichel brauchen zu garnen noch zu wartolfen 2, 550 (1596); es soll gefischt werden zwischen ostern und st. Barthelmä ... mit 12 garnen, die zwanzig-maschig sind, und mit 18 garnen, die achtzehn-maschig sind, mit 16 wartolffen, die gestricket sind über ein und zwanzigmaschig und mit zehn garnen, die man ehemals geheiszen hat brieszengarn
pfälzisches museum 21, 48 (1388); es sol ouch nieman von angondem mertze untz dem meigetage deheine fache ... noch deheine kelle, die in die löcher gont, wo das ist, nit versetzen noch verstellen mit rúsen, mit körben, mit wartolfen noch mit keinen dingen, domit einer vische gefohen möhte
Straszburger zunftordnungen 225
Brucker (1449); die (
karpfen) mag er wol verstellen mit Rin- oder fachwartolffen 226; sol kein vischer darin kein rúschen setzen noch kein vach machen, denn allein mag man wartolff darin setzen
stadtrecht von Zofingen 142, 12
Merz (
um 1450); wan ein arman ime Rîn uff der weyde setzet zwo docken, darine magk er ein wardolf setzen Heeger
tiere im pfälz. volksmunde 1, 24 (1480); so bald sind des jungen vatter ... alle seine garn gefroren, die wartölff und körb hinweggetriben, also das er gar keinen fisch mehr hat fahen können Wickram 2, 109, 36
Bolte; welcher centhman in den landbächen einige hemmung und beschleimung anricht, durch flachs, wartholf oder reuszen
weisth. 1, 479 (
Zwingenberg a. d. B. um 1700); durch flosz, wartolf, reusen 1, 495 (
Gerau); schiff und geschyr wie man es sol bruchen, wellen und wartolf, schnür und ouch angel.
Straszburger ged. vom hausrat c 2
a Hampe (
um 1514).
im 17.
jahrh. begegnet daneben in der Schweiz die form wardloff: wer bäche abschlagt und eröset, reuschen und wardloffe in unsre gemeindebäche setzt, büszt 5 ℔
Argovia 9, 81.
auch in Odernheim am Glan wartloff (
pfälzisches museum 21, 47).
sonst kommen in den mundarten folgende formen vor: in der Schweiz (
wo wartolf
seit 1411
belegt ist) warlef, wartlef, bartlef, watlef, wadlef
idiot. 3, 1149;
bei Gotthelf wartlef: prächtige forellen, welche er in eigenthümlichen netzen, welche man wartlef nennt, in der nähe ihrer laichgruben gefangen hatte
schriften 8, 106.
im Elsasz watluf, watlof, warlef, warlaif, wartolf, wartlof, warzluft (
f.), warzlof (
auch f.), warkluft (
f.), wartl (
f.), warzl (
f.) Martin-Lienhart 2, 878.
in Baden warluff
f. und wardluft
zeitschr. f. deutsche mda. 1913, 367,
in Neuenheim wattluff
zeitschr. f. d. wortforschung 6, 74.
in Aschaffenburg wadlef Schmeller 2, 850.
bei Schuchardt
a. a. o. wird auch noch wertolf (
Wiesbaden), wadloft (
Untermain), werluff, wakluf, wadluff
angeführt. die bildungen mit wad-, watt-
erklären sich durch anlehnung an wate '
zugnetz'.