wandersmann,
m. ,
wanderer. 11)
das wort gehört dem 16.
jahrh. an (
vgl. auch wandersleute),
im älteren nhd. kommt daneben wandermann (
oben sp. 1661)
vor. die form mit s
schlieszt sich wol zunächst an das masc. wander (
oben sp. 1646)
an. die wörterbücher des 16.
jahrh., auch Schönsleder,
führen das wort noch nicht an, häufig ist es im 17.
jahrh., um im 18. 19.
hinter das schon früher daneben vorkommende wanderer zurückzutreten: wandersmann, reisemann, wanderer Güntzel 831; wandersmann
et reisemann,
viator, peregrinus Stieler 1237; wanderer, wandersmann,
caminante, pellegrinante Krämer 1208
a; wandersmann,
voyageur, passager Rädlein 1028
b; wandersmann oder fuszgänger,
a way-faring man Ludwig 2330; wandersmann, wanderer,
voïageur, pélerin, passant Rondeau. Adelung (
oben sp. 1650). 22)
die bedeutung ist zunächst (
vgl. wanderer
sp. 1650
f.) '
der sich auf der wanderschaft befindet',
dann auch nur '
der einen weg (
zu fusz)
zurücklegt': ein wandersmann sein kleid verkehrt, wie das wetter und wind ihn lehrt.
Froschmeuseler Pp 2
a (III, 1, 6); wann nun fürgeht ein wanderszman. Spreng
Aeneis 31
b; denn wann etwa ein wandersmann hie musz füruber reysen. Dähnhardt
griech. dramen 1, 147 (
Euripides Alceste 2376); sie blieben auff der ban, die nicht, dem holtzweg gleich, den wandersmann verführet. Rompler v. Löwenhalt 109; der wandersman ermattet auff starck- und stäter reisz. Spee
trutznacht. 26; ein wandersmann, auf irr- und scheidewegen, steht mit dem wankel-sinn. Harsdörffer
frauenz. gesprächsp. 6, 203
a; ein kluger wandersman reist bei den morgenstunden. J. Grob
dicht. versuchgabe (1678) 43; dem wandersmann gehört die welt in allen ihren weiten. Rückert
werke 2, 516; wie die Lalen obgehörter maszen an ihrer arbeit gewesen, reiset ungefehr ein frembder wandersman (
in der überschrift: ein durchreisender landstreicher) daselbsten vorüber
Lalebuch 61; so helt er sich doch nit auff, sonder gedencket, das er ein wandersman und weit zu reisen vorhabens seye Albertinus
Gusman v. Alfarche 682; gleich wie ein sorgfältiger wandersmann oder fuszgeher ... nur zu wissen begehrt, ob er auff dem rechten wege sey
fürstl. lustgarten (1619) 1, 51; ein wandersmann ohne wissenschaft des weges, ist wie ein vogel ohne flügel
pers. rosenth. 8, 105; handelsmann, wandersmann ..., hauer und bauer, frag nicht mehr, warum dieses und jenes übel dich überfallen? Abr. a. S. Clara
Judas (1687) 1, 363. 33)
an den wandersmann
richten sich inschriften auf grabsteinen: mein wanders-man umb gottes will, geh nicht verbey, sondern steh still
Venusgärtlein (1656) 70
neudr.; steh! flüchtger wandersmann, betrachte diesen stein Reuter
Schelmuffsky 39
neudr.; disz magstu, wandersmann! von ihrem leben wissen. Heräus
ged. u. inschriften (1721) 175. 44)
verbindung mit adjectiven. müder wandersmann: ein müder wandersmann, bey so geschwindem krachen, nicht anders meynt, als dasz er schon dem tod im rachen. Gryphius
trauersp. 113
Palm (
Leo Armenius 5, 1, 91); (
ein körnchen) erwachset an einem baume, unter dessen schatten sich ein müder wandersmann erquicket C.
F. v. Moser
beherzigungen (1763) 134; er (
Alfred) war allein, da ein elender wandersmann vor die hütte kam v. Haller
Alfred (1773) 25. fliegender wandersmann
steht im 17., 18.
jahrh. für jemand, der (
eig. durch die luft)
in ferne gegenden reist (Rondeau
erklärt es durch '
juif errant'): Grimmelshausen, der fliegende wandersmann nach dem monde 1659 (
titel); wo wären denn diese vermeynten alten bergsassen hinkommen? sind sie mit den Hamelischen kindern ins gebirge hinein gefahren? oder mit dem fliegenden wandersmann nach Africa zu den troglodytischen zwärgen gezogen? Ch. Lehmann
Ober-ertzgebirge (1699) 189;
vgl.: die lufftspringer und fliegende wandersleute Prätorius
neue welt-beschreibung (1666) 2, 10. 55)
sprichwörtlich: der ist kein wandersmann, der noth nicht tragen kann. — ein wandersmann, der arm und leer, darf sich vor räubern nicht fürchten sehr Wander 4, 1779. 66)
das wort steht gern in vergleichen: je mehr ich den sachen nachsorge ..., je mehr finde ich euch ... vorzutragen. gleich einem wandersman, der nicht weisz, was ihm auff der reise vorfallen mag, bisz er auf dem wege ist Moscherosch
ins. cura parentum 72
neudr.; gleich einem wandersmann, ermüdet von dem wege, begeb ich mich zur ruh. Drollinger
ged. 75; o neues jahr, ich bin ja nie daheime, ein wandersmann durchzieh' ich ferne räume, es heiszt wohl so, es ist doch nicht mein haus. A. v. Droste-Hülshoff 1, 2, 59
Kreiten; ein mann der ohne weib ist, der lebt im haus, wie ein wanderszmann Lehmann 161, 44; die wilden schwein haben keynen gewissen stand, darumb pflegt man zu sagen, das es wie eyn wandersman und frembdling seie Sebiz
feldbau (1579) 590. 77)
während noch Adelung
das wort dem gemeinen leben zuweist, ist es jetzt in der gewöhnlichen sprache wenig mehr üblich, sondern hat einen alterthümlichen klang. man braucht es wol für jemand, der sich viel auf der wanderschaft befindet, zu reisen pflegt: dasselbe ungefähr würde ich thun müssen, wenn ich ein amtseifriger, auf das gesetz der reise-handbücher verpflichteter wandersmann wäre Steub
drei sommer in Tirol 2, 158; erst weiter im norden ist uns ... durch einen heldenmüthigen wandersmann, Mungo Park, ein hellerer blick in das innere des landes geworden Ritter
erdkunde (1822) 1, 256. 88)
nur zuweilen wird ein plur. wandersmänner
gebildet: wiewohl sie (
die erzählungen Dow's von den fakirn) im grunde wenig mehr sagen, als was andre ältere wandersmänner auch schon erzählt haben Wieland
suppl. 6, 111; jenen frommen wandersmännern Scheffel
Ekkeh. 443.