wartig,
wärtig,
adj. erwartend, dienstbereit. die bei gewärtig (
s. theil 4, i, 5348
f.)
nicht belegte form mit erhaltenem a
erscheint nicht nur zuweilen im 15.
und 16.
jahrh. (
s. unten Eheberg
und Keszler),
sondern liegt auch im jetzigen alem. vor Hunziker 287. Seiler 311
a. Martin-Lienhart 2, 858
a.
im gebrauch steht wärtig
hinter gewärtig
zurück und hat sich in der neueren schriftsprache nicht erhalten. 11)
sich in erwartung von etwas befindend, fast ausschlieszlich in prädicativem gebrauch und meist in verbindung mit einem genetiv: sihe liebe, wie die scher ist schertig; eins eisenkremers bin ich wertig, der mir ein neuwe scher solt brengen. Waldis
Esopus 3, 98, 42
Kurz; so wirt dein buol eyn krom dir reychen umb mitternacht zum laden ein; desselben solt du wertig sein. Wickram 4, 40
Bolte (
losbuch v. 1132); desselben hertzog Wilhalms und auch zeges man wertig ist ze komen, damit man die vesten Fridberg ... auch stwrmen main und gewinnen
städtechron. 4, 120,
anm. 4 (
Augsburg 1422); er ist wertig der ewigen freüden Keisersberg
ausg. d. juden (1511) H 6; aber wie groszer belonung seind wir wertig, so wir alle geschefft und zehe laster abreyszen
M. Herr
sittliche zuchtbücher (1536) 108
a; daʒ ich gäntzlich mir verwegen hat zuo sterben und keyns andren drosts noch hilff wertig gewesen bin Wickram 1, 17, 7
Bolte; ein yeder wirdt, so einen reyf ausstecken, mus manches selzammen gasts wertig sein 3, 103, 9; so wisse er auch, das sie zu ainer beharlichen were nach notturft nit gefast, zudem er auf dizmal kains entschittens, hilf oder rettens, in ansehung daʒ er von allen seinen herrn und freunden verlassen, nit wertig
Zimmerische chronik2 1, 538, 33; Oriana, die von tag zu tag ires Amadis zukunfft wertig
Amadis 1, 152. eines dinges wärtig von jemand: so bitten wir ewer kunigliche durchleuchtikait wolle sich gegen im (
den bischof) als in den dingen, der er von ewren gnaden wärtig ist, und auch gegen seinem widertail ... hilflich sein Zinke,
städtechr. 5, 370; durch disen meyen würst du bericht der trew und liebe, so du von Rosamunde ... wertig bist Wickram 1, 239, 18.
bei pron. steht an stelle des gen. der acc.: was hoffnung, hylff, vertrawen oder glück mag er wertig sein, der got seynem schOepffer widerstrebt? J. Lachmann,
flugschriften aus den ersten jahren der reformation 2, 439, 5; kan ich nit wissen, was wir von inen wartig sind J. Keszler
Sabbata 93.
auch in den jetzigen alem. dialecten geht der gen. in den acc. über: schweiz. si isch es chind wartig Seiler
a. a. o.;
els. er soll e-n-ortlig vermöje wartig si Martin-Lienhart
a. a. o. anschlusz eines abhängigen satzes: zu den weybern ist im zu hainstewr worden, das er die zwinglischen ketzerey pflantzet und aufricht, und ist noch wertug, was im gott, der allmechtug, in kunftug zeyt geben wurd Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkrieges aus Oberschwaben 174; so er aber zuo mir würt sprechen, du gefalst mir nit, so binn ich wörtig, er mach waʒ ym gelieb oder gfellig sey vor ym Lonicerus
berichtbüchlin d 1
b.
vereinzelt attributiv '
zu erwartend, bevorstehend': und diser weg gedunckt unsz nit, dasz er zuo wurcklicher auszfuerung der sach welle leyten, sonder mer z wertiger einbrechung vermuschen Knebel
chronik v. Kaisheim 198. 22)
dienstbereit (
zu einem warten '
dienen'): euerem willen nach zuo volgen sein wir wertig Schade
satiren 3, 87, 9. mit etwas: der sol ziehen einen hengest für fünfzig güldin und domitte der stette wartig sin aller dinge ungeverlich Eheberg
verfassungsgesch. d. st. Straszburg 1, 356 (
um 1400); hab h. Friedrich ... in (
den abt) ersuchen lassen, dasz er mit rossen, raysigen knechten und fszvolck well enthalten und fernern beschayds von im welle erwarten, der mainung, wan er der bedurf, dasz desz gottshausz mit inen wertig sein well Knebel
chronik v. Kaisheim 408. 33)
ein ganz anderes wärtig (
zu wärts)
in zusammensetzungen wie hinterwärtig, widerwärtig.