wanderer ,
auch gekürzt, namentlich in poetischer sprache, wandrer,
m., nomen agentis zu wandern.
das wort, das Lübben 553
a als mnd. anführt, kommt in der umgelauteten form wenderer
schon in einem thüringischen gedicht des 14.
jahrh. vor: waʒ ist der mensch? daʒ sage ... ein wenderer ane rast, aller stete ein gast.
Secundus 429 (
zeitschr. f. d. alt. 22, 396); waʒ ist ein schifman? der do sehet daʒ wetter an, des waszers und meres wenderer, der erden irforscher. 461 (22, 397).
im nhd. fehlt es noch in den auf dem alemann. beruhenden wörterbüchern des Dasypodius, Maaler, Dentzler,
sonst wird es allgemein angegeben: ambulator, wanderer. Diefenbach
gl. 29
b,
itinerarius, wanderer 311
a; wanderer,
viandante, passagiero Hulsius 273; wanderer, wandergesell,
peregrinator, viator Schönsleder
prompt. K k 5; wanderer,
alias wandersmann,
peregrinator, viator, peregrinus, pedes, pedester Stieler 2503;
auch Krämer, Ludwig, Kramer (1719), Rondeau (
nicht Rädlein)
führen wanderer
neben wandersmann
an. nach Adelung
kommt es nur '
in der edlern und dichterischen schreibart'
vor, '
wofür im gemeinen leben wandersmann
üblich ist'.
jetzt ist wanderer
das gewöhnliche wort, während wandersmann
mehr als alterthümlich und poetisch empfunden wird. in übertragenem sinn kommt nur wanderer
vor, wie auch nur an dies sich präpositionelle bestimmungen (
z. b. wanderer durchs leben)
anschlieszen können. bedeutung. 11)
im älteren nhd. bezeichnet wanderer
überwiegend jemand, der sich auf der wanderschaft befindet, der fern von seiner heimat weilt: weil man sagt, in dieser dafern herberg man umb goz willen gern ellende wandrer spat und frw und geb auch ainem gelt darzw ... aus dieser ursach kum ich (
der fuhrmann) her: ich, der elendest wanderer. H. Sachs
fastnachtsp. 13, 25
Götze; eilend mit umgegürten lenden, und stäb wie wandrer inn den händen. Fischart
dicht. 2, 295, 13
Kurz; draussen muste der gast nicht bleiben, sondern meine thür thet ich dem wanderer auff
Hiob 31, 32; ein pilgerim heist ein wanderer, der ein land durchreiset Luther 34, II, 112, 34
Weim. ausg.; die wanderer, so ferne land durchreysen, landtfarer, stertzer Nas
das antipapistisch eins und hundert (1557—69) 4, 179
a; der wanderer (
vorher: landstreicher oder lotterbub) Kirchhof
wendunmuth 1, 236
Österley; so die wanderer in den gemeinsamen herbergen einkehren Xylander
Polybius (
Basel 1574) 80;
bildlich: also ist auch die liebe biszweilen kranck und betrübt aus verlangen ... ein wanderer; biszweilen ein stoltzer reicher G. Treuer
deutscher Dädalus (1675) 1, 365.
auch im nhd. tritt diese bedeutung noch auf: hier bin ich wandrer, bürger nicht! Schubart
ged. (1825) 1, 83. '
reisender in fremden landen': pyramiden sanken! der wanderer findet trümmer nur noch! Klopstock 1, 216 (
unsere fürsten); so ist doch der gedrängte vortrag dieses weitausgreifenden wanderers (
Marco Polo) höchst geschickt das gefühl dés unendlichen in uns aufzuregen Göthe 7, 185
Weim. ausg.; ich wanderer raffe auf was ich kann ... ich thue die augen auf so weit ich kann und greife das werk von allen seiten an
briefe 8, 135 (1787
aus Rom). wanderer
kann auch jemand sein, der zu wandern pflegt, viel unterwegs ist: (
die handwerksgesellen) wöllen zu nacht bey dem wein grosz wanderer sein Schumann
nachtbüchlein 40
Bolte; denken wir ihn aber, dasz er (
Hercules) als muthiger wanderer den thyrsus, die blumenkränze und weinkrüge der lockenden wollust verschmähe Göthe 49, 137
Weim. ausg.; die inselnatur aller dieser länder macht die bewohner zu schiffern und zu wanderern Ratzel
völkerkunde 2, 101; wegen seiner (
Göthes) häufigen wanderungen ... hiesz er ihnen (
den Darmstädter freunden) der wanderer oder pilger Bielschowsky
Göthe 1, 149. 22)
gewöhnlich ist aber jetzt wanderer
nur der, der (
zunächst zu fusz)
einen weg zurücklegt, um ein ziel zu erreichen: ein wanderer ist leicht gefunden: aber ein spaziergänger ist schwer zu treffen Lessing 12, 541; des wegs gewandte krümmungen zeigen seitwärts jetzo den schattenden hang. dort sehen sie langsam einen wanderer kommen. Klopstock 5, 265; vier hohe warten haben sie erbaut, die stadt zu überragen; oben späht graf Salsbury mit mordbegier'gem blick, und zählt den schnellen wandrer auf den gassen. Schiller 13, 182 (
jungf. v. Orl. prol. 3); auf dieser bank von stein will ich mich setzen, dem wanderer zur kurzen ruh bereitet. 14, 390 (
Tell 4, 3); Rechberger war ein junker keck, der kaufleut und der wanderer schreck. Uhland
ged.2 329. wanderer
steht gern mit einem bestimmten gefühlswert mit rücksicht auf die gefahren, die er bestehen musz, auf die mühsale, die er zu erdulden hat; beliebt ist die verbindung der müde wanderer: o wandrer, sich dasz du nit werst betrogen. Zinkgref
auserles. ged. 5
neudr.; so eilt ein wandrer fort, was regen, schnee und nord ihm auch für händel machen.
Königsberger dichterkreis 280
neudr.; wie du einen wanderer, der, zueilend der gattin, und dem gebildeten sohn, und der blühenden tochter, nach ihrer umarmung schon hinweint, du den, donner, ereilst. Klopstock 1, 28 (
an Ebert); aufgeschwollener strom, woher? wie kommest du hierher? und verschwemmest so stolz brausend dem wandrer den weg? Herder 26, 20
Suphan. der wald und der wanderer. »komm, o komm in meine schatten, in der ruhe aufenthalt, wanderer der heiszen strasze, wo dein herz unruhig wallt.« 29, 198; wenn hinauf der nebel strömt am hügel, durch die ebne rasselt nordwinds flügel, und in mitte seiner fahrt der wanderer erstarrt! Schiller 1, 266; wenn auf dem schmalen stege der wandrer bebt. Göthe 1, 58
Weim. ausg.; viel der stürme harren des jünglings noch, der falschen gruben viele des wanderers. Hölderlin 1, 91
Litzmann; gleich den irrwischen, ..., die den wandrer in den sumpf locken Klinger
werke (1809—16) 3, 26 (
Faust); wie der wanderer in den schatten, so eilte meine seele nach diesem schutzort Göthe 22, 305
Weim. ausg.; wie die sonne sich durch gewitterwolken hervordrängt, wonniglich dem schauernden wanderer Fr. Müller 1, 352; ihn an der fronte eines heeres zu erblicken, das in der heiligen stille der wälder residiret, und dem müden wanderer seine reise um die hälfte der bürde erleichtert Schiller 2, 19 (
räuber 1, 1
schauspiel); der baum, den du mit dem willen setztest, dasz der ermüdete wanderer in seinem schatten ruhe
fürst Pückler
briefwechsel u. tageb. 1, 128. räuber und wanderer,
ein bekanntes knabenspiel: wir waren ihm einmal im park begegnet, ein rudel stadtkinder, mit groszem halloh und querwaldein; jagd und »räuber und wanderer« waren unsere liebsten spiele Heyse
kinder der welt 1, 195.
an den wanderer
richten sich inschriften, die auf leichensteinen an der strasze stehen: steh stille wanderer,
arrête passant. nouv. dictionn. (1762) 704
b; hier liegt — steh wanderer, und schau! Schubart
ged. (1825) 3, 133; 'wandrer, es ruhet hier weiland schiffer Euphorion'. Herder 27, 28
Suphan; einsame wüste! kein leichenstein gebe dem wandrer zu lesen, wer ich einst war. J.
F. v. Cronegk
schriften (1766) 2, 46. 33) wanderer
kann auch von dem stehen, der zu rosz oder auf dem meer eine reise zurücklegt: ein theil der müden wandrer (
der fahrenden schauspieler) bequemte sich auf dem fuszboden Göthe 21, 256
Weim. ausg.; der hagre klepper, den er ritt, und die burleske wahl seiner kleidungsstüke ... kontrastierte seltsam genug mit einem gesicht, worauf so viele wüthende affekte ... verbreitet lagen. der thorschreiber stuzte beim anblick dieses seltsamen wanderers Schiller 4, 83; welcher unendliche zauber für den seemüden wanderer allein nur in dem kleinen wörtchen land verschlossen liegt Gerstäcker
ges. schriften 2, 11; der wandrer, der auf wüstem meer nur luft und wasser sieht umher. Geibel 2, 60. 44)
in bildlichen wendungen: du wilt ein wenig schlaffen und ein wenig schummern, und ein wenig die hende zu samen thun, das du rugest. aber es wird dir dein armut komen wie ein wanderer, und dein mangel, wie ein gewapneter man
sprüche Salom. 24, 34: er (
Philoktet) kommt wieder zu sich! er erholet sich! aber die krankheit kommt, wie ein verirrter wandrer wieder Herder 3, 15
Suphan. 55)
übertragener gebrauch: wir wollen uns das vergnügen machen die beiden wandrer (
Klotz und Addison in ihren büchern über münzen) neben einander traben zu sehen Herder 3, 386
Suphan; wie sterne glänzen die wenigen, die diesen auszeichnenden ruf verstanden, in der unendlich-dunkeln wolkennacht gewöhnlicher regenten und erquicken den verlohrnen wandrer auf seinem traurigen gange in der politischen menschengeschichte 13, 386; in der festen überzeugung, dasz kein andrer weg zur wahrheit führe, auszer demjenigen, den diese herren selbst wandeln, halten sie sich berechtigt zu lachen, sobald sie einen einsamen wanderer auf einem nebenpfade erblicken G. Forster
sämmtl. schr. (1843) 6, 31. 66)
besonders von der wanderung durch das menschliche leben: das die christen hie auff erden als geste und wanderer leben Luther 23, 662, 1
Weim. ausg.; ja wohl bin ich nur ein wanderer, ein waller auf der erde! seyd ihr denn mehr? Göthe 19, 112
Weim. ausg.; der wandrer auf der erde, die schnell vorübergehende ephemere, kann nichts als die wunder dieses groszen geistes auf einem schmalen streif anstaunen Herder 13, 255
Suphan; ernst begleiten ihre (
der glocke) trauerschläge einen wandrer auf dem letzten wege. Schiller 11, 313; sein stab und anker war Christus; darauf lehnte und stützte er sich, nicht achtend des zerbrechlichen rohrstabs, den ... so manche journalisten und ihre vor- und nachbether dem wandrer durchs leben anbieten I.
M. Miller
gedichte (1783),
anhang 455; der seeligkeit bereitet dem wandrer auf der rechten bahn Becker
Mild. liederb. (1799) 7; seid uns gesegnet, Christi degen, ihr wandrer auf des himmels wegen. A. v. Droste-Hülshoff 2, 57
Kreiten. 77)
von thieren: der lux ist auch eyn wanderer, von eynem berg zu dem anderen, inn hohen gebürgen und auff den ebenen Sebiz
feldbau (1579) 569; ein leiser traber — ein schmuckes thier — ein unermüdeter wanderer! A. v. Droste - Hülshoff 1, 251
Kreiten; in der zwischenzeit sieht man keinen dieser wanderer Homeyer
wanderungen der vögel 220; wie immer der vogel reisen möge, ob als ziehender wanderer oder landstreicher Brehm
thierleben2 4, 33.
von wandernden insecten: alle wände voll scheuszlicher gelber wanderer (
maden) Arndt
werke (1892) 1, 159. 88)
von unbelebtem: warum, du unsichtbarer wandrer, der du Loras distel beugst, warum o lüftchen des thals, verlieszest du mein ohr? Bürger 281
a (
Ossian).
der mond wird der wanderer der nächte
genannt. 99) wanderer aus Portugal,
le passant de Portugal, heiszt eine neu eingeführte birnensorte.