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wankelbar

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wankelbar adj.

Bd. 27, Sp. 1800
wankelbar, adj. schwankend, unbeständig, veränderlich. ableitung von dem verbum wankeln, die im frühnhd. auftritt und das ältere wankel zurückdrängt, im 17. jahrh. noch sehr gewöhnlich, aber im 18. veraltend, doch noch von Canitz, Haller, Abbt gebraucht, dann ganz durch das schon früher daneben vorkommende wandelbar ersetzt. in den wörterbüchern (noch nicht von Dasypodius) angeführt: versatilis, wanckelbar Diefenbach gl. 614a; mutabilis, variabilis, wendig, wandelbar, wanckelbar Alberus 55b; wanckelbar, leychtfertig, instabilis homo, mutabilis, fallens, inconstans Maaler 483d; commutabilis, unstet, wanckelbar Calepinus 282a; wanckelbar, leichtfertig, leggiero, mutabile Hulsius 272; wancklbar, wancklmütig Schönsleder K k 5a; wanklerisch, wankelhaft et wanckelbar, mutabilis, inconstans, varius, variabilis, inconstans, varius, variabilis Stieler 2432; ebenso später (meist neben wankelmütig oder wandelbar) angeführt, zuletzt bei Steinbach. Adelung hat das wort nicht mehr, doch wird es noch von Campe als veraltet erwähnt. im ndl. ist wankelbaar noch üblich. 11) im eigentlichen sinn als 'schwankend, nicht fest stehend' tritt das wort nur selten auf: ein unbestendig gemüth, wanckelbare augen und füsz, selten wirt was gutes darausz. Gartner dict. prov. (1591) 22b; auf einer wankelbaren kugel stehend v. Birken ostländ. lorb. 251. im bildlichen gebrauch schlieszt sich an: so wollen wir des schiffes auch nicht vergessen, welches ist ein schwankes wasserhausz ... die wankelbare ruh Harsdörffer frauenzimmer gesprechsp. 4, 322; wer das wankelbahre glük zum stande bringen, die ewige bewegligkeit der winde stillen ... wil Butschky Patmos 827; wenn an unterschiedenen orten die geschworne treu auff einen wanckelbaren grund gesetzet wird Weise polit. redner 1014; so bedaure ich den fürsten, der einen so wankelbaren thron besteigt Haller Alfred d. gr. 141. 22) weit häufiger erscheint es in übertragenem sinn und zwar: 2@aa) von personen als 'unbeständig, veränderlich in seinem verhalten, namentlich in der willensrichtung und in der gesinnung (gegen jemand), wankelmütig': werde nichts bestendiges an ihme bleiben, sondern gantz verenderlich und wanckelbar werden anm. weiszheit lustg. 762; noch tausendmal bistu Cupido wanckelbarer. Chr. Köler ged. 200 Hippe; ein wanckelbarer mensch, homo mutabilis, inconstans Steinbach 2, 925; das unstät und wanckelbar volck, plebs ventosa Maaler 483d; in der rede: wanckelbarer zeüg ... der in der red schwancket und lucket, testis vacillans ebenda (vgl.wanken 5 c β); als adv. 'schwankend': sie alle hiengen wanckelbar zwischen der forcht und hoffnung gar. Spreng Aeneis 7a. mit näheren bestimmungen (mit in angereiht): das ich nit weisz wo ausz wo hin, so wanckelbar bin in meim sinn. Haberer Abrah. (1592) P 3b; derhalben so soll keiner keinem weibe vertrawen, sonderlich wo er mit ir buolen will und sie ein ehweib ist; dann sie sein in iren sinnen wanckelbar Schumann nachtbüchlein 62, 29 Bolte; er erzeigt sich sehr wanckelbar, oder wanckelmüthig, in seinem vornehmen, he is very fickle in his design Ludwig 2376; wanckelbar und unbeständig im spiel Weidner apophth. 4, 481. vom wesen, mit dem nebensinn des vergänglichen: ist doch der mensch gleich wie ein windt vergenglich, unbestendig, wie ein schatte, den man nicht findt, wanckelbar, wetterwendig. Waldis psalter (1553) 261b (ps. 144). 2@bb) vom menschlichen herzen, gemüt, sinn, willen u. s. w. 'schwankend, unbeständig, wankelmütig': o herr Jesu! du hast mich gemacht nach dir, und mein hertz ist wanckelbahr, bisz es ruhet in dir Meyfart himml. Jerusalem (1630) 2, 217; giebt sie nicht mit leichtem schertzen, und mit wankelbarem hertzen einen um den andern hin? Neumark musik.-poet. lustwäldchen (1657) 398; also des hirten (Paris) muht sich wanckelbar erzaiget, und dan auf dise hand, dan zu der andern naiget. Weckherlin 2, 359 Fischer; das zeygt, das unser gmt ist licht und wanckelbar in alle schand. Brant narrenschiff 4, 23; wanckelbahr gemüthe, unbeständger sinnenflucht hasz-vermischte güte hält uns unter strenger zucht. Hammann anmerk. zur poeterey 213; die freünd aber ... hattend ein verwunderen ab dem wanckelbaren unstäten gemt Züricher bibel (1551) 3 Makk. P.; das wanckelbar gemt der weiber Wickram 1, 225, 11 Bolte; sein gemüth war wankelbar und neusinnisch Th. Abbt werke 2, II, 84; eines wanckelbaren gemüthes seyn Ludwig 2376; der menschen sinn ist wanckelbar Warnecke poet. versuch (1704) 332; sein (Konstantins) wankelbarer sinn selbst in glaubens sachen A. v. Haller tagebuch (1787) 1, 156; wanckelbarer sinn, animus multivolus Stieler 2432; ein jedes thier kan sattsamlich sein hertz-begehren stillen; der mensch allein verwirret sich in wanckelbaren grillen. Königsberger dichterkreis 122 neudr.; der will desz menschen ist wanckelbar Albertinus zeitkürtzer (1603) 10; die von gall entbrante (cholerici) von zornrührigen, die mit faulen feuchtigkeiten beladene (phlegmatici) von wanckelbaren thun und vornemen träumen Harsdörffer frauenzimmer gesprechsp. 1 H 8a; was ist wankelbahrer, als der menschen freundschafft? Butschky Patmos 139; doch war er (Heinrich VIII. v. England) mehr auf die unterhaltung seiner wanckelbahren liebe, als auf den unterhalt seiner soldaten bedacht v. Fleming vollk. teutsche soldat 319. 2@cc) von abstracten, besonders vom glück: den geferlicheyten des wanckelparen glücks ... so offt nicht zuounderwerffen Theuerdanck zueignung; ob das glück dich schon zum knecht gemacht, es kan dich auch noch wol zum herren machen, dann es wanckelbar ist, ja ein herr über deinen herren Petrarche trostbücher 115b; ist under allen fürsten deutscher nation kainer gewest, der das wankelbar glück und den unfahl also, wie er, erfaren hab Zimmerische chronik2 3, 541, 17; dasz das glück so wanckelbar, dem gibts, dem andern nimpts buch der liebe (1587) 196a; fürwahr das glück ist sinwel und wanckelbar, verkehrt sich bald Lalebuch (1597) 23; so ist doch im hohen standt das glück wanckelbar und tückisch Albertinus verachtung des hoflebens 19a; seine wohlfahrt ... dem unbeständigen und wankelbahren glükke anvertrauen Butschky Patmos 618; also das glück ist wanckelbar. H. Sachs 2, 95, 5 Keller; wiewol die ebb und fluth des wanckelbaren glückes hat sonderlich mit uns ihr wildes wellen-spiel. Wiedemann gefang. mai 67; ewig wanckelbares glücke! Gryphius (1698) 1, 42 (Leo); wie er ... dem wanckelbahren glück, durch klugheit, gräntzen setzt und sich sein wohlergehn mit eignen händen baut. Canitz ged. 145. vom unglück: da wurden sie etwan durch ungeschickt oder durch das wanckelbar unglück verkundschafft, das der könig Eudonius iren willen ward innen. derhalben liesz er sie fahen Schumann nachtbüchlein 68, 2 Bolte; dasz das unglück im kriegen eben so wankelbar sei als das glück Opel u. Cohn 30 jähr. krieg 384. vgl. auch: glück und ünglück zu dieser zeit führen einen wanckelbaren streit. Gartner dict. prov. (1591) 47b. von andern abstracten: wie kurtz, wie wankelbahr ist doch die lust auff erden! Rist Parnass 690; o wanckelbare freud! ich glaube was ich wil, und leider! sonder grund! Gryphius (1698) 1, 107 (Katharina); wer wolte nun den staat so übergroszer ehren, die wankkelbare pracht ihm wünschen und begehren. Rachel 78 (6, 522) neudr.; wer wissen will was die welt ist, was dʒ vilköpffig thier, der gmein bofel, sein wanckelpare art abconterfeyt, wie ein unsinnig rasend seüwisch wild vich er sey, der findt da allerley auffruor S. Franck chronica vorr. 95a; menschen lere ... ungewis, unbestendig, unsicher und wanckelbar, da nichts hinder ist Luther 23, 569, 9 Weim. ausg.; der glaube ist wanckelbar und wandelbar, aber gottes wort bleibt ewiglich 26, 172; ob es (gottes wort) ouch wankelbar seye als des menschen wort Zwingli d. schriften 1, 55; zumahl es unlaugbar, dasz die orthographie oder rechtschreibung ... in oftmahliger ungewisheit und wankelbarem gebrauche beruhe Schottel ausführl. arbeit 186. 2@dd) von dingen: dasz einer sein hab und guot in ein kleines steinlin (eine perle) sol verschlieszen, das doch nicht bleibet, unstädt und wanckelbar ist Petrarche trostbücher 34a. vom mond, den gestirnen: ein jägerhorn trägt sie (Luna, der mond) auch frey, und ist gantz wanckelbar darbey. ganszkönig E 8a; wan mir die nacht, die uns ergötzet, mit wunder für die augen sötzet des wanckelbaren mohns unwanckelbaren glantz. Weckherlin 1, 318, 17 Fischer; sind doch die sterne und planeten, absonderlich der mond, zum theil selbst wanckel- und wandelbar, warum dann nicht offt ein mensch Simpl. 1, 310 (1, 2, 24) Keller (zusatz des commentators). noch jetzt bair. für 'fehlerhaft, schadhaft' (vgl.wankel [subst.] 2 c): das geschirr wird wankelbar Schmeller 2, 959.
8771 Zeichen · 125 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    wankelbarAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    wankelbar , Adj. Vw.: s. wankelbār*

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wankelbaradj, adv

    Campe (1807–1813) · +1 Parallelbeleg

    ✱ Wankelbar , adj . u. adv . sich, weil es wanket, wankel ist, hin und herbewegen lassend, und besonders, leicht hin und…

  3. modern
    Dialekt
    wankelbar

    Schweizerisches Idiotikon

    wankelbar Band 16, Spalte 665 wankelbar 16,665

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wankelbar

7 Bildungen · 4 Erstglied · 1 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von wankelbar

wankel + -bar

wankelbar leitet sich vom Lemma wankel ab mit Suffix -bar.

wankelbar‑ als Erstglied (4 von 4)

wankelbarig

DWB

wankel·barig

wankelbarig , adj. weiterbildung von wankelbar, auch im ndl. z. b. wankelbarig weer ( wetter ) Cornelisen en Vervliet Antwerpsch dialect 141…

wankelbarkeit

DWB

wankelbar·keit

wankelbarkeit , f. abstractbildung zu wankelbar, von Campe angeführt, in älteren quellen ( wol nur zufällig ) nicht belegt. das ndl. hat wan…

wankelbarlichkeit

DWB

wankelbarlich·keit

wankelbarlichkeit , f. abstractbildung dazu: wann einer sich am meisten der wanckelbarlichkeit desz glücks zu befürchten Zinkgref apophth. 8…

wankelbar als Zweitglied (1 von 1)

unwankelbâr

MNWB

° unwankelbâr , adj. : unverbrüchlich, „ dat syn radt vnwanckelbar ys / hefft he dar ein eedt thogedan ” (Bugenhagen-Bibel Hebr. 6, 17).

Ableitungen von wankelbar (2 von 2)

unwankelbâr

MNWB

° unwankelbâr , adj. : unverbrüchlich, „ dat syn radt vnwanckelbar ys / hefft he dar ein eedt thogedan ” (Bugenhagen-Bibel Hebr. 6, 17).

wankelbare

DWB

wankelbare , f. seltene abstractbildung zu wankelbar: inconstantia, levitas Maaler 483 d .

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APA
Cotta, M. (2026). „wankelbar". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wankelbar/dwb
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Cotta, Marcel. „wankelbar". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wankelbar/dwb. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wankelbar". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wankelbar/dwb.
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